Wir warten – Neues Kassen- und Bezahlsystem in der Cafeteria im Phil. I.

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Es ist ein Bild des Grauens für viele Studenten, dass sich Sandra am Montagmittag zeigt. Wie immer hat sich eine lange Schlange am Café Phil im Hörsaalgebäude A am Philosophikum I gebildet. Die Leute drängen sich an den Ausgaben und suchen sich ihren Snack und Getränk für zwischendurch. Manche dabei effizienter als andere. Danach geht es erst einmal zur Kasse, was dann jedoch auch wieder dauern kann. Gestresst und entnervt schaut Sandra auf ihr Smartphone. In 15 Minuten würde ihr nächster Kurs beginnen. Sie hat ihre Snacks in einer Hand und hält mit der anderen Hand ihren Studentenausweis bereit. Wenn man an der Reihe ist geht es für gewöhnlich doch sehr schnell. Die Kassiererin gibt ein, was man sich ausgesucht hat, man legt den Studienausweis oder die MensaCard an das Lesegerät und der Betrag wird abgebucht. Dabei muss die Germanistikstudentin nur darauf achten, dass genug Geld auf der Karte ist.

Doch an diesem Mittag scheint die Situation schlimmer zu sein als sonst. Die Schlange ist noch länger und das Bezahlen scheint eine Ewigkeit zu dauern. Sandra hört einen anderen Studenten hinter sich gereizt fragen, warum dass ganze solange dauern würde. Vor ihr seufzt ein anderer Student genervt. Sandra selbst steht bereits seit 10 Minuten in der Schlange und hätte sie keinen Hunger, würde sie wohl die Snacks weglegen und einfach zum Kurs gehen. Sie streckt ihren Hals und lehnt sich erst zu einer, dann zur anderen Seite, in der Hoffnung, erkennen zu können, warum es so lange dauert. Es sind noch drei Personen vor ihr an der Reihe, bevor sie endlich selbst an der Kasse steht. Sie hält ihre Karte hin, doch die Kassiererin verweist sie auf einen Zettel. „Nur noch EC-Karten oder Bargeldzahlung möglich” steht dort. Verwirrt packt Sandra ihre Studentenkarte weg. Sie hat Gott sei dank Bargeld dabei, sonst hätte sie wohl den Betrag von 1,40 € mit ihrer EC-Karte zahlen müssen. Scheinbar haben der Studienausweis oder die MensaCard im Café Phil vorerst ausgedient.

Entnervt von dem ganzen Gewarte und dem neuen Bezahlsystem nimmt Sandra das Wechselgeld entgegen. „Was halten sie denn von diesem System?” fragt sie die Kassierin. „Es ist gewöhnungsbedürftig aber nicht schlecht. Wenn wir geübt sind, wird es dann auch schneller gehen. In einem Monat vielleicht.” erklärt sie kurz. Sandra wünscht ihr daraufhin noch einen schönen Tag bevor sie zu ihrem Seminar eilt. Auf ihrem Weg trifft sie auf Johanna und Stefan. Die beiden hatten zuvor frei und konnten sich in aller Ruhe am Café ihre Getränke holen. Die drei Studenten machen ihrem Ärger Luft. Es sei lächerlich einen Betrag von 30 Cent mit der Girocard zu bezahlen. „Wann haben die das überhaupt eingeführt?” fragt Johanna ihre beiden Kommilitonen. Stefan holt daraufhin einen Flyer aus seiner Hosentasche. „Der hier lag an der Theke ganz vorne aus. Hätte ich nicht nach den Tüten für die Brötchen gesucht, hätte ich ihn nicht mal gesehen.” erklärt er.

Auf diesem Flyer vom Studentenwerk wird erläutert, dass es sich bei dieser Umstellung um ein Pilotprojekt handelt, in dem ein neues Bezahlungs- und Kassensystem getestet werden soll. Dieses Projekt startete bereits im Mai 2018. Durch diese Umstellung soll der Bezahlvorgang beschleunigt und verbessert werden. Möglich ist dies durch die kontaktlose Bezahlung durch den Near Field Communication (NFC)-Chip der Girocard, mit der wir uns immer häufiger im Alltag konfrontiert finden.

„Angeblich gibt es eine Stempelaktion.” erklärt Stefan und schaut Sandra und Johanna fragend an.„ Bei jedem Bezahlvorgang kann man Stempel sammeln und mit 10 Stempeln bekommt man ein gratis Heißgetränk in einer der Einrichtungen den Studentenwerks.” liest Stefan vor. Die Frage, ob sie einen Stempel bekommen haben, verneinen die beiden Studentinnen.

Wie auch Sandra, Johanna und Stefan sehen viele andere Kunden am Café Phil diese Umstellung alles andere als positiv. „Es ist unnötig” erklärt eine andere Studentin. Ihr erschließt sich nicht, warum man diesen Aufwand betreibt. Denn durch die Umstellung kommt es zu größeren Verzögerungen im Bezahlvorgang, unter anderem dadurch, dass das Personal noch eingearbeitet werden muss. „Mit der Studentenkarte war es ein geschlossenes System.” erklärt sie weiter. Damit verweist sie auf eine Gefährdung und die Sicherheit von Daten hin.

Die Germanistikfachschaft, zu der Sandra auch gehört, hat kurz nach dieser Umstellung beschlossen mit den anderen Fachschaften eine geschlossene Stellungnahme zu dieser Umstellung zu verfassen. Doch bevor diese fertig gestellt werden konnte, gab es eine Reaktion von der offiziellen Seite. In dieser offziellen Stellungnahmen werden Infortmationen mit den Fachschaften geteilt, die das Ganze in ein anderes Licht rücken.

Die Firma die das alte Kartensystem zur Verfügung gestellt hat, hat dieses System eingestellt. Dies hat zur Folge, dass es keine Upgrades mehr gibt und das System aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden kann. Aus diesem Grund muss ein Ersatz gefunden werden. Jedoch gibt es nur zwei Firmen, die solche geschlossene Systeme anbieten. Diese Systeme müssten auf die Universität angepasst werden, was diese Millionen kosten würde. Daher wurde entschieden, das momentan getestete System als günstige Alternative in Betracht zu ziehen.

„Immerhin muss man sich jetzt keine Sorgen mehr machen, nicht genug Geld auf der Karte zu haben oder dass die Automaten mal wieder nicht funktionieren.” erklärt Sandra anschließend. „Außerdem, vielleicht wird es ja später wirklich schneller, wenn das Personal eingearbeitet ist.” fügt sie mit einem Schulterzucken hinzu. Sie kann durch die neuen Informationen nachvollziehen, warum es diese Umstellung gibt. „Es wäre nur schön, wenn das von vornherein so erklärt worden wäre.” meint die Germanistikstudentin und steht mit dieser Meinung nicht alleine da.

Schlussendlich wird sich der Erfolg des Pilotprojekts und die Einführung des neuen Bezahlsystems  noch zeigen müssen. Momentan stößt es bei vielen aus unterschiedlichen Gründen noch auf Ablehnung, aber vor allem aus einem Mangel an Informationen.

Dieser Bericht entstand im Rahmen eines Seminars während des letzten Sommersemesters. 

 

Christina Schwarz