13 Feb

Valentinstag – Liebe oder Lörres?

Kerzen, Rosen und Kino, so stellt man sich den klischeehaften Valentinstag vor. Wer allerdings noch keine Idee hat, wie man den Tag am besten verbringt – ob alleine, mit seinem Partner oder seiner Partnerin – kann sich ganz leicht durch Jodel inspirieren lassen. Aber was genau ist eigentlich dieses Jodel und wie verbringt man denn nun, laut Jodel, seinen Valentinstag?

Ich jodel das mal“ – ein Satz der heutzutage wohl einige verwirrt.
Die Vorstellung vieler: man steht im Dirndl auf der Alm und singt Holadaittijo.
Die Realität: man schreibt irgendeinen lustigen Stuss, stellt Fragen, oder postet Bilder.

Mit Jodel ist eine App gemeint – ähnlich wie Twitter, nur vollkommen anonym. Hier tauschen sich, meistens Studenten, ganz ungehemmt und unverblümt über alltägliche Dinge aus, reden über Probleme und Geheimnisse oder schreiben Dinge nieder, die ihnen gerade in den Sinn kommen. Lesen kann die Posts jeder App-Besitzer in einem Radius von circa zehn Kilometern. Von lustigen Zitaten aus Vorlesungen bis hin zu Schneebildern wird grundsätzlich alles gejodelt. Müsste man Kategorien der Jodel bilden, wären die Top 3: Katzenfotos, Sex und Uni. Offen und humoristisch wird mit allen Themen umgegangen. Ein Beispiel: „Meine Mutter will wissen von welcher Marke das schöne Geschirr in der WG ist. Gibt es da Ansprechpartner in der Mensa?“

Ehrlicher als Facebook

Die Beliebtheit eines Jodels wird mit der Up- und Downvote Funktion reguliert. Diese dient gleichzeitig als Kontrolle der Inhalte, denn nach fünf Downvotes verschwindet ein Post. Zusätzlich sorgen, von der App ernannte Moderatoren, dafür, dass rassistische oder sexistische Jodel gelöscht werden.

Wohingegen es bei Plattformen wie Facebook oder Instagram um die reine Selbstdarstellung geht und man der Welt Fotos von der vierwöchigen Backpacker Tour durch Australien präsentiert, oder den allmorgendlichen „Spinat-Kokos-Chia Samen-Smoothie“ postet, bietet Jodel mit seiner Anonymität einen ganz neuen Zugang zur Social Media. Eine Atmosphäre vermeintlicher Ehrlichkeit wird geschaffen. So wird auch einmal davon berichtet, dass man eben kein Geld hat, um in den Urlaub zu fahren, oder man sich während der Prüfungsphase einen Cheesburger zum Frühstück gegönnt hat. Dinge, die uns allen bestimmt schon einmal passiert sind und uns deshalb so viel aufrichtiger vorkommen als das fingierte Leben auf anderen Plattformen. Wie ernst gemeint die Jodel sind, weiß man natürlich nicht, aber es muntert einen zumindest auf, wenn man mitverfolgen kann, dass es bei anderen auch nicht immer so perfekt läuft, wie auf Facebook gezeigt wird.

Tipps für den Valentinstag

Um besser mit der Jodel-Community kommunizieren zu können, haben sich mit der Zeit gewisse

Rosen, Kerzen … wir wissen ja wohin das führt

Abkürzungen entwickelt: „jhj“ – Jodler hilft Jodler, oder „dlrh“ – den Lörres reinhämmern, also miteinander schlafen. Dlrh fungiert quasi als Universalantwort auf alle möglichen Fragen, mal mehr oder weniger ernst gemeint. Häufig wird in der Kommentarfunktion nach dem Messenger-Dienst „kik“ gefragt, vor allem wenn der Jodler oder die Jodlerin angibt angeblich #w21 zu sein. Im Großen und Ganzen scheint Jodel irgendwie auch das neue Tinder geworden zu sein. Passend, wenn man an den bevorstehenden Valentinstag denkt. Der Valentinstag wird auf Jodel natürlich gründlich diskutiert. Ratlose Männer fragen nach Geschenkideen, oder nach einem schönen Lokal, in welches man seine Freundin ausführen kann – am meisten Upvotes bekam hier McDonalds. Andere freuen sich darüber, dass nach dem Valentinstag die hübsch verpackte Schokolade endlich nur noch die Hälfte kostet.

Ein beliebtes Ausflugsziel am Valentinstag ist und bleibt das Kino – und was würde sich da dieses Jahr nicht besser anbieten als den zweiten Teil von „Fifty Shades of Grey“ zu schauen. Über Jodel wurde sich im Kollektiv im Kino verabredet, um alle diejenigen Kerle auszulachen, die von ihren Freundinnen dazu gezwungen wurden sich den Film anzusehen. Ob es wirklich dazu kommt, wer weiß!

Schnaps am Tag der Liebenden

Alternativ kann man den Tag natürlich gemütlich zuhause auf dem Sofa verbringen, zumal im Fernsehen zum Glück ja auch noch Champions League läuft.

Fragt man nach allgemeinen Valentinstagsbräuchen der Jodel Community so wäre es nicht Jodel, wenn nicht mindestens einmal „dlrh“ gepostet würde. Am meisten Upvotes bekam allerdings die Antwort „Ignorieren“, dicht gefolgt von „Schnaps.“ Tatsächlich scheinen viele auf der Suche nach Leuten zu sein, mit denen man sich den Valentinstag schön trinken kann – das zeigen zumindest die zahlreichen Posts. Neben Alkohol stehen Süßigkeiten hoch im Kurs – ob Schokoeis oder generell Süßigkeiten, am besten noch gepaart mit Weltuntergangsfilmen. Überall kommt der Valentinstag also nicht gut an. Und das spiegelt sich auch in den Jodeln wieder. Mit einer gewissen Frustration und gleichzeitiger Ironie wurde bei den Bräuchen auch „Single sein“ angegeben.

Wenn man es allerdings darauf anlegt ein Date am Valentinstag zu haben gibt es da bestimmt irgendwen den man nach „kik“ fragen könnte. Und wenn nicht? Ist ja auch nicht schlimm! Man hat ja noch den Rest der Jodel Community um den ganzen Tag über die Vor- und Nachteile des Valentinstags zu philosophieren, oder eben die Freunde außerhalb der App!

Ein Bericht von Luisa Kreiling

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