SERIE: Was wir lesen – „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“ herausgegeben von Scarlett Curtis

Feminismus ist seit #MeToo in der Gesellschaft angekommen. Die Film- und Fernseh- sowie die Musikindustrie (Danke Beyonce!) haben diesen nun auch fest in unsere Popkultur etabliert. Aber wie positiv ist das eigentlich? Verwässert das nicht den eigentlichen Sinn? Auch die Fragen „Wie hat ein*e Feminist*in zu sein“, bzw. „Für wen ist dieser Feminismus eigentlich?“ stehen im Raum. Auf diese Fragen versucht der Essay-Band „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“, herausgegeben von der US-amerikanischen Autorin und Aktivistin Scarlett Curtis, eine Antwort zu finden. Sie lässt Frauen* (und Männer*) allen Alters und aller Situationen zu Wort kommen, die nicht nur ihre eigenen Geschichten erzählen, sondern auch in den Kontext FEMINISMUS einbetten. Themenschwerpunkte sind hier beispielsweise (weibliche) Sexualität, Geburtserfahrungen, Arbeitserlebnisse sowie der eigene Weg zum Feminismus. Alle Beiträge sind persönliche, subjektive Gedankengänge, dementsprechend sind auch die Darstellungsformen divers und kreativ: Es finden sich Interviews, Poesie, Listen aber auch Briefe und Essays in allen Längen und Kürzen.

Das Buch gliedert sich in verschiedene Überthemen, darunter ZORN, FREUDE, ERLEUCHTUNG oder AKTION. Dort findet sich dann, thematisch passend zu dem jeweiligen Überthema, eine verschiedene Anzahl an Beiträgen. Zum Schluss folgt, neben der Vorstellung der feministischen Lektüre-Plattform „Our shared shelf“, auch noch ein Bereich für eigene Gedanken und Notizen. Da die einzelnen Beiträge thematisch nicht voneinander abhängen, kann einfach, je nach Interessenlage, „queergelesen“ werden. Und keine Angst: Auch wenn Begriffe wie „Gläserne Decke“, FGM oder Patriachat noch gänzlich unbekannt sind, muss niemand auf das Lesen und Verstehen verzichten. Das Buch erläutert ausführlich wichtiges Vokabular und gibt (Literatur-)Tipps, falls Mann/Frau an einem Themenbereich besonders großes Interesse hat.

Beiträge, die ich als besonders empfehlenswert empfunden habe, sind folgende:

BRIDGET JONES – FEMINISMUS ZUM FRÜHSTÜCK von Helen Fielding

Die Autorin schlüpft in die Rolle ihrer wohl bekanntesten Figur und erläutert im klassischen Tagebuchstil Bridgets Gedanken zu feministischen und weiblichen* Themen im Alltag. Sehr humorvoll geschrieben, besonders geeignet für Leser*innen, die mit „leichter Lektüre“ auf persönlicher Ebene beginnen möchten.

MEINE VERSION VON FEMINISMUS von Alison Sudol

Die Schauspielerin und Sängerin adressiert in ihrem Beitrag die Schwierigkeit, sich selbst als Feminist*in zu bezeichnen, woher die damit einhergehende Reserviertheit kommt und warum das Internet hierbei eine tragende Rolle spielt. Hier werden sich wahrscheinlich viele wiederfinden, denn die Aussage „Ich würde mich zwar nicht als Feminist*in bezeichnen, finde aber, dass die Gleichberechtigung aller Geschlechter selbstverständlich ist“, haben mit Sicherheit schon viele gehört oder gedacht.

 

FEMINISTISCHE ERWIEDERUNGEN von Scarlett Curtis

Dieser Beitrag ist sowohl für fortgeschrittene Feminst*innen als auch für fortgeschrittene Gegner der Bewegung bestens geeignet. Die Herausgeberin beantwortet und entkräftet in diesem Beitrag mit Witz die Fragen und Aussagen, die jede*r Feminist*in schon mal zuhören bekommen hat. Darunter Klassiker wie „zu viel Political Correctness zerstört unser Zusammenleben!“ oder „können denn auch Männer Feministen sein?“.

 

Natürlich drängt sich bei Büchern über kontroverse Thematiken immer das „Problem“ auf, für wen solche Bücher eigentlich geschrieben werden. „Problem“ in Anführungszeichen, weil es eigentlich und uneigentlich kein Problem gibt! Meiner Meinung nach gehört dieses Werk in jeden guten Bücherschrank, einfach weil es das Thema auf menschliche Art und Weise behandelt und für Problematiken sensibilisiert. Ich schreibe extra nicht, „jede*r, der/die sich für diesen Bereich interessiert“, denn wie Scarlett selbst sagt, geht diese Situation alle etwas an, weswegen das Interesse viel größer sein sollte. Nicht jede*r möchte seinen/ihren Horizont erweitern, trotzdem geht probieren über studieren! Beiträge wie Kira Knightleys Geburtsbericht erscheinen kontrovers, stoßen aber wichtige Diskurse an und eröffnen neue Perspektiven. Natürlich leitet das Buch keine wissenschaftliche Analyse oder zeichnet ein ganzheitliches Bild von Feminismus. Aber das soll es auch gar nicht. Es wird auch im Buch mehrmals betont, dass es eigentlich keinen allgemeinen Feminismus gibt, es sollte eher von verschiedenen Feminismen gesprochen werden, da Menschen divers sind und mit verschiedenen Formen von Diskriminierung zu kämpfen haben.

Deswegen finde ich auch den deutschen Titel „The Future is Female!“ unpassend gewählt. Das Buch versucht mit Vorurteilen aufzuräumen, indem es Intersektionalität in den Mittelpunkt stellt. Der englische Titel „Feminists don’t wear pink and other lies” fasst die Intention der Herausgerberin und ihrer Autor*innen besser zusammen, denn die Zukunft ist eben nicht nur weiblich, genauso wie sie ebenso wenig nur männlich ist.

Und um abschließend die anfangs aufgeworfenen Fragen aus meiner eigenen Perspektive zu beantworten: Feminist*in kann jede*r sein, Hauptsache euer gelebter Feminismus ist intersektional. Pink ist kein Geschlecht, Pink ist eine Lebenseinstellung!

 

Von Danielle Dörsing




SERIE: Was wir lesen – “Weihnachtsbote auf vier Pfoten” von Sheila Roberts

Weihnachtsbote„Weihnachtsbote auf vier Pfoten“ von Sheila Roberts handelt von dem Streuner Ambrose, dem gerade so vom Feuerwehrmann Zach das Leben gerettet wird, ehe ein riesiger Hund ihn zum Frühstück verspeisen kann. Der selbstbewusste Kater sieht sich seinem Helfer nun verpflichtet und möchte seine Schuld bei ihm begleichen, egal ob der junge Mann das will oder nicht. Denn Zach würde den herrenlosen Kater gerne wieder loswerden, da er weder Zeit für noch Lust auf ein Haustier hat.

Ambrose lässt sich jedoch nicht so leicht abschütteln, sobald er sich etwas vorgenommen hat. Schnell hat er auch herausgefunden, wie genau er Zach helfen möchte: Er will den Feuerwehrmann mit der freundlichen Verkäuferin aus der Zoohandlung zusammen bringen, die seiner Meinung nach nicht nur ein toller Mensch ist, sondern auch perfekt zu Zach passt.

Wer zur Winterzeit richtig in entspannte, lauschige und romantische Weihnachtsstimmung kommen möchte, der sollte vor und kurz nach Weihnachten auf jeden Fall zu diesem Roman greifen. Auf humorvolle, süße und spannende Art erzählt er eine Liebesgeschichte aus der Sicht eines intelligenten, stolzen, von sich selbst überzeugten, witzigen Katers. Leider gerät er dabei immer wieder in Situationen, die ganz anders geplant waren oder die zuerst gut laufen, dann aber ungeahnte Folgen entwickeln. Es ist schließlich auch nicht einfach, zwei Menschen zusammen zu bringen, wenn man sich weder besonders gut mit den menschlichen Eigenheiten auskennt, noch von diesen komplizierten Wesen verstanden wird. Aber Katzen sind nicht umsonst für ihre Sturheit bekannt und Ambrose ganz besonders.

Irina Gildt




SERIE: Was wir lesen – “Die Zwerge” von Markus Heitz

“Die Zwerge” ist das erste Buch der gleichnamigen Fantasy-Reihe und wurde 2003 von Markus Heitz geschrieben.
Die Geschichte spielt im geborgenen Land, das von den Geschöpfen der Finsternis befallen wird und nur durch die steinernen Tore, die durch die Zwerge bewacht werden, noch geschützt ist. Als die Tore nicht mehr gehalten werden können, bricht die Finsternis über das Land. In dieser unsicheren Zeit wird der Zwerg Tungdil, der bei einem mächtigen Magier aufgewachsen ist und noch nie Kontakt zu anderen Zwergen hatte, auf eine Botenreise geschickt und trifft zum ersten Mal in seinem Leben auf Seinesgleichen und auch auf die Auswirkungen, die die Finsternis schon auf das geborgene Land hat.

Der Roman besteht aus mehreren Erzählsträngen und verbindet so die vielen verschiedenen Charaktere,die sich auf unterschiedlichste Weise gegen die Finsternis wehren. Allerdings kann die Vielzahl an Charakteren am Anfang etwas erschlagend wirken, da man die vielen Namen erst einmal zuordnen muss. Ist der Einstieg in das Buch gelungen, findet man sich in einer schönen detailreichen Welt, meist aus der Sicht eines naiven Zwerges, wieder und erfährt, genau wie er, Einiges über die einzelnen Zwergenstämme, ihre Unterschiede und ihre Lebensweise.
Allerdings geht es nicht nur um Zwerge, sondern um alle Bewohner des geborgenen Landes, die mehr oder weniger in Frieden zusammenleben, jedoch alle durch den gemeinsamen Feind das gleiche Schicksal teilen.

Wer also kein Problem mit einer größeren Anzahl an teilweise ähnlich klingenden Namen hat und einem schönen Fantasy-Roman nicht abgeneigt ist, dem kann ich “Die Zwerge” nur empfehlen, auch wenn ich das Buch erst recht spät entdeckt habe, freue ich mich schon darauf die Fortsetzung “Der Krieg der Zwerge” zu lesen.

Kim Zimmerschied




SERIE: Was wir lesen – „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ von Sophie Seeberg

In „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ von Sophie Seeberg dreht sich alles um die Menschen, denen sie in ihrem Beruf als Psychologin für das Familiengericht begegnet. Da gibt es beispielsweise „Mischael“, der nach der Trennung von seiner Frau wieder bei seiner Mutter eingezogen ist und nun das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder haben will, da seine Mutter nicht müde wird zu betonen, dass „der Mischael“ das alles „ganz wunderbar alleine“ könne.

Oder die 18-jährige Nicole, die ihre Tochter nach der Geburt bei dessen Großmutter zurückließ um sich ihrem neuen Partner zuzuwenden, um nach Monaten zurückzukommen, um endlich mit dem Kind zusammenzuwohnen. Kümmern, wollte sie sich trotzdem nicht so wirklich um die Tochter, doch die ist – wie Nicole diagnostizierte – hochbegabt und verstünde es schon, dass ihre Mutter auch ein eigenes Leben habe.

                                                                        

Diese und weitere Fälle beschreibt Seeberg mal lustig, mal ernst, je nachdem, wie es gerade zur Geschichte passt. Obwohl die Thematik keinesfalls immer leicht ist – es ist schließlich für niemanden eine schöne Situation, wenn eine Familienpsychologin in die Familie kommen muss, um zu beurteilen ob Kinder möglicherweise von ihren Eltern getrennt werden müssen – gelingt es Seeberg mit einer ganz besonderen Mischung aus Humor und Einfühlungsvermögen immer wieder zu berühren. Auch wenn der Titel es vermuten lässt, entsteht zu keinem Zeitpunkt der Eindruck, die Autorin würde sich über diese Menschen lustig machen. Der Leser erkennt stets, dass Seeberg trotz aller Skurrilität am Wohl der Familien interessiert ist und so bleibt selbst bei den traurigsten Geschichten am Ende immer das Gefühl, dass alles wieder ins Lot kommen kann.

 

„Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ ist Sophie Seebergs erstes Buch und hat mit „Die Schanin hat nur schwere Knochen!“ und „Der Maik-Tylor verträgt kein Bio!“ mittlerweile zwei Fortsetzungen erhalten.




SERIE: Was wir lesen – “LOW” von Rick Remender

Der Comic LOW, geschrieben von Rick Remender (Secret Avengers, Venom, Deadly Class) und gezeichnet von Greg Tocchini (Last Days of American Crime, Uncanny X-Force) ist in ferner Zukunft angesiedelt. In der Welt von LOW hat die Sonne früher als von allen Wissenschaftlern vermutet, begonnen zu sterben und sich in Folge dessen auszudehnen. Diese Entwicklung hat das Leben auf der Erdoberfläche unmöglich gemacht und die Menschheit dazu gezwungen, sich unter die Wasseroberfläche zurück zu ziehen, während Sonden in den Weltraum ausgesandt werden, um einen bewohnbaren Planeten ausfindig zu machen. Jahrtausende vergehen und die Luft in den Unterwasserstädten neigt sich dem Ende zu. Dann kehrt eine der Weltraumsonden zur Erde zurück und Stel Caine begibt sich auf die gefährliche Reise zur Erdoberfläche, die seit Jahrtausenden niemand mehr betreten hat.

Im Vorwort beschreibt Remender seine besondere Beziehung zu dieser Geschichte. Sie sei in einer Zeit entstanden, in der sich in seinem eigenen Leben viel verändert habe. Vor allem habe er sich in Therapie befunden und sich darum bemüht, eine positivere Sicht auf das Leben zu entwickeln. Diese (erfolgreichen) Bemühungen hätten den Charakter der Protagonistin Stel massiv geprägt. Tatsächlich stellt ihr bedingungsloser Optimismus Stels zentrale Charaktereigenschaft dar. In einer hoffnungslosen Welt kämpft sie einen scheinbar verlorenen Kampf.

 

 

Der erste Band der Reihe LOW ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Der Leser lernt erst im Laufe der Geschichte, wie die Welt im Einzelnen funktioniert und das Artwork Tocchinis kann guten Gewissens als atemberaubend bezeichnet werden. Durch diesen sehr bunte und teils skizzenhaften Zeichenstil benötigt der Leser unter Umständen lange, um die einzelnen Panels in ihrer Gänze wahrzunehmen. Auch kann der Eindruck entstehen, dass die Panels durch Tocchinis Kunst bisweilen chaotisch wirken. Dies deckt sich aber wunderbar mit dem Gefühl für die Welt, die Remender sehr interessant und überraschend konzipiert.

Wer also bereit ist, sich mit einem Comic eingehend zu beschäftigen und gegebenenfalls mehr Zeit in die einzelnen Seiten zu investieren, als in eine durchschnittliche Superheldengeschichte, Science-Fiction mit plakativer Philosophie, anspruchsvolles Artwork und sich für gelungenes Worldbuilding  interessiert ist bei LOW mit Sicherheit gut aufgehoben.

Text: Jonas Feike




“Das Paket” – Eine Buchrezension

Das Paket – Sebastian Fitzek

362 Seiten (23 Seiten Extra: „10 Jahre Fitzek“)

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Psychothriller
ISBN: 978-3-426-51018-6
Verlag: KNAUR

 

„In akkurat gezeichneten Lettern,
quer über der von Wasserdampf beschlagenen

Scheibe stand:
HAU AB.
BEVOR ES ZU SPÄT IST!“
– S. 33 –

 

 

Inhalt:

Emma Stein ist eine erfolgreiche Psychologin. Sie liebt ihren Beruf, überschreitet für diesen Grenzen und weiß sich gut gegenüber ihren vielen männlichen Kollegen zu behaupten. Auch in ihrem Privatleben läuft es gut. Sie hat tolle Freunde sowie einen gutaussehenden, beim BKA arbeitenden, Ehemann mit dem sie gerade eine kleine Familie gründen will.

Doch wie das Leben nun mal so spielt, macht das Schicksal ihr einen Strich durch die Rechnung. Während einer mehrtägigen Fachtagung wird sie in dem Hotelzimmer überfallen und vergewaltigt. Zumindest glaubt sie das, denn die Polizei findet keinerlei Beweise für ihre Behauptungen. Nicht mal die Nummer des Zimmers, in dem sie angeblich genächtigt habe, existiere in dem Hotel.

Die seltsamen Widersprüche werden nicht weniger. Emma ist psychisch am Ende, als ihr Postbote ihr ein seltsames Paket überreicht, das sie für einen Nachbarn annehmen soll. Einen Nachbarn, von dem sie noch nie gehört hat, obwohl sie alle Menschen in ihrer Nachbarschaft kennt. Und mit diesem Paket, beginnt die Hölle für Emma erneut, auch wenn sie eigentlich nie geendet hat…

Meine Meinung:

Cover:
Das Cover des Thrillers ist wirklich originell und passt perfekt zu Titel und Inhalt. Es sieht wirklich fast so aus wie ein Paket und hat eine angenehme Farbgebung, die nicht zu penetrant ist. Außerdem ist das Cover optimal beladen, sodass man nicht das Gefühl hat, von dem, was darauf zu sehen ist, erschlagen zu werden. Insgesamt ist es sehr ansehnlich und macht sich sehr gut im Regal.

Schreibstil:
Fitzek schreibt in seinem Thriller in der dritten Form Singular, also im Sie-Erzähler, was es mir in einigen Büchern schwierig macht, mich zu 100% in die Protagonisten hineinzuversetzen. Hier war es jedoch nicht so. Fitzek versteht es, so zu schreiben, dass man gut in das Buch eintauchen und die Außenwelt vergessen kann. Seine Beschreibungen  sind ausführlich, aber nicht zu kleinlich und sein Schreibstil sehr angenehm. Dadurch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen, ohne dass man ins Stocken gerät.

Charaktere:
Emma Stein ist die Protagonistin von Fitzeks Psychothriller. Sie ist eine hochtrabende Persönlichkeit mit einem angesehenen Beruf, einem scharfen Intellekt und einem Bekanntenkreis, der ebenso wie sie selbst aus der höheren Schicht der Gesellschaft stammt. Trotzdem besteht sie aus mehr als nur diesen oberflächlichen Fakten, denn sie selbst hatte in früher Kindheit die gleichen psychischen Probleme wie einige der Leute, die sie nun als Expertin behandelt und versucht zu therapieren. Mir persönlich hat sie als Protagonistin gut gefallen. Sie ist keine dieser anstrengenden Hauptcharaktere, die sich selbst unter- bzw. überschätzen oder die grundlos total dämlich und unlogisch handeln. Vor allem ihr innerer Konflikt mit sich selbst, ihre Fehler, ihre Probleme waren etwas, was sie für mich beim Lesen ansprechend gemacht hat.

Die zentralen Charaktere im Allgemeinen empfand ich als wirklich gut ausgearbeitet, was bei einem Thriller mit vielen Wendungen ja besondere Wichtigkeit hat. Sie haben viele Dimensionen, sind Fassettenreich und teilweise mit wirklich unerwarteten Abgründen, die sich dem Leser nur nach und nach offenbaren.

Story:
Die Storyline ist von allen Punkten des Buches das, was mir am aller besten gefallen hat. Vor allem das Thema Psyche empfand ich als besonders ansprechend und wirklich super umgesetzt. Es beginnt bereits im Prolog mit einem spannenden Hintergrund, bei dem man sich fragt, was es damit auf sich hat. Danach baut sich die Spannungskurve immer weiter und weiter auf. Immer wieder gibt es kleine Unterbrechungen, in denen sie Abflacht, sodass man ‚durchatmen‘ kann, ehe es weiter geht.

Es greift alles so flüssig ineinander, dass zumindest mir wirklich bis zum Ende nicht klar war, was Wahrheit und was Einbildung, wer schuldig und wer unschuldig ist. Mehrere gut durchdachte sowie klug platzierte Plottwists sorgen vor allem gegen Ende des Buches dafür, dass man die Handlung atemlos verfolgt, wobei der Versuch, die Handlung zu entwirren und zu verstehen, wo nun Gut und wo Böse ist, einen komplett einnimmt.

Fazit:
Alles in allem ist es ein wirklich unglaublich gelungener Psychothriller. Oft erahnt man das Ende von Thrillern oder Krimis schon zumindest grob im Voraus, doch hier empfand ich das als wirklich schwierig und war tatsächlich völlig überrascht vom Ausgang der Ereignisse. Außerdem regt das Thema an sich – die Unterscheidung zwischen Einbildung und Wirklichkeit – zum Nachdenken an. Von mir gibt es eine eindeutige Empfehlung an alle, die – wie ich – nach langer Zeit mal wieder in das Genre einsteigen oder allgemein Psychothriller und hochtrabende Charaktere mögen.

4,5/5  Sterne 

Anmerkung der Redaktion:

Auch in den nächsten Wochen wird es bei UNIversum um Bücher gehen. Über die Ferien werden wir in der Reihe „Was wir lesen“ Werke vorstellen, die uns in der Redaktion beeindruckt haben, die wir immer wieder lesen, oder die wir neu entdeckt haben. Dabei wird es sich jedoch nicht um so ausführliche Rezensionen wie diese hier handeln. Stattdessen präsentieren wir Schlaglichtartig die Werke, die uns bewegen.

Irina Gildt




Shoppingfrust oder Weihnachtslust? – Eine Videoumfrage

Weihnachten steht vor der Tür – das Fest der Freude und Besinnlichkeit. Doch wie jedes Jahr begleiten auch Geschenk-Stress und Co. die Vorfreude auf ihrem Weg zum Weihnachtsfest. Vor dem Hintergrund der anstehenden Feiertage hat das Universum daher eine kleine Umfrage durchgeführt, um das Stimmungsbild der JLU-Studenten einzufangen, und die Ergebnisse in einem kurzen Video verarbeitet. Viel Spaß beim Anschauen.




„Rap braucht wieder einen Märchenerzähler“ – Schlaftabletten, Rotwein V, eine kurze Rezension

Mitte September erschien das neuen Alligatoah-Album „Schlaftabletten, Rotwein V“. Mit dem fünften Teil der „StRw“-Reihe setzte sich der Schauspiel-Rapper direkt auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Das Lied „Willst du“ aus dem Album „Triebwerke“ hatte Alligatoah im Jahr 2013 über die Rap-Szene hinaus bekannt gemacht. Nachdem die Alben der letzten Jahre jeweils einem Thema unterstellt waren handelt es sich bei „StRw V“ um eine Sammlung von Liedern, die keinem roten Faden folgen.

Im Verlauf der 16 Lieder des Albums schlüpft der „Märchenerzähler“ (Track 1: Alli-Alligatoah) des Rap in unterschiedliche Rollen um mit viel Ironie und „böse[r] Zunge“ (ebd.) seine Gedanken unters Volk zu bringen.

Es mag an dem fehlenden, verbindenden Thema liegen, scheint das neue Album insgesamt etwas weniger zugänglich daher zu kommen, als noch „Triebwerke“(2013) oder „Musik ist keine Lösung“ (2015). Dem Album tut es jedoch keinen Abbruch, dass die einzelnen Lieder etwas mehr Aufmerksamkeit benötigen, denn es gibt auch beim sechsten oder siebten Hören noch immer Neues zu entdecken. Wer sich die Mühe macht, etwas genauer hinzuhören wird nicht daran vorbei kommen, sich selbst in dem ein oder anderen Lied wiederzufinden, wenn auch hoffentlich nicht so extrem, wie von Alligatoah präsentiert, dessen liebstes Stilmittel wohl die Zuspitzung und Übertreibung sein dürften. Egal, ob es um den Autofahrer kurz vor dem Nervenzusammenbruch (Track 3: Hass), die angemessenen Formen menschlichen Miteinanders (Track 6: Beinebrechen) oder das Kommerzopfer (Track 14: Wo kann man das kaufen) geht, stets verschmelzen in Alligatoahs Liedern intelligente Texte, die zum Nachdenken anregen mit wunderbar spitzen Formulierungen.  (An dieser Stelle muss ich gestehen, dass mich gerade die Lieder zum Schmunzeln bringen, in denen ich Aspekte meines eigenen Alltags erkenne.)

Musikalisch sind „StRw V“ deutliche Einflüsse aus dem Metal anzumerken. So sind beispielsweise die Lieder „Terrorangst“ und „Wo kann man das kaufen“ deutlich Gitarrenlastiger, als beim Rap zu erwarten wäre und bei „Hass“ wird deutlich, dass Bands wie System of a Down und Slipknot einen starken Einfluss auf Alligatoah ausgeübt haben. Diese Einflüsse unterstreichen nochmals den experimentellen Charakter des Albums.

Die Limited Edition von „StRw V“ enthält zusätzlich zu einem Alligatoah-Blumentopf, Blumenerde und -samen noch das Album „Fremde Zungen“. Auf dieser CD präsentiert Alligatoah Cover-Versionen von Liedern, die ihm in seinem Leben wichtig waren. Diese sind mit Akustikgitarre im Wald aufgenommen, inklusive der zugehörige Umgebungsgeräusche wie raschelndes Laub oder penetrante Fliegen. Alligatoah deckt auf diesem Album eine große Bandbreite ab und covert unter Anderem die Lieder „Duality“ (Slipknot), „Chandelier“ (Sia) und „Es ist an der Zeit“ (Hannes Wader).

Insgesamt bin ich sehr glücklich über „StRw V“. Alligatoah schafft es, jede seiner Rollen auszufüllen und schon allein diese Vielseitigkeit verdient größten Respekt. Gepaart mit einer gehörigen Portion (Selbst-)Ironie und pointierten Texten ergibt sich ein Album für (fast) alle Lebenslagen. Trotz der musikalischen Vielfalt handelt es sich bei „StRw V“ nach wie vor um ein Rap-Album. Dementsprechend sollte der potentielle Hörer zumindest eine gewisse Offenheit für dieses Genre mitbringen.

 

Jonas Feike

Ein kleiner Anhang zu Alligatoahs Musikgeschmack und seinen Einflüssen: https://www.youtube.com/watch?v=ujnEePnOvHk  




Die letzten Minuten in Russland

Als die Nationalelf in die Kazan-Arena einläuft, jubeln im rund 800 Kilometer entfernten Moskau die Fans. Mit anfeuernden “Deutschland” rufen, verfolgen tausende das Spiel auf dem Fifa Fan Festival, dem offiziellen Public Viewing des internationalen Fußballverbandes. Auf der Fanmeile im Schatten der Lomonosov Universität, einem Wolkenkratzer aus der Stalinzeit, drängen sich bis zu 25 000 Fußballenthusiasten, vor den dutzenden Bildschirmen auf denen jedes Spiel Live übertragen wird.

Dabei scheinen die Organisatoren bereits im Voraus zu wissen, was sie von Jogi und seiner Mannschaft zu halten haben. Die letzte Chance der Deutschen zur Qualifikation für das Achtelfinale, wird auf nur einem, der vielen TV- Bildschirme übertragen. Während die Hauptbühne der Fanmeile im grün der mexikanischen Fans und den gelb-blauen Trikots der Schweden, unter der brennenden Sonne schillert, sind die Fans mit den deutschen Fahnen in eine Ecke verbannt.

Die Fußballbegeisterten zwängen sich durch Ziersträucher und versuchten vorbei an den Bäumen, die vor dem Bildschirm stehen, einen Blick auf das historische Debakel der Deutschen in Kazan, zu erhaschen. Während 50 Meter weiter die Schweden ihren Sieg besingen, stehen die Fans der deutschen Mannschaft schweigend in ihrer Ecke, die wenigen koreanischen Fans können ihr Glück aber kaum fassen, bei jedem Schuss auf das deutsche Tor springen die Fans auf. Bis zuletzt sind die Nerven auf beiden Seiten gespannt, alle Augen sind auf den Bildschirm geheftet, angespannt umklammern die Fans ihre, mit Bier gefüllten, knallroten Fifa Becher.

Weltmeister Deutschland schafft es nicht sich gegen den Außenseiter Südkorea durchzusetzen, bei den Fans auf der Moskauer Fanmeile war Deutschland aber der klare Favorit, vor allem bei den nichtdeutschen Fans. Vor dem Anpfiff im Kazan war die Unterstützung für die Nationalelf nicht nur auf dem Fifa Fan Festival, sondern auch in den Straßen Moskaus zu spüren. Bereits nach dem knappen Sieg über Schweden zogen Russen, Tunesier und Senegalesen mit deutschen Flaggen durch die Innenstadt. Moskauerinnen überreichten deutschen Gästen Blumen und Fans aus aller Welt umarmten und beglückwünschten die deutschen Besucher.

Bei dem Spiel gegen Südkorea gibt es allerdings nichts zu feiern, trotzdem steht die Moskauer Fangemeinde bei der historischen Niederlage hinter Deutschland. Als Mats Hummels in der 39. Minute nur knapp am gegnerischen Tor vorbeischießt springen die russischen Fans auf und sind kaum noch zu halten “Dutschelant”, rufen die ausländischen Unterstützer, in gebrochenem Deutsch. Doch als H.-M. Son in der 96. Minute, die deutsche Niederlage mit einem Schuss in das Neuer-leere Tor besiegelt, helfen auch die letzten Anfeuerungsrufe nichts mehr. Die Zuschauer können es kaum fassen, einige wischen sich die Tränen aus den Augen, eine Russin packte frustriert ihre Deutschlandfahne ein.

Andere nehmen das deutsche Fußballdebakel locker und gratulieren den Südkoreanern zum Sieg. Es werden noch schnell Selfies mit deutschen und koreanischen Flaggen geschossen, bevor sich die Wege trennen. Dann strömen die kostümierten Fans in Richtung der Metrostation, die gleich neben dem Luschniki Stadion liegt. Der Traum die deutsche Mannschaft dort spielen zu sehen ist geplatzt und triumphierende Fussballgesänge der Schweden und Koreaner und ein immer wieder anschwellendes “Auf Wiedersehen”, begleitet die deutschen Fans, als sich die Zugtüren hinter ihnen schließen.

 

Kim Hornickel




Schöne Stunden an der Lahn – Erstes Gießener Lahnuferfest

Leckeres Essen, Livemusik und eine breite Auswahl an Getränken, im Hintergrund das Rauschen der Lahn, auf der ein Schwan seine Runden zieht. Vom 22. bis zum 24. Juni fand an der Lahn, das erste Gießener Lahnuferfest statt.

Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte, startete am Freitag das Fest an der Lahn. Angefangen an der Lahnbrücke beim Strand Café bis hin zur Wieseckmündung war das Lahnufer hübsch hergerichtet und für das Fest-Wochenende vom erfahrenen Event-Planer Christian Trageser vorbereitet worden. Dieser hat bereits einige andere Veranstaltungen in Gießen, wie etwa das Bierfest, organisiert und hoffte bei der Premiere seiner neuesten Veranstaltung auf viele gut gelaunte Besucher.

Diese hatten die Wahl zwischen drei Bühnen mit unterschiedlicher Musik. Die „Bühne Cleverfit“ war die erste, wo den ganzen Abend über verschiedene DJs auflegten und ab 21 Uhr sogar FFH Moderator Felix Möse als DJ am Pult stand.

In der Mitte befand sich die „Autohaus Michel Hauptbühne“ mit Live-Musik. Dort eröffnete die Band „Lebendig“ das Fest. Später sang die „The Voice of Germany“-Finalistin BB Thomaz und sorgte für gute Laune. Das Publikum tanzte dabei zu neuen und alten Popliedern. Als ihr Auftritt endete, ging es nach einer kurzen Pause weiter mit der Band „Van Baker“, die Schlagerhits zum Besten gab. Der Leadsänger war gekleidet in einen hautengen Ganzkörper-Glitzeranzug, durch den der Sänger als eigene Diskokugel für die Band fungierte. Er wusste die mittlerweile stark angewachsene Anzahl an Zuhörern gut zu unterhalten. Sowohl allseits bekannte Hits von Helene Fischer wie „Atemlos“ als auch Fußballhits wie „Ein Hoch auf uns“ wurden von dem Publikum aus vollem Hals mitgesungen.
Das „Festival Gelände“ befand sich ganz am Ende des Veranstaltungsortes. Die Musik dort bestand den ganzen Abend aus Hip Hop, Black Beatz Down South sowie R&B.

Die erste Station des Abends war bei den Meisten jedoch etwas zu essen. Um halb acht war vor den Bühnen noch nicht viel los, doch die Stände des Street-Food Festivals waren trotzdem voll hungriger Menschen. Dieses bot eine große Auswahl von allen möglichen Gerichten. Von amerikanischen Burgern über Seefood-Gerichte und Klassiker wie „Langosch“ bis hin zu einer Vielzahl an Desserts. Das Weindorf nahm einen großen Teil des Festes ein und erfreute sich großer Beliebtheit. Mit voranschreitender Uhrzeit füllte sich das Lahnufer immer mehr mit Leuten, die Wein und Cocktails tranken. Eine vielversprechende Neuentdeckung des Abends war der „Hessische Caipi“, der durch einen guten Schuss Apfelwein eine wirklich leckere hessische Note bekam.

Die Stimmung wurde mit der Zeit immer ausgelassener. Die Leute lachten viel und unterhielten sich, viele tanzten gut gelaunt zur Musik. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden die dekorativ angebrachten Lichterketten eingeschaltet und erhellten den dunklen Weg. Am Freitagabend verschlug  es neben anderen Gießenern auch viele Studenten an das Lahnufer. Selbst die immer weiter sinkenden Temperaturen trübten die gute Stimmung nicht. Wem zu kalt war, der wärmte sich mit ein wenig Alkohol. Das offizielle Programm endete zwar um 23 Uhr, dies hielt die Leute aber nicht vom Weiterfeiern ab.

Den ersten Abend kann man also als einen erfolgreichen Auftakt des Events verbuchen und nur hoffen, dass wir nächstes Jahr erneut ein schönes Fest am Lahnufer feiern können.

 

Irina Gildt