Vier effektive Zeitmanagement-Strategien für Studierende

Die Prüfungszeit steht mal wieder an und du wünschst dir schon, dass der Tag dieses Mal doch mehr als 24 Stunden hätte? Zwischen Klausuren und Hausarbeiten fehlt dir die Zeit fürs Ausgehen oder Jobben? Dann ist es nicht die Zeit, die dir fehlt, sondern eine Strategie für optimales Zeitmanagement. Die Namen dieser Strategien reichen von “Pomodoro” bis zu der “Jerry Seinfeld-Methode” und haben doch nur ein simples Ziel: Dir zu helfen aus deiner verfügbaren Zeit das Höchstmaß an Effektivität herauszuholen.


Warum man seine Zeit bewusst planen sollte

Die Vorteile deine Zeit bewusst zu planen sind offensichtlich: Statt 40 % deiner Zeit am Handy, am Essen oder an sonstigen Ablenkungen zu vergeuden, nutzt du deinen Lerntag effektiv und kannst in der Folge vielleicht sogar eine Stunde früher als zuvor die Bib verlassen. Außerdem ersparst du dir eine Menge Druck, indem du bewusst planst, wann du was lernst, anstatt alles auf den letzten Drücker zu erledigen.
Neben den hier aufgezählten Strategien gibt es eine Reihe anderer Methoden, die mindestens genauso interessant, mir persönlich aber als weniger hilfreich erschienen sind. Aus diesem Grund habe ich mich auf vier sehr effektive und leicht umsetzbare Zeitmanagement-Strategien konzentriert und möchte dir diese nun vorstellen.

Die 60-60-30 Methode

Bei der 60-60-30 Methode gehst du wie folgt vor: Stelle dir eine Stoppuhr auf 55 Minuten. In diesen 55 Minuten lernst du intensiv dein Thema und lässt dich durch nichts und niemanden ablenken. Nach diesen 55 Minuten gönnst du dir eine fünfminütige Pause, in der du kurz aufstehst oder dich dehnst. Im zweiten Durchlauf lernst du nun für weitere 60 Minuten und nimmst dir danach 30 Minuten für deine Pause. Die längere Pause solltest du für ein kurzes Nickerchen, einen Spaziergang oder ähnliches nutzen, um dich zu erholen. Nun kannst du einen oder zwei dieser 60-60-30 Blöcke in deinen Tag einbauen und beobachten wie sich deine Lerneffektivität erhöht. Dieser Rhythmus basiert auf unserem natürlichen Biorhythmus und hilft dir durch den Wechsel von Anspannung und Entspannung deine Energie richtig zu nutzen.
Für diejenigen, die nur wenig Zeit zu Verfügung haben oder sich nicht 60 Minuten lang konzentrieren können, ist womöglich die Pomodoro- Methode besser geeignet.

Die Pomodoro- Methode

Die Pomodoro-Technik funktioniert ähnlich wie die 60-60-30 Methode mit Arbeitsrhythmen, die allerdings wesentlich kleiner sind. Hier lernst du für 25 Minuten intensiv an einer Aufgabe, die du dir vorher überlegt hast und kreuzt diese dann ab. Danach machst du für fünf Minuten Pause und wiederholst das Ganze für vier oder fünf Pomodori. Hast du diese erledigt, kannst du dir eine längere Pause gönnen (allerdings nicht länger als 20-30 Minuten).
Wenn es dir wie mir geht und du dich ungern mitten im Flow zu einer 5-Minuten-Pause “zwingst”, kannst du die ersten beiden Methoden auch kombinieren und beispielsweise morgens einen 60-60-30 Rhythmus und mittags die Pomodoro Strategie anwenden.

Die Energiekurve

Streng genommen ist diese Methode keine Zeitmanagement Strategie, sondern dient dazu, dir bewusst zu machen, wann du dich am besten konzentrieren kannst. Dazu notierst du dir auf einem Blatt Papier ein paar Tage lang zu jeder vollen Stunde dein Energielevel von 0 bis 10. Daraus entwickelst du dann deine persönliche Energiekurve und erkennst die Zeiten, an denen du am produktivsten arbeiten kannst. Deine Hochphasen kannst du nun für besonders schwierige Aufgaben und die Tiefs zur Erholung oder für leichtere Aufgaben nutzen. Wichtig ist, seinem Körper in den Tiefphasen auch mal Erholung zu gönnen, und ihn nicht künstlich (beispielsweise mit Kaffee) aufzuputschen.
Die Energiekurve hilft dir, deine persönlichen Energiehochs zu ermitteln und sie auf deine Lernzeit abzustimmen. Suchst du nach einer Methode, um eine bessere Übersicht über deine Aufgaben zu bekommen, solltest du es mit der nächsten Strategie probieren.

Personal Kanban

Die Kanban-Methode kommt aus dem Produktionsprozess und eignet sich ideal zur Visualisierung deiner täglichen Lernziele. Dafür zeichnest du auf ein Blatt Papier eine Tabelle mit drei Spalten, die du jeweils mit “To Do”, “In Arbeit” oder “Erledigt” beschriftest. Jetzt ordnest du die Aufgaben der jeweiligen Spalte zu und aktualisierst sie nach jedem Lerntag. Alternativ kannst du auch ein White Board und Post-It’s oder eine App verwenden.
Auf diese Weise behältst du die Übersicht über deine Aufgaben und motivierst dich dadurch, dass du deine bereits erledigten Punkte vor dir siehst.

Suche die beste Methode für dich

Wie du gemerkt hast, gibt es die unterschiedlichsten Strategien für ein besseres Zeitmanagement. Welche am besten zu dir passt, findest du am besten im Selbstversuch heraus. Falls dir die Methoden in diesem Artikel so gar nicht zusagen, bleibt natürlich auch noch das Internet zur Suche nach weiteren Strategien. Hast du eine gefunden, die zu dir passt, wirst du schon nach kurzer Zeit das Gefühl bekommen, mehr und vor allem effektiver gearbeitet zu haben. Allein für diesen Gewinn ist es allemal wert, sich ab und zu dem Thema Zeitmanagement zu widmen.
Welche Zeitmanagement-Strategien kennst du noch? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Lilover Laylany Rodriguez




Umfrage – Klausurenphase/Klausurenstress

Das Semester geht zu Ende und die Studierenden haben nur noch eins im Kopf: Klausuren, Klausuren, Klausuren! Doch wie sieht der Klausurenphasen-Alltag bei den Meisten so aus? Wann fangen die Studierenden an zu lernen, wie lernen sie überhaupt und versinken sie im Stress, oder lassen sie alles ganz entspannt auf sich zukommen?

In einer kleinen Twitter-Umfrage haben wir uns mit 5 Fragen zum Thema Klausurenphase und Klausurenstress beschäftigt. Einige Ergebnisse waren dabei wirklich überraschend!


Umfrage Frage 1

Manchmal hat man das Gefühl, dass jeder Zweite, den man fragt, schon mindestens einen  Monat vorher mit dem Lernen beginnt, nur man selbst hat immer noch nicht angefangen! Doch wir können euer schlechtes Gewissen beruhigen: Der Großteil, der auf Twitter befragten Studierenden (31%), fängt nämlich erst 2 Wochen vor der ersten Klausur an zu lernen.


 

Umfrage Frage 2

Auch dieses Ergebnis ist mehr als überraschend, wenn man sich ansieht, wie überfüllt die BIB und überhaupt alle Arbeitsplätze in der Uni zurzeit sind. Gerade einmal 15% der Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, lernen in der BIB für die Klausuren. Über die Hälfte (65%) lernt ganz klassisch und vorbildlich am heimischen Schreibtisch!


 

Umfrage Frage 3

Dieses Ergebnis ist, zumindest zum Teil, nicht besonders überraschend. Fast die Hälfte (45%) der Teilnehmenden isst oder trinkt nebenbei beim Pauken. Kein Wunder, denn die Nervennahrung braucht man einfach, wenn das Skript, an dem man gerade sitzt, einfach nicht enden möchte! Überraschend sind jedoch die 1/4 der Befragten, die gar nichts nebenbei machen und sich (zumindest mehr oder weniger) nur auf das Lernen konzentrieren, ganz ohne Musik, Netflix, Snacks oder Kaffee.


 

Umfrage Frage 4

Vom Klausurenstress scheinen die meisten Studierenden sich nicht zu sehr aus der Ruhe bringen lassen zu wollen. Panik schieben zumindest nur 13% der Teilnehmenden. Über die Hälfte hat zwar etwas Bammel, aber sie sind trotzdem guter Dinge. Mit Optimismus fällt das Lernen sicherlich auch deutlich leichter!


 

Umfrage Frage 5

Das Klischee der feierwütigen Studierenden scheint – zumindest kurz nach den Klausuren und bei der Twitter-Studierendengemeinde – nicht der Wahrheit zu entsprechen. Denn das einzige, was die Befragten direkt nach den Klausuren im Kopf haben, ist Schlafen, Schlafen und Schlafen. Zumindest geht es 41% so. Gerade einmal  16% wollen das Ende der Klausuren mit Party und Co. feiern!


 

Fazit

Die Ergebnisse waren in einigen Teilen anders als erwartet und in anderen keine große Überraschung. Jeder lernt nun mal anders, diese These haben wir auf jeden Fall bewiesen! Aber egal wie ihr den Stoff reinbekommt, gönnt euch zwischendrin ein bisschen Zeit für euch selbst. Egal ob ein warmes Bad, einen kleinen Power-Nap oder etwas leckeres zu Essen, belohnt euch für die großen und kleinen Triumphe. Wir wünschen auf jeden Fall allen Studierenden viel Erfolg bei den Klausuren und viel erholsamen Schlaf für alle, die ihn nach den Klausuren so dringend benötigen.

Irina Gildt




“There’s always a way in India” – Die etwas andere Geschichte einer Exkursion

14 Studierende der JLU nahmen im November 2018 an einer von Prof. Dr. Detlef Briesen geleiteten Exkursion nach Indien teil. Der folgende Erfahrungsbericht erzählt, dass dort zwar nicht alles immer so funktioniert wie geplant, sich am Ende aber doch immer eine Lösung findet.

Den Satz „There’s always a way in India” hörten wir direkt an unserem ersten Tag in Indien. Wir warn am Tempel von Mahabalipuram im Süden des Landes und völlig erschöpft. Gegen vier Uhr morgens waren wir in Indien angekommen – mittlerweile war es Mittag und die Ankunft im Hotel lag noch in weiter Ferne. Im Gegensatz zum kalten Deutschland waren die Temperaturen in Südindien noch weit über 20 Grad, sodass wir mit unseren Jacken und langen Klamotten schnell ins Schwitzen gerieten.

Ein Bekannter Dr. Briesens, ein Inder, erklärte uns, wie die Dinge in der Regel in Indien laufen: Es funktioniere zwar nicht immer so wie es soll, am Ende funktioniere es aber. Zu diesem Zeitpunkt war diese Ansichtsweise für uns eher amüsant – wir hatten es ja noch nicht selbst erlebt. Doch schon wenige Tage später erfuhren wir dieses Prinzip zum ersten Mal am eigenen Leib.

Die ersten Tage der Exkursion verbrachten wir im Süden Indiens, in Pondicherry. Dort kamen wir in Kontakt mit den Philosophien des Gurus Sri Aurobindo nach deren Vorbild nicht weit entfernt eine ganze Stadt entstanden war: Auroville. Dort sollte es darum gehen, dass Menschen aus aller Welt in Frieden zusammenlebten. Es gab keine Gesetze oder Religionen, dennoch war es ein spiritueller Ort. Das Zentrum der Stadt bildete der Matrimandir, ein gewaltiger goldener Tempel. In Auroville sollte das Wohl der Allgemeinheit über dem Eigenen stehen.

Diese Utopie kann sich jedoch nicht jeder leisten. Ein Jahr in einer Unterkunft in Auroville zu leben kostet mehrere Tausend Euro. Danach kann man sich dort ein Haus bauen – jedoch muss auch das aus eigener Tasche bezahlt werden. Und sollte man Auroville einmal verlassen, geht das Haus in den Besitz der Allgemeinheit über.

Der goldene Tempel Matrimandir in Auroville. Foto von Tatjana Döbert.

Diesen Ort wollten wir besuchen. Ein Kommilitone buchte eine Tour inklusive E-Fahrrädern, mit denen wir die Strecken in dem großen Areal bequem hätten zurücklegen können. So glaubte er zumindest. Am Abend vor der geplanten Tour schrieb ihm dann unsere Tour-Führerin, dass er die bereits vereinbarte Tour noch einmal hätte bestätigen müssen. Für einen Moment war nicht klar, was nun aus dem geplanten Ausflug werden würde.

Doch schnell bewahrheitete sich das gelernte Mantra und es wurde eine Lösung gefunden. Die Tour konnte wie geplant stattfinden – nur ohne E-Fahrräder. Auf diesen Luxus mussten wir verzichten. Als Ersatz gab es ganz gewöhnliche Leihräder. Bis jeder eines in seiner Größe gefunden hatte an dem alles funktionierte wie vorgesehen, verging nochmal eine Weile. Danach waren wir endlich abfahrbereit. Die Fahrten über das Gelände Aurovilles waren aufgrund der hohen Temperaturen recht anstrengend, doch getreu dem Motto: ein wenig Sport hat noch niemandem geschadet, hielten alle durch. Auch wenn die Meinungen über die Stadt am Ende des Tages geteilt waren, blieb der der Besuch in Auroville doch ein besonderes Erlebnis.

Anschließend führte die Exkursion auf dem Subkontinent weiter bis in den nördlichen Bundesstaat Rajasthan, wo wir zu Fuß einen Teil der Stadt Jaipur besichtigten. Bereits in Pondicherry erschien uns der Verkehr chaotisch, doch Jaipur schaffte es problemlos dieses Erlebnis noch zu steigern. Die Straßen waren berstend voll mit Fahrzeugen aller Art und aufgrund des in Indien typischen Dauer-Hupens war es fast unerträglich laut. Die Straße zu überqueren wurde zur Herkulesaufgabe und wir blieben als Gruppe so dicht beisammen, wie es nur irgend ging.

Auto-Rikschas vor dem India Gate in Neu Delhi. Foto von Gamze Tuncer.

Wenn wir uns sonst in den Städten bewegten, nahmen wir die für Indien typischen Auto-Rikschas. Diese sind klein, meist gelb-grün lackiert, hatte drei Räder und boten außer dem Fahrer drei bis vier Personen Platz. Zu den Seiten sind sie meist geöffnet, es sei denn eine Plane wird heruntergelassen. Die Auto-Rikschas funktionieren wie Taxis, jedoch um ein Vielfaches günstiger. Da sie so klein und leicht sind, gelangen sie im Verkehr schnell voran, allerdings kann eine Fahrt auch schnell etwas holprig geraten. Hat man sich jedoch erstmal daran gewöhnt, ist es ein sehr angenehmes Transportmittel.

An diesem Abend waren wir auf dem Weg in ein Restaurant, um etwas zu Essen und ausnahmsweise auf mehrere „richtige“ Taxis aufgeteilt. Aufgrund des chaotischen Verkehrs verlor man dabei die anderen schnell aus den Augen. Da im Normalfall jedoch immer alle zeitnah am gleichen Ort ankamen, war das kein Problem. Dieses Mal verlief es allerdings etwas anders.

Als wir im Restaurant ankamen, wurden wir zu unserem Tisch gebracht und mit Speisen versorgt. Einzig Herr Briesen und seine Kollegen aus Vietnam, die uns seit Beginn der Exkursion begleiteten, fehlten noch. Wir aßen zunächst unbeirrt weiter. Als der Nachtisch serviert wurde, fehlte von den Dreien allerdings immer noch jede Spur. Wir saßen am Tisch und schauten einer Tänzerin zu, die die Besucher des Restaurants an diesem Abend unterhielt. Herr Briesen und seine Begleiter waren noch immer nicht da und niemand wusste warum.

Endlich, nachdem wir längst mit dem Essen fertig waren, tauchten sie dann aber doch noch auf. Der Grund für die Verspätung: In Indien war gerade Wahlkampfzeit. In den Wochen vor einer Wahl dürfen die Parteien, wann immer sie wollen, Taxis zu Wahlkampfzwecken mieten und aus dem regulären Verkehr nehmen. Unglücklicherweise hatte sich jemand an diesem Abend genau das Taxi ausgesucht, mit dem Herr Briesen und seine Begleiter uns ins Restaurant folgen wollten. Erst als ein Neues organisiert war, konnten sie schließlich zu uns stoßen und ein verspätetes Abendessen genießen.

Die Tücken des indischen Verkehrs erlebte einige Tage später in Delhi auch einer unserer Kommilitonen. Als wir uns auf die Auto-Rikschas aufteilten, blieb er als einziger aus der Gruppe übrig. Dies merkten wir anderen jedoch erst, als wir nach der Ankunft an unserem Ziel durchzählten und feststellten, dass jemand fehlte. Schnell war festgestellt, wer fehlte. Allerdings wusste keiner, wo er war und wie wir ihn erreichen konnten.

Nach einigen ratlosen Minuten kam er schließlich verspätet doch bei uns an. Er saß gemeinsam mit zwei Indern in einer Auto-Rikscha, da der Fahrer nicht nur ihn alleine hatte fahren wollen. Deshalb musste er warten, bis sich noch zwei Mitfahrer fanden und sich der Fahrer endlich dazu bereiterklärte, mit unserem Kommilitonen zu uns zu fahren.

Auch wenn wir nun bereits erlebt hatten, dass in Indien nicht alles immer so lief wie geplant, glaubte doch zunächst keiner, dass sich das auch auf das Essen beziehen konnte. Doch auch hier wurden wir bald eines Besseren belehrt.

Als wir in Delhi ankamen, ist es bereits Abend. Im Gegensatz zu unseren vorherigen Aufenthalten wohnten wir dort allerdings nicht in einem Hotel, sondern im Gästehaus des IIT, des Indian Institute of Technology. Dieses befand sich am hinteren Ende des Campus, weshalb es fast eine halbe Stunde dauerte, diesen zu verlassen und endlich in eine Fußgängerzone voller Bars und Restaurants zu kommen.

Schnell hatten wir uns für eine Bar entschieden, da wir aber eine große Gruppe waren, war es nicht einfach einen Platz für uns alle zu finden. Wir wurden auf eine Empore über dem Hauptraum geführt auf der es zwar noch Sitzplätze gab, die sich jedoch nur hintereinander in einem schmalen Gang befanden. Wer am hinteren Tisch saß, konnte nicht am vorderen Tisch vorbeigehen, ohne dass alle anderen aufstehen mussten, um ihm Platz zu machen. Außerdem war die Decke so niedrig, dass niemand über 1,50m Körpergröße aufrecht stehen konnte, wenn es die Situation verlangen sollte. Auch die Kellner konnten den hinteren Tisch nicht erreichen.

Dennoch arrangierten wir uns mit der Situation. Wer am vorderen Tisch saß, gab Speisen und Getränke an die Kommilitonen am hinteren Tisch weiter. So klappte die Verteilung der Bestellungen nahezu problemlos und es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

 

Zum Schluss dieses Berichts kann man nur festhalten, dass sich das gelernte Mantra während der Exkursion immer wieder bewahrheitet hatte. Ob es nun ums Radfahren, ums Essen gehen oder um den indischen Straßenverkehr ging: Es gab immer einen Weg eventuelle Probleme zu lösen. Auch wenn der vielleicht über Umwege ging und das Ziel anders als ursprünglich vorgestellt erreicht wurde, führte letztlich immer ein Weg zum Ziel. Das zwingt zwar immer wieder zum Improvisieren, gibt einem aber viel Vertrauen in die Tatsache, dass sich die Dinge doch immer wieder auf die eine oder andere Weise fügen. Außerdem erlaubte uns das Ganze vielleicht auch ein bisschen indische Mentalität mit in die Heimat und den Gießener Unialltag zurückzunehmen.

 

Geschrieben von Tatjana Döbert.




Stimmen aus der Praxis mit Philipp Schnee

Am Dienstagabend, dem 15.01.2019 (Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) war es wieder so weit. Im Rahmen der Vorlesungsreihe Stimmen aus der Praxis kam Philipp Schnee, Deutschlandfunk-Radioredakteur, Autor und Moderator, und berichtete am Beispiel seines Radiofeatures „Verdrängte Vergangenheit. Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik“ darüber, worauf es bei der Produktion, Ausstrahlung und Hintergrundarbeit eines Radiofeatures ankommt.

Das Feature lief bereits letztes Jahr im März im Deutschlandfunk-Kultur und kann auf dessen Internetseite angehört werden.

Schnee kam nach seinem Studium über mehrere Praktika für Radioformate und ein Volontariat beim Deutschlandfunk zu dieser Stelle.

Seine Intention, das Thema „Rechtsterrorismus in der BRD der 1960er, 70er und 80er Jahre“ aus historischer Perspektive aufzubereiten, rührte aus der bis dato kaum erfolgten Erforschung der Thematik. Selbst in historischen Einführungswerken der Geschichte des 20. Jahrhunderts, spielte der Rechtsterrorismus kaum eine Rolle.

Da neben linksterroristischen Attentaten, Anschlägen und staatsfeindlichen Aktionen aber auch sehr viele dezidiert rechtsterroristische Taten und versuchte Verbrechen begangen wurden, wollte er sich in einem Feature diesem „Blinden Fleck“ der deutschen Nachkriegsgeschichte widmen.

Da das Feature eine Mischung aus journalistischem Beitrag und musikalischer Atmosphäre darstellt, eröffne dieses Radioformat für die Zuhörer die Chance, der Geschichte besser und angenehmer folgen zu können.

Dabei ging es ihm explizit darum, nicht so sehr belehrend zu wirken: Durch den Gebrauch von Radio- und Fernsehnachrichten-Originaltönen wollte er ein Thema auf die Agenda zu setzen, welches nur Wenigen im Bewusstsein verankert war, obwohl über die Anschlagsserien auch in den Nachrichten berichtet wurde.

Durch das Abspielen von O-Tönen aus „Tagesschau“ und „heute“ nach Anschlägen, wollte der Autor ein für das unbekanntes Thema eine vertraute Tonatmosphäre schaffen. Aber auch generell mache das Feature aus, dass hierbei zwischen Originaltönen und eingesprochenen Redakteursnachrichten hin- und hergewechselt wird.

Wichtig vor allem für die Produktion dieses Features war die Vorgabe des Senders, eine Länge von 28 Minuten nicht zu überschreiten. Daher brauchte es, wie für jedes Nachrichtenformat, ein gesondertes Augenmerk auf ein klares Konzept, so Schnee.  Generell müsse beim Feature darauf geachtet werden, sich nicht zu viel vorzunehmen und den schmalen Grat zwischen Informationsdichte und Informationsreduktion einzuhalten.

In Bezug auf seinen Berufsweg berichtete Schnee, dass es dem  Zufall und seiner Vorerfahrung mit Radioarbeit zu verdanken sei, dass er nun seit mehr als acht Jahren für die Deutschlandfunk-Kultur Redaktion arbeitete. Er durchlief dabei zunächst alle Stationen und Bereiche des Radiosenders und erhielt nach dem Volontariat eine Stelle in der Kulturredaktion. Neben der Produktion von Features fungiert er außerdem noch als Moderator im „Zeit-Fragen-Magazin“ und ist zuständig für Buchrezensionen.

Für alle an der Thematik und dem Podcast Interessierten ist das Transkript des Beitrags auf folgender Seite abrufbar: https://www.deutschlandfunkkultur.de/rechtsterrorismus-in-der-bundesrepublik-verdraengte.976.de.html?dram:article_id=375999.

 

Tassilo Köhler




Shoppingfrust oder Weihnachtslust? – Eine Videoumfrage

Weihnachten steht vor der Tür – das Fest der Freude und Besinnlichkeit. Doch wie jedes Jahr begleiten auch Geschenk-Stress und Co. die Vorfreude auf ihrem Weg zum Weihnachtsfest. Vor dem Hintergrund der anstehenden Feiertage hat das Universum daher eine kleine Umfrage durchgeführt, um das Stimmungsbild der JLU-Studenten einzufangen, und die Ergebnisse in einem kurzen Video verarbeitet. Viel Spaß beim Anschauen.




„Vernichtungsort Malyj Trostenez” – Eine Ausstellung in Gießen

Am Mittwoch, den 5. Dezember fand im Vortragsraum der Kongresshalle Gießen eine Informationsveranstaltung zur gegenwärtig dort Station machenden Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez“ statt. Die Ausstellung nimmt das titelgebende Lager Malyj Trostenez bei Minsk in den Blick, welches in den Jahren 1942-1944 die größte Vernichtungsstätte auf dem Gebiet der besetzten Sowjetunion darstellte, in der deutschen Erinnerung jedoch kaum bekannt ist.

Mit dieser Informationsveranstaltung sollten auch Gießener Lehrerinnen und Lehrer angesprochen werden, da für Schulklassen die Möglichkeit zu einem geführten Besuch der Ausstellung besteht. Vertreter des Trägerkreises stellten ihre Verbindungen zu Maljy Trostenez und ihre Beiträge zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm vor. Neben beispielsweise dem Oberhessischen Geschichtsverein, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Arbeitstelle Holocaustliteratur waren auch Geschichtsstudierende der JLU maßgeblich daran beteiligt, dass die Wanderausstellung, die erstmals im Jahr 2016 in Hamburg eröffnet wurde, ihren Weg nach Gießen gefunden hat.

Im Rahmen eines von Herrn Prof. Dr. Bohn geleiteten Seminars wurde im vergangenen Semester untersucht, ob und wie viele Gießener nach Minsk oder gar nach Malyj Trostenez deportiert wurden. Für die Ausstellung entstanden daraufhin zwei zusätzliche Stelen, die den Bezug Gießens zum Vernichtungsort bei Minsk anhand von sehr verschiedenen Einzelschicksalen deutlich machen. Herr Prof. Dr. Bohn übernahm an Stelle seines krankheitsbedingt verhinderten Kollegen Dr. Brake die Moderation der Informationsveranstaltung.

Nach der Einführung durch die Vertreter des Trägerkreises bestand die Möglichkeit, die Ausstellung schon vor der offiziellen Eröffnung zu begehen. Die Ausstellung besteht zum Einen aus Stellwänden mit Text und Bild, bietet jedoch auch interaktive und multimediale Elemente. So können beispielsweise an Audiostationen Interviews mit Augenzeugen angehört werden, oder online Zeitzeugenarchive durchsucht werden. Zudem entstand von studentischer Seite ein Radiobeitrag zum Thema, der ebenfalls in der Ausstellung angehört werden kann.

Die Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez“ wird am Dienstag, den 11. Dezember eröffnet und kann bis einschließlich 17, Januar 2019 in der Kongresshalle Gießen besucht werden. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus wird die Ausstellung von einem umfangreichen Begleitprogramm eingerahmt, das im Folgenden abgebildet ist.

 

Jonas Feike




Über Meinungen und Vertrauen – Tatjana Heid bei Stimmen aus der Praxis

In Zeiten, in denen Staatsmänner bevorzugt Politik über soziale Medien betreiben und die Debatte um „Fake-News“ nicht abzureißen scheint, eröffnet dies dem politischen Digital-Journalismus gleichermaßen zunehmende Bedeutung wie Verantwortung. In einem kurzweiligen Vortrag mit anschließender Diskussion beleuchtete Tatjana Heid, Verantwortliche Politikredakteurin bei t-online.de, die Risiken und Chancen ihres Berufs.

Für Millionen Internetnutzer steht die magentafarbene Webseite mit dem ikonischen großen „T“ für den alltäglichen Einstieg in das eigene E-Mail Postfach. Bereits 1995 startete die Deutsche Telekom unter www.t-online.de ein Portal als Anlaufstelle der Internetkommunikation. Seitdem entwickelte die Seite zusätzliche Angebote, die neben der E-Mail Kommunikation vor allem die Bereitstellung von Nachrichten und Serviceangeboten enthielt. Obwohl der Name und das Logo der Telekom beibehalten wurden, gehört t-online.de seit 2015 dem Medienvermarkter Ströer, einer Unternehmensgruppe die sich auf Online- und Außenwerbung spezialisiert hat. Mit der Loslösung von der Telekom ging auch der Aufbau einer eigenen Nachrichtenredaktion, des sogenannten Newsrooms einher.

Tatjana Heid, 2009 selbst Absolventin des Magister der Fachjournalistik Geschichte, arbeitete zunächst für die Berliner Zeitschrift Das Parlament, beim Focus Magazin und schließlich als Chefin vom Dienst in der Online-Redaktion von Faz.net. In ihrer Funktion als Head of News der Politikredaktion sind es für sie vor allem die kurzen Wege innerhalb des Redaktionsbüros entscheidend. Gerade bei Angeboten wie t-online.de, die komplett digital stattfinden, spiele Schnelligkeit und Aktualität eine große Rolle.  Dabei aber noch qualitativ hochwertige und seriöse Arbeit abzuliefern stellt online die große Herausforderung  dar, denn die Reaktionen der Nutzer lassen sich anhand von Analyse Software sofort erkennen. Klickzahlen und die Verweildauer sind die harte Währung im Online-Geschäft. Dass  auch Themen und Artikel trotz ihrer schlechten Zahlen, die die Redakteure per automatisierter Nachricht direkt einsehen können, auf der Titelseite bleiben liegt an dem gestiegenen Selbstanspruch von t-online. Obwohl bereits eine sehr hohe Reichweite erzielt werden kann, werde t-online noch nicht als seriöser Politikjournalismus wahrgenommen, ein wichtiger Aspekt auf dem Weg hin zur angestrebten Relevanz.

Angesprochen auf den oftmals auftauchenden Vorwurf des Vertrauensverlustes in die Medien ging Tatjana Heid zunächst selbstkritisch das Berufsbild ihrer Kollegen an. So würden einige Journalisten besonders gerne mit Politikern „klüngeln“ und in ihrer unverständlichen Arroganz Weltbilder suggerieren, die nicht komplett seien. Dabei sei die Trennung von Nachricht und Meinung in ihren Augen unverzichtbar, denn das „Problem ist, dass ignoriert wird, dass es rechts und links andere Meinungen gibt.“. Tägliche Diskussionen innerhalb der Redaktion über die Gewichtung und Darstellung verschiedenster Themen sowie das 4-Augen Prinzip sollen die journalistische Qualität sichern.

 

Fotos: Anja Horstmann

Text: Henrik Drechsler




Die Erzählung der Geschichte – Filmemacher Adrian Oeser bei den Stimmen aus der Praxis

Unter dem Thema „Wer die Geschichte erzählt verändert den Film. Filme mit und ohne Sprechertext im Vergleich“ fand am Dienstag den 20.11. das erste, sehr gut besuchte, Gespräch der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ im aktuellen Semester statt. Zu Gast war der Filmemacher Adrian Oeser, der zwei Projekte vorstellte, die im Rahmen seines Studiums an der Filmhochschule Ludwigsburg entstanden sind. In Ludwigsburg studierte Oeser Regie mit dem Schwerpunkt Fernsehjournalismus.

Nach einer kurzen Begrüßung und ein paar Worten zu Oesers Person wurde der erste Film Bag Mohajer – Tasche des Flüchtlings präsentiert. Der etwa 20-minütige Film spielt in Griechenland und zeigt Geflüchtete, die aus angeschwemmten Schlauchbooten und Rettungswesten Taschen nähen und diese Verkaufen. Diese Tätigkeit, eine Aktion, die von einer deutschen Design-Studentin ins Leben gerufen wurde, bedeutet jedoch mehr, als die bloße Sicherung des Lebensunterhalts. Durch sie erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, einen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes zu verarbeiten. Die hergestellten Produkte erregen Aufmerksamkeit für diese Geschichten und können sie verbreiten.

Oeser begleitet den Entstehungsprozess einer solchen, von Geflüchteten hergestellten, Tasche, beobachtet die Arbeit und führt Interviews. Der der 14-tägige Dreh führte Oeser unter Anderem auf einen „Schiffsfriedhof“, auf dem die gestrandeten Boote und Rettungswesten haufenweise abgelegt werden. An diesem Ort wird das Material für die Taschen gesammelt. „Im Prinzip ist das Diebstahl, denn das gehört alles der Regierung.“, erklärt Oeser später. Diese Tatsache hat sich auch auf den Dreh auf dem „Schiffsfriedhof“ ausgewirkt, bei dem alle beteiligten äußerst angespannt gewesen seien.

Zu diesem Thema lässt Oeser sowohl die Bilder als auch die Protagonisten des Films für sich sprechen – Bag Mohajer hat keinen unterstützenden Sprechertext. Dies habe ihm nach eigener Aussage einige Kritik von seinen Dozenten eingebracht, da zu einem Fernsehformat zwingend ein Sprechertext gehöre.

Im Anschluss an den Film wird im Plenum vor allem die Frage diskutiert, wie stark ein Dokumentarfilmer in das Geschehen eingreifen darf und soll. Oeser betonte in diesem Gespräch den Unterschied zwischen dem Inszenieren einer ganz und gar „künstlichen“ Situation und dem Arrangieren, welches daraus bestehe, „natürliche“ Aktionen gegebenenfalls zu wiederholen oder neu anzuordnen. Letzteres sei für das Filmen eines Dokumentation unerlässlich, während es gelte, eine Inszenierung zu vermeiden.

Im Anschluss an diesen kurzen Austausch zeigte Oeser den in diesem Jahr entstandenen Film: Von Neonazis und Superhelden – Die Kleinstadt Themar und der Rechtsrock. Der Film spielt zum Großteil in der thüringischen Stadt Themar, in der im vergangenen Jahr eine der größten Rechtsrock-Veranstaltungen Deutschlands stattgefunden hat. Oeser kommt mit Bewohnern der Stadt ins Gespräch, um herauszufinden, wie die Veranstaltungen der Rechten das Leben im Ort verändert haben. Dabei interviewt er sowohl Mitglieder eines neu gegründeten Bündnisses gegen die rechten Treffen, als auch deren Veranstalter und Unterstützer.

Bei diesem Film handelte es sich um Oesers Abschlussarbeit, die, anders als Bag Mohajer, mit einem Sprechertext versehen ist. Oeser selbst führt als Sprecher durch den Film, der aus „Vor-Ort-Erfahrungen“ besteht. Für den Dreh, der sich auf Grundlage des aufgenommenen Materials ständig veränderte und Entwickelte, mieteten Oeser und sein Kameramann für drei Wochen eine Wohnung in Themar, dem Schauplatz des Films. Im Verlauf des Films berichtet Oeser als Sprecher auch von seinen Zweifeln und Unsicherheiten im Umgang mit bestimmten Akteuren. Wie er später berichtet sah er es als seine Pflicht an, das Gezeigte – beispielsweise ein Interview mit einem der Veranstalter des Konzerts – auch einzuordnen. Abgesehen von einer zentralen Figur war Oeser im Vorfeld keiner der Akteure die im Film zu Wort kommen persönlich bekannt.

Der mehr als 60 Minuten lange Film wurde von den Besuchern der Veranstaltung überaus positiv angenommen. Eine Besucherin äußerte, dass sie sich „sehr an die Hand genommen gefühlt“ habe, doch das tue dem Film keinen Abbruch. Im anschließenden Gespräch wurden verschiedene Themen angerissen. Fragen nach dem journalistischen und filmischen Umgang mit Akteuren mit rechter Gesinnung erwiesen sich als besonders spannend. Selbstverständlich müsse man als Filmemacher eine professionelle Distanz wahren. Dabei ginge es nicht nur darum, einem Interviewpartner mit zweifelhaften Ansichten gegenüber nicht unfreundlich zu werden, sondern auch um ein Bewusstsein darum, dass das Gegenüber versuchen könnte, den Film und das Interview für sich zu instrumentalisieren. Im Film bemühten sich gerade die Rechten darum, ein bestimmtes, eher einnehmendes Bild ihrer Gemeinschaft zu generieren.

Die Hinweise auf solche Inszenierungen von Seiten der Gesprächspartner waren ein entscheidender Grund, den Sprechertext in eher erzählerischer Weise zu gestalten. Für „reguläre“ Fernsehproduktionen sind Sprechertexte laut Oeser üblicherweise fragmentierter gehalten, was es ihnen ermöglicht, zielgerichteter zu funktionieren.

Danach gefragt, wie sich Probleme beim Dreh und Änderungen an der ursprünglichen Vision für einen Film auf seine Zufriedenheit mit seinen Werken auswirken antwortete Oeser: „Filme werden unperfekt, damit muss man sich anfreunden.“ Perfektionismus sei beim Filmemachen ein guter Ansporn, zugleich sollte es jedoch nicht abschrecken, dass er quasi nie eingehalten werden kann.

Die Stimmen aus der Praxis mit Adrian Oeser endeten später als man es aus den vergangenen Semestern gewohnt ist. Bis etwa 21 Uhr wurde Gefragt und Diskutiert, wenn auch Einzelne die Veranstaltung schon vorher verlassen mussten – vermutlich auf Grund der ÖPNV-Verbindung nach Hause. Somit sind auch die Stimmen aus der Praxis erfolgreich in das Wintersemester gestartet. Weiter geht es schon am 04.12. mit Tatjana Heid und dem Politischen Digitaljournalismus.

 

Jonas Feike




Im Land der begrenzten Möglichkeiten

Drei Monate war unsere Redakteurin Kim in der Hauptstadt von Vodka und Fellmützen. In direkter Nachbarschaft mit dem Kreml schrieb sie Artikel über Putin und fotografierte Studenten, die gegen den autoritären Staat auf die Straße gingen.

Grimmig sieht mich der russische Grenzbeamte an. Ich habe ihm gerade mit einem Lächeln meinen Reisepass über den kalten Marmortresen gereicht. Meine Hochstimmung scheint der Staatsdiener nicht zu teilen und ich lerne gleich meine erste Lektion: Russen lächeln selten, ob das an dem niedrigen Einkommen im größten Land der Welt liegt oder ob sie es einfach für eine Verschwendung von Energie halten ihre Mundwinkel zu bewegen, kann mir auch keiner, der in Russland lebenden sagen. Nach zehnminütiger Prüfung, in der der grün gekleidete Polizist meinen Pass mehrmals hin und her gewendet hat, darf ich gehen.

 

Hinter dem Drehkreuz wartet ein Land, in dem politische Gegenspieler Putins verhaftet werden, in dem Pressefreiheit nur anonym oder unter dem Schutz einzelner Mächtiger ausgeübt werden kann. Ich werde in den kommenden drei Monaten für die Moskauer-Deutsche Zeitung arbeiten. Geleitet wird sie vom internationalen Verband der deutschen Kultur. Weil kritische Medien, im Gegenteil zu staatstreuen Publikationsorganen, keine staatliche Förderung erhalten, müssen sie sich mit Werbeeinnahmen und Sponsoren über Wasser halten. Das sorgt dafür, dass weniger Journalisten eingestellt werden und z.B. Zeitungen seltener erscheinen, die dann wiederum auch seltener berichten können. Staatssender wie Rossija 1 werden bewusst eingesetzt und erhalten nicht nur finanzielle Unterstützung, sie haben auch bei jeder medienrelevanten Veranstaltung ein Vorrecht in der Berichterstattung. Bei Großereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft schlägt das Sprachrohr des Kremls seine Zelte direkt vor dem Roten Platz auf, während kritische Journalisten sich Monate vorher anmelden müssen, nur um dann abgewiesen zu werden.

Mit Plakaten gegen Schlagstöcke

Die restriktive Politik Putins macht sich nicht nur in der Presse bemerkbar. Die jüngeren Russen fühlen sich von ihrer Regierung bevormundet. “Wir haben manipulierte Wahlen und das korrupte System satt,” erklärt Evgeny. Er ist einer von Tausenden, die sich Anfang Mai im Zentrum Moskaus versammelt haben, um gegen Putin zu demonstrieren. Aufgerufen zu dem Protest hatte Oppositionsführer Alexej Nawalny. Der Kreml- Kritiker bringt frischen Wind in die eingerostete Protestkultur. “So viele Demonstrationen wie in diesem Jahr hatten wir noch nie,” da sind sich Evgeny und seine Freunde sicher. Obwohl die Demonstrationen in Moskau alles andere als harmlos sind, lassen sich die Kritiker Putins nicht einschüchtern. Mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gehen die Polizeibeamten auf die friedlichen Demonstranten los, jeder wird brutal niedergeknüppelt. Nicht selten werden auch Journalisten in dutzende, bereitstehende Polizeibusse gesperrt. “Du bist doch einer von uns, warum schlägst du uns, warum stellst du dich gegen uns”, brüllt Evgeny einem Polizisten entgegen. Die Beamten lassen solche Einwände kalt, sie reagieren, funktionieren, schlagen drauf. “Ihr seid nur Dreck”, antwortet der Uniformierte und lächelt verächtlich. Die meisten Polizisten sind in Russland keine Freunde und Helfer und anstatt patriotischer Parolen wollen viele junge Russen lieber ein offenes Land, freie Wahlen, visumfreie Reisen und eine bessere Infrastruktur. Die Fußballweltmeisterschaft hat allen, die sich ein freieres Russland wünschen, einen Vorgeschmack gegeben, wie es sein könnte, würde Russland die restriktiven Visumsgesetzte lockern.

 

Wandel auf Zeit

Gleich neben dem Kreml auf der Nikolskaya Straße wird die Utopie eines internationalen Russlands kurz zur Realität. Alle Nationen feiern gemeinsam das Sportevent des Jahres und lernen dabei die russische Kultur kennen. Und die hat einiges zu bieten: Vergoldete Kuppeldächer und das größte Einkaufszentrum der Sowjetunion, direkt am Roten Platz. Sechs größere und unzählige kleine ethnische Gruppen, Anhänger des Islams, des Buddhismus, des Christentums, des Hinduismus und des Judentums, sie alle leben in Russland.

“Genau das brauchen wir, weniger strenge Visa Bestimmungen, sodass Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen wollen, wir haben Touristen so viel zu bieten,“ ruft Evgeny euphorisch, als ihm auf der Partymeile ein Peruaner einen Sombrero aufsetzt.

Nach drei Monaten stehe ich wieder vor dem grimmigen Grenzkontrolleur. An den ernsten Gesichtsausdruck habe ich mich gewöhnt, an den autokratisch regierten Staat allerdings nicht. Und während mein Flugzeug vom Boden abhebt, kündigt Nawalny erneute Proteste an. Er wird es nicht einmal bis zur Kundgebung schaffen, noch auf seiner Türschwelle wird der politische Aktivist verhaftet werden.

Kim Hornickel




10 Statements zur anstehenden Landtagswahl

Bevor am Sonntag die Hessen zur Wahl aufgerufen sind, haben wir 10 Statements von Studierenden der JLU zur anstehenden Landtagswahl gesammelt. Viel Spaß beim durchklicken: