Stimmen aus der Praxis mit Philipp Schnee

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Am Dienstagabend, dem 15.01.2019 (Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) war es wieder so weit. Im Rahmen der Vorlesungsreihe Stimmen aus der Praxis kam Philipp Schnee, Deutschlandfunk-Radioredakteur, Autor und Moderator, und berichtete am Beispiel seines Radiofeatures „Verdrängte Vergangenheit. Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik“ darüber, worauf es bei der Produktion, Ausstrahlung und Hintergrundarbeit eines Radiofeatures ankommt.

Das Feature lief bereits letztes Jahr im März im Deutschlandfunk-Kultur und kann auf dessen Internetseite angehört werden.

Schnee kam nach seinem Studium über mehrere Praktika für Radioformate und ein Volontariat beim Deutschlandfunk zu dieser Stelle.

Seine Intention, das Thema „Rechtsterrorismus in der BRD der 1960er, 70er und 80er Jahre“ aus historischer Perspektive aufzubereiten, rührte aus der bis dato kaum erfolgten Erforschung der Thematik. Selbst in historischen Einführungswerken der Geschichte des 20. Jahrhunderts, spielte der Rechtsterrorismus kaum eine Rolle.

Da neben linksterroristischen Attentaten, Anschlägen und staatsfeindlichen Aktionen aber auch sehr viele dezidiert rechtsterroristische Taten und versuchte Verbrechen begangen wurden, wollte er sich in einem Feature diesem „Blinden Fleck“ der deutschen Nachkriegsgeschichte widmen.

Da das Feature eine Mischung aus journalistischem Beitrag und musikalischer Atmosphäre darstellt, eröffne dieses Radioformat für die Zuhörer die Chance, der Geschichte besser und angenehmer folgen zu können.

Dabei ging es ihm explizit darum, nicht so sehr belehrend zu wirken: Durch den Gebrauch von Radio- und Fernsehnachrichten-Originaltönen wollte er ein Thema auf die Agenda zu setzen, welches nur Wenigen im Bewusstsein verankert war, obwohl über die Anschlagsserien auch in den Nachrichten berichtet wurde.

Durch das Abspielen von O-Tönen aus „Tagesschau“ und „heute“ nach Anschlägen, wollte der Autor ein für das unbekanntes Thema eine vertraute Tonatmosphäre schaffen. Aber auch generell mache das Feature aus, dass hierbei zwischen Originaltönen und eingesprochenen Redakteursnachrichten hin- und hergewechselt wird.

Wichtig vor allem für die Produktion dieses Features war die Vorgabe des Senders, eine Länge von 28 Minuten nicht zu überschreiten. Daher brauchte es, wie für jedes Nachrichtenformat, ein gesondertes Augenmerk auf ein klares Konzept, so Schnee.  Generell müsse beim Feature darauf geachtet werden, sich nicht zu viel vorzunehmen und den schmalen Grat zwischen Informationsdichte und Informationsreduktion einzuhalten.

In Bezug auf seinen Berufsweg berichtete Schnee, dass es dem  Zufall und seiner Vorerfahrung mit Radioarbeit zu verdanken sei, dass er nun seit mehr als acht Jahren für die Deutschlandfunk-Kultur Redaktion arbeitete. Er durchlief dabei zunächst alle Stationen und Bereiche des Radiosenders und erhielt nach dem Volontariat eine Stelle in der Kulturredaktion. Neben der Produktion von Features fungiert er außerdem noch als Moderator im „Zeit-Fragen-Magazin“ und ist zuständig für Buchrezensionen.

Für alle an der Thematik und dem Podcast Interessierten ist das Transkript des Beitrags auf folgender Seite abrufbar: https://www.deutschlandfunkkultur.de/rechtsterrorismus-in-der-bundesrepublik-verdraengte.976.de.html?dram:article_id=375999.

 

Tassilo Köhler