SERIE: Was wir lesen – „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“ herausgegeben von Scarlett Curtis

Feminismus ist seit #MeToo in der Gesellschaft angekommen. Die Film- und Fernseh- sowie die Musikindustrie (Danke Beyonce!) haben diesen nun auch fest in unsere Popkultur etabliert. Aber wie positiv ist das eigentlich? Verwässert das nicht den eigentlichen Sinn? Auch die Fragen „Wie hat ein*e Feminist*in zu sein“, bzw. „Für wen ist dieser Feminismus eigentlich?“ stehen im Raum. Auf diese Fragen versucht der Essay-Band „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“, herausgegeben von der US-amerikanischen Autorin und Aktivistin Scarlett Curtis, eine Antwort zu finden. Sie lässt Frauen* (und Männer*) allen Alters und aller Situationen zu Wort kommen, die nicht nur ihre eigenen Geschichten erzählen, sondern auch in den Kontext FEMINISMUS einbetten. Themenschwerpunkte sind hier beispielsweise (weibliche) Sexualität, Geburtserfahrungen, Arbeitserlebnisse sowie der eigene Weg zum Feminismus. Alle Beiträge sind persönliche, subjektive Gedankengänge, dementsprechend sind auch die Darstellungsformen divers und kreativ: Es finden sich Interviews, Poesie, Listen aber auch Briefe und Essays in allen Längen und Kürzen.

Das Buch gliedert sich in verschiedene Überthemen, darunter ZORN, FREUDE, ERLEUCHTUNG oder AKTION. Dort findet sich dann, thematisch passend zu dem jeweiligen Überthema, eine verschiedene Anzahl an Beiträgen. Zum Schluss folgt, neben der Vorstellung der feministischen Lektüre-Plattform „Our shared shelf“, auch noch ein Bereich für eigene Gedanken und Notizen. Da die einzelnen Beiträge thematisch nicht voneinander abhängen, kann einfach, je nach Interessenlage, „queergelesen“ werden. Und keine Angst: Auch wenn Begriffe wie „Gläserne Decke“, FGM oder Patriachat noch gänzlich unbekannt sind, muss niemand auf das Lesen und Verstehen verzichten. Das Buch erläutert ausführlich wichtiges Vokabular und gibt (Literatur-)Tipps, falls Mann/Frau an einem Themenbereich besonders großes Interesse hat.

Beiträge, die ich als besonders empfehlenswert empfunden habe, sind folgende:

BRIDGET JONES – FEMINISMUS ZUM FRÜHSTÜCK von Helen Fielding

Die Autorin schlüpft in die Rolle ihrer wohl bekanntesten Figur und erläutert im klassischen Tagebuchstil Bridgets Gedanken zu feministischen und weiblichen* Themen im Alltag. Sehr humorvoll geschrieben, besonders geeignet für Leser*innen, die mit „leichter Lektüre“ auf persönlicher Ebene beginnen möchten.

MEINE VERSION VON FEMINISMUS von Alison Sudol

Die Schauspielerin und Sängerin adressiert in ihrem Beitrag die Schwierigkeit, sich selbst als Feminist*in zu bezeichnen, woher die damit einhergehende Reserviertheit kommt und warum das Internet hierbei eine tragende Rolle spielt. Hier werden sich wahrscheinlich viele wiederfinden, denn die Aussage „Ich würde mich zwar nicht als Feminist*in bezeichnen, finde aber, dass die Gleichberechtigung aller Geschlechter selbstverständlich ist“, haben mit Sicherheit schon viele gehört oder gedacht.

 

FEMINISTISCHE ERWIEDERUNGEN von Scarlett Curtis

Dieser Beitrag ist sowohl für fortgeschrittene Feminst*innen als auch für fortgeschrittene Gegner der Bewegung bestens geeignet. Die Herausgeberin beantwortet und entkräftet in diesem Beitrag mit Witz die Fragen und Aussagen, die jede*r Feminist*in schon mal zuhören bekommen hat. Darunter Klassiker wie „zu viel Political Correctness zerstört unser Zusammenleben!“ oder „können denn auch Männer Feministen sein?“.

 

Natürlich drängt sich bei Büchern über kontroverse Thematiken immer das „Problem“ auf, für wen solche Bücher eigentlich geschrieben werden. „Problem“ in Anführungszeichen, weil es eigentlich und uneigentlich kein Problem gibt! Meiner Meinung nach gehört dieses Werk in jeden guten Bücherschrank, einfach weil es das Thema auf menschliche Art und Weise behandelt und für Problematiken sensibilisiert. Ich schreibe extra nicht, „jede*r, der/die sich für diesen Bereich interessiert“, denn wie Scarlett selbst sagt, geht diese Situation alle etwas an, weswegen das Interesse viel größer sein sollte. Nicht jede*r möchte seinen/ihren Horizont erweitern, trotzdem geht probieren über studieren! Beiträge wie Kira Knightleys Geburtsbericht erscheinen kontrovers, stoßen aber wichtige Diskurse an und eröffnen neue Perspektiven. Natürlich leitet das Buch keine wissenschaftliche Analyse oder zeichnet ein ganzheitliches Bild von Feminismus. Aber das soll es auch gar nicht. Es wird auch im Buch mehrmals betont, dass es eigentlich keinen allgemeinen Feminismus gibt, es sollte eher von verschiedenen Feminismen gesprochen werden, da Menschen divers sind und mit verschiedenen Formen von Diskriminierung zu kämpfen haben.

Deswegen finde ich auch den deutschen Titel „The Future is Female!“ unpassend gewählt. Das Buch versucht mit Vorurteilen aufzuräumen, indem es Intersektionalität in den Mittelpunkt stellt. Der englische Titel „Feminists don’t wear pink and other lies” fasst die Intention der Herausgerberin und ihrer Autor*innen besser zusammen, denn die Zukunft ist eben nicht nur weiblich, genauso wie sie ebenso wenig nur männlich ist.

Und um abschließend die anfangs aufgeworfenen Fragen aus meiner eigenen Perspektive zu beantworten: Feminist*in kann jede*r sein, Hauptsache euer gelebter Feminismus ist intersektional. Pink ist kein Geschlecht, Pink ist eine Lebenseinstellung!

 

Von Danielle Dörsing