SERIE: Was wir lesen – “LOW” von Rick Remender

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Der Comic LOW, geschrieben von Rick Remender (Secret Avengers, Venom, Deadly Class) und gezeichnet von Greg Tocchini (Last Days of American Crime, Uncanny X-Force) ist in ferner Zukunft angesiedelt. In der Welt von LOW hat die Sonne früher als von allen Wissenschaftlern vermutet, begonnen zu sterben und sich in Folge dessen auszudehnen. Diese Entwicklung hat das Leben auf der Erdoberfläche unmöglich gemacht und die Menschheit dazu gezwungen, sich unter die Wasseroberfläche zurück zu ziehen, während Sonden in den Weltraum ausgesandt werden, um einen bewohnbaren Planeten ausfindig zu machen. Jahrtausende vergehen und die Luft in den Unterwasserstädten neigt sich dem Ende zu. Dann kehrt eine der Weltraumsonden zur Erde zurück und Stel Caine begibt sich auf die gefährliche Reise zur Erdoberfläche, die seit Jahrtausenden niemand mehr betreten hat.

Im Vorwort beschreibt Remender seine besondere Beziehung zu dieser Geschichte. Sie sei in einer Zeit entstanden, in der sich in seinem eigenen Leben viel verändert habe. Vor allem habe er sich in Therapie befunden und sich darum bemüht, eine positivere Sicht auf das Leben zu entwickeln. Diese (erfolgreichen) Bemühungen hätten den Charakter der Protagonistin Stel massiv geprägt. Tatsächlich stellt ihr bedingungsloser Optimismus Stels zentrale Charaktereigenschaft dar. In einer hoffnungslosen Welt kämpft sie einen scheinbar verlorenen Kampf.

 

 

Der erste Band der Reihe LOW ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Der Leser lernt erst im Laufe der Geschichte, wie die Welt im Einzelnen funktioniert und das Artwork Tocchinis kann guten Gewissens als atemberaubend bezeichnet werden. Durch diesen sehr bunte und teils skizzenhaften Zeichenstil benötigt der Leser unter Umständen lange, um die einzelnen Panels in ihrer Gänze wahrzunehmen. Auch kann der Eindruck entstehen, dass die Panels durch Tocchinis Kunst bisweilen chaotisch wirken. Dies deckt sich aber wunderbar mit dem Gefühl für die Welt, die Remender sehr interessant und überraschend konzipiert.

Wer also bereit ist, sich mit einem Comic eingehend zu beschäftigen und gegebenenfalls mehr Zeit in die einzelnen Seiten zu investieren, als in eine durchschnittliche Superheldengeschichte, Science-Fiction mit plakativer Philosophie, anspruchsvolles Artwork und sich für gelungenes Worldbuilding  interessiert ist bei LOW mit Sicherheit gut aufgehoben.

Text: Jonas Feike