“Man muss auf jeden Fall was von sich zeigen” – Stimmen aus der Praxis mit Ulla Menke

image_pdfimage_print

Auch wenn das Internet für die meisten Studierenden heutzutage kein Neuland mehr sein dürfte, unterscheidet sich das Nutzungsverhalten doch enorm. Ulla Menke, Referentin für digitale Wissenschaftskommunikation der Max Weber Stiftung und selbst begeisterte Twitternutzerin, führte in die Welt des wissenschaftlichen Bloggens und Vernetzens ein. Zunächst verschaffte sie sich aber einen Überblick über die Mediennutzung der Anwesenden.

Soziale Medien konsumiere ich nur noch passiv.“

„Twitter verstehe ich einfach nicht.“

„Ich gucke morgens furchtbar gerne in die Kommentarspalten was Leute so denken, auch wenn man danach nicht weiter aufstehen mag.“

„Ich sehe in den sozialen Medien viel Potential, da es mehr Beteiligung an Diskussionen gibt.“

Von intensiven Twitternutzern bis hin zu Verweigerern der sozialen Netzwerke spiegelte sich bei der zweiten Veranstaltung der „Stimmen aus der Praxis“ im laufenden Semester das gesamte Spektrum der Mediennutzung wider. Dass Blogs und soziale Medien nicht nur zu privaten Zwecken genutzt werden können, sondern durchaus auch Raum für die Verbreitung der eigenen wissenschaftlichen Arbeiten bietet und welche Tipps und Tücken dabei auf einen warten, erläuterte Ulla Menke anhand einiger Beispiele.

Klassische Blogs, datierte und chronologisch sortierte „Web-Logbücher“, bieten dabei etablierten wie angehenden Wissenschaftlern die Möglichkeit sowohl die fertigen Ergebnisse, wie auch einzelne Arbeitsschritte ihrer Forschung zu veröffentlichen. Auch wenn sich zuweilen die Wissenschaft noch gegen die digitalen Verbreitungsmöglichkeiten sträuben würde und auf das Renommee der klassischen Printjournale setze, verzeichnen Wissenschaftsblogs stetig Zulauf. Gerade die Naturwissenschaften nutzen bereits die Welt der Online-blogs, aber auch immer mehr Geisteswissenschaftler kämen laut Menke auf den Geschmack. Plattformen wie Scilogs oder Hypotheses bieten dabei Wissenschaftlern sowohl die Hilfsmittel zur Blogerstellung, wie auch eine Verbreitungsmöglichkeit.

Um eine möglichst große Reichweite zu erzielen, sei eine Präsenz in den sozialen Medien neben den Blogs unerlässlich. Viele Wissenschaftsblogs und Onlineprojekte finden sich auch beim Kurznachrichtendienst Twitter wieder, um dort auf ihre Blogeinträge aufmerksam zu machen. Wissenschaftler können sich so untereinander vernetzen und den Bekanntheitsgrad ihrer Arbeiten steigern.

„Viele Kollegen hätte ich nicht entdeckt, wenn ich nicht auf Twitter wäre.“, bemerkte PD Dr. Claudia Kemper, selbst häufig am twittern. Das Netzwerk erlaube es den Nutzern die Grenzen zwischen Privatperson und Wissenschaftler verschwimmen zu lassen, ohne unseriös zu wirken. Eine Blaupause für Erfolg auf Twitter gebe es zwar nicht, aber eine eigene Meinung, Humor und Regelmäßigkeit dürften auf keinen Fall fehlen. „Man muss auf jeden Fall was von sich zeigen.“, denn Profile ohne Fotos und Informationen kämen bei den Nutzern nicht an so Menke, die selbst über den Umweg Literaturwissenschaft in die digitale Wissenschaftsbranche kam.

Bei all den Möglichkeiten der schnellen Information und Meinungsmache auf Plattformen wie Twitter, dürfe man allerdings nicht vergessen das Ganze auch mit wissenschaftlichem Inhalt zu untermauern. Denn noch keine große wissenschaftliche Karriere wurde auf Tweets aufgebaut.

 

Henrik Drechsler