LUMIX Festival 2018 – eine Rückschau

Anschauen, wirken lassen, nochmal anschauen – auf dem weitläufigen Gelände mit den zahlreichen Foto-Geschichten brauchen die Besucher vor allem Zeit, um die vielen Eindrücke aufzunehmen. In Gebäuden mit unterschiedlicher Atmosphäre und Open-Air waren verschiedenste Reportagen und Porträts zu sehen. Menschen und ihre Geschichten aus der ganzen Welt wurden in diesem Jahr bereits das sechste Mal zu den Motiven des Festivals. Lebensverhältnisse, Konflikte, Trends, Gewalt, Innovation – die 60 Fotoarbeiten entstammten den unterschiedlichsten Themenbereichen.

Das Konzept einer thematischen Zuordnung war vielerorts deutlich erkennbar. Themen mit Naturaspekt, Geschichten über einfache Lebensverhältnisse und Traditionen waren draußen in den Gärten im Wandel zu sehen. Die Vergangenheit des Deutschen Pavillons (eines der Ausstellungsgebäude) war selbst nicht nur als Räumlichkeit, sondern auch thematisch Teil der Ausstellung. Im Herbst 2015 erwarb die Landeshauptstadt Hannover  das Gebäude und richtete es als Notunterkunft für Flüchtlinge ein. Die Zelte, in denen zu dieser Zeit rund 400 Geflüchtete untergebracht waren, stehen dort noch bis heute und bildeten das Ambiente für Geschichten mit den Themen Flucht, Kampf und Unruhen.

Die Arbeit des Fotografen Hannes Jung war Open-Air ausgestellt – und zwar vor dem Eingang zum Deutschen Pavillon. Eine klare Abgrenzung zu den Geschichten im Innenraum. Jungs Thema: Populismus in Deutschland, eine Auftragsarbeit für die Financial Times. Für seine Geschichte begleitete er 2017 die AfD (Alternative für Deutschland) im Wahlkampf. Jung erzählte während einer Führung, wie er während seiner Arbeit versuchte, auf die AfD-Politiker zuzugehen, und wie sie ihm begegneten. In seinen Bildern spiegeln sich, wie er sagt, auch die Charaktere der einzelnen Politiker so wider, wie er sie wahrgenommen habe. Es sei zuweilen eine schwierige Aufgabe, sowohl dem Politiker und seiner öffentlichen Haltung als auch der Person mit ihrer Art auf den Menschen zuzugehen in der Darstellung gerecht zu werden, erklärte Jung. Er machte deutlich, dass die Darstellung durch Fotografie nicht nur das Motiv, sondern auch den Fotografen zeigt.

Paul Lovis Wagner begleitete die Vorbereitungen für den G20-Gipfel 2017. Wagner berichtete über seine Erfahrungen bei PR-Terminen in dieser Zeit und wie er mit für die Presse inszenierten Darstellungen umging. Als Fotograf müsse er sich bei solchen Terminen bewusst machen, dass die für die Presse geschaffenen Einblicke in der Vorbereitung möglichst positiv erscheinen sollen, sagte er. Er halte es in diesen Situationen für notwendig, die aufbereiteten PR-Bilder zu hinterfragen.

Die besten Arbeiten des Festivals wurden mit verschiedenen Preisen geehrt. Eine internationale Jury aus ausgewiesenen Fachleuten des Fotojournalismus entschied über die Vergabe. Den FREELENS-Award (Preis für die beeindruckendste Arbeit der ganzen Ausstellung) bekam in diesem Jahr Florian Müller. Unter dem Titel „Hashtags Unplugged – Von Lastern und Leitmotiven“ thematisierte er die Sehnsucht nach Anerkennung in sozialen Netzwerken und die Schritte, die User bereit sind, dafür zu gehen. Der Lammer-Huber-Award für die beste Darstellung einer Alltagsgeschichte ging an Aleksi Poutanen. Mit seiner Reportage „Fellow Creatures“ zeigte er, wie im Finnland des 21. Jahrhunderts die Beziehung zwischen Mensch und Tier gelebt wird. Den LUMIX-Media-Award erhielt Kyrre Lien mit der Multimedia-Story „The Internet Warriors“. Lien traf Menschen, die mit ihren Onlinekommentaren bis an die Grenze des Erlaubten treten. Den Publikumspreis, gestiftet von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, bekam Elias Holzknecht für sein Porträt „Josef“. Er zeigte das Leben eines Mannes aus Österreich, der seit 40 Jahren in unverändert einfachen Verhältnissen lebt – ohne fließendes Wasser und Heizung. Der Nachhaltigkeitspreis wurde 2018 zum zweiten Mal verliehen. Er zeichnet die Arbeit mit der eindrucksvollsten Auseinandersetzung zu den Themen Umwelt, Nachhaltigkeit und Soziales aus. Er ging an Zen Lefort mit seiner Geschichte „Standing Rock“ über die Proteste von Ureinwohnern, Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten gegen den Bau einer Ölpipeline am Missouri in North Dakota.

Organisiert wird das LUMIX-Festival vom Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover und dem Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover. FREELENS, eine deutsche FotojournalistInnen-Vereinigung, unterstützt die Veranstalter. Für die Ausstellungsplätze können sich internationale Studierende und professionelle FotoreporterInnen bis zu einem Alter von 35 Jahren bewerben. Insgesamt 80 Aussteller und Vortagende werden zu dem Festival eingeladen und erhalten die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit zu präsentieren.

Fotos: Enrico Schierer

Text: Maike Heimsoth