Leiden unter Vorurteilen – Das Schicksal von Sinti und Roma

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Sinti und Roma

Häufige Opfer von Vorurteilen: Sinti und Roma

Rassismus ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen – das zeigt auch eine neue Studie der Universität Leipzig. Zwei Gruppen, die bereits seit Jahren darunter leiden: Die Sinti und Roma – abwertend auch häufig als Zigeuner bezeichnet. Um dem entgegen zu wirken veranstaltet das Referat für Antirassismus regelmäßig Vortragsreihen: Dieses Semester mit dem Fokus auf Antiziganismus.

Ihre Motivation beziehen die jungen Studierenden aus ihrem politischen Interesse. Ihr Anspruch: Politische Bildung durch Aufklärungsarbeit erreichen. “Politische Bildung ist einer der wichtigsten Wege, Menschen außerhalb der Medien aufzuklären”, sagt einer der Mitglieder. Unter dem Titel Gegen das Gesetz und die Gesetzlosigkeit. Zur Sozialpsychologie des Antiziganismus findet heute, 16. Juni,  um 19 Uhr die nächste Möglichkeit für politische Weiterbildung im Großen Zoologischen Hörsaal der JLU statt. Der Referent Sebastian Werner spricht von den Wirkungsmechanismen Antziganistischer Ressentiments und geht mit einem psychoanalytischen Ansatz auf die Frage ein – Warum werden den Menschen solche Vorurteile zugeschrieben?

Vorurteile

Antiziganismus ist eine Form von Rassismus, wobei Menschen aufgrund von Zuschreibungen und Vorurteilen als Zigeuner bezeichnet und identifiziert werden. Er betrifft nicht nur die Sinti und Roma, sondern auch Menschen die aufgrund Ihres Verhaltens oder Ihrer Herkunft als Zigeuner bezeichnet werden. Das stereotype Bild eines Zigeuners bzw. zigeunerisches Verhaltens prägen zugeschrieben Eigenschaften wie Unzivilisiertheit, eine fehlende Identität sowie ein parasitäres und arbeitsscheues Leben so auch die Vorstellung, dass sie nicht nach unseren Regeln und unseren Gesetzen leben können. Dabei stellt der Begriff Zigeuner eine diskriminierende Fremdbezeichnung dar und beinhaltet immer negative und rassistische Zuschreibungen, deshalb – so das Referat – müsse dieser abgelehnt werden. Nach einer Studie des Politologen Markus End,  fördere etwa die Bundesregierung zurzeit keine Projekte gegen Antiziganismus. In den entsprechenden Programmen gegen Rassismus und Diskriminierung spielt das Thema, wenn überhaupt, eine nebensächliche Rolle. In Deutschland gibt es keine institutionalisierte akademische Antiziganismusforschung, in den zentralen Bereichen zu Antiziganismus bestehen Forschungslücken, so Markus End.

Antiziganismus seit Jahrhunderten

Unbestreitbar sei, dass Antiziganismus in der gegenwärtigen Mehrheitsgesellschaft existierte. Er sei kein Produkt neuester Zeit, sondern basiere auf überlieferten Zigeuner-Bildern, die in der Gesellschaft über Jahrhunderte fortbeständen. Zu einer konkreten Bildungsarbeit solle auch der “kritische Umgang mit den Medien” gehören, so Dr. Rubina Zern, Historikerin und wissenschaftliche Koordinatorin des Arbeitsbereichs „Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa“ am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Universität Heidelberg. Stereotype antiziganistische Bilder sind in den Medien, in der Literatur, im Film und Fernsehen omnipräsent und werden selten hinterfragt. In Berichten über Armutszuwanderung und Einbrecherbanden werden vorhandene Klischees reproduziert, zumal von den Journalisten selbst, nicht erkannt und hinterfragt.

 

Text von Isabella Iskra

Bild von Stanislaw Mucha: Dokumentation: Zigeuner, 2007

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