Kondome als Kriegswaffe

_Christian_Schmeink056Illegale Psychatriefilme, Nazi-Undercover-Missionen und lebensrettende Verhütungsmittel waren nur ein Teil der Aspekte, die Jan Peter dem JLU-Publikum am Mittwochabend über sich und seine Doku-Reihe offenbarte. Der Regisseur des erfolgreichen Doku-Achtteilers „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ von 2014 war als Gast im Zuge des neu eingerichteten Masterstudiengangs der Fachjournalistik Geschichte an der JLU geladen und stand den Studierenden Rede und Antwort. Dabei traten skurrile Informationen aus seinem Leben und der Arbeit mit der Serie zu Tage.

DDR-Psychiatrie und Nazi-Banden

Dem in Ost-Deutschland aufgewachsenen Jan Peter wurde nach der Schule das Studium aufgrund von Parteifeindlichkeit verweigert. Stattdessen verdingte er sich zunächst als Unterwäsche-Verkäufer und Hilfspfleger in der Psychiatrie. Bei letzterem drehten er und seine Kollegen mithilfe aus dem Westen eingeschmuggelter Kameras erstmals filmähnliche Szenen gemeinsam mit den Patienten.

Über einen Job bei Rias TV mit riskanten Versteckte-Kamera-Einsätzen (u.a. Kauf von Waffen in Belgien und Einschleusung in Nazi-Banden), sowie dem gescheiterten Versuch vom eigenen Spielfilm, landete Peter schließlich endgültig im Berufsfeld des Regisseurs. Im Jahr 2002 drehte er mit „Die geheime Inquisition“ sein erstes erfolgreiches Dokudrama für das ZDF.

Filmischer Meilenstein

Mit „14 Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ legten Peter und sein Produktionsteam einen Meilenstein im Bereich multinationaler Aufbereitung historischer Filme. So lassen sich unter den 14 Personen, deren Geschichte der Achtteiler anhand derer original Tagebüchern und Briefen erzählt, sieben Nationen ausmachen, deren unterschiedliche Perspektiven auf den Krieg durch die Personen und den Dreh in sieben verschiedenen Sprachen eindrucksvoll umgesetzt wurden.

Die Reaktionen auf die europaweit sieben Erstausstrahlungen fielen alle relativ ähnlich aus. Einzig die Premiere in Moskau war laut Peter besonders emotional. Dies lag wohl mitunter daran, dass die Annexion der Krim durch Russland in greifbar naher Vergangenheit lag und die Angst vor einem neuen Krieg noch immer in den Köpfen der Bevölkerung schwebte. Die Freude darüber, Russland als gleichwertigen Teil europäischer Geschichte dargestellt zu sehen, überragte jedoch dieses Gefühl der Furcht.


(c) LOOKS Tobias Fritzsche/Sevérine Goupil

In Bezug auf Fragen zum historischen Inhalt und zur Aufbereitung der Serie gab Peter am Mittwoch ein für ihn ebenfalls neu entdecktes und in der Doku festgehaltenes Faszinosum der damaligen Kriegssituation zum Besten: die militärische Bedeutsamkeit von Kondomen. Viele Soldaten, die damals fernab von ihren Frauen und Kindern auf den Schlachtfeldern dienten und in Untreue lebten, begannen an Syphilis zu leiden. Dieses Problem schwächte die Fronten aller am Krieg beteiligten Nationen, sodass schließlich die Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten durch Kondom-Verteilungen zur Aufgabe der obersten Militärs wurde.

Achtung! Das ist nicht Game Of Thrones!

Mit einem Budget von ungefähr sechs Millionen Euro reiht sich die Doku-Serie finanziell im Vergleich mit so mancher US-Erfolgsserie eher im unteren Bereich ein. „Wir sind nun mal nicht Game Of Thrones“, erklärte sich Peter lachend bei der Veranstaltung der Justus-Liebig-Universität, auf der er am Ende bereits einen kleinen Einblick in sein nächstes Projekt gab.

„Dieses Mal soll die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen genauer beleuchtet werden, erneut auf der Grundlage von Tagebüchern.“

Als eine der großen Persönlichkeiten wird dabei voraussichtlich das Tagebuch des Revolutionärs und späteren vietnamesischen Präsidenten Ho Chi Minh verfilmt werden.

Ein Bericht von Isabella Pianto

 

 

 

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