Keine Krone für die Polit-Ikone – Eine Bilanz

Prof. Herz

Prof. Herz und Prof. Leggewider

Nur noch zehn Wochen und acht Tage ist Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Anlass zog Prof. Ditmar Herz von der Uni Erfurt am vergangene Montag eine rückblickende Bilanz über Obamas Amtszeit. Nach zwei Stunden Vortrag an der Justus-Liebig-Universität lautete sein Urteil: “Obama ist gescheitert”.

Wohl gescheitert

Erwartungsvolles Murmeln erfüllt den 440 Plätze fassenden Saal,  das sofort verstummt, als der Präsident Prof. Joybrato Mukherjee den Beginn der Ringvorlesung zum Thema “Amerika ist anders” verkündet. “Er ist nicht so bayrisch wie sie glauben”, stellt Koordinator Prof. Dr. Leggewider den Vortragenden  Herz aus Oberbayern vor. Seinen Vortrag rankte der Gastredner um die Frage “Erfolgreich gescheitert?- Präsident Obamas Versuch einer Politik der Ernsthaftigkeit”. Dabei argumentiert der Spezialist für vergleichende Regierungslehre, dass Präsident Obama  an seine anfänglichen gestellten Ansprüchen und Zielen wohl gescheitert ist. War Obamas Amtszeit verlorene Zeit? Sein Nobelpreis von 2009 eine Lüge? Ganz so streng ist Herz dann doch nicht. Er räumt ein, dass Obama rückblickend „in einzelnen Politikfelder durchaus Erfolge zu verzeichnen“  habe. Zum Beispiel bei seiner Einwanderungspolitik und der Förderung der Diversität im Land. Studentin Valeria (21) sitzt im Publikum und hat nach dem Vortrag das Gefühl, gut über Obamas durchgesetzte Reformen bei  Einwanderungspolitik oder der  Gleichstellung informiert zu sein.

Auch die pensionierte Gasthörerin Doris Weimer-Schluckebier ist nach dem Vortrag recht zufrieden, dieser sei informativ gewesen. Gerne hätte sie noch etwas mehr zu Obamas Außenpolitik, insbesondere den Einsätzen von Drohnen im Irak gehört.

Kein Pazifist

Gerade dieser Punkt beschäftigt auch Herz. Er erklärt mit ruhiger Stimme, dass Obama

Amerika ist Anders - auch , wenn es um Politik geht

Amerika ist Anders

zwar 2009 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, dieser jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt übergeben worden sei. Denn, mahnt Herz an, immerhin „ist Obama kein Pazifist“. Noch in seiner, im Winter 2009 gehaltenen Rede,  hatte der Präsident klargestellt, dass er auch Oberbefehlshaber der US- Streitkräfte sei und die USA somit wohl nicht auf Gewalt verzichten würden.

American Dream

Doch trotz Drohnenkrieg und dem Tod vieler unschuldiger Zivilisten im Irak-Krieg und in Syrien, sei Obama so beliebt wie kaum ein Präsident vor ihm. Auch wenn er einzelne Gruppen gegen sich hat und damit zugleich so verhasst ist wie keiner vor ihm. Wie kommt es dann, dass wir, wenn wir an Barack Hussein Obama denken, zumindest kein so schlechtes Gefühl wie bei Staatschefs wie Bush oder Putin im Bauch haben? Der weißhaarige Mann am Rednerpult weiß darauf eine Antwort. Weil Obama den “american Dream” verkörpert. Aus einfachen Verhältnissen aufgewachsen, Studium in Harvard und schließlich Amerikas Präsident. Eine

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Bilderbuchkarriere. Außerdem ist er vom Fortschrittsglauben Amerikas überzeugt und auch noch der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten. Jemand der für Minderheiten eintritt. Also das Gegenteil von George W. Bush, der klar „dem Bösen zugeordnet werden kann“, scherzt Herz.

Professor Herz ist nach zwei Stunden am Ende seines Vortrags angekommen und mancher Zuhörer reibt sich verschlafen die müden Augen. Lehramtsstudentinnen Valeria und Pia sind sich einig: sehr interessant, aber ein bisschen Pfeffer im Vortrag hätte nicht geschadet.

 

Artikel und Fotos von Kim Hornickel

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