Kehrtwende für Gießen?

 

Greenpeace Gießen fordert ein Umdenken im Straßenverkehr in der Stadt. „YouTurn the streets – Verkehrswende jetzt!“ lautete auch das Motto der Veranstaltung am Samstag, bei der Mitglieder von Greenpeace mit Passanten ins Gespräch kommen wollten.

Dazu hatten sie sich einen eher ungewöhnlichen Standort für ihren Pavillon ausgesucht. Er stand nicht etwa auf einem großen Platz in der Fußgängerzone, sondern auf einer Reihe von Parkplätzen in der Neuen Bäue. Das gehörte zum Konzept der Veranstaltung. „Wir wollen zeigen, was man mit dem ganzen Platz, der für Autos reserviert ist, machen kann“, erklärte Anette Wasseroth von Greenpeace Gießen. „Wir wollen zeigen, was hier alles noch sein könnte“, fügte Wasseroth hinzu.

Dazu hatte die Gruppe ein Halteverbot auf den Parkplätzen für die Dauer der Aktion beantragt und auch genehmigt bekommen. Ein Auto, dessen Halter sich nicht an das Verbot gehalten hatte, wurde kurzerhand mit Transparenten behängt und zum Teil der Aktionsfläche umfunktioniert.

Über die Frage, was in der Innenstadt entstehen könnte, wenn nicht so viel Platz für Autos und Parkplätze verbraucht würde, diskutierten die anwesenden Greenpeace-Mitglieder auch mit Passanten. Es blieben längst nicht alle am Stand der Gruppe stehen; wer jedoch anhielt, blieb auch gerne für ein längeres Schwätzchen. Dabei waren sich alle einig: Es soll sich etwas ändern in Gießen.

Wer eine Idee hatte, wie man die für Parkplätze benötigten Flächen anderweitig nutzen könnte, konnte diese auf einem Zettel notieren und am Greenpeace-Pavillon befestigen. So kamen schnell zahlreiche Ideen zusammen. Manche wünschten sich Grünflächen oder Spielplätze, andere öffentliche Trinkbrunnen, an denen man kostenlos die eigene Flasche auffüllen könnte. Die Idee einer Leihfahrrad-Station landete ebenfalls auf einem der Zettel.

 

Freie Fahrt für Drahtesel

Die Möglichkeit, mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, spielte am Stand von Greenpeace insgesamt eine große Rolle. So hatten die Mitglieder neben dem Pavillon eine Fahrrad-Reparaturstation aufgebaut. Dort konnten Interessierte und Passanten beispielsweise ihre platten Reifen aufpumpen oder ihre Kette ölen, um in Zukunft wieder mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können.

Außerdem gab es die Möglichkeit, an einer Umfrage des ADFC bezüglich des Fahrradverkehrs in Gießen teilzunehmen. Darin wurde unter anderem gefragt, wie sicher sich Radler in der Stadt fühlten und ob es Spaß mache, in Gießen Fahrrad zu fahren.

Es zeigte sich auch am Samstag, dass der Wunsch nach Änderungen im Verkehr der Gießener Innenstadt in diesen Tagen groß ist. Gerade einmal eine Woche zuvor hatte es eine Fahrraddemonstration gegeben, zu der zahlreiche Vereine und Verbände geladen hatten.  Auch am gerade frisch erneuerten Marktplatz hängen Plakate, die ein Umdenken im Verkehrsgeschehen der Stadt und sogar eine gänzlich autofreie Innenstadt fordern. Der Wille zur Wende scheint in Gießen demnach gegeben. Ob diese jedoch tatsächlich kommen wird, wird die Zukunft zeigen müssen.

 

Tatjana Döbert