“Ihr werdet der Motor sein” – Über den neuen Journalismus

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Gregor Mayer zu Besuch in Gießen

Der Journalismus der Zukunft wird schon jetzt geplant. Der Online-Journalist Gregor Mayer war in Gießen und sprach mit uns über State-of-the-Art Medien, die Bravo-Bildershow der heutigen Generation und den Motor für alles Neue.

Im richtigen Zeitpunkt da sein – das ist vor allem als Journalist wichtig. Dabei ist nicht einmal ein Tatort oder ein wichtiges Interview gemeint. Nein, wichtig ist, im richtigen Moment bereit für neue Herausforderungen zu sein. So war es auch bei Gregor Mayer. Der Online-Chef des öffentlich-rechtlichen Spartenkanals Phoenix begann mit seiner Arbeit im Web, als es noch in den Kinderschuhen steckte. „In den 90ern kam ich über mein Redaktionstrainee zum Sender. Als junger frischer Journalist schmiss man mich ins kalte Wasser.“ Mayer sollte sich den neuen Onlineauftritt kümmern. „Ich habe mich ein wenig wie ein Fremdkörper gefühlt, weil damals neue Dinge wie E-Mail und Internet noch gar nicht weit verbreitet waren“, erinnerte sich Mayer.

Alle 5 Jahre muss man sich neu erfinden

Seitdem hat sich jedoch vieles verändert. Die Digitalisierung der Medien und die immer stärkere Nutzung von Social Media führen dazu, dass sich Medienkonzerne immer wieder selbst neu erfinden müssen. „Alle fünf Jahre gibt es einen größeren Entwicklungsschritt um State of the Art zu sein“, so der Experte. Deshalb kümmern er und sein Team sich schon jetzt um die vermeintliche Mediennutzung im Jahr 2021. Er muss sich jetzt schon fragen:

Die Nachwuchsjournalisten hörten gespannt zu

Die Nachwuchsjournalisten hörten gespannt zu

Wie werden sich Facebook und Twitter  weiterentwickeln? Wie kann man Instagram und Snapchat journalistisch nutzen? Bleibt es eine Art Bravo-Bildershow der Zukunft oder ist es auch seriös einsetzbar? Und welche Neuerungen – nicht nur auf dem Social- Media-Markt –  wird es geben?  Klar ist jetzt schon: Nachrichten werden individueller, vielfältiger und interaktiver verbreitet. Diese  Entwicklungen haben jedoch zur Folge, dass man sich heute mit dem Konflikt zwischen Seriosität und der reinen Nachricht auf den sozialen Medien auseinandersetzen müsse. Das Filtern von „wahr“ und „unwahr“ wird immer wichtiger, denn die Menschen interagieren immer mehr mit den Medien. Mehr Mobilität durch mehr Smartphones, Tablets und höhere Datenvolumen führen dazu, dass die Leute sofort im Bilde seien. Entsprechend müsse man sich heute mit den Möglichkeiten der Zukunft auseinandersetzen. „Virtual Reality ist das ganz große Neue. Sie müssen sich eine 360° Kamera im Plenarsaal des Bundestages vorstellen. Plötzlich ist man mittendrin und sieht genau welcher Abgeordnete was tut“, schaffte Mayer einen Ausblick in künftige Konzepte.

Der Aufstieg der Populisten

Neue Entwicklungen bringen jedoch auch manchmal neue Gefahren. Der Aufstieg von Populisten sei auch auf deren gute Nutzung von neuen Medien zu begründen. „Die AFD nutzte Facebook und Twitter und holte damit viele Stimmen“, so Mayer. Problem sei hierbei, dass der Algorithmus von Facebook diesem Wählerklientel suggeriere die eigene Meinung wäre plötzlich Mainstream. „Die Anonymität fällt weg gleichzeitig auch die Hemmnisse“, resümierte der Referent.

Angst vor dem Wandel?

Für die Zukunft machte Mayer klar wird es auch weiterhin so sein, dass die neuen Medien die alten nicht ersetzen sondern ergänzen werden. „Denn viele Nachrichten, die im Netz verbreitet werden, entstammen immer noch aus journalistischer Arbeit“. Entsprechend wichtig sei es, diese Quelle zu schützen. Ändern wird sich in den kommenden Jahren jedoch die Zahl der Online-Nutzer. „Obwohl prozentual mehr Jugendliche das Internet nutzen. Das größte absolute Potenzial liegt bei den 40-50 Jährigen“, bilanzierte der Referent. Darauf würden sich etwaige Apps’s und Webseiten ausrichten. „Die Bedürfnisse der Nutzer haben sich nicht geändert. Aber die Möglichkeiten sind im stetigen Wandel“. Das führe dazu, dass viele ältere Kollegen bei neuen Dingen erst mal ängstlich seien und eher die Risiken denn die Chancen sehen. Deswegen richtete er sich zum Schluss mit einem Appell an die anwesenden Studenten. „Sie werden der Motor der neuen Entwicklung sein. Haben Sie keine Angst vor Ablehnung oder Kritik.“

 

Artikel von Marek Szabowski

Fotos von Jennifer Meina

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