“Geschichte besteht nicht nur aus ollen Kamellen über tote Männer”

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Susanne Spröer im Interview mit Kim Melina Hornickel

Susanne Spröer im Interview mit Kim Melina Hornickel

Zurück zu ihren Wurzeln – das hat sich wohl Susanne Spröer gedacht, als sie an ihre alte Uni in Gießen zurückkehrte. Die Magister Absolventin des Studienganges Fachjournalistik Geschichte, hatte ihrer nachfolge Generation so einiges an Erfahrungen mitgebracht, die sie während ihrer Zeit als Journalistin beim WDR und der Deutschen Welle gesammelt hat. Ein Bericht von Kim Melina Hornickel über den Alltag einer Journalistin, die Zukunft der Geschichte und was sich junge Journalisten merken sollten.

“Fragen sie mir Löcher in den Bauch”, forderte Spröer gleich zu Beginn auf. Neugier – so erzählt sie später – sei ungemein wichtig in diesem Job. Sie selbst hat bereits während ihres Studiums an der JLU, welches sie 1993 abgeschlossen hat, als Freie Journalistin für eine Zeitung gearbeitet. Ihr anschließendes Volontäriat beim WDR, wo sie für die nächsten 13 Jahre tätig war, ebnete ihren Weg zur Deutschen Welle. Geschichtsdokumentationen, Beiträge für Hörfunk und Internet – all das hilft ihr heute im Job als Head of Culture bei der deutschen Welle, wo sie seit vier Jahren für die deutsch- englische Kultur-Onlineredaktion, verantwortlich ist. Ziemlich viel zu tun, “dabei sind wir nur ein Teil eines Größeren”, erklärt Spröer. “Schon morgens um halb neun finden die ersten Konferenzen statt.” Zunächst seien es kleinere Gruppen und im späteren Tagesablauf auch im größeren Plenum. Dabei kämen journalistische  Arbeiten aus Zeitmangel oft zu kurz, bedauert Spröer. Dagegen würden Telefonkonferenzen an der Tagesordnung stehen  und ein hohes Maß an Koordination sei nötig.

Denn der Onlineauftritt, die Radio- und Fersehprogramme der “Deutschen Welle” umfasst circa 3000 festangestellte und freie Mitarbeiter. Das Fernsehprogramm mit Sitz in Berlin, erscheint in vier Sprachen und die Online-Seiten mit Sitz in Bonn, in weiteren

Die Nachwuchsstudenten hören dem Profi bei ihrem Vortrag aufmerksam zu

Die Nachwuchsstudenten hören dem Profi bei ihrem Vortrag aufmerksam zu

26 Sprachen. Dabei würde nicht einfach übersetzt werden, sondern die Texte würden adaptiert, also an die jeweiligen Zielregionen angepasst, erklärte Spröer. Es gebe einen “Informationspool”, aus dem alle Redaktionen schöpfen können. Jede (Sprach)-Redaktion berichtet aber auch regional.

Vor allem durch die relativ neue Plattform des Internets können Informationen durch “Digitales Storytelling” weiter als bisher verbreitet und abwechslungsreicher zum Beispiel durch Audio und Video präsentiert werden.”Die Leser müssen am Haken sein”, sagte Spröer und lachte. Gerade die Jüngeren sollen so auch wieder für Geschichte zu begeistert werden. Oft würde diese in

Die Möglichkeiten des Internets macht sich die Deutsche Welle gern zu eigen, um gerade die Jüngeren zu begeistern

Die Möglichkeiten des Internets macht sich die Deutsche Welle gern zu eigen, um gerade die Jüngeren zu begeistern

den Hintergrund gedrängt und besonders Jugendliche hätten das Gefühl langweilige Zahlen lernen zu müssen und belehrt zu werden. Aber, unterstreicht Spröer, “Geschichte besteht nicht nur aus ollen Kamellen über tote Männer”. Es sei nötig, Geschichte ins Jetzt zu holen und ihre Bedeutung für die heutige Gesellschaft klar zu machen, so Spröer. Mit diesen Bemühungen geht die Kultur Online Seite der Deutschen Welle mit gutem Beispiel voran. Anlässlich des 100. Jahrestages des 1. Weltkrieges wurde die Serie “Mit 17…das Jahrhundert der Jugend” veröffentlicht. Hierbei werden zwölf Schicksale zu bestimmten, historisch wichtigen Jahreszahlen, wie das der Wende 1989 in Deutschland präsentiert. In kurzen Videos werden den Zuschauern zwei Zeitzeugen und deren persönliche Schicksale aus genau dieser Zeit anschaulich vermittelt. Ob zwei Liebende, die durch die Berliner Mauer getrennt sind oder eine jüdische Akkordeonspielerin im Konzentrationslager – Das preisgekrönte Projekt wurde bis nach Mexiko und Pakistan vertrieben.

Am Ende ihres Besuchs hat Susanne Spröer noch ein Anliegen, das sie loswerden möchte. So rät sie jedem , der sich für Journalismus und Geschichte interessiert, zu einem Sprachaufenthalt in einem anderen Land, um Deutschland auch einmal von außen zu sehen. Besonders  aber richtet sich ihr Apell an Journalistinnen, nicht aufzugeben und nicht vor den, in erster Linie männerdominierten Führungspositionen, zurückzuschrecken.

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