Ein Herbstmanöver im Stadttheater Gießen – Ein Lichtblick in der Dunkelheit des Herbstes

Ich kann es kaum erwarten!
Mein erster Besuch im Stadttheater Gießen.
In der kleinen Stadt aus der ich komme, steht uns nur die Stadthalle, die relativ schmucklos und vom Aufbau der Bühne gar nicht so gut geeignet für umfangreiches Theater geeignet ist, zur Verfügung, weshalb ich sehr gespannt bin, wie so ein „professionelles“ Stadttheater aussieht.
So viele Dinge sind überwältigend: die begeisterten Zuschauer, die bereits in Diskussionen über die möglichen Inszenierungsweise des Stückes diskutieren, die Stimmung, die der rot leuchtenden Vorhang und die dezent verzierten Stühle und Wände ausstrahlen, sowie das Orchester, das bereits ein paar leise Töne spielt, um die Theaterfreunde unumwunden in seinen Bann zu ziehen. Dann ertönt der Startschuss für die Krieger und Hochwohlgeborenen.

Zu Beginn des Stücks erfährt das erwartungsvolle Publikum, dass in dem Haus der Baronin Riza von Marbach ein Herbstmanöver gefeiert werden soll, welchem eine husarische Armee beiwohnen wird.
Die Damen sind höchst erfreut über diese Nachricht und stimmen einen Chorgesang an, in welchem sie ihre Hoffnungen auf die Begegnungen mit den Soldaten legen, welche kurz darauf auch schon die Bühne betreten.
Diese stellen sich mit energiegeladenen Tanzeinlagen vor, die pointiert auf die feurige Musik zugeschnitten sind.
Als der Oberleutnant von Lörenthy auf Baronin Riza trifft, erinnern sich beide an die Jugendliebe die sie teilten, welche allerdings ein jähes Ende fand, als die Baronin einen anderen heiratete und den jungen Mann sowohl mit einem gebrochenen Herzen als auch ohne Bleibe zurückließ, da ihr neuer Gatte den jungen Mann aus dem Anwesen warf.
Das Stück dreht sich nun um den Wunsch der Baronin, Vergebung für ihre Fehler zu finden, während der Oberleutnant noch immer zu verletzt durch ihren Verrat ist, um ihr diesen Wunsch gewähren zu können.
Der Konflikt gipfelt in einer Serenade der Baronin, die ein wiederkehrendes Lied singt, das sie zusammen mit ihrem ehemaligen Geliebten zu einem früheren Zeitpunkt des Stücks im Duett vortrug.
Die sehnlichst erhoffte Antwort des Mannes bleibt jedoch aus und man sieht ihn traurig mit dem Butler des Hauses vor der Pforte an einem Feuer sitzen, wo dieser dem Publikum einen Zukunftsausblick gewährt, dass von Lörenthy ihr nie vergeben kann und alle Mondnächte sich noch einsamer anfühlen, als je zuvor.
Durch die präzisen und choreografisch ausgefallenen Tänze, sowie die umwerfenden Gesangseinlagen der Akteure und den Wechsel zwischen dem Herzschmerz der Hauptdarsteller und komödiantischen Aspekten wie der Liebe eines Soldaten zu der Tochter der Baronin oder den Balztanz eines Offiziers und eines Hausbediensteten, ist durchgängige Unterhaltung garantiert.
Dazu trugen auch die kleinen menschlichen Momente zwischen dem Butler und dem Oberleutnanten bei, der beispielsweise von seinem alten Freund mit dem Wein, den er in seiner Jugend so gerne trank, überrascht wurde und ihm so bewies, dass er ihn nie vergessen hat, was die Rolle des Butlers als Konstante in dem emotional erdrückenden Wiedersehen mit der Baronin einleitet.
Die Drehfunktion der Bühne verhinderte, dass die Spielorte zu überraschend wechselten und sorgte für ein rundes Gesamtbild.
Das Highlight des Abends war das Duett zwischen dem Oberleutnant und der Baronin, das von Nebel und künstlichem Schneefall begleitet wurde, was dem Gesamtbild eine surreale Schönheit verlieh.
Der Auftritt der Soldaten im Schloss wurde begleitet von Kriegsbildern, die mit einem Beamer auf das Anwesen projiziert wurden, was verdeutlichte, dass die Husaren direkt aus dem Krieg kamen, allerdings wirkte diese Technik deplatziert, da sie nur an einer Stelle Verwendung fand und außerdem nicht zu den sonst verwendeten Akzenten, wie beispielsweise dem magischen Schneefall, passte.
Abschließend ist zu sagen, dass das Stück besonders durch präzise Choreografien sowie die bezaubernden Gesangseinlagen der Akteure glänzte und der Zuschauer nie wusste, was ihn als nächstes Erwartet.

Lina Benndorf, Lars Bepler

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