Die Geschichte des Stöffchens

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Prost! Sarah, Pia und Janna genießen den Apfelwein an schönen Frühlingstagen im Freien.

Prost! Sarah, Pia und Janna genießen den Apfelwein an schönen Frühlingstagen im Freien.

Am 5. Mai findet in Gießen das erste Apfelwein-Kulturfest statt. Solche Feste gibt es in Hessen zuhauf, ist das Stöffche doch quasi Nationalgetränk. Doch auch weit außerhalb der Grenzen unseres schönen Bundeslandes wird Apfelwein konsumiert. Höchste Zeit also sich die Geschichte des Stöffchens mal genauer an zu sehen.

Bereits die alten Griechen und Römer sollen gewusst haben, dass man aus Äpfeln Wein herstellen kann. Vorerst setzte sich jedoch der klassische Wein aus Trauben durch – auch in unseren Breitengraden. Im Umkreis Frankfurts florierte der Weinanbau – bis im 15. Jahrhundert die „kleine Eiszeit“ einbrach. Das Klima veränderte sich und die Weinreben gediehen nicht mehr. Apfelbäume hielten dem Wetter besser stand und so setzte sich nach und nach der Apfelwein in Hessen durch. Deutschlandweit wurde das beliebte hessische Getränk durch die Sendung „Zum Blauen Bock“ bekannt, die 30 Jahre den hessischen way of life ins ganze Land brachten.

Andernorts gab es alkoholische Getränke aus Äpfeln jedoch schon wesentlich früher. Im 11. Jahrhundert bauten die Basken die erste Kelter und stellten damit ein Getränk her,  das sie „zagardua“ nannten. Hauptsächlich wurde es zunächst von Fischern als Mittel gegen Skorbut getrunken.  Mit der Zeit gelangte das Getränk nach Frankreich, wo es „cidre“ genannt wurde. Von Wilhelm dem Eroberer schließlich wurde es nach England gebracht, wo es als „cider“ bekannt wurde. Apfelwein war und ist also international.

Dies zeigt auch die 2014 entstandene Seite weltapfelweintag.de. Dort zeigt eine Weltkarte, dass das Stöffche keineswegs nur in Deutschland konsumiert wird, sondern auch im Rest Europas, den USA oder Australien.

Böse Zungen aus hessenfremden Regionen behaupten, Apfelwein sei das, was erst nach dem 7. Glas zu schmecken anfängt. Wer es also ein bisschen süßer mag, sollte es mit Orangen- oder Zitronenlimonade mischen.

Böse Zungen aus hessenfremden Regionen behaupten, Apfelwein sei das, was erst nach dem 7. Glas zu schmecken anfängt. Wer es also ein bisschen süßer mag, sollte es mit Orangen- oder Zitronenlimonade mischen.

Und so vielfältig wie die Nationen, in denen er getrunken wird, ist auch der Apfelwein selbst. Deshalb passt er laut Sonja Slezacek und Steffen Ball vom Verband der Hessischen Apfelwein – und Fruchtsaft-Kelterein e.V. auch zu allen möglichen Gerichten und ist überall zu finden. „Sowohl in der klassischen Apfelweinkneipe, in einer Szenebar als auch im Gourmet-Restaurant“, erklärt Slezacek und führt weiterhin aus, dass das Stöffche mittlerweile alle Zielgruppen erreicht habe.

Seit 2013 hat das Traditionsgetränk nun auch seinen eigenen Feiertag: Den Welt-Apfelwein-Tag. Ins Leben gerufen wurde dieser von Mitgliedern des Verbandes der Hessischen Apfelwein – und Fruchtsaft-Kelterein e.V. Auf der zugehörigen Internetseite können sich Kelterer, Wirte, Händler und natürlich auch alle anderen Apfelweinliebhaber vernetzen und austauschen.

Am 3. Juni, dem Welt-Apfelwein-Tag, soll es dann weltweit zahlreiche Aktionen und Events geben. Sonja Slezacek und Steffen Ball sind sich sicher, dass der Tag ein Erfolg wird. Immerhin konnte die Facebookseite des Welt-Apfelwein-Tags bereits zwei Tage nach ihrer Gründung 1000 Fans verzeichnen.

Typischerweise kommt der Apfelwein direkt aus dem Bembel. Mittlerweile ist das Stöffchen aber auch in der Flasche erhältlich - und schmeckt!

Typischerweise kommt der Apfelwein direkt aus dem Bembel. Mittlerweile ist das Stöffchen aber auch in der Flasche erhältlich – und schmeckt!

Am 3. Juni soll es aber auch um das Thema Naturschutz gehen, da: „Apfelweintrinker indirekt Naturschützer sind.“, wie Slezacek verrät. Denn die Äpfel für den Apfelwein werden traditionell auf Streuobstwiesen angebaut, die auch weiterhin erhalten bleiben sollen. Schließlich sind sie die Heimat für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Durch die Ernte der Äpfel zur Weiterverarbeitung kann dieser Lebensraum erhalten bleiben.

Es gibt also viele gute Gründe das Stöffchen zu feiern – so wie am 5. Mai auf dem Open-Air-Kino-Gelände in Gießen.

 

Ein Bericht von Tatjana Döbert

Fotos von Kim Melina Hornickel

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