“Das Paket” – Eine Buchrezension

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Das Paket – Sebastian Fitzek

362 Seiten (23 Seiten Extra: „10 Jahre Fitzek“)

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Psychothriller
ISBN: 978-3-426-51018-6
Verlag: KNAUR

 

„In akkurat gezeichneten Lettern,
quer über der von Wasserdampf beschlagenen

Scheibe stand:
HAU AB.
BEVOR ES ZU SPÄT IST!“
– S. 33 –

 

 

Inhalt:

Emma Stein ist eine erfolgreiche Psychologin. Sie liebt ihren Beruf, überschreitet für diesen Grenzen und weiß sich gut gegenüber ihren vielen männlichen Kollegen zu behaupten. Auch in ihrem Privatleben läuft es gut. Sie hat tolle Freunde sowie einen gutaussehenden, beim BKA arbeitenden, Ehemann mit dem sie gerade eine kleine Familie gründen will.

Doch wie das Leben nun mal so spielt, macht das Schicksal ihr einen Strich durch die Rechnung. Während einer mehrtägigen Fachtagung wird sie in dem Hotelzimmer überfallen und vergewaltigt. Zumindest glaubt sie das, denn die Polizei findet keinerlei Beweise für ihre Behauptungen. Nicht mal die Nummer des Zimmers, in dem sie angeblich genächtigt habe, existiere in dem Hotel.

Die seltsamen Widersprüche werden nicht weniger. Emma ist psychisch am Ende, als ihr Postbote ihr ein seltsames Paket überreicht, das sie für einen Nachbarn annehmen soll. Einen Nachbarn, von dem sie noch nie gehört hat, obwohl sie alle Menschen in ihrer Nachbarschaft kennt. Und mit diesem Paket, beginnt die Hölle für Emma erneut, auch wenn sie eigentlich nie geendet hat…

Meine Meinung:

Cover:
Das Cover des Thrillers ist wirklich originell und passt perfekt zu Titel und Inhalt. Es sieht wirklich fast so aus wie ein Paket und hat eine angenehme Farbgebung, die nicht zu penetrant ist. Außerdem ist das Cover optimal beladen, sodass man nicht das Gefühl hat, von dem, was darauf zu sehen ist, erschlagen zu werden. Insgesamt ist es sehr ansehnlich und macht sich sehr gut im Regal.

Schreibstil:
Fitzek schreibt in seinem Thriller in der dritten Form Singular, also im Sie-Erzähler, was es mir in einigen Büchern schwierig macht, mich zu 100% in die Protagonisten hineinzuversetzen. Hier war es jedoch nicht so. Fitzek versteht es, so zu schreiben, dass man gut in das Buch eintauchen und die Außenwelt vergessen kann. Seine Beschreibungen  sind ausführlich, aber nicht zu kleinlich und sein Schreibstil sehr angenehm. Dadurch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen, ohne dass man ins Stocken gerät.

Charaktere:
Emma Stein ist die Protagonistin von Fitzeks Psychothriller. Sie ist eine hochtrabende Persönlichkeit mit einem angesehenen Beruf, einem scharfen Intellekt und einem Bekanntenkreis, der ebenso wie sie selbst aus der höheren Schicht der Gesellschaft stammt. Trotzdem besteht sie aus mehr als nur diesen oberflächlichen Fakten, denn sie selbst hatte in früher Kindheit die gleichen psychischen Probleme wie einige der Leute, die sie nun als Expertin behandelt und versucht zu therapieren. Mir persönlich hat sie als Protagonistin gut gefallen. Sie ist keine dieser anstrengenden Hauptcharaktere, die sich selbst unter- bzw. überschätzen oder die grundlos total dämlich und unlogisch handeln. Vor allem ihr innerer Konflikt mit sich selbst, ihre Fehler, ihre Probleme waren etwas, was sie für mich beim Lesen ansprechend gemacht hat.

Die zentralen Charaktere im Allgemeinen empfand ich als wirklich gut ausgearbeitet, was bei einem Thriller mit vielen Wendungen ja besondere Wichtigkeit hat. Sie haben viele Dimensionen, sind Fassettenreich und teilweise mit wirklich unerwarteten Abgründen, die sich dem Leser nur nach und nach offenbaren.

Story:
Die Storyline ist von allen Punkten des Buches das, was mir am aller besten gefallen hat. Vor allem das Thema Psyche empfand ich als besonders ansprechend und wirklich super umgesetzt. Es beginnt bereits im Prolog mit einem spannenden Hintergrund, bei dem man sich fragt, was es damit auf sich hat. Danach baut sich die Spannungskurve immer weiter und weiter auf. Immer wieder gibt es kleine Unterbrechungen, in denen sie Abflacht, sodass man ‚durchatmen‘ kann, ehe es weiter geht.

Es greift alles so flüssig ineinander, dass zumindest mir wirklich bis zum Ende nicht klar war, was Wahrheit und was Einbildung, wer schuldig und wer unschuldig ist. Mehrere gut durchdachte sowie klug platzierte Plottwists sorgen vor allem gegen Ende des Buches dafür, dass man die Handlung atemlos verfolgt, wobei der Versuch, die Handlung zu entwirren und zu verstehen, wo nun Gut und wo Böse ist, einen komplett einnimmt.

Fazit:
Alles in allem ist es ein wirklich unglaublich gelungener Psychothriller. Oft erahnt man das Ende von Thrillern oder Krimis schon zumindest grob im Voraus, doch hier empfand ich das als wirklich schwierig und war tatsächlich völlig überrascht vom Ausgang der Ereignisse. Außerdem regt das Thema an sich – die Unterscheidung zwischen Einbildung und Wirklichkeit – zum Nachdenken an. Von mir gibt es eine eindeutige Empfehlung an alle, die – wie ich – nach langer Zeit mal wieder in das Genre einsteigen oder allgemein Psychothriller und hochtrabende Charaktere mögen.

4,5/5  Sterne 

Anmerkung der Redaktion:

Auch in den nächsten Wochen wird es bei UNIversum um Bücher gehen. Über die Ferien werden wir in der Reihe „Was wir lesen“ Werke vorstellen, die uns in der Redaktion beeindruckt haben, die wir immer wieder lesen, oder die wir neu entdeckt haben. Dabei wird es sich jedoch nicht um so ausführliche Rezensionen wie diese hier handeln. Stattdessen präsentieren wir Schlaglichtartig die Werke, die uns bewegen.

Irina Gildt