Das kleinere Übel?

image_pdfimage_print

Beliebt sind sie wohl beide nicht: Weder Trump noch Clinton. Warum das so ist und welcher der Beiden zumindest für Europa die bessere Lösung wäre, das beantwortete uns Prof. Helmut Breitmeier vom Institut für Politikwissenschaften der JLU.

Prof. Breitmeier im Gespräch mit UNIversum

Prof. Breitmeier im Gespräch mit UNIversum

UNIversum: Professor Breitmeier, Ihre Forschung hat den Schwerpunkt Internationale Politik. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf in den USA?

Breitmeier: Er war wie immer sehr hart, unerbittlich und geprägt von zwei ganz unterschiedlichen Politikentwürfen. Und das ganz besondere dieses Jahr war, dass mit Donald Trump ein Populist das Establishment herausgefordert hat und sogar offizieller Präsidentschaftskandidat für die Republikaner ist. Das zeigt doch, wie gravierend die Probleme in den USA sind.

UNIversum: Wie schätzen Sie die beiden Kandidaten ein?

Breitmeier: Hillary Clinton ist sicherlich die Kandidatin, die im Wesentlichen das fortführt, was Obama begonnen hat. Mit Blick auf Donald Trump muss man sagen, dass er natürlich versucht gewisse Dinge rückgängig zu machen und eine andere Politik zu verfolgen. Wenn er tatsächlich die Mauer zu Mexiko verwirklicht, ist das eine Abschottungspolitik gegenüber einem der ganz großen Nachbarstaaten, die sich auch ökonomisch auswirken wird. Von daher ist Donald Trump sicher ein Kandidat, der für ein Programm steht, das wir allerdings in Europa auch haben. Und das sollten wir nicht unter den Tisch kehren.

UNIversum: Trumps Ziele. In wie weit kann er sie umsetzen?

Breitmeier forscht zu Internationalen Beziehungen. DIeses Semester leitert er ein Seminar zum Thema Außenpolitik der USA vor und nach den Wahlen 2016

Breitmeier forscht zu Internationalen Beziehungen. Dieses Semester leitet er ein Seminar zum Thema Außenpolitik der USA vor und nach den Wahlen 2016

Breitmeier: Da es eine große Anzahl von Hispano-Amerikanern gibt,  stellt sich innenpolitisch schon die Frage, ob sich das die Hispanics gefallen lassen. Ob Kuba oder Mexiko – ich weiß nicht, ob es so klug ist, was Trump tut in Bezug auf den Außenhandel. Wenn man sich bezüglich der Einwanderung abgrenzt, muss das auch Auswirkungen auf den Handel haben.

UNIversum: Warum Trump so viel Zuspruch und Hillary so unbeliebt?

Breitmeier: Sie haben nach acht Jahren Präsidentschaft immer eine Gegenbewegung. Das wirkt sich auch auf Hillary Clinton aus. Sie war ja als Außenministerin die ersten vier Jahre in der Regierung. Von daher wird sie als Teil des politischen Establishments empfunden, gegen das sich der Wähler auflehnt.

Hillary Clinton steht für die traditionelle Orientierung Amerikas, die heißt: „Sich öffnen gegenüber westlichen Verbündeten, auch die verantwortungsvolle Rolle in der Welt wahrnehmen, zum Teil mit militärischem Engagement“. Donald Trump ist jemand, der Europa sehr schonungslos sagt: „Ihr müsst in Zukunft für eure Sicherheit mehr Selbstverantwortung übernehmen“. Von daher wäre wahrscheinlich eine Wahl von Trump für Europa die größere Zumutung.

UNIversum: Wer hat die größeren Siegchancen?

Breitmeier: Gerade vor dem Hintergrund der jüngeren Entwicklungen mit der E-Mail-Affäre lässt es sich schwer sagen. Aber ich würde immer noch sagen: Clinton ist die Favoritin.

UNIversum: Welche Konsequenzen hätten Trump und Clinton als Präsident/in außenpolitisch für Deutschland?

Breitmeier: Ein Präsident Trump würde von Europa erwarten, dass es mehr für seine eigene Sicherheit tut. Ich glaube auch, dass er jemand wäre, der wahrscheinlich stärker abkehrt von den vereinten Nationen und auch den Multilateralismus nicht so auslebt. Da hätten wir sicher größere Probleme.

Breitmeier organisiert die Gießener Election Night

Breitmeier organisiert die Gießener Election Night

Aber auch Hillary Clinton kann für uns gewisse Zumutungen hinsichtlich des Militärs bedeuten, obwohl sie möglicherweise schon eher den Kurs fortsetzt, den Obama hat. Und wir haben ja auch Erfahrungen mit ihrer Zeit als Außenministerin von vor vier Jahren. Von daher glaube ich ist Clinton die Kandidatin, mit der Deutschland besser leben kann.

UNIversum: Ist Trump nur Trotzreaktion und es läuft doch auf Clinton raus?

Breitmeier: Hillary Clinton ist sehr unbeliebt in den USA. Ich glaube ein anderer Kandidat als Trump hätte große Chancen gehabt Clinton zu schlagen. Trump hat sich einfach ein paar schwere Eigentore geschossen und auch sein Auftreten stößt möglicherweise sehr viele Menschen ab. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob der Amerikaner sich Clinton wünscht. Es gab ja in den letzten Jahrzehnten wenige Wahlen, bei denen beide Kandidaten so unbeliebt waren.

UNIversum: Ist sie also ein nötiges Übel?

Breitmeier: Ich würde nicht sagen, sie ist das kleinere Übel. Mit Trump habe ich massive Probleme, aber auch mit Clinton habe ich meine Schwierigkeiten. Sie ist Repräsentantin eines Zustandes der amerikanischen Demokratie, bei der man fast von einer Erbmonarchie sprechen kann. Zwei Bush-Präsidenten, erst der Vater, dann der Sohn. Erst Bill und jetzt die Ehefrau. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin zum Zuge gekommen wäre, der etwas näher am Volk ist und der vielleicht weniger dieses zum Teil verkrustete Amerika repräsentiert.

 

Das Interview führte Tatjana Döbert

Fotos von Kim Hornig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.