„Da werden keine Gebührengelder verschwendet“ – Stimmen aus der Praxis mit Johanna Kaack

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Sie spalten die Gemüter unter Studierenden wie kaum ein anderes Thema: Geschichtsdokumentationen im Fernsehen. Für die einen eine willkommene Lernhilfe, für die anderen nicht wissenschaftlich genug. Um über diesen Spagat zwischen unterhaltsamer Geschichte und historischen Fakten zu berichten, lud die Fachjournalistik Geschichte die ehemalige Gießener Studentin Johanna Kaack für die dritte Veranstaltung der „Stimmen aus der Praxis“ ein.

Kaack schloss den Studiengang der Fachjournalistik Geschichte 2007 mit dem Magister ab und arbeitet seitdem in der Redaktion “Zeitgeschichte” des ZDF. Dass sie ihr Pflichtpraktikum während des Studiums bereits beim Zweiten Deutschen Fernsehen absolvierte, habe ihr bei der späteren Jobsuche geholfen, sagte Kaack. So sei sie bereits während der Arbeit an ihrer Masterthesis für den Online Auftritt des ZDF, als freie Mitarbeiterin angestellt worden. Trotz der Einstellung des Projekts blieb sie dem öffentlich rechtlichen Fernsehen treu und stieg fortan in die Redaktionstätigkeit beim Format ZDF-History ein, in dem sie heute Chef vom Dienst ist.

“Obwohl der wöchentliche Sendeplatz sonntagabends als schwierig gilt, stellt ZDF-History eine starke Marke des Senders dar”, betonte Kaack. Auch wenn das ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender nicht vollständig von Werbeeinnahmen abhängig ist, würden die Quoten der Sendung sehr wohl eine Rolle spielen, erklärte die Referentin. “Wegen der ungewöhnlichen Sendezeit schalten die meisten Zuschauer eher zufällig ein, das Publikum welches gezielt ZDF-History schaut, findet sich eher auf den Spartenkanälen des Senders wieder, auf denen mehrmals die Wiederholungen laufen”, erzählt Kaack. Um dennoch die Zuschauer vom Umschalten abzuhalten, steht die Redaktion vor der Herausforderung die zu erzählende Geschichte immer wieder neu aufzubereiten. Außergewöhnlich hoch ist dabei der Anteil der selbstproduzierten Sendungen. Entgegen der gängigen Praxis der großen Sendeanstalten, betonte Kaack stolz, liege der Eigenanteil bei rund 50% der ausgestrahlten Sendungen. Die andere Hälfte der rund 50 Sendungen pro Jahr, kauft das ZDF bei den verschiedenen, internationalen Produktionsfirmen ein.

Die Themenfindung innerhalb der Redaktion selbst laufe über unterschiedliche Wege. So können Jahrestage eines Ereignisses oder die spannende Lebensgeschichte einer Persönlichkeit den Anstoß für eine Sendung geben. Immens wichtig sei dabei das Schreiben des Drehbuchs, denn nur die richtige Dramaturgie ermögliche eine gute Darstellung des Themas, so Kaack. Pro Sendung belaufe sich das Budget dabei meist auf rund 60.000€, die jedoch durch die hohen Kosten für Archivmaterial schnell ausgereizt sein können.

 

Interviews mit Zeitzeugen sind nicht umsonst

Und auch die Interviews, von denen es drei bis vier pro Sendung gibt, nehmen Zeit und Budget in Anspruch, sagte Johanna Kaack versicherte: „Da werden keine Gebührengelder verschwendet.“.

Über die Jahre hinweg ist die Handlung und Darstellung historischer Ereignisse in Dokumentationen immer wichtiger geworden. so Kaack. Früher sollten schwarz-weiß Aufnahmen für sich sprechen. Heute finden sich aufgrund der veränderten Sehgewohnheiten beim Publikum viel mehr Effekte oder farbige Grafiken in den Sendungen wieder. Das Stilmittel der szenischen Reanactments (das Nachstellen einer Szene mit Schauspielern), ist aufgrund der Frage der historischen Glaubwürdigkeit auch unter den ZDF Redakteuren umstritten. Bis eine Sendung für ZDF-History komplett fertig produziert ist, vergehen im Durchschnitt drei Monate, wovon alleine der Schnitt rund 15 Tage benötigt, erklärt die leitende Redakteurin.

Rückmeldungen durch Zuschauer hätten seit dem Ausscheiden des Moderators Guido Knopp, Anfang 2013, rapide abgenommen. Das Verhalten des Moderators sei dabei Inhalt der positiven und negativen Kritik gewesen. Laut den Zuschauerquoten sind vor allem Frauen Zuschauer der ZDF History Serie.

 

Henrik Drechsler

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