“There’s always a way in India” – Die etwas andere Geschichte einer Exkursion

14 Studierende der JLU nahmen im November 2018 an einer von Prof. Dr. Detlef Briesen geleiteten Exkursion nach Indien teil. Der folgende Erfahrungsbericht erzählt, dass dort zwar nicht alles immer so funktioniert wie geplant, sich am Ende aber doch immer eine Lösung findet.

Den Satz „There’s always a way in India” hörten wir direkt an unserem ersten Tag in Indien. Wir warn am Tempel von Mahabalipuram im Süden des Landes und völlig erschöpft. Gegen vier Uhr morgens waren wir in Indien angekommen – mittlerweile war es Mittag und die Ankunft im Hotel lag noch in weiter Ferne. Im Gegensatz zum kalten Deutschland waren die Temperaturen in Südindien noch weit über 20 Grad, sodass wir mit unseren Jacken und langen Klamotten schnell ins Schwitzen gerieten.

Ein Bekannter Dr. Briesens, ein Inder, erklärte uns, wie die Dinge in der Regel in Indien laufen: Es funktioniere zwar nicht immer so wie es soll, am Ende funktioniere es aber. Zu diesem Zeitpunkt war diese Ansichtsweise für uns eher amüsant – wir hatten es ja noch nicht selbst erlebt. Doch schon wenige Tage später erfuhren wir dieses Prinzip zum ersten Mal am eigenen Leib.

Die ersten Tage der Exkursion verbrachten wir im Süden Indiens, in Pondicherry. Dort kamen wir in Kontakt mit den Philosophien des Gurus Sri Aurobindo nach deren Vorbild nicht weit entfernt eine ganze Stadt entstanden war: Auroville. Dort sollte es darum gehen, dass Menschen aus aller Welt in Frieden zusammenlebten. Es gab keine Gesetze oder Religionen, dennoch war es ein spiritueller Ort. Das Zentrum der Stadt bildete der Matrimandir, ein gewaltiger goldener Tempel. In Auroville sollte das Wohl der Allgemeinheit über dem Eigenen stehen.

Diese Utopie kann sich jedoch nicht jeder leisten. Ein Jahr in einer Unterkunft in Auroville zu leben kostet mehrere Tausend Euro. Danach kann man sich dort ein Haus bauen – jedoch muss auch das aus eigener Tasche bezahlt werden. Und sollte man Auroville einmal verlassen, geht das Haus in den Besitz der Allgemeinheit über.

Der goldene Tempel Matrimandir in Auroville. Foto von Tatjana Döbert.

Diesen Ort wollten wir besuchen. Ein Kommilitone buchte eine Tour inklusive E-Fahrrädern, mit denen wir die Strecken in dem großen Areal bequem hätten zurücklegen können. So glaubte er zumindest. Am Abend vor der geplanten Tour schrieb ihm dann unsere Tour-Führerin, dass er die bereits vereinbarte Tour noch einmal hätte bestätigen müssen. Für einen Moment war nicht klar, was nun aus dem geplanten Ausflug werden würde.

Doch schnell bewahrheitete sich das gelernte Mantra und es wurde eine Lösung gefunden. Die Tour konnte wie geplant stattfinden – nur ohne E-Fahrräder. Auf diesen Luxus mussten wir verzichten. Als Ersatz gab es ganz gewöhnliche Leihräder. Bis jeder eines in seiner Größe gefunden hatte an dem alles funktionierte wie vorgesehen, verging nochmal eine Weile. Danach waren wir endlich abfahrbereit. Die Fahrten über das Gelände Aurovilles waren aufgrund der hohen Temperaturen recht anstrengend, doch getreu dem Motto: ein wenig Sport hat noch niemandem geschadet, hielten alle durch. Auch wenn die Meinungen über die Stadt am Ende des Tages geteilt waren, blieb der der Besuch in Auroville doch ein besonderes Erlebnis.

Anschließend führte die Exkursion auf dem Subkontinent weiter bis in den nördlichen Bundesstaat Rajasthan, wo wir zu Fuß einen Teil der Stadt Jaipur besichtigten. Bereits in Pondicherry erschien uns der Verkehr chaotisch, doch Jaipur schaffte es problemlos dieses Erlebnis noch zu steigern. Die Straßen waren berstend voll mit Fahrzeugen aller Art und aufgrund des in Indien typischen Dauer-Hupens war es fast unerträglich laut. Die Straße zu überqueren wurde zur Herkulesaufgabe und wir blieben als Gruppe so dicht beisammen, wie es nur irgend ging.

Auto-Rikschas vor dem India Gate in Neu Delhi. Foto von Gamze Tuncer.

Wenn wir uns sonst in den Städten bewegten, nahmen wir die für Indien typischen Auto-Rikschas. Diese sind klein, meist gelb-grün lackiert, hatte drei Räder und boten außer dem Fahrer drei bis vier Personen Platz. Zu den Seiten sind sie meist geöffnet, es sei denn eine Plane wird heruntergelassen. Die Auto-Rikschas funktionieren wie Taxis, jedoch um ein Vielfaches günstiger. Da sie so klein und leicht sind, gelangen sie im Verkehr schnell voran, allerdings kann eine Fahrt auch schnell etwas holprig geraten. Hat man sich jedoch erstmal daran gewöhnt, ist es ein sehr angenehmes Transportmittel.

An diesem Abend waren wir auf dem Weg in ein Restaurant, um etwas zu Essen und ausnahmsweise auf mehrere „richtige“ Taxis aufgeteilt. Aufgrund des chaotischen Verkehrs verlor man dabei die anderen schnell aus den Augen. Da im Normalfall jedoch immer alle zeitnah am gleichen Ort ankamen, war das kein Problem. Dieses Mal verlief es allerdings etwas anders.

Als wir im Restaurant ankamen, wurden wir zu unserem Tisch gebracht und mit Speisen versorgt. Einzig Herr Briesen und seine Kollegen aus Vietnam, die uns seit Beginn der Exkursion begleiteten, fehlten noch. Wir aßen zunächst unbeirrt weiter. Als der Nachtisch serviert wurde, fehlte von den Dreien allerdings immer noch jede Spur. Wir saßen am Tisch und schauten einer Tänzerin zu, die die Besucher des Restaurants an diesem Abend unterhielt. Herr Briesen und seine Begleiter waren noch immer nicht da und niemand wusste warum.

Endlich, nachdem wir längst mit dem Essen fertig waren, tauchten sie dann aber doch noch auf. Der Grund für die Verspätung: In Indien war gerade Wahlkampfzeit. In den Wochen vor einer Wahl dürfen die Parteien, wann immer sie wollen, Taxis zu Wahlkampfzwecken mieten und aus dem regulären Verkehr nehmen. Unglücklicherweise hatte sich jemand an diesem Abend genau das Taxi ausgesucht, mit dem Herr Briesen und seine Begleiter uns ins Restaurant folgen wollten. Erst als ein Neues organisiert war, konnten sie schließlich zu uns stoßen und ein verspätetes Abendessen genießen.

Die Tücken des indischen Verkehrs erlebte einige Tage später in Delhi auch einer unserer Kommilitonen. Als wir uns auf die Auto-Rikschas aufteilten, blieb er als einziger aus der Gruppe übrig. Dies merkten wir anderen jedoch erst, als wir nach der Ankunft an unserem Ziel durchzählten und feststellten, dass jemand fehlte. Schnell war festgestellt, wer fehlte. Allerdings wusste keiner, wo er war und wie wir ihn erreichen konnten.

Nach einigen ratlosen Minuten kam er schließlich verspätet doch bei uns an. Er saß gemeinsam mit zwei Indern in einer Auto-Rikscha, da der Fahrer nicht nur ihn alleine hatte fahren wollen. Deshalb musste er warten, bis sich noch zwei Mitfahrer fanden und sich der Fahrer endlich dazu bereiterklärte, mit unserem Kommilitonen zu uns zu fahren.

Auch wenn wir nun bereits erlebt hatten, dass in Indien nicht alles immer so lief wie geplant, glaubte doch zunächst keiner, dass sich das auch auf das Essen beziehen konnte. Doch auch hier wurden wir bald eines Besseren belehrt.

Als wir in Delhi ankamen, ist es bereits Abend. Im Gegensatz zu unseren vorherigen Aufenthalten wohnten wir dort allerdings nicht in einem Hotel, sondern im Gästehaus des IIT, des Indian Institute of Technology. Dieses befand sich am hinteren Ende des Campus, weshalb es fast eine halbe Stunde dauerte, diesen zu verlassen und endlich in eine Fußgängerzone voller Bars und Restaurants zu kommen.

Schnell hatten wir uns für eine Bar entschieden, da wir aber eine große Gruppe waren, war es nicht einfach einen Platz für uns alle zu finden. Wir wurden auf eine Empore über dem Hauptraum geführt auf der es zwar noch Sitzplätze gab, die sich jedoch nur hintereinander in einem schmalen Gang befanden. Wer am hinteren Tisch saß, konnte nicht am vorderen Tisch vorbeigehen, ohne dass alle anderen aufstehen mussten, um ihm Platz zu machen. Außerdem war die Decke so niedrig, dass niemand über 1,50m Körpergröße aufrecht stehen konnte, wenn es die Situation verlangen sollte. Auch die Kellner konnten den hinteren Tisch nicht erreichen.

Dennoch arrangierten wir uns mit der Situation. Wer am vorderen Tisch saß, gab Speisen und Getränke an die Kommilitonen am hinteren Tisch weiter. So klappte die Verteilung der Bestellungen nahezu problemlos und es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

 

Zum Schluss dieses Berichts kann man nur festhalten, dass sich das gelernte Mantra während der Exkursion immer wieder bewahrheitet hatte. Ob es nun ums Radfahren, ums Essen gehen oder um den indischen Straßenverkehr ging: Es gab immer einen Weg eventuelle Probleme zu lösen. Auch wenn der vielleicht über Umwege ging und das Ziel anders als ursprünglich vorgestellt erreicht wurde, führte letztlich immer ein Weg zum Ziel. Das zwingt zwar immer wieder zum Improvisieren, gibt einem aber viel Vertrauen in die Tatsache, dass sich die Dinge doch immer wieder auf die eine oder andere Weise fügen. Außerdem erlaubte uns das Ganze vielleicht auch ein bisschen indische Mentalität mit in die Heimat und den Gießener Unialltag zurückzunehmen.

 

Geschrieben von Tatjana Döbert.




Stimmen aus der Praxis mit Philipp Schnee

Am Dienstagabend, dem 15.01.2019 (Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) war es wieder so weit. Im Rahmen der Vorlesungsreihe Stimmen aus der Praxis kam Philipp Schnee, Deutschlandfunk-Radioredakteur, Autor und Moderator, und berichtete am Beispiel seines Radiofeatures „Verdrängte Vergangenheit. Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik“ darüber, worauf es bei der Produktion, Ausstrahlung und Hintergrundarbeit eines Radiofeatures ankommt.

Das Feature lief bereits letztes Jahr im März im Deutschlandfunk-Kultur und kann auf dessen Internetseite angehört werden.

Schnee kam nach seinem Studium über mehrere Praktika für Radioformate und ein Volontariat beim Deutschlandfunk zu dieser Stelle.

Seine Intention, das Thema „Rechtsterrorismus in der BRD der 1960er, 70er und 80er Jahre“ aus historischer Perspektive aufzubereiten, rührte aus der bis dato kaum erfolgten Erforschung der Thematik. Selbst in historischen Einführungswerken der Geschichte des 20. Jahrhunderts, spielte der Rechtsterrorismus kaum eine Rolle.

Da neben linksterroristischen Attentaten, Anschlägen und staatsfeindlichen Aktionen aber auch sehr viele dezidiert rechtsterroristische Taten und versuchte Verbrechen begangen wurden, wollte er sich in einem Feature diesem „Blinden Fleck“ der deutschen Nachkriegsgeschichte widmen.

Da das Feature eine Mischung aus journalistischem Beitrag und musikalischer Atmosphäre darstellt, eröffne dieses Radioformat für die Zuhörer die Chance, der Geschichte besser und angenehmer folgen zu können.

Dabei ging es ihm explizit darum, nicht so sehr belehrend zu wirken: Durch den Gebrauch von Radio- und Fernsehnachrichten-Originaltönen wollte er ein Thema auf die Agenda zu setzen, welches nur Wenigen im Bewusstsein verankert war, obwohl über die Anschlagsserien auch in den Nachrichten berichtet wurde.

Durch das Abspielen von O-Tönen aus „Tagesschau“ und „heute“ nach Anschlägen, wollte der Autor ein für das unbekanntes Thema eine vertraute Tonatmosphäre schaffen. Aber auch generell mache das Feature aus, dass hierbei zwischen Originaltönen und eingesprochenen Redakteursnachrichten hin- und hergewechselt wird.

Wichtig vor allem für die Produktion dieses Features war die Vorgabe des Senders, eine Länge von 28 Minuten nicht zu überschreiten. Daher brauchte es, wie für jedes Nachrichtenformat, ein gesondertes Augenmerk auf ein klares Konzept, so Schnee.  Generell müsse beim Feature darauf geachtet werden, sich nicht zu viel vorzunehmen und den schmalen Grat zwischen Informationsdichte und Informationsreduktion einzuhalten.

In Bezug auf seinen Berufsweg berichtete Schnee, dass es dem  Zufall und seiner Vorerfahrung mit Radioarbeit zu verdanken sei, dass er nun seit mehr als acht Jahren für die Deutschlandfunk-Kultur Redaktion arbeitete. Er durchlief dabei zunächst alle Stationen und Bereiche des Radiosenders und erhielt nach dem Volontariat eine Stelle in der Kulturredaktion. Neben der Produktion von Features fungiert er außerdem noch als Moderator im „Zeit-Fragen-Magazin“ und ist zuständig für Buchrezensionen.

Für alle an der Thematik und dem Podcast Interessierten ist das Transkript des Beitrags auf folgender Seite abrufbar: https://www.deutschlandfunkkultur.de/rechtsterrorismus-in-der-bundesrepublik-verdraengte.976.de.html?dram:article_id=375999.

 

Tassilo Köhler




SERIE: Was wir lesen – „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“ herausgegeben von Scarlett Curtis

Feminismus ist seit #MeToo in der Gesellschaft angekommen. Die Film- und Fernseh- sowie die Musikindustrie (Danke Beyonce!) haben diesen nun auch fest in unsere Popkultur etabliert. Aber wie positiv ist das eigentlich? Verwässert das nicht den eigentlichen Sinn? Auch die Fragen „Wie hat ein*e Feminist*in zu sein“, bzw. „Für wen ist dieser Feminismus eigentlich?“ stehen im Raum. Auf diese Fragen versucht der Essay-Band „The Future is Female! Was Frauen über Feminismus denken“, herausgegeben von der US-amerikanischen Autorin und Aktivistin Scarlett Curtis, eine Antwort zu finden. Sie lässt Frauen* (und Männer*) allen Alters und aller Situationen zu Wort kommen, die nicht nur ihre eigenen Geschichten erzählen, sondern auch in den Kontext FEMINISMUS einbetten. Themenschwerpunkte sind hier beispielsweise (weibliche) Sexualität, Geburtserfahrungen, Arbeitserlebnisse sowie der eigene Weg zum Feminismus. Alle Beiträge sind persönliche, subjektive Gedankengänge, dementsprechend sind auch die Darstellungsformen divers und kreativ: Es finden sich Interviews, Poesie, Listen aber auch Briefe und Essays in allen Längen und Kürzen.

Das Buch gliedert sich in verschiedene Überthemen, darunter ZORN, FREUDE, ERLEUCHTUNG oder AKTION. Dort findet sich dann, thematisch passend zu dem jeweiligen Überthema, eine verschiedene Anzahl an Beiträgen. Zum Schluss folgt, neben der Vorstellung der feministischen Lektüre-Plattform „Our shared shelf“, auch noch ein Bereich für eigene Gedanken und Notizen. Da die einzelnen Beiträge thematisch nicht voneinander abhängen, kann einfach, je nach Interessenlage, „queergelesen“ werden. Und keine Angst: Auch wenn Begriffe wie „Gläserne Decke“, FGM oder Patriachat noch gänzlich unbekannt sind, muss niemand auf das Lesen und Verstehen verzichten. Das Buch erläutert ausführlich wichtiges Vokabular und gibt (Literatur-)Tipps, falls Mann/Frau an einem Themenbereich besonders großes Interesse hat.

Beiträge, die ich als besonders empfehlenswert empfunden habe, sind folgende:

BRIDGET JONES – FEMINISMUS ZUM FRÜHSTÜCK von Helen Fielding

Die Autorin schlüpft in die Rolle ihrer wohl bekanntesten Figur und erläutert im klassischen Tagebuchstil Bridgets Gedanken zu feministischen und weiblichen* Themen im Alltag. Sehr humorvoll geschrieben, besonders geeignet für Leser*innen, die mit „leichter Lektüre“ auf persönlicher Ebene beginnen möchten.

MEINE VERSION VON FEMINISMUS von Alison Sudol

Die Schauspielerin und Sängerin adressiert in ihrem Beitrag die Schwierigkeit, sich selbst als Feminist*in zu bezeichnen, woher die damit einhergehende Reserviertheit kommt und warum das Internet hierbei eine tragende Rolle spielt. Hier werden sich wahrscheinlich viele wiederfinden, denn die Aussage „Ich würde mich zwar nicht als Feminist*in bezeichnen, finde aber, dass die Gleichberechtigung aller Geschlechter selbstverständlich ist“, haben mit Sicherheit schon viele gehört oder gedacht.

 

FEMINISTISCHE ERWIEDERUNGEN von Scarlett Curtis

Dieser Beitrag ist sowohl für fortgeschrittene Feminst*innen als auch für fortgeschrittene Gegner der Bewegung bestens geeignet. Die Herausgeberin beantwortet und entkräftet in diesem Beitrag mit Witz die Fragen und Aussagen, die jede*r Feminist*in schon mal zuhören bekommen hat. Darunter Klassiker wie „zu viel Political Correctness zerstört unser Zusammenleben!“ oder „können denn auch Männer Feministen sein?“.

 

Natürlich drängt sich bei Büchern über kontroverse Thematiken immer das „Problem“ auf, für wen solche Bücher eigentlich geschrieben werden. „Problem“ in Anführungszeichen, weil es eigentlich und uneigentlich kein Problem gibt! Meiner Meinung nach gehört dieses Werk in jeden guten Bücherschrank, einfach weil es das Thema auf menschliche Art und Weise behandelt und für Problematiken sensibilisiert. Ich schreibe extra nicht, „jede*r, der/die sich für diesen Bereich interessiert“, denn wie Scarlett selbst sagt, geht diese Situation alle etwas an, weswegen das Interesse viel größer sein sollte. Nicht jede*r möchte seinen/ihren Horizont erweitern, trotzdem geht probieren über studieren! Beiträge wie Kira Knightleys Geburtsbericht erscheinen kontrovers, stoßen aber wichtige Diskurse an und eröffnen neue Perspektiven. Natürlich leitet das Buch keine wissenschaftliche Analyse oder zeichnet ein ganzheitliches Bild von Feminismus. Aber das soll es auch gar nicht. Es wird auch im Buch mehrmals betont, dass es eigentlich keinen allgemeinen Feminismus gibt, es sollte eher von verschiedenen Feminismen gesprochen werden, da Menschen divers sind und mit verschiedenen Formen von Diskriminierung zu kämpfen haben.

Deswegen finde ich auch den deutschen Titel „The Future is Female!“ unpassend gewählt. Das Buch versucht mit Vorurteilen aufzuräumen, indem es Intersektionalität in den Mittelpunkt stellt. Der englische Titel „Feminists don’t wear pink and other lies” fasst die Intention der Herausgerberin und ihrer Autor*innen besser zusammen, denn die Zukunft ist eben nicht nur weiblich, genauso wie sie ebenso wenig nur männlich ist.

Und um abschließend die anfangs aufgeworfenen Fragen aus meiner eigenen Perspektive zu beantworten: Feminist*in kann jede*r sein, Hauptsache euer gelebter Feminismus ist intersektional. Pink ist kein Geschlecht, Pink ist eine Lebenseinstellung!

 

Von Danielle Dörsing




SERIE: Was wir lesen – “Weihnachtsbote auf vier Pfoten” von Sheila Roberts

Weihnachtsbote„Weihnachtsbote auf vier Pfoten“ von Sheila Roberts handelt von dem Streuner Ambrose, dem gerade so vom Feuerwehrmann Zach das Leben gerettet wird, ehe ein riesiger Hund ihn zum Frühstück verspeisen kann. Der selbstbewusste Kater sieht sich seinem Helfer nun verpflichtet und möchte seine Schuld bei ihm begleichen, egal ob der junge Mann das will oder nicht. Denn Zach würde den herrenlosen Kater gerne wieder loswerden, da er weder Zeit für noch Lust auf ein Haustier hat.

Ambrose lässt sich jedoch nicht so leicht abschütteln, sobald er sich etwas vorgenommen hat. Schnell hat er auch herausgefunden, wie genau er Zach helfen möchte: Er will den Feuerwehrmann mit der freundlichen Verkäuferin aus der Zoohandlung zusammen bringen, die seiner Meinung nach nicht nur ein toller Mensch ist, sondern auch perfekt zu Zach passt.

Wer zur Winterzeit richtig in entspannte, lauschige und romantische Weihnachtsstimmung kommen möchte, der sollte vor und kurz nach Weihnachten auf jeden Fall zu diesem Roman greifen. Auf humorvolle, süße und spannende Art erzählt er eine Liebesgeschichte aus der Sicht eines intelligenten, stolzen, von sich selbst überzeugten, witzigen Katers. Leider gerät er dabei immer wieder in Situationen, die ganz anders geplant waren oder die zuerst gut laufen, dann aber ungeahnte Folgen entwickeln. Es ist schließlich auch nicht einfach, zwei Menschen zusammen zu bringen, wenn man sich weder besonders gut mit den menschlichen Eigenheiten auskennt, noch von diesen komplizierten Wesen verstanden wird. Aber Katzen sind nicht umsonst für ihre Sturheit bekannt und Ambrose ganz besonders.

Irina Gildt




SERIE: Was wir lesen – “Die Zwerge” von Markus Heitz

“Die Zwerge” ist das erste Buch der gleichnamigen Fantasy-Reihe und wurde 2003 von Markus Heitz geschrieben.
Die Geschichte spielt im geborgenen Land, das von den Geschöpfen der Finsternis befallen wird und nur durch die steinernen Tore, die durch die Zwerge bewacht werden, noch geschützt ist. Als die Tore nicht mehr gehalten werden können, bricht die Finsternis über das Land. In dieser unsicheren Zeit wird der Zwerg Tungdil, der bei einem mächtigen Magier aufgewachsen ist und noch nie Kontakt zu anderen Zwergen hatte, auf eine Botenreise geschickt und trifft zum ersten Mal in seinem Leben auf Seinesgleichen und auch auf die Auswirkungen, die die Finsternis schon auf das geborgene Land hat.

Der Roman besteht aus mehreren Erzählsträngen und verbindet so die vielen verschiedenen Charaktere,die sich auf unterschiedlichste Weise gegen die Finsternis wehren. Allerdings kann die Vielzahl an Charakteren am Anfang etwas erschlagend wirken, da man die vielen Namen erst einmal zuordnen muss. Ist der Einstieg in das Buch gelungen, findet man sich in einer schönen detailreichen Welt, meist aus der Sicht eines naiven Zwerges, wieder und erfährt, genau wie er, Einiges über die einzelnen Zwergenstämme, ihre Unterschiede und ihre Lebensweise.
Allerdings geht es nicht nur um Zwerge, sondern um alle Bewohner des geborgenen Landes, die mehr oder weniger in Frieden zusammenleben, jedoch alle durch den gemeinsamen Feind das gleiche Schicksal teilen.

Wer also kein Problem mit einer größeren Anzahl an teilweise ähnlich klingenden Namen hat und einem schönen Fantasy-Roman nicht abgeneigt ist, dem kann ich “Die Zwerge” nur empfehlen, auch wenn ich das Buch erst recht spät entdeckt habe, freue ich mich schon darauf die Fortsetzung “Der Krieg der Zwerge” zu lesen.

Kim Zimmerschied




SERIE: Was wir lesen – „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ von Sophie Seeberg

In „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ von Sophie Seeberg dreht sich alles um die Menschen, denen sie in ihrem Beruf als Psychologin für das Familiengericht begegnet. Da gibt es beispielsweise „Mischael“, der nach der Trennung von seiner Frau wieder bei seiner Mutter eingezogen ist und nun das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder haben will, da seine Mutter nicht müde wird zu betonen, dass „der Mischael“ das alles „ganz wunderbar alleine“ könne.

Oder die 18-jährige Nicole, die ihre Tochter nach der Geburt bei dessen Großmutter zurückließ um sich ihrem neuen Partner zuzuwenden, um nach Monaten zurückzukommen, um endlich mit dem Kind zusammenzuwohnen. Kümmern, wollte sie sich trotzdem nicht so wirklich um die Tochter, doch die ist – wie Nicole diagnostizierte – hochbegabt und verstünde es schon, dass ihre Mutter auch ein eigenes Leben habe.

                                                                        

Diese und weitere Fälle beschreibt Seeberg mal lustig, mal ernst, je nachdem, wie es gerade zur Geschichte passt. Obwohl die Thematik keinesfalls immer leicht ist – es ist schließlich für niemanden eine schöne Situation, wenn eine Familienpsychologin in die Familie kommen muss, um zu beurteilen ob Kinder möglicherweise von ihren Eltern getrennt werden müssen – gelingt es Seeberg mit einer ganz besonderen Mischung aus Humor und Einfühlungsvermögen immer wieder zu berühren. Auch wenn der Titel es vermuten lässt, entsteht zu keinem Zeitpunkt der Eindruck, die Autorin würde sich über diese Menschen lustig machen. Der Leser erkennt stets, dass Seeberg trotz aller Skurrilität am Wohl der Familien interessiert ist und so bleibt selbst bei den traurigsten Geschichten am Ende immer das Gefühl, dass alles wieder ins Lot kommen kann.

 

„Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ ist Sophie Seebergs erstes Buch und hat mit „Die Schanin hat nur schwere Knochen!“ und „Der Maik-Tylor verträgt kein Bio!“ mittlerweile zwei Fortsetzungen erhalten.




SERIE: Was wir lesen – “LOW” von Rick Remender

Der Comic LOW, geschrieben von Rick Remender (Secret Avengers, Venom, Deadly Class) und gezeichnet von Greg Tocchini (Last Days of American Crime, Uncanny X-Force) ist in ferner Zukunft angesiedelt. In der Welt von LOW hat die Sonne früher als von allen Wissenschaftlern vermutet, begonnen zu sterben und sich in Folge dessen auszudehnen. Diese Entwicklung hat das Leben auf der Erdoberfläche unmöglich gemacht und die Menschheit dazu gezwungen, sich unter die Wasseroberfläche zurück zu ziehen, während Sonden in den Weltraum ausgesandt werden, um einen bewohnbaren Planeten ausfindig zu machen. Jahrtausende vergehen und die Luft in den Unterwasserstädten neigt sich dem Ende zu. Dann kehrt eine der Weltraumsonden zur Erde zurück und Stel Caine begibt sich auf die gefährliche Reise zur Erdoberfläche, die seit Jahrtausenden niemand mehr betreten hat.

Im Vorwort beschreibt Remender seine besondere Beziehung zu dieser Geschichte. Sie sei in einer Zeit entstanden, in der sich in seinem eigenen Leben viel verändert habe. Vor allem habe er sich in Therapie befunden und sich darum bemüht, eine positivere Sicht auf das Leben zu entwickeln. Diese (erfolgreichen) Bemühungen hätten den Charakter der Protagonistin Stel massiv geprägt. Tatsächlich stellt ihr bedingungsloser Optimismus Stels zentrale Charaktereigenschaft dar. In einer hoffnungslosen Welt kämpft sie einen scheinbar verlorenen Kampf.

 

 

Der erste Band der Reihe LOW ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Der Leser lernt erst im Laufe der Geschichte, wie die Welt im Einzelnen funktioniert und das Artwork Tocchinis kann guten Gewissens als atemberaubend bezeichnet werden. Durch diesen sehr bunte und teils skizzenhaften Zeichenstil benötigt der Leser unter Umständen lange, um die einzelnen Panels in ihrer Gänze wahrzunehmen. Auch kann der Eindruck entstehen, dass die Panels durch Tocchinis Kunst bisweilen chaotisch wirken. Dies deckt sich aber wunderbar mit dem Gefühl für die Welt, die Remender sehr interessant und überraschend konzipiert.

Wer also bereit ist, sich mit einem Comic eingehend zu beschäftigen und gegebenenfalls mehr Zeit in die einzelnen Seiten zu investieren, als in eine durchschnittliche Superheldengeschichte, Science-Fiction mit plakativer Philosophie, anspruchsvolles Artwork und sich für gelungenes Worldbuilding  interessiert ist bei LOW mit Sicherheit gut aufgehoben.

Text: Jonas Feike




“Das Paket” – Eine Buchrezension

Das Paket – Sebastian Fitzek

362 Seiten (23 Seiten Extra: „10 Jahre Fitzek“)

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Psychothriller
ISBN: 978-3-426-51018-6
Verlag: KNAUR

 

„In akkurat gezeichneten Lettern,
quer über der von Wasserdampf beschlagenen

Scheibe stand:
HAU AB.
BEVOR ES ZU SPÄT IST!“
– S. 33 –

 

 

Inhalt:

Emma Stein ist eine erfolgreiche Psychologin. Sie liebt ihren Beruf, überschreitet für diesen Grenzen und weiß sich gut gegenüber ihren vielen männlichen Kollegen zu behaupten. Auch in ihrem Privatleben läuft es gut. Sie hat tolle Freunde sowie einen gutaussehenden, beim BKA arbeitenden, Ehemann mit dem sie gerade eine kleine Familie gründen will.

Doch wie das Leben nun mal so spielt, macht das Schicksal ihr einen Strich durch die Rechnung. Während einer mehrtägigen Fachtagung wird sie in dem Hotelzimmer überfallen und vergewaltigt. Zumindest glaubt sie das, denn die Polizei findet keinerlei Beweise für ihre Behauptungen. Nicht mal die Nummer des Zimmers, in dem sie angeblich genächtigt habe, existiere in dem Hotel.

Die seltsamen Widersprüche werden nicht weniger. Emma ist psychisch am Ende, als ihr Postbote ihr ein seltsames Paket überreicht, das sie für einen Nachbarn annehmen soll. Einen Nachbarn, von dem sie noch nie gehört hat, obwohl sie alle Menschen in ihrer Nachbarschaft kennt. Und mit diesem Paket, beginnt die Hölle für Emma erneut, auch wenn sie eigentlich nie geendet hat…

Meine Meinung:

Cover:
Das Cover des Thrillers ist wirklich originell und passt perfekt zu Titel und Inhalt. Es sieht wirklich fast so aus wie ein Paket und hat eine angenehme Farbgebung, die nicht zu penetrant ist. Außerdem ist das Cover optimal beladen, sodass man nicht das Gefühl hat, von dem, was darauf zu sehen ist, erschlagen zu werden. Insgesamt ist es sehr ansehnlich und macht sich sehr gut im Regal.

Schreibstil:
Fitzek schreibt in seinem Thriller in der dritten Form Singular, also im Sie-Erzähler, was es mir in einigen Büchern schwierig macht, mich zu 100% in die Protagonisten hineinzuversetzen. Hier war es jedoch nicht so. Fitzek versteht es, so zu schreiben, dass man gut in das Buch eintauchen und die Außenwelt vergessen kann. Seine Beschreibungen  sind ausführlich, aber nicht zu kleinlich und sein Schreibstil sehr angenehm. Dadurch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen, ohne dass man ins Stocken gerät.

Charaktere:
Emma Stein ist die Protagonistin von Fitzeks Psychothriller. Sie ist eine hochtrabende Persönlichkeit mit einem angesehenen Beruf, einem scharfen Intellekt und einem Bekanntenkreis, der ebenso wie sie selbst aus der höheren Schicht der Gesellschaft stammt. Trotzdem besteht sie aus mehr als nur diesen oberflächlichen Fakten, denn sie selbst hatte in früher Kindheit die gleichen psychischen Probleme wie einige der Leute, die sie nun als Expertin behandelt und versucht zu therapieren. Mir persönlich hat sie als Protagonistin gut gefallen. Sie ist keine dieser anstrengenden Hauptcharaktere, die sich selbst unter- bzw. überschätzen oder die grundlos total dämlich und unlogisch handeln. Vor allem ihr innerer Konflikt mit sich selbst, ihre Fehler, ihre Probleme waren etwas, was sie für mich beim Lesen ansprechend gemacht hat.

Die zentralen Charaktere im Allgemeinen empfand ich als wirklich gut ausgearbeitet, was bei einem Thriller mit vielen Wendungen ja besondere Wichtigkeit hat. Sie haben viele Dimensionen, sind Fassettenreich und teilweise mit wirklich unerwarteten Abgründen, die sich dem Leser nur nach und nach offenbaren.

Story:
Die Storyline ist von allen Punkten des Buches das, was mir am aller besten gefallen hat. Vor allem das Thema Psyche empfand ich als besonders ansprechend und wirklich super umgesetzt. Es beginnt bereits im Prolog mit einem spannenden Hintergrund, bei dem man sich fragt, was es damit auf sich hat. Danach baut sich die Spannungskurve immer weiter und weiter auf. Immer wieder gibt es kleine Unterbrechungen, in denen sie Abflacht, sodass man ‚durchatmen‘ kann, ehe es weiter geht.

Es greift alles so flüssig ineinander, dass zumindest mir wirklich bis zum Ende nicht klar war, was Wahrheit und was Einbildung, wer schuldig und wer unschuldig ist. Mehrere gut durchdachte sowie klug platzierte Plottwists sorgen vor allem gegen Ende des Buches dafür, dass man die Handlung atemlos verfolgt, wobei der Versuch, die Handlung zu entwirren und zu verstehen, wo nun Gut und wo Böse ist, einen komplett einnimmt.

Fazit:
Alles in allem ist es ein wirklich unglaublich gelungener Psychothriller. Oft erahnt man das Ende von Thrillern oder Krimis schon zumindest grob im Voraus, doch hier empfand ich das als wirklich schwierig und war tatsächlich völlig überrascht vom Ausgang der Ereignisse. Außerdem regt das Thema an sich – die Unterscheidung zwischen Einbildung und Wirklichkeit – zum Nachdenken an. Von mir gibt es eine eindeutige Empfehlung an alle, die – wie ich – nach langer Zeit mal wieder in das Genre einsteigen oder allgemein Psychothriller und hochtrabende Charaktere mögen.

4,5/5  Sterne 

Anmerkung der Redaktion:

Auch in den nächsten Wochen wird es bei UNIversum um Bücher gehen. Über die Ferien werden wir in der Reihe „Was wir lesen“ Werke vorstellen, die uns in der Redaktion beeindruckt haben, die wir immer wieder lesen, oder die wir neu entdeckt haben. Dabei wird es sich jedoch nicht um so ausführliche Rezensionen wie diese hier handeln. Stattdessen präsentieren wir Schlaglichtartig die Werke, die uns bewegen.

Irina Gildt




Shoppingfrust oder Weihnachtslust? – Eine Videoumfrage

Weihnachten steht vor der Tür – das Fest der Freude und Besinnlichkeit. Doch wie jedes Jahr begleiten auch Geschenk-Stress und Co. die Vorfreude auf ihrem Weg zum Weihnachtsfest. Vor dem Hintergrund der anstehenden Feiertage hat das Universum daher eine kleine Umfrage durchgeführt, um das Stimmungsbild der JLU-Studenten einzufangen, und die Ergebnisse in einem kurzen Video verarbeitet. Viel Spaß beim Anschauen.




„Vernichtungsort Malyj Trostenez” – Eine Ausstellung in Gießen

Am Mittwoch, den 5. Dezember fand im Vortragsraum der Kongresshalle Gießen eine Informationsveranstaltung zur gegenwärtig dort Station machenden Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez“ statt. Die Ausstellung nimmt das titelgebende Lager Malyj Trostenez bei Minsk in den Blick, welches in den Jahren 1942-1944 die größte Vernichtungsstätte auf dem Gebiet der besetzten Sowjetunion darstellte, in der deutschen Erinnerung jedoch kaum bekannt ist.

Mit dieser Informationsveranstaltung sollten auch Gießener Lehrerinnen und Lehrer angesprochen werden, da für Schulklassen die Möglichkeit zu einem geführten Besuch der Ausstellung besteht. Vertreter des Trägerkreises stellten ihre Verbindungen zu Maljy Trostenez und ihre Beiträge zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm vor. Neben beispielsweise dem Oberhessischen Geschichtsverein, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Arbeitstelle Holocaustliteratur waren auch Geschichtsstudierende der JLU maßgeblich daran beteiligt, dass die Wanderausstellung, die erstmals im Jahr 2016 in Hamburg eröffnet wurde, ihren Weg nach Gießen gefunden hat.

Im Rahmen eines von Herrn Prof. Dr. Bohn geleiteten Seminars wurde im vergangenen Semester untersucht, ob und wie viele Gießener nach Minsk oder gar nach Malyj Trostenez deportiert wurden. Für die Ausstellung entstanden daraufhin zwei zusätzliche Stelen, die den Bezug Gießens zum Vernichtungsort bei Minsk anhand von sehr verschiedenen Einzelschicksalen deutlich machen. Herr Prof. Dr. Bohn übernahm an Stelle seines krankheitsbedingt verhinderten Kollegen Dr. Brake die Moderation der Informationsveranstaltung.

Nach der Einführung durch die Vertreter des Trägerkreises bestand die Möglichkeit, die Ausstellung schon vor der offiziellen Eröffnung zu begehen. Die Ausstellung besteht zum Einen aus Stellwänden mit Text und Bild, bietet jedoch auch interaktive und multimediale Elemente. So können beispielsweise an Audiostationen Interviews mit Augenzeugen angehört werden, oder online Zeitzeugenarchive durchsucht werden. Zudem entstand von studentischer Seite ein Radiobeitrag zum Thema, der ebenfalls in der Ausstellung angehört werden kann.

Die Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez“ wird am Dienstag, den 11. Dezember eröffnet und kann bis einschließlich 17, Januar 2019 in der Kongresshalle Gießen besucht werden. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus wird die Ausstellung von einem umfangreichen Begleitprogramm eingerahmt, das im Folgenden abgebildet ist.

 

Jonas Feike