03 Jul

Flanieren auf dem Friedhof

 

Einige Studierende haben den Audiowalk direkt ausprobiert

Der Alte Friedhof in Gießen ist im Sommer für viele ein Ort der Erholung. Manche führen ihre Hunde aus, andere entspannen einfach auf einer Picknickdecke. Seit Kurzem können die Besucher des Friedhofs mithilfe des von Studierenden der JLU erstellten Audiowalks „Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit“ auch etwas über diesen besonderen Ort lernen.

Geschichte zum Hören

Seit vergangenem Donnerstag kann der Audiowalk auch ganz offiziell abgelaufen werden – und das ganz umsonst.  In insgesamt elf Stationen leitet er den interessierten Besucher über den Alten Friedhof. Über die Webseite des Audiowalks können Besucher mit dem Smartphone die Audiobeiträge anhören, Bilder ansehen, sowie weitere Informationen nachlesen. Die Webseite verfügt zudem über eine Karte, auf der der Weg über den Friedhof eingezeichnet ist.

Die Beiträge beschäftigen sich neben Begräbniskultur, Friedhofssymbolik und verschiedenen Religionen auch mit berühmten Gießener Persönlichkeiten, wie Wilhelm Conrad Röntgen. Dem Zuhörer wird dabei jedoch nicht nur eine bloße Auflistung der Fakten geboten. Durch Klangkulissen, Musik und szenische Elemente können die Besucher in die jeweilige Zeit eintauchen und Ereignisse selbst erleben.

Unterstützung der Studierenden

Historikerin Dr. Eva Maria Gajek betreute das Projekt

Der Audiowalk entstand als Projekt eines Seminars der Fachjournalistik Geschichte an der JLU. Unter Anleitung von Dr. Eva Maria Gajek und Kevin Arnold vom Hessischen Rundfunk hatten die beinahe 30 Studierenden das Thema ausgewählt, die Texte für die einzelnen Beiträge erstellt und diese später auch eingesprochen. Dazu arbeiteten die Teilnehmer unter anderem mit Material aus dem Stadtarchiv, das ihnen von Dr. Ludwig Brake zur Verfügung gestellt wurde.

Unterstützt wurden die Studierenden außerdem von Stadtführerin Dagmar Klein und Roland Kauer vom Gartenamt der Stadt Gießen. Ihm dankte Gajek auf der Vernissage zur Eröffnung des Audiowalks für sein Vertrauen. „Er hat bis vor einer Woche nichts gehört. Er wusste überhaupt nicht, was er kauft“, berichtete Gajek. Der Audiowalk selbst war erst kurz vor der Vernissage vollständig fertig geworden.

AVEV macht Audioguide erst möglich

Großen Anteil daran, dass das Projekt überhaupt realisiert werden konnte, trägt die Produktionsfirma AVEV. Ihre Mitglieder stellten den Raum für die Aufnahmen der Hörbeiträge, leiteten die Studierenden bei den Aufnahmen an und stellten die Klangkulissen und Geräusche zur Verfügung. Dies wurde von Frau Gajek ebenfalls in ihrer Rede honoriert. „Ohne Sie gäbe es den Audiowalk in dieser Form nicht“, lobte Gajek die Produktionsfirma.

Lob der Bürgermeisterin

Die Gießener Bürgermeisterin zeigte sich begeistert

Auch Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, die die Besucher der Vernissage begrüßte, war voll des Lobes. Sie hält das Projekt für durchaus zeitgemäß. „Das Projekt ist wichtig für die Zukunft, wie es im Journalismus weitergeht“, befand Weigel-Greilich. Zudem war die Bürgermeisterin beindruckt von der großen Zahl der Besucher. Neben den beteiligten Studierenden waren Mitglieder des Freundeskreis Alter Friedhof, sowie interessierte Gießener anwesend.

Nach einführenden Worten von  Weigel-Greilich und Gajek, wurde in der Kapelle gemeinsam auf ein Ende des Regens gewartet. Als dieser endlich nachließ, gingen die Besucher der Vernissage nach draußen, um sich den ersten Beitrag des Audiowalks anzuhören. Viele taten dies in Einzelgruppen und verteilten sich dabei über den gesamten Friedhof.

Bericht Tatjana Döbert

Fotos Jennifer Meina

 

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12 Jun

Kulinarische Geburtstagsfeier

Zum 30. Geburtstag des erfolgreichen Austauschprogrammes Erasmus haben sich die JLU und THM Gießen etwas Besonderes überlegt. Mit einem umfangreichen Programm wurde Erasmus ordentlich gefeiert. Eines durfte bei der gelungenen Party natürlich auf keinen Fall fehlen: das Essen! Alumni und derzeitige Erasmus Studenten haben sich kulinarisch von ihrem Auslandsaufenthalt inspirieren lassen und ließen die reichlichen Besucher in deren Genuss kommen.

 

Vor genau 30 Jahren wurde das Austauschprogramm Erasmus ins Leben gerufen.  30 Jahre voller kulturellem Austausch, unvergesslicher Partys und Freundschaften.  Mehr als Neun Millionen Europäern wurde ein Auslandsaufenthalt durch Erasmus ermöglicht.  Dabei war der durchschnittliche Erasmus Student 2014/15 weiblich und 24,5 Jahre alt.

In diesem Zeitraum absolvierte auch ich mein Erasmussemester. Weiblich bin ich, zu dem Zeitpunkt meines Erasmus war ich jedoch erst 21 Jahre alt. Auch bezüglich der Favoritenländer entspreche ich auch nicht dem typischen Erasmus-Klischee. Die Top 3 Länder waren 2015 Spanien, Deutschland und Großbritannien. Ich war in Litauen. Einem Land, über das ich zu diesem Zeitpunkt herzlich wenig wusste. Jetzt  kann ich sagen: Es ist ein viel zu unterschätztes (Erasmus-)Land. Die fünf Monate, die ich dort verbrachte, waren ein einziges Abenteuer, ohne Kühlschrank, zickiger Heizung und kaputten Aufzügen (und das im 16. Stock!). Jedoch hätte ich mit nichts auf dieser Welt tauschen wollen. Die Menschen, die Umgebung,  die Universität, die Reisen – tolle Erinnerungen, zahlreiche Erfahrungen, insgesamt 6.983 Fotos und unzertrennliche Freundschaften sind geblieben.

Riesige Geburtstagsfeier

Der riesen Erfolg und die fabelhaften Erlebnisse, die dieses Kultprogramm generiert, müssen eindeutig gewürdigt werden! Die JLU und die THM Gießen nahmen das Jubiläum zum Anlass eine riesen Geburtstagsparty zu veranstalten. Es wurden Informationsveranstaltungen, Vorträge und Spiele organisiert. Was darf bei einer gelungenen Party zudem auf keinen Fall fehlen? Das Essen! Gekocht von Alumni und Erasmusstudenten. Kaum etwas spiegelt die Internationalität so gut wieder, wie die  verschiedenen Gerichte.  Alexander, Medizin-Student, schilderte, dass das gemeinsame Kochen während seines Erasmus vor allem am Anfang wichtig war, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. „Das Essen hat uns letztlich zu einer richtigen Gruppe zusammengeschweißt.“

In der Hoffnung wieder etwas „Erasmus-Luft“ schnuppern zu können nahm auch ich das Angebot wahr an dem kulinarischen Geburtstagsfest zu kochen. Meine Wahl fiel auf Borschtsch – eine Rote Bete Suppe. Borschtsch ist ein typisches Gericht im Osten Europas und damit auch sehr beliebt in Litauen. Die Suppe kochte ich allerdings nach einem weißrussischen Rezept, dieses erhielt ich von der Mutter von Darya, einer gebürtigen Weißrussin und  Freundin, die mit mir in Litauen Erasmus machte.

Ein schöner Haufen Buntes 

Am Tag des Kochabends kamen in mir allerdings Zweifel auf, ob ich mir nicht zu viel zugemutet hatte. Die Suppe kochte ich erst das zweite Mal und die Messlatte sie wie Daryas Mutter hinzubekommen hing ziemlich hoch. Zumal mein erster Versuch Borschtsch zu kochen nur mehr oder weniger – um ehrlich zu sein, eher weniger – erfolgreich war.
Drei Stunden und eine Schnittverletzung später waren dann endlich alle Zutaten geschnitten, das Fleisch köchelte indes fröhlich vor sich hin.

Es war ein so schöner Haufen von frischem Gemüse, dass es fast zu Schade war es zu kochen. Kurzzeitig ärgerte ich mich, dass ich kein Instagram hatte, ein Bild von dem Gemüse mit dem Hashtag Foodporn entspräche ganz dem modernen Zeitgeist. Ich konnte das Bild leider nur über WhatsApp mit meinen Freunden teilen. Aber zurück zum eigentlichen Vorhaben: eine essbare Borschtsch zu zaubern.
Ich dünstete und kochte ich das Gemüse und sah wehmütig dabei zu, wie sich das schöne bunt zu einer eher orangenen Einheitsfarbe verwandelte. Etwas skeptisch war ich bei dem Anblick meines fertigen Borschtsch dann schon. In der Hoffnung, dass Äußerliche etwas retten zu können streute ich – mehr als eigentlich vorgesehen – Kräuter in die Suppe. Endlich traute ich mich auch das Endprodukt zu probieren und Gott sei Dank, es schmeckte! Ich war erleichtert. Jetzt musste nur noch die Transport Hürde gemeistert werden – wie transportiert man sechs Liter Suppe durch den Gießener Verkehr? Eine Konstruktion aus Gummibändern, einem roten Korb und Handtüchern machten es schließlich möglich.

Kulinarischer Austausch

Im Lokal International angekommen war die Party bereits im vollen Gange. Seit fünfzehn Uhr konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Europa Parcours ihr Wissen testen, Lebensmittel mit verbunden Augen probieren, kleine Sprachkurse belegen oder sich generell über das Austauschprogramm informieren. Mich zog es allerdings weg vom Parcours in die Küche. Dort erwärmte ich meine Suppe für das Buffet. In der Küche herrschte eine unglaubliche Hitze, weshalb ich das Gefühl hatte eher zu kochen als meine Suppe. Während des Aufwärmens hatte ich die Gelegenheit mit den anderen Köchen ins Gespräch zu kommen. Zwei Mädchen aus Russland, die eigentlich in Finnland studieren und ihr Erasmus Semester in Gießen absolvieren kochten finnisches Ragout mit Kartoffeln und Pfannkuchen. Überall roch es unglaublich gut. Im Ofen wurden Lahmacun und ein französisches Gericht, bestehend aus Kartoffeln, Zwiebeln und Käse erwärmt. Nach und nach füllte sich die Küche immer mehr mit leckeren Speisen. Um acht Uhr wurde dann endlich das Buffet eröffnet – von Grüner Soße über Pilav bis hin zur Tiramisu war alles vertreten. Die Schlange am Buffet wurde immer länger und länger. Meine Nervosität stieg an. Ich war eigentlich recht zufrieden mit meinem Borschtsch, aber wie kam sie an? Zwei Freunde von mir haben die Borschtsch tapfer probiert ohne das Gesicht zu verziehen, ich werte das Mal als ein gutes Zeichen.  Auch sonst sprach der kleine Rest, der übrig geblieben ist, für sich.
Mit der Sehnsucht nach einem weiteren Erasmussemester, aber dem ambivalenten Gedanken, dass es niemals so unglaublich werden kann, wie meine Zeit in Litauen, fuhr ich satt und glücklich nach Hause.

Zum Schluss bleibt mir noch eins zu sagen: Herzlichen Glückwunsch Erasmus, ich hoffe du wirst alt. Ich hebe mein Glas auf dich – Prost!

 

Artikel von Luisa Kreiling,

Fotos von Franziska Brungs und Luisa Kreiling

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08 Jun

Kennst du schon Hessen? – Teil 4

Klar, es ist nervig und teuer – am Ende des Semesters heißt es wieder: Bitte überweisen sie den Semesterbeitrag. Der Großteil des Geldes, genau 129,56 Euro, gehen dabei für das Semesterticket drauf. Doch das lohnt sich: So günstig kommt man sonst nie wieder durch ganz Hessen. Wo ihr mal vorbeischauen und dabei was besichtigen und essen solltet, das zeigen wir euch in unserer Serie: Heute geht es nach Fulda.

Fulda wird zur Open Air Bühne

Wer glaubt Fulda sei eine verschlafene Stadt mit Bischofssitz liegt falsch. Höhepunkt des Jahres ist das Stadtfest. In diesem Jahr ab heute bis zum  11. Juni verwandeln sich die ruhigen Gassen Fuldas in eine Open Air Bühne. Auf der Hauptbühne am Universitätsplatz werden am heutigen Donnerstag um 19:30 die bunten Tage mit einem Fassanstich eingeläutet. Danach geht das Stadtfest, mit Poetry Slam Meister Lars Ruppel, von 20 bis 24 Uhr auf dem Museumshof, in die Offensive. Das Publikum wird zur knallharten Jury. Wer sich zwischendurch stärken möchte kann das zu jeder Zeit an der Street Food Meile in der Bahnhofsstraße tun. Musikalische Spezialitäten gibt es Freitag mit Mike Jehn von 14:30 bis 16 Uhr, der Fuldaer Rockband The Goose Brothers von 17 bis 19 Uhr und BackHome, die von 20 bis 24 Uhr auf dem Universitätsplatz rocken.

Fulda bei Tag und Nacht

Für alle Fans von Blues und Jazz treten am Samstag die Band TICATO von 17 bis 19 auf dem Universitätsplatz auf. Weiter geht es um 20 Uhr mit der Partyband Soundholics zusammen mit ihrem Bläserchor.

Verregnete Tage eigenen sich in Fulda toll zu shoppen

Tausende Menschen kommen in den vier Tagen in die Stadt um zwischen Fachwerkhäusern und im Schatten des 300 Jahre alten Doms zu feiern. Händler aus fernen Ländern,

bieten exotische Speisen an. Unter freiem Himmel wird getrommelt, gesungen und geschlemmt. Ausgefallene Veranstaltungen wie ein Krimidinner im Maritim Hotel am Samstag für 79 Euro pro Person oder ein Tanzwettbewerb auf dem Borgiasplatz am Sonntag von 12 bis 17 Uhr, lassen die ereignisreichen Tage ausklingen. Wer sich lieber in das Einkaufsvergnügen an verkaufsoffenen Sonntagen stürzt, hat am 11 Juni Gelegenheit dazu. Viele Geschäfte in der Innenstadt nutzen diesen Tag um ihre neuesten Kollektionen bei Modeschauen ab 13 Uhr vorzuführen.

Wer dann noch Puste hat, kann die vielen Kirchen und alten Herrenhäuser bestaunen. Fuldas Hauptattraktion ist neben dem Dom, das Schloss, durch die barocken Gemäuer finden mehrmals täglich Führungen statt.

Mehr Infos gibt es hier

 

Fotos und Bericht von Kim Hornickel

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08 Jun

Kennst du schon Hessen? – Teil 3

Klar, es ist nervig und teuer – am Ende des Semesters heißt es wieder: Bitte überweisen sie den Semesterbeitrag. Der Großteil des Geldes, genau 129,56 Euro, gehen dabei für das Semesterticket drauf. Doch das lohnt sich: So günstig kommt man sonst nie wieder durch ganz Hessen. Wo ihr mal vorbeischauen und dabei was besichtigen und essen solltet, das zeigen wir euch in unserer Serie: Heute geht es nach Kassel.

SIGHTSEEING

Parthenon of Books

Bergpark

Zu den schönsten Städten zählt die im Zweiten Weltkrieg stark versehrte und im architektonischen 50er-Jahre-Charme wieder errichtete Stadt Kassel gemeinhin nicht. Umso mehr könnte es dich irritieren, auf einen großen Andrang an Touristen zu treffen, wenn du dich im Zeitraum vom 10. Juni bis 17. September 2017 dennoch dorthin begibst. Alle fünf Jahre richtet Kassel nämlich die Documenta aus, eine Weltausstellung für zeitgenössische Kunst– so auch in diesem Jahr. Selbst ohne Ticket kannst du öffentlich zugängliche Installationen bestaunen, wie etwa das Parthenon of Books – ein Tempel, bestehend aus etwa 100.000 ehemals und gegenwärtig verbotenen Büchern.

Orangerie

Beinahe überall in Kassel hast du einen Blick auf die mächtige Herkules-Statue, die den Bergpark Wilhelmshöhe, UNESCO-Welterbe, ziert. Machst du dich mittwochs oder sonntags auf den Weg, hast du die Möglichkeit, dort die weltweit einzigartigen Wasserspiele zu sehen.

Auch sehenswert sind die Orangerie in der Karlsaue, die unweit entfernten Bugaseen und die zahlreichen Museen auf dem Weinberg.

 

 

ESSEN

Hast du außerdem Zeit für einen Kaffee, dann genieße ihn im Vorderen Westen oder in der Nordstadt. In den Stadtteilen stehen noch viele Häuser aus der Gründerzeit.

Vo Phang, Bashis Delight oder das Café Hurricane sind außerdem gute Adressen für eine leckere und bezahlbare, internationale Küche.

NACHTLEBEN

Gerade in der Sommerzeit lockt Kassel mit kleineren Festivals wie dem Kulturzelt oder dem OBEN-Festival. Feiern lässt es sich ansonsten gut im 130bpm, im Kulturzentrum K19 oder im ARM. Willst du den Abend eher gemütlich bei einem Bier ausklingen lassen, dann eignen sich besonders die Studentenkneipe Weinbergkrug, das Fiasko oder auch der Rudolphsplatz.

 

Bericht und Fotos von Lotta Gatzke

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30 Mai

“Um das Debattieren populär zu machen”

Am Donnerstagabend ist es wieder so weit: Das DebattierDuell: Studis vs. Profs 2.0 steht an! Wir haben uns mit dem Präsidenten des Georg Büchner Debattierclub Gießen zusammengesetzt und Vasily Melnikov hat uns Rede und Antwort gestanden.

Universum: Ein Debattierklub – Wie läuft das ab?

Vasily Melnikov ist der Präsident des Gießener Debattierklubs. Der 29-Jährige studiert Osteuropäische Geschichte an der JLU.

Melnikov: Wir machen dort kleine Trainings, zum Beispiel eine „60 Seconds Übung“. Du sitzt dabei in einer Gruppe von einigen Leuten und der erste Redner kriegt ein Thema vorgegeben, zum Beispiel „Fahrradhelmpflicht einführen“ und dann ist es seine Aufgabe, 60 Sekunden lang zu reden ohne „ähm“ gesagt zu haben. Und wenn er das nicht schafft, dann muss der nächste die Gegenposition einnehmen und wenn er das auch nicht schafft, dann muss der Dritte wieder dafür sprechen und so weiter. Wenn du es hinbekommst 60 Sekunden lang ohne „ähm“ zu sagen, deine Rede zu halten, dann darfst du das nächste Thema bestimmen. Das ist etwas, das wir meistens am Anfang machen, vor allem mit neuen Leuten, damit sie merken, dass man durch solche kleinen Übungen schon seinen Redefluss verbessern kann.

UNIversum: Erzähl uns was über den Club.

Melnikov: Zu dem Club an sich, der Club wurde 2013 von Eva-Maria Aulich gegründet, das ist die ehemalige Leiterin vom Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften und Nicole Tamka vom Zentrum für Lehrerbildung. Es gibt deutschlandweit über 45 aktive Clubs. Es findet bald auch die deutsche Debattiermeisterschaft statt.

UNIversum: Ihr seid inzwischen ein eingetragener Verein, was war der Grund dafür und wie kann man sich das Vereinsleben vorstellen?

Melnikov: Die Intention dahinter war, das wir auch nach außen als Club anders wahrgenommen werden wollte, also nicht einfach als ein Zusammenschluss von Leuten, die ein bisschen Spaß haben wollen, sondern wir wollten uns professionalisieren. Wir haben uns vor allem dafür entschieden, einen Verein zu gründen, damit wir in erster Linie eine Struktur bekommen. Es gab auch davor schon Vorstände, aber wir wollten, dass der Vorstand gewisse Rechte und Pflichten bekommt. Wir haben Ressorts gebildet, zum Beispiel ein Finanzressort, PR oder „Socials“ – das sind die Leute, die für die Veranstaltungen außerhalb der Debatten zuständig sind und die unserer Reisen organisieren. Wir haben auch ein Ressort für Trainer – zum Beispiel kommt regelmäßig Lennart Lokstein zu uns, der Deutsche Debattiermeister 2015. Er wird übrigens auch beim diesjährigen Professorenduell Ehrenjuror sein.

UNIversum: Und wie viele Leute debattieren bei euch regelmäßig?

Melnikov: Es gibt einen harten Kern von ungefähr 12 Leuten, die regelmäßig zu Debatten kommen, die anderen schwanken immer von Semester zu Semester. Jetzt im Wintersemester waren durchschnittlich zwischen 15 und 18 Leuten bei unseren Debatten.

UNIversum: Im vergangenen Jahr habt ihr mit großem Erfolg das Debattierduell Studis vs. Profs ausgerichtet, wie seid ihr auf die Idee gekommen ?

Melnikov: Also viele andere Clubs in Deutschland machen dieses Format auch. Bei dieser Art von Debatte handelt es sich um eine Showdebatte, das heißt hier geht es darum, das Debattieren als Sportart populär zu machen. Ich war vor zwei Jahren beim Professoren-Duell der Marburger und wir haben uns dann gedacht, das machen wir jetzt auch!

UNIversum: Hat euch der Erfolg verwundert?

Erfolgreiche Premiere im vergangenen Jahr

Melnikov: Im letzten Jahr haben  sehr viel Kraft in die Werbung gesteckt. Wir haben ursprünglich gedacht, wenn 50 Leute kommen, dann sind wir schon zufrieden. Wir waren aber in der Aula im Hauptgebäude mit insgesamt 400 Plätzen und wenn doch nur 20 Leute gekommen wären, dann wäre uns das schon peinlich gewesen. Deswegen haben wir uns Stellwände besorgt, auf die wir dann haben Plakate geklebt und damit den vorderen Teil des Raumes abgegrenzt haben. Die ersten Leute kamen dann schon um 18 Uhr, eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Wir haben dann gemerkt, wir müssen die Stellwände wegstellen. Wir haben die erst einmal vier Reihen nach hinten gestellt. Es haben sich aber immer mehr Leute gesammelt und dann haben wir die Stellwände ganz weggeräumt. Wir hatten befürchtet, dass wenige Leute kommen und im Endeffekt waren 150 bis 200 Leute da – damit hatten wir nicht gerechnet und waren sehr froh, so viele Leute dabei gehabt zu haben.

UNIversum: Und dieses Jahr steht jetzt die Neuauflage an, habt ihr im Vergleich zum letzten Jahr irgendetwas geändert?

Melnikov: Wir haben neue Professoren! Letztes Jahr hatten wir Frau Klehe und Herrn Kersting von der Psychologie und Herr Wolters [Tierökologie, d. Red.], der für die „Elefantengedichte“ bekannt ist. Guck dir das mal an! Die Professoren haben sich dann auch eine sehr gute Debatte geliefert und dieses Jahr konnten wir Frau Dietl von der Germanistik gewinnen, Herr Vogel von der Philosophie und Prof. Dorresteijn von der Zoologie.

UNIversum: Soll das Debattierduell jetzt jedes Jahr stattfinden?

Melnikov: Ja! Das war auch letztes Jahr schon das Ziel, dass es zu einer jährlichen Veranstaltung werden sollte, weil das für den Bekanntheitsgrad des Debattierclubs und des Debattierens als Sportart an sich immens viel bringt.

UNIversum: Gucken wir ganz kurz in die Zukunft, es ist der 1. Juni 2017, 19.00 Uhr Aula der JLU. Was hoffst du in diesem Moment?

Melnikov: Ich hoffe, dass die ganze Arbeit sich gelohnt hat, die wir da reingesteckt haben, es steckt wirklich sehr viel Arbeit dahinter. Angefangen damit, dass wir Sponsoren finden mussten über das Catering, das Organisieren von Räumlichkeiten und Teilnehmern, Anschreiben von Ehrenjuroren und so weiter. Deswegen hoffe ich, dass es auf jeden Fall mindestens genauso gut besucht wird wie letztes Jahr!

 

Das Interview führte Christoph Görres

Fotos von Pauline Gauffre

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27 Apr

Geschichte in Games Teil 1

Geschichte haftet oft an langweilig, alt und verstaubt zu sein. Doch das muss gar nicht sein….

Wer Geschichte gerne mit coolen Moves und spannenden Gadgets erleben will, der kann sich an Assassin’s Creed versuchen. Die 2007 von Ubisoft Montreal ins Leben gerufene Spieleserie hat sich als Verkaufsschlager entpuppt. Denn es ist eine Sache etwas über das revolutionäre Frank- reich oder das Viktorianische London zu lesen, doch etwas völlig anderes es selbst zu erleben. Über das Heilige Land, das Italien der Renaissance oder das Piratenzeitalter in der Karibik, für jeden scheint etwas dabei zu sein.

Dabei ist das Spielprinzip relativ simpel und für manche sicherlich auch brutal. Erkunden, Ermorden und schließlich fliehen. Während die Serie dieses Prinzip seit dem ersten Teil nur wenig verändert hat, hat sich die Storyline seither immer weiter vom Ursprung entwickelt. Startet man in den ersten drei Teilen der Serie noch als Desmond Miles, der durch eine Maschine namens Animus die Erinnerungen seiner Vorfahren durchlebt, entkoppelt sich die Serie dieser Figur in den Teilen vier bis sechs.

Doch was macht dieses Spiel für den Historiker interessant. Die graphische Pracht oder die vielen Interaktionsmöglichkeiten sind sicherlich reizend, jedoch macht Assassin’s Creed besonders seine historische Perspektive aus. Einen absoluten Wahrheitsanspruch hatten die Entwickler sicher nicht, jedoch haben sie eine vergangene Welt mit Leben gefüllt. Der Spieler begegnet historischen Persönlichkeiten über Richard Löwenherz, den berühmten Piraten Blackbeard bis hin zu Winston Churchill.

Über allem steht in jedem Ableger der Serie, der Konflikt zwischen Templern und Assassinen. In fast allen Teilen übernimmt der Spieler dabei die Rolle eines Assassinen und versucht die Welt vor den Plänen der Templer zu schützen. Dabei interagiert man nicht nur mit der Umwelt sondern auch mit den aus Geschichtsbüchern bekannten Persönlichkeiten. Diese versorgen einen mit Informationen, technischen Finessen, Aufgaben oder dienen als potenzielle Ziele. So hat Ubisoft darauf geachtet, dass alle in den  Spielen zu Tode kommenden Charaktere auch in den im Spiel durchlebten Zeiträumen wirklich starben oder verschwanden. Kommt es zu Anachronismen liegt dies an der künstlerischen Freiheit der Entwickler. Denn so könnte man Scherzhaft sagen, dass in diesen Fällen vielleicht ja die Geschichtsschreibung falsch sei.

Wer also Geschichte mal anders leben will in einer lebendigen Umwelt, aber nicht auf hundertprozentige Authentizität setzt, für den ist Assassin’s Creed sicherlich eine gute Wahl. Zudem biete die Serie sechs unterschiedliche historische Zeiträume mit spannenden Handlungsorten. Wer also mal die Karibik, das revolutionäre Paris oder das alte Jerusalem sehen will, der sollte sich in den Animus schmeißen und ans Erkunden machen.

Von Marek Szabowski

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01 Feb

Hochschulwahlen – “Am Ende wollen doch eh alle das gleiche”

Seit über einer Woche kann gewählt werden – unzählige Flyer und Kulis wurden verteilt, Mails versendet und Versprechen durch die Listen gemacht. Trotzdem haben bisher nur 18 Prozent gewählt. Woran kann das liegen? Wir haben uns umgehört:

Marius, studiert Fachjournalistik 

“Ich bin der Ansicht, dass elektronische Wahlmethoden durchaus positiv zu sehen sind – solange es sicher ist. Trotzdem glaube ich nicht, dass elektronische Wahlsystem auf lange Sicht die Wahlbeteiligung steigern werden. Es wird wie immer einen Hype am Anfang geben und danach denkt niemand mehr daran. Zudem hätte ich die Einführung fast nicht mitbekommen und sollte stärker kommuniziert werden. Durchaus auch provokativ: “Wenn ihr bei Facebook schreiben könnt, könnte ihr auch wählen”. Irgendsowas in die Richtung – oder anstatt der sinnlosen Wahlplakete, die völlig beliebig und immer das selbe sind, nur noch dafür Werbung machen. Das ist leider notwendig, da Wahlen zurzeit wenig Beachtung finden – insbesondere bei den Jungen ist die Verdrossenheit hoch. Studentische Wahlen haben zudem den Beigeschmack, dass man davon kaum was persönlich bemerkt. Ich, der kurz vorm Master steht, habe zumindest jahrelang nichts gemerkt und würde es an der Uni glaub auch nicht vermissen.”

Janina, 26, Studiert auf Lehramt

“Ich gehe wählen, weil ich schließlich die Möglichkeit habe, die Partei zu wählen, die meinen Interessen am nächsten kommt. Ich finde es wichtig, dass man diese Demokratie nutzen sollte. Durch nicht wählen kann man nichts verändern.”

Anna, studiert Geschichte

Ich finde die Wahlen sehr wichtig, damit die Interessen der Studierenden vertreten werden können. Aber ehrlich gesagt habe ich davon in diesem Jahr kaum etwas mitbekommen, da ich keine regelmäßigen Veranstaltungen mehr habe. Auch das eine Online-Wahl gibt, habe ich nur durch Zufall auf der Uni-Homepage gesehen. Sowas kann natürlich auch Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung haben.

Max, Fachbereich 04*

“Ehrlich gesagt, habe ich bis zur Wahlwoche kaum etwas von der anstehenden Wahl mitbekommen. Wahlwerbung habe ich nur von vereinzelten Parteien erhalten. Ich hatte nicht das Gefühl, ausreichend informiert zu sein. Die Hochschulwahlen sind wichtig um uns als Studierenden eine Stimme zu geben. Aber was bringt es uns, wenn wir am Ende doch vor der Liste mit Namen sitzen und nicht wissen, was wir dort eigentlich ankreuzen?”

Lisa, Fachbereich 04*

“Wählen ist wichtig, da die studentische Selbstverwaltung ein Mittel ist, mit dem wir Studenten unser Studium mitgestalten können. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Studierendenparteiprogramme überraschenderweise kaum voneinander. Am Ende wollen alle doch das Abschaffen der Anwesenheitspflicht und billigeren Wohnraum.”

Vanessa, 21, studiert Biologie

“Ich wähle, um mich einzumischen!”

 

* Namen wurden auf Wunsch geändert

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31 Jan

Hochschulwahl 2017 – Was macht ihr eigentlich?

An kaum einem Campus kann man sich der Hochschulwahl entziehen

Fünf Hochschulgruppen stellen sich in diesem Jahr zur Wahl. Wer das ist, was sie vorhaben und inwiefern sie sich von den anderen Gruppen unterscheiden – UNIversum hat sich bei ihnen umgehört:

(Anmerkung der Redaktion: Die Reihenfolge erfolgte nach dem Prinzip “Wer zuerst antwortet, kommt zu erst”)

Linke Liste

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen wird politische Arbeit in und außerhalb von Gremien und Parlamenten immer essentieller. Aus diesem Grund treten wir als Linke Liste zu den Senatswahlen 2017 an.

Unsere Forderungen:

·      Wir treten an für mehr studentische Selbstbestimmung: Das umfasst die Forderung nach Abschaffung der Anwesenheitspflicht und der Begrenzung der Prüfungsversuche.

·      Wir sind für mehr studentische Mitbestimmung in allen Gremien der JLU an und fordern eine transparente Unipolitik.

·      Mehr Solidarität bedeutet für uns ein finanzierbares Studium für alle Studierenden und mehr staatliche Unterstützung der Universitäten.

·      Wir treten für eine richtige Zivilklausel und eine handlungsfähige Ethikkommission ein! Die Einflussnahme von Militär- und Rüstungsindustrie muss unterbunden werden.

·      Wir fordern Gleichstellung in allen Bereichen der Universität. Dazu zählt eine Geschlechterquotierung der Professuren, genderneutrale Toiletten, Erhalt und Förderung kritischer Wissenschaft.

·      Wir setzen uns gegen das neoliberale CHE-Hochschulranking und die Exzellenzinitiative ein. Statt flächendeckend universitäre Einrichtungen zu fördern, unterstützt der Staat mit dieser wirtschaftsnahen Initiative die Elitenbildung auf der einen Seite und fördert die Prekarisierung ganzer Wissenschaftszweige und Universitäten auf der anderen.

RCDS Studentenunion 

Wir, der Ring Christlich-Demokratischer Studenten Gießen – die Studentenunion, sind eine konservative, unabhängige und überkonfessionelle politische Hochschulgruppe an der JLU Gießen. Leitbild unserer Politik ist das Hessische Hochschulgesetzt, welches politische Hochschulgruppen an hessischen Hochschulen mit einem hochschulpolitischen Mandat ausstattet. Das heißt, dass jedes hochschulpolitische Handeln in einem bildungspolitischen Kontext geschehen und auf die Interessen und Bedürfnisse der Studierendenschaft zugeschnitten sein sollte. Die Auslegung dieses hochschulpolitischen Mandats unterscheidet uns maßgeblich von anderen politischen Hochschulgruppen an der JLU, insofern das studentische Interesse und ein bildungspolitischer Mehrwert die für uns wichtigsten Kriterien darstellen, wenn es um die Verwaltung und Verteilung studentischer Gelder geht. Dementsprechend ist die finanzielle Stärkung und Förderung der Fachschaftsarbeit eine unserer Kernforderungen. Weiterhin möchten wir uns für den Erhalt und Ausbau des Bibliothekbestands, eine angemessenere Portionierung in allen Mensen des Studentenwerks Gießen und die vollständige Beseitigung des Matschweges am Philosophikum II stark machen.

Eure RCDS-Hochschulgruppe Gießen

 

Juso

Seit 1969 setzen wir uns als Juso-Hochschulgruppe Gießen für Eure Belange ein – Egal ob in studentischen oder universitären Gremien, wie dem AStA, dem Senat und dem Studierendenparlament. Im kommenden Jahr wollen wir an die gute Arbeit der letzten Jahre anknüpfen und haben vor allem die Verbesserung der Studienbedingungen, also neben der Lehre auch die der Infrastruktur, ins Auge gefasst. Dies geht Hand in Hand mit unserer Forderung nach einer besseren Finanzierung der Hochschulen. Außerdem werden wir uns für mehr bezahlbaren studentischen Wohnraum und gegen Anwesenheitspflichten einsetzen.                                                                                                                          
Wir haben in den letzten Jahren schon viel erreicht: Im Sommer konntet ihr durch die von uns eingeführte Freibadflatrate erstmals den ganzen Sommer kostenlos ins Freibad gehen und Ihr habt jedes Jahr die Möglichkeit, kostenlos die Vorstellungen des Stadttheaters zu besuchen. Das jetzige Mildred-Harnack-Fish-Haus ist dank uns nach langjährigen studentischen Bestrebungen nicht mehr nach einem überzeugten Nationalsozialisten benannt. Durch eine von uns initiierte Semesterticketerweiterung könnt ihr mit eurem Semesterticket mittlerweile sogar im VGWS-Bereich bis nach Siegen fahren. Wir freuen uns auf das nächste Jahr zusammen mit euch.

Die Grünen Köpfe – Uni Grün

– FÜR eine grünere Universität

– FÜR nachhaltige Energiewirtschaft

– FÜR die Ausklammerung von Modulnoten

– FÜR Studierendenfreundliche Lehre

– FÜR eine bunte Universität ohne Diskriminierung

– FÜR den Ausbau des Mensa-Angebots

– FÜR Umweltbildung

– GEGEN Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen

– GEGEN Tierversuche

– GEGEN Studiengebühren

 

(Anmerkung der Redaktion: Die Liberale Hochschulgruppe hat sich bisher nicht zurückgemeldet)

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21 Dez

In der Weihnachtsbäckerei

Backen gehört einfach zur Weihnachtszeit

Backen gehört einfach zur Weihnachtszeit

Backen gehört für viele genauso in die Adventszeit, wie der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt oder der Kauf eines Weihnachtsbaums. Wer sich damit nicht so auskennt oder neue Rezepte ausprobieren will, kann dies bei einem der Backkurse des Studentenwerks tun. Auch unsere Redakteurin Tatjana hat das Angebot wahrgenommen und mit anderen Studenten in der Mensa gebacken.

In die Mensa zum Essen gehen kann jeder, selber dort zu backen nur die glücklichen Gewinner der Auslosung des Studentenwerks. Ich bin auch dabei. Der Titel „Weihnachtsbacken für Fortgeschrittene“ macht mich etwas nervös, da meine Backkünste kaum über Butterplätzchen und Vanillekipferl hinausgehen. Vor allem bin ich aber gespannt die Küche zu sehen, die sonst kein Student zu Gesicht bekommt.

Am Infopoint angekommen, treffen Helena, die mich mit der Kamera begleitet, und ich schon auf zwei weitere Teilnehmerinnen des Kurses. Hannah ist wie ich zum ersten Mal dabei. Auch sie ist mit einer Kamera bewaffnet. Sie will neben dem Backen Bilder machen und dann auf ihrem foodblog  von diesem Kurs berichten.

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Ein bisschen Fingerspitzengefühl bedarf es schon beim Backen

Da der erste Kurs sehr schnell ausgebucht war, gab es diesmal extra mehr Plätze. Voll belegt ist der Kurs diesmal jedoch nicht. Und auch zum letzten kamen nicht alle. „Von den acht, die sich letzte Woche angemeldet haben, waren nur vier da“, berichtet Michele, die schon in der letzten Woche dabei war. In diesem  Anfängerkurs wurden die altbekannten Backwerke gemacht: Butterplätzchen, Vanillekipferl und Linzer Augen. “Der Kurs hat mir so gut gefallen, da musste ich wieder kommen”, so Michele und lässt bei mir Vorfreude wachsen.

Backen wo sonst Salate gemacht werden

Wir werden abgeholt und in den Teil der Küche begleitet, in dem wir heute backen. Dort wartet Etienne auf uns. Er ist sonst in der Mensa Vital und im Spätdienst der Mensa beschäftigt und leitet heute den Kurs. Gebacken wird dort, wo sonst Salate zubereitet werden. Doch auch der Rest der Küche wird uns gezeigt. Alles dort ist riesig und aus Metall. Es gibt eine Frittierstraße, Öfen, die gefrorenes Gemüse in zehn Sekunden garen und sogar eine eigene Metzgerei.

Dann geht es endlich los mit dem Backen. Heute ist es schon etwas anspruchsvoller – Lebkuchen, veganes Panforte – „Die italienische Antwort auf Lebkuchen“, wie Etienne es nennt – und Christmas dough. Quasi nicht durchgebackener Kuchenteig in einer kleinen Auflaufform, serviert mit Eis.

Geschnippelt, Geknetet, Gerollt

Zunächst die italienische Spezialität – da diese eine Stunde ruhen muss – Backen bedeutet auch immer Zeit zu haben. Aprikosen werden geschnippelt, Teig geknetet, Zimt und Nelken hinzugefügt. Alles wird nun zusammengeschüttet und verknetet. Danach wird es zu Würsten gerollt, in Frischhaltefolie gepackt und in den Kühlschrank gelegt.

Weiter geht es mit den Lebkuchen. Die Aprikosen werden durch Orangen ersetzt, vegan wird gestrichen – und diesmal hilft die Technik: Vermengt wird alles mit  der KitchenAid Maschine, um die Hannah die Mensa beneidet. Drei Bleche Lebkuchen schieben wir jetzt in den Ofen – aus dem schon bald ein betörender Duft kommt.

Naschen gehört dazu

Mmmh...

Mmmh…

Als er zurückkommt ist es bereits Zeit die Teigwürste für die Panforte in Stücke zu schneiden. Sich zu konzentrieren fällt schon schwer – zu gerne will ich die Früchte und den Teig probieren. Aber naschen kann man ja bei dem rohen Teig auch. Die Bleche bekommen wir trotzdem voll.

Nachdem auch die Panforte im Ofen sind, geht es an den Christmas dough. Ich fette sechs kleine Auflaufformen ein. Währenddessen wird indes wieder von der Kitchen-aid gemischt. Das klappt erst nicht so recht, doch dann können wir den Teig auf die Formen verteilen. Dabei wird wieder fleißig probiert. Vor lauter Nascherei weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich später den Christmas dough essen soll.

Das Auge isst mit

Während dieser schließlich im Ofen ist, werden die Lebkuchen mit Zuckerguss und Pistaziensplittern dekoriert und die Panfortestücke aufgeteilt. Jeder von uns bekommt eine Brotdose für unsere Plätzchen. Die reicht allerdings bei Weitem nicht, sodass jeder noch eine Plastiktüte zusätzlich füllen kann.

Probieren, probieren, probieren

Nachdem die Panfortestücke verteilt sind, ist auch der Christmas dough fertig. Jeder bekommt darauf eine Kugel Eis nach Wahl und während Etienne in der Küche aufräumt, lassen wir es uns schmecken. Ich schaffe gerademal die Hälfte meiner Kalorienbombe und kann auch davon noch etwas mit nach Hause nehmen. Während des Essens sind wir uns alle einig, dass wir auch an weiteren Kochkursen teilnehmen wollen – auch wenn diese ab dem nächsten Jahr etwas kosten sollen. Das ist es uns wert.

Hauptsache es sind genug Plätzchen für alle da - auch nach dem Naschen

Hauptsache es sind genug Plätzchen für alle da – auch nach dem Naschen

Am Ende des Abends gehe ich mit einer Brotbox, einer „take-away“-Box und einer Plastiktüte voll Keksen nach Hause. Und natürlich mit dem Gefühl bis Weihnachten nichts mehr essen zu können. Doch schon ein paar Stunden später, nasche ich schon wieder. Die Plätzchen sind einfach zu lecker.

 

Artikel und Fotos von Tatjana Döbert

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