„Immer nett lächeln und winken!“ – Miss-Wahlen: Fleischbeschauung oder weibliche Befreiung?

Die Wahl der „Miss Hessen“ in Gießen sorgt in Zeiten von #MeToo, stellverstretend für viele Miss-Wahlen, für reichlich Diskussionsstoff. Allen voran stellt sich die Frage: Kann so ein Event eigentlich feministisch sein?
Ein Kommentar von Danielle Dörsing


Glitzer, Glamour, schöne Kleider und ein Moment im Rampenlicht – Eine Misswahl scheint für viele junge Frauen eine Erfüllung ihrer Träume und das Sprungbrett für eine große Karriere zu sein. Doch Miss-Wahlen stehen bei Vielen immer wieder in der Kritik: Sie seien reine Fleischbeschauungen und Frauen würden nur auf ihren Körper reduziert werden. Diesen Diskurs konnte man auch wieder am Samstag erleben, als die „Miss Hessen“ Wahl 2019 in einem Gießener Einkaufzentrum stattfand. 17 Kandidatinnen im Alter von 18 bis 29 Jahren lächelten und winkten, was die Löckchen hielten, und das alles nur, um vielleicht einmal „Miss Germany“ zu werden, der einzige Titel, der neben einem Physik-Doktor in Deutschland noch was wert zu sein scheint.

Ritual der Emanzipation?

Aber mal ernsthaft: Da die Eigenständigkeit und der Raum für eine freie (weibliche*) Entscheidung im Mittelpunkt stehen, kann man die Damen für ihre freiwillige Teilnahme an so einer Show wohl kaum kritisieren. Die Welt-Autorin Claudia Becker nannte Miss-Wahlen ein „Ritual der Emanzipation“ und argumentiert für eine feministische Auslegung, da „Selbstbewusstsein, Sendungsbewusstsein und dazu noch ein Sinn für das eigene Aussehen“ nicht mit dem postmodernen weiblichen Weltbild kollidieren müssen. An dieser Aussage ist insgesamt nichts auszusetzen, es wäre sogar schlicht unfeministisch die Teilnehmerinnen zu bodyschamen oder sie für ihre Liebe zu Make-Up, glitzernden Kleidern oder eben für das Tragen eines kurzen weißen Jumpsuits zu kritisieren oder abzuwerten. Wenn sich eine Frau frei dazu entscheidet, ihr Aussehen in den Mittelpunkt zu stellen, ist das ihre freie Wenn sich eine Frau frei dazu entscheidet, ihr Aussehen in den Mittelpunkt zu stellen, ist das nun mal ihre freie Entscheidung. My body, my choice. Ganz einfach.

Toxische Männlichkeit überall

Aber es ist das Drumherum, was Events wie die Wahl zur „Miss Hessen 2019“ zu einer misogynen Falle machen. Es ist einfach ein verlogenes Konzept, dass erst richtig deutlich wird, wenn man sich verschiedene Dinge vor Augen führt, die am Samstag scheinbar konsequent keinem aufgefallen sind. Angefangen bei einem sexistischen Moderator, der von „starken Frauen“ und Empowerment spricht, gleichzeitig aber tolle Erfolge in feinster sexistischer Manier kaputtredet und der ziemlich offensichtlich jeder (!) Teilnehmerin beim „Walk“ vor der Jury auf den Hintern gafft. Aber auch die herumstehenden Zuschauer*innen, von denen die männlichen Konsorten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, die Arme in die Luft warfen um, mit jedem nur verfügbarem Gerät mit Kamerafunktion, Fotos von den Kandidatinnen zu machen, wobei ihre Gesichter hier meistens nicht im Fokus standen. So viel toxische Männlichkeit und Gaffertum auf einmal, ließen kaum Luft zum Atmen.

Stoppt den Male Gaze!

Des Weiteren überraschte auch die Jury, denn es ist doch relativ schleierhaft, welche Qualifikationen man(n) eigentlich benötigt, um so eine Miss vernünftig zu küren. Intelligent, charismatisch und gut aussehend soll sie sein, aber wer stellt das fest, wenn dann doch irgendwie alle gleich aussehen und das Gleiche sagen? Neben Frisör*innen, Sänger*innen und einigen Gewinner*innen vergangener Miss*Mister-Wahlen, fanden sich vor allem Boxer, Fahrlehrer, Möbelhausbesitzer und ein Immobilienmakler in der Jury. Das Erstgenannte wohl auf eine gewisse Expertise zurückgreifen können, was Styling und Präsenz angeht, ist noch nachvollziehbar. Aber ein Möbelhausbesitzer? Auf welcher Grundlage hat der wohl entschieden? Richtig, nach westlichen Schönheitidealen, die seit Jahrhunderten von und durch Männern kreiert und vorangetrieben werden.

Es ist also eben jener Male Gaze, also der männliche Blick, mit dem unsere Gesellschaft schaut und nach dem wir beurteilen, der auch bei der „Miss Hessen 2019“ konsequent über allem lag. Dieser ist auch dafür verantwortlich, Kritiker*innen oft das Gefühl zu geben, Teil einer „Fleischbeschauung“ zu sein, denn ein männlich-abwertender Blick unterscheidet nicht zwischen Menschen und Objekten. Von einem „Ritual der Emanzipation“ kann hier daher wohl kaum die Rede sein.

Kritiker*innen würden nun behaupten, dass die Frauen sich ja selbst in diese Situation bringen, oder noch perfider, dass sie selbst Schuld seien, da sie niemand zur Teilnahme gezwungen hätte. Diese Argumentation, die das Opfer zum Täter macht (sog. Victim Blaming), ist auch hier wieder vollkommen unangebracht, denn sie strotzt doch nur so vor toxischer Männlichkeit. Nur weil sich eine Frau* gerne schminkt und präsentiert, haben Männer* weder das Recht noch den Freifahrtschein, belästigende Verhaltensweisen an den Tag legen.

Schönheit ist divers!

Damit das Konzept „Misswahl“ funktioniert, muss sich der Blick ändern, wie wir (weibliche* Schönheit) sehen. Schönheit ist nicht einseitig und erst recht nicht nur ein körperliches Merkmal. Schönheit ist divers! Das war aber leider nicht das Motto bei der Wahl zur „Miss-Hessen“ im Neustädter Tor: Außer der deutschen Staatsangehörigkeit, einer Altersbegrenzung von 18-29, sowie dem Ausschluss von Nackt- bzw. „Oben-Ohne“-Aufnahmen gab es sonst keine Teilnahmebedingungen. Dennoch hatte keine der Damen dunkle Haut, keine Haare, wo sie laut gesellschaftlichem Schönheitsstandard nicht hingehören, geschweige denn eine Kleidergröße größer als 36. Die Frage wer (was) gewonnen hat, kann übrigens getrost unbeantwortet bleiben, denn wenn so ein Miss-Wahl-Konzept funktioniert, sind wir im Endeffekt alle Verlierer*innen.

Empowerment macht vor Miss-Wahlen nicht halt

Trotzdem gibt es bei Miss-Wahlen immer wieder Momente, wo sich wirkliches Empowerment zeigt. Es existieren zahlreiche Beispiele, bei denen Miss-Wahl-Kandidatinnen, die Bühne nutzen, um auf politische Missstände in ihrer Heimat hinzuweisen oder sich für andere Menschen stark zu machen. 2017 etwa nutzten die Teilnehmerinnen einer Misswahl in Peru ihre Position aus, um die Aufmerksamkeit auf Gewalt gegen Frauen zu lenken. Einen ähnlichen Moment erlebte man auch am vergangenen Samstag, als die 28-jährige Ärztin Naima Diesner über ihren Beruf sprach. Sie berichtete darüber, wie sie sich zur Aufgabe gemacht hat, Brustkrebspatientinnen einen neues Körpergefühl zu geben, indem sie versucht, deren Brüste wiederherzustellen. Es herrschte eine spürbar andächtige Stimmung, Diesner beanspruchte einen Raum, den ihr als Frau bei einer Miss-Wahl viele wohl nicht zugestehen wollten. Schade nur, dass der Moderator, anstatt ehrlichem Interesse nur einen dummen sexistischen Spruch auf Lager hatte.

 

Verweise:
http://theconversation.com/explainer-what-does-the-male-gaze-mean-and-what-about-a-female-gaze-52486

https://www.welt.de/vermischtes/article173902331/Miss-Germany-2018-Warum-Schoenheitswettbewerbe-feministisch-sind.html

http://www.spiegel.de/video/miss-peru-kandidatinnen-prangern-gewalt-gegen-frauen-an-video-1810797.html




Kehrtwende für Gießen?

 

Greenpeace Gießen fordert ein Umdenken im Straßenverkehr in der Stadt. „YouTurn the streets – Verkehrswende jetzt!“ lautete auch das Motto der Veranstaltung am Samstag, bei der Mitglieder von Greenpeace mit Passanten ins Gespräch kommen wollten.

Dazu hatten sie sich einen eher ungewöhnlichen Standort für ihren Pavillon ausgesucht. Er stand nicht etwa auf einem großen Platz in der Fußgängerzone, sondern auf einer Reihe von Parkplätzen in der Neuen Bäue. Das gehörte zum Konzept der Veranstaltung. „Wir wollen zeigen, was man mit dem ganzen Platz, der für Autos reserviert ist, machen kann“, erklärte Anette Wasseroth von Greenpeace Gießen. „Wir wollen zeigen, was hier alles noch sein könnte“, fügte Wasseroth hinzu.

Dazu hatte die Gruppe ein Halteverbot auf den Parkplätzen für die Dauer der Aktion beantragt und auch genehmigt bekommen. Ein Auto, dessen Halter sich nicht an das Verbot gehalten hatte, wurde kurzerhand mit Transparenten behängt und zum Teil der Aktionsfläche umfunktioniert.

Über die Frage, was in der Innenstadt entstehen könnte, wenn nicht so viel Platz für Autos und Parkplätze verbraucht würde, diskutierten die anwesenden Greenpeace-Mitglieder auch mit Passanten. Es blieben längst nicht alle am Stand der Gruppe stehen; wer jedoch anhielt, blieb auch gerne für ein längeres Schwätzchen. Dabei waren sich alle einig: Es soll sich etwas ändern in Gießen.

Wer eine Idee hatte, wie man die für Parkplätze benötigten Flächen anderweitig nutzen könnte, konnte diese auf einem Zettel notieren und am Greenpeace-Pavillon befestigen. So kamen schnell zahlreiche Ideen zusammen. Manche wünschten sich Grünflächen oder Spielplätze, andere öffentliche Trinkbrunnen, an denen man kostenlos die eigene Flasche auffüllen könnte. Die Idee einer Leihfahrrad-Station landete ebenfalls auf einem der Zettel.

 

Freie Fahrt für Drahtesel

Die Möglichkeit, mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, spielte am Stand von Greenpeace insgesamt eine große Rolle. So hatten die Mitglieder neben dem Pavillon eine Fahrrad-Reparaturstation aufgebaut. Dort konnten Interessierte und Passanten beispielsweise ihre platten Reifen aufpumpen oder ihre Kette ölen, um in Zukunft wieder mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können.

Außerdem gab es die Möglichkeit, an einer Umfrage des ADFC bezüglich des Fahrradverkehrs in Gießen teilzunehmen. Darin wurde unter anderem gefragt, wie sicher sich Radler in der Stadt fühlten und ob es Spaß mache, in Gießen Fahrrad zu fahren.

Es zeigte sich auch am Samstag, dass der Wunsch nach Änderungen im Verkehr der Gießener Innenstadt in diesen Tagen groß ist. Gerade einmal eine Woche zuvor hatte es eine Fahrraddemonstration gegeben, zu der zahlreiche Vereine und Verbände geladen hatten.  Auch am gerade frisch erneuerten Marktplatz hängen Plakate, die ein Umdenken im Verkehrsgeschehen der Stadt und sogar eine gänzlich autofreie Innenstadt fordern. Der Wille zur Wende scheint in Gießen demnach gegeben. Ob diese jedoch tatsächlich kommen wird, wird die Zukunft zeigen müssen.

 

Tatjana Döbert




„Unverpacktes“ Gießen: Kampf dem Plastik

Riesige Behälter reihen sich an einer Wand entlang. In ihnen: Nudeln, Nüsse, sogar Gummibärchen. Dazwischen drängeln sich dutzende Menschen – alle ausgestattet mit Weckgläsern, Tupper- oder Metalldosen und Netztaschen – die sich Waren abfüllen oder abwiegen lassen.

Der Trend „Unverpackt“ ist nun also auch in Gießen angekommen. Das Konzept: Läden, in denen man sich Trockenwaren, sowie Reinigungsprodukte, Obst oder Gemüse selbst in eigene Behältnisse abfüllen kann, um so auf schädlichen Verpackungsmüll zu verzichten.

Das Ganze gliedert sich in die sogenannte „Zero-Waste“-Bewegung ein. „Hinter dieser Philosophie steht der Ansatz, ein möglichst müllfreies Leben zu führen und wiederzuverwerten anstatt wegzuwerfen“, erklärt Jonas Hey, der zusammen mit seiner Freundin Louisa Willner den neuen Laden am Johanette-Lein-Platz eröffnet hat.

 

Ein massentaugliches Konzept?

Die beiden sehen gute Chancen, dass sich ihr Konzept in Gießen etabliert: „Gießen hat einfach eine große nachhaltige Szene, viele Menschen leben sehr bewusst und haben sich so eine Anlaufstelle gewünscht.“ Sie scheinen Recht zu haben: Die Idee findet Anklang bei der breiten Bevölkerung. Bei der Eröffnung am Samstag tummeln sich neben hippen Studenten, auch ältere Damen und Herren, vor der Tür spielen Kinder. Charlotte ist extra aus Wetzlar hergefahren, um sich neue Nachhaltigkeit näherbringen zu lassen: „Ich finde solche Läden klasse. So kann jeder kleine Schritte unternehmen, ohne verzichten müssen. Bei den Zahlen über Plastikmüll, die man so liest, muss jeder einfach etwas beitragen.“

18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle

Die Zahlen, von denen Charlotte spricht, sind wirklich alarmierend. In Deutschland fielen im Jahr 2015 laut Umwelt Bundesamt 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an – so viel wie nie zuvor. Wenn der Plastik-Konsum weiterhin mit der aktuellen Geschwindigkeit voranschreitet, gehen Wissenschaftler davon aus, dass 2050 dreimal mehr Plastik im Meer schwimmt als Fische. Dementsprechend versuchen Louisa und Jonas, auch in der Lieferkette auf Plastik zu verzichten, was aber laut Jonas nicht komplett funktioniert: „Auch wir können uns über bestimmte EU-Verordnungen nicht hinwegsetzen, aber wir haben, in Absprache mit anderen Unverpackt-Läden, besprochen, dass ein Müllsack Plastik pro Monat erstmal hinnehmbar ist.“

Ein breites Sortiment

Der Laden verfügt über 120 Lebensmittelspender (Gravity-Bins). Der Kunde kann sich so einfach selbst die Ware in gewünschter Menge abfüllen, ohne dass Hygienevorschriften missachtet werden. Das Sortiment umfasst neben Hartwaren wie Reis, diversen Nudelsorten und Getreideerzeugnissen auch Schokolade und andere Süßigkeiten. Aber auch, wer „Zero-Waste“ im Badezimmer etablieren möchte, wird fündig: Hygieneartikel wie Deocreme, Menstruationstassen oder Zahnpasta-Tabletten, sowie Wasch- und Spülmittel finden sich im Sortiment. Auch Frischwaren wie Kartoffeln und eine Auswahl an Eiern, Milch und Käse werden angeboten – selbstverständlich aus der Region: „Wir möchten mit jedem Produkt eine Geschichte erzählen, das bedeutet auch, dass wir die Erzeuger kennen und wissen wie es produziert wurde. Wir hoffen, unser Angebot bald erweitern zu können, aber unter dem Gesichtspunkt, dass es mit unserer Philosophie übereinstimmt.“

Starhilfe für einen bewussten Konsum

Wer nun in Sachen „Zero-Waste“ durchstarten möchte, hat mit Hilfe diverser Blogs und Bücher, die Möglichkeit, sich zu informieren. Auch sei die Zero-Waste-Map, auf der neben vielen weiteren Anlaufstellen, auch „Unverpackt Gießen“ zu finden ist, ein Mittel der Wahl. Jonas gibt hierzu auch gerne ein paar Tipps und Starthilfen: „Der erste Schritt ist sich seinem eigenen Konsum bewusst zu werden und daraufhin das richtige Zubehör anzuschaffen. Eine Metalldose oder Wachspapier zum Einpacken von Lebensmitteln ist da sehr gut. Empfehlenswert ist auch, auf dem Wochenmarkt einzukaufen, besonders Obst und Gemüse. Da hat man den zusätzlichen Vorteil, dass man weiß, wo es herkommt.“ Das Ganze steht jedoch unter einem freiwilligen Stern: „Es muss nicht sofort jeder seine Lebensweise komplett umstellen. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, ist schon viel getan.“, fügt er hinzu.

Seit dem vergangenen Samstag hat „Unverpacktes“ nun offiziell geöffnet. Wer sich selbst gerne ein Bild machen möchte, kann das laut Jonas immer montags bis freitags von 10:00 bis 19:00, sowie samstags von 09:00 bis 18:00 tun: „Es ist halt mal was anderes, aber wir glauben an das Konzept und hoffen auf viele Leute, die auch Lust darauf haben. Irgendwo müssen wir ja anfangen.“

Weitere Infos gibt es unter:

http://www.zerowastelifestyle.de/

https://wastelandrebel.com/de 

sowie

 www.unverpacktes-giessen.de

Instagram: @unverpacktes_giessen

 

Danielle Dörsing




Befüllen statt Vermüllen! Kostenloses Leitungswasser in deutschen Städten?

Plastik ist eines der umstrittensten Umweltthemen unserer heutigen Zeit. Ob wissentlich oder nicht – jeder verbraucht Plastik, aber ist das wirklich notwendig? Die Zahlen sprechen angeblich für sich: 11,7 Tonnen Plastik verbraucht Deutschland durchschnittlich im Jahr (https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten/) – so viel wie kein anderes Land in Europa. Aber muss diese horrende Summe wirklich sein? Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Betrag zu senken.

Plastik vermeiden und Wasserflasche einfach wieder auffüllen

Der “Refill“-Trend, welcher aus den USA langsam auch zu uns rüberkommt, nimmt sich diesem Thema an und versucht, den Plastikverbrauch durch PET-Flaschen zu reduzieren. Das Prinzip gestaltet sich einfach: Anstatt immer wieder Plastikflaschen zu kaufen, befüllt man eine nachhaltige Flasche einfach immer wieder. In den USA ist dieses Prinzip gang und gäbe, auch in gehobenen Restaurants. Dort gehört es zum guten Ton, eine gratis Kanne Leitungswasser ohne Aufpreis anzubieten. Selbst in Fastfood-Restaurants gibt es gratis Leitungswasser. Das Prinzip macht Sinn, denn Durst hat jeder und auf Wasser sollte kein Monopol bestehen.

Neuer „Refill“ Trend will für mehr Achtsamkeit sorgen

Besonders vor dem Gedanken, dass 2050 dreimal mehr Plastik im Meer (https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-01/plastik-umweltverschmutzung-meer-studie-weltwirtschaftsforum) schwimmen könnte, als Fische, sollten die Menschen für das Thema Plastik sensibilisiert werden. Die Person, die diese Bewegung nach Deutschland geholt hat und sich mit der Aktion „Refill-Hamburg“ (https://refill-hamburg.de/blog/author/elbmedien-stephanie-wiermann/) immer wieder für die Umwelt einsetzt, ist Stephanie Wiermann. Die Bloggerin, die der „Zero Waste“ –Bewegung angehört (welche versucht, so wenig bis gar keinen Abfall zu produzieren), hat ein Aufklebersystem entwickelt, kostenlose Wasserstationen für Benutzter zu kennzeichnen, in denen sie ihre mitgebrachten Flaschen mit Leitungswasser auffüllen können.

So entstehen für die Benutzer weniger Kosten und der Plastikverbrauch wird reduziert, da nicht nur seitens der Benutzer weniger Plastikflaschen gekauft werden, sondern auch seitens der Gastronomen. Viele Cafés, Restaurants und Läden machen wie selbstverständlich mit. Aber wie selbstverständlich ist gratis Wasser? In Gießen ist die Aktion laut ihrer Homepage noch nicht angekommen, was passiert also wenn Gastronomen nach gratis Leitungswasser gefragt werden? Wir haben den Selbstversuch gemacht.

Nach gratis Leitungswasser fragen: Selbstverständlich oder einfach frech?

Der Vormittag ist sonnig und warm, viele Leute laufen durch den Seltersweg und bummeln. Zuerst versuchen wir unser Glück in einem Bioladen, in dem uns eine freundliche Mitarbeiterin direkt zum Wasserhahn schickt. In der im Laden integrierten Bäckerei steht sogar ein kleiner Wasserspender an der Theke, an dem sich jeder gerne bedienen darf.

1 zu 0 für die Gießener Gastronomen. Insgesamt werden wir in 4 weiteren Geschäften nachfragen und, um die Antwort vorwegzunehmen, nie weggeschickt werden. Wir gehen in ein weiteres Café und bitten wieder freundlich um Leitungswasser, ohne etwas anderes bestellt zu haben. Auch hier füllt uns die Mitarbeiterin die Flasche hinter der Theke gerne auf. „Für mich ist das vollkommen normal. Leitungswasser kostet nichts, das Abwasser ist teuer. Jeder Mensch muss trinken, da mache ich das gerne“, erzählt uns Maria. Sie zeigt Verständnis und bietet uns bei den heißen Temperaturen kaltes Wasser an. Ähnliche Erfahrungen machen wir auch im nächsten Café, in dem uns sogar Eiswürfel angeboten werden, um unser Getränk zu kühlen.

5 von 5 Gastronomen drehen gerne den Wasserhahn auf

Die Einstellung der Gastronomen überrascht uns. Vor unserem Selbstversuch rechneten wir mit einer Abweisung oder damit, öfter fragen zu müssen, bis wir unser Wasser bekämen. Sogar bei einer großen Fastfood-Kette bekommen wir ohne Probleme unser Getränk. Auf Nachfrage bekommen wir immer die gleichen Antworten: „Wenn der Chef nicht da ist, ist das kein Problem“, „Jeder muss trinken“ und „Das ist selbstverständlich“.

Aber wissen Deutschlands durstige Einwohner denn, dass eben diese Möglichkeit besteht? Anscheinend nicht, denn auch hier ist die Antwort wieder eindeutig: Kaum jemand bis gar keiner fragt nach gratis Wasser, viele wissen über diese Möglichkeit nicht Bescheid. Dabei ist diese Frage weder dreist noch unhöflich, jeder der „getesteten“ Betriebe gab uns ohne zu zögern, die Möglichkeit etwas zu trinken.

Das Problem steckt also eher in den Köpfen den Menschen, denn dieses Prinzip ist besonders in Deutschland sehr neu. Dabei ist das deutsche Leitungswasser qualitativ sehr hochwertig und vollkommen unbedenklich. Laut dem neuesten Bericht des Umweltbundesamtes würden „mindestens 99,0 % der Trinkwasserproben die Anforderungen und Grenzwerte (…) eingehalten werden, für viele dieser Parameter waren es sogar 99,9 % bis 100 % der Proben.“ (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/bericht-des-bundesministeriums-fuer-gesundheit-des-2). Die Voraussetzungen sind also gegeben, die Blockade in den Köpfen der Menschen muss nur verschwinden.

Hier geht es aber nicht nur um den humanitären, sondern auch um den umweltlichen Aspekt. Eine Plastikflasche benötigt ca. 450 Jahre im Meer, um sich selbst zu zersetzen, wobei sich die Flasche jedoch nicht vollkommen auflöst, sondern sich in kleine Mikroplastikteilchen verteilt. Viele Meereslebewesen sind durch den menschlichen Plastikverbrauch bedroht: Sie verletzen sich oder fressen gar das giftige Plastik. Dieses Mikroplastik ist aber nicht nur für tierische, sondern auch menschliche Erdbewohner gefährlich. Die Bestandteile finden sich häufig in Duschgel oder Cremes, der Mensch kontaminiert und schadet sich sozusagen wieder selbst.

Plastik stellt die Menschheit vor ein großes Problem, besonders die Richtlinien des jeweiligen Recyclings sind von Land zu Land unterschiedlich. Während in Dänemark 90% des verbrauchten Plastiks recycelt werden, sind es in Deutschland nur 42% (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-verbrauchen-37-kilo-plastik-pro-jahr-15304729.html). Jeder einzelne kann hier jedoch einen kleinen Teil beitragen. Aktionen wie „Refill-Hamburg“ machen auf dieses Problem aufmerksam. Auch in kleineren Städten wie Gießen gestaltet sich die Umsetzung nicht als schwierig. Sensibilisierung ist hier das Stichwort! Diese ist das Ziel diverser Aktionen gegen Umweltverschmutzung, ein Problem, das jeden etwas angeht.

In Deutschland werden stündlich 2 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht und das sind 2 Millionen zu viel! „Refill-Hamburg“ regt auch hier zum Nachdenken an und setzt auf die Gemeinschaft. „Wenn jeder einmal auffüllt, anstatt neu zu kaufen, wären wir im Kampf gegen Umweltverschmutzung schon viel weiter. Es ist unser Planet. Gutes Wissen muss sich verbreiten“ (https://www.shz.de/regionales/hamburg/refill-hamburg-hier-gibt-es-leitungswasser-zum-nachfuellen-id16577726.html), sagt die 50-Jährige in einem Interview mit der SHZ. Ihre Erfolgswelle schwappt weiterhin durch Deutschland: Die ersten Anfragen kamen schon aus diversen deutschen Städten, die Leute möchten sich engagieren und das müssen sie auch: Nur gemeinsam lässt sich die Umwelt schützen und Bewusstsein für diese Themen schaffen. Das ist auch für Gießen wünschenswert.

 

Von Danielle Dörsing und Berina Alomerovic




Schöne Stunden an der Lahn – Erstes Gießener Lahnuferfest

Leckeres Essen, Livemusik und eine breite Auswahl an Getränken, im Hintergrund das Rauschen der Lahn, auf der ein Schwan seine Runden zieht. Vom 22. bis zum 24. Juni fand an der Lahn, das erste Gießener Lahnuferfest statt.

Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte, startete am Freitag das Fest an der Lahn. Angefangen an der Lahnbrücke beim Strand Café bis hin zur Wieseckmündung war das Lahnufer hübsch hergerichtet und für das Fest-Wochenende vom erfahrenen Event-Planer Christian Trageser vorbereitet worden. Dieser hat bereits einige andere Veranstaltungen in Gießen, wie etwa das Bierfest, organisiert und hoffte bei der Premiere seiner neuesten Veranstaltung auf viele gut gelaunte Besucher.

Diese hatten die Wahl zwischen drei Bühnen mit unterschiedlicher Musik. Die „Bühne Cleverfit“ war die erste, wo den ganzen Abend über verschiedene DJs auflegten und ab 21 Uhr sogar FFH Moderator Felix Möse als DJ am Pult stand.

In der Mitte befand sich die „Autohaus Michel Hauptbühne“ mit Live-Musik. Dort eröffnete die Band „Lebendig“ das Fest. Später sang die „The Voice of Germany“-Finalistin BB Thomaz und sorgte für gute Laune. Das Publikum tanzte dabei zu neuen und alten Popliedern. Als ihr Auftritt endete, ging es nach einer kurzen Pause weiter mit der Band „Van Baker“, die Schlagerhits zum Besten gab. Der Leadsänger war gekleidet in einen hautengen Ganzkörper-Glitzeranzug, durch den der Sänger als eigene Diskokugel für die Band fungierte. Er wusste die mittlerweile stark angewachsene Anzahl an Zuhörern gut zu unterhalten. Sowohl allseits bekannte Hits von Helene Fischer wie „Atemlos“ als auch Fußballhits wie „Ein Hoch auf uns“ wurden von dem Publikum aus vollem Hals mitgesungen.
Das „Festival Gelände“ befand sich ganz am Ende des Veranstaltungsortes. Die Musik dort bestand den ganzen Abend aus Hip Hop, Black Beatz Down South sowie R&B.

Die erste Station des Abends war bei den Meisten jedoch etwas zu essen. Um halb acht war vor den Bühnen noch nicht viel los, doch die Stände des Street-Food Festivals waren trotzdem voll hungriger Menschen. Dieses bot eine große Auswahl von allen möglichen Gerichten. Von amerikanischen Burgern über Seefood-Gerichte und Klassiker wie „Langosch“ bis hin zu einer Vielzahl an Desserts. Das Weindorf nahm einen großen Teil des Festes ein und erfreute sich großer Beliebtheit. Mit voranschreitender Uhrzeit füllte sich das Lahnufer immer mehr mit Leuten, die Wein und Cocktails tranken. Eine vielversprechende Neuentdeckung des Abends war der „Hessische Caipi“, der durch einen guten Schuss Apfelwein eine wirklich leckere hessische Note bekam.

Die Stimmung wurde mit der Zeit immer ausgelassener. Die Leute lachten viel und unterhielten sich, viele tanzten gut gelaunt zur Musik. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden die dekorativ angebrachten Lichterketten eingeschaltet und erhellten den dunklen Weg. Am Freitagabend verschlug  es neben anderen Gießenern auch viele Studenten an das Lahnufer. Selbst die immer weiter sinkenden Temperaturen trübten die gute Stimmung nicht. Wem zu kalt war, der wärmte sich mit ein wenig Alkohol. Das offizielle Programm endete zwar um 23 Uhr, dies hielt die Leute aber nicht vom Weiterfeiern ab.

Den ersten Abend kann man also als einen erfolgreichen Auftakt des Events verbuchen und nur hoffen, dass wir nächstes Jahr erneut ein schönes Fest am Lahnufer feiern können.

 

Irina Gildt




Sommer in Gießen: 10 Tipps, um das Sommersemester an der JLU richtig zu genießen

Das Sommersemester ist in vollem Gange und wir alle versuchen, der Klausurphase und der sich stauenden heißen Luft in den Gießener Häusergassen zu entfliehen. Zeit für eine kleine Abkühlung! Wir haben uns auf die Suche nach den Orten und Veranstaltungen gemacht, die das Sommersemester erst so schön machen, dass wir uns alle Jahr für Jahr wieder drauf freuen. Hier kommt unser Ranking für alle, die Gießens Sonnenseite kennenlernen möchten oder auf der Suche nach neuen und kostengünstigen Sommer-Hotspots sind.

  1. Das Freibad an der Ringallee

Erste Sommerpriorität: Schwimmen! Im Freibad an der Ringallee in Wieseck kann man sich auch zwischen den Veranstaltungen kurz abkühlen gehen oder ganze Nachmittage mit den Kommilitonen in der Sonne liegen. Und das Beste ist, alle mit einem gültigen Studentenausweis der JLU kommen, dank unserer Freibadflat, kostenlos und so oft sie mögen hinein. Also, Sonnencreme und Handtuch einpacken und los geht’s!

  1. „Haupti-Chillen“

Zusammen am Uni-Hauptgebäude an der Ludwigsstraße zu sitzen, ist für viele der beste Weg, einen gemütlichen Abend ausklingen zu lassen. Egal ob Flunkyball, Bierpong oder Sternegucken auf den Grasflächen, hier findet jeder seinen Platz. Der Kult-Kiosk Mabobo gegenüber versorgt hier jeden, egal ob alkoholabstinent oder nicht, mit den passenden Snacks und Getränken. Kleiner Tipp: Im Enchiladas nebenan gibt es auch Cocktails-to-go. Was braucht man mehr?

  1. Die Gießener Strandbars

Sobald sich die Sonne blicken lässt, öffnen auch wieder die heiß geliebten Strandbars an der Lahn und am Schwanenteich. Wer mit einem kühlen Getränk im Liegestuhl verweilen möchte oder Lust hat, sich beim Volleyball ein bisschen zu verausgaben, ist hier an der richtigen Adresse. Besonders schön: Teilweise gibt es auch Abende mit Live-Musik. Auch die WM wird hier übertragen.

  1. Die Nachttanzdemo

Die Nachttanzdemo ist in der jetzigen Form seit 10 Jahren eine feste Institution in Gießen. Dieses Jahr soll am 7. Juli 2018 für Menschlichkeit und gegen Abschiebezentren getanzt werden. Es wird also Zeit, seine Freunde zusammenzutrommeln und sich warm zu tanzen.

Bei schönem Wetter ist, neben den Getränken, die nächtliche Abkühlung unter dem Wasserfall am Elefantenklo die beste Möglichkeit. Nach der Demonstration kann in verschiedenen Kneipen und Clubs auf den „After-Demo-Partys“ weitergefeiert werden.

 

  1. Die Eisdiele „HeissZeit“

Der Mythos „HeissZeit“ in der Plockstraße ist einstimmig als die beste Adresse für eine süße Abkühlung an heißen Tagen gewählt (siehe ZeitMagazin). Handgemachtes Eis ohne Geschmacks-und Konservierungsstoffe, auch in exotischen Sorten, gibt‘s  schnell auf die Hand auf dem Weg zur nächsten Vorlesung. Auch vegane Sorten werden angeboten. Besonders zu empfehlen: Die Sorte Tonkabohne!

 

  1. Chillen an den Lahnufer-Wiesen

Die Lahn ist im Sommer der Hotspot für eine entspannte Zeit in der Sonne. Lesen, sportlich aktiv sein, Grillen… die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie die Leute, die dort sitzen. Die Lahnufer-Wiesen sind immer gut besucht, bei gutem Wetter trifft man immer jemanden, den man kennt. Aber denkt dran: Nehmt Rücksicht aufeinander und Plants are Friends! Gebt dementsprechend ein bisschen Acht auf die Umwelt und sammelt euren Müll wieder ein.

 

  1. Der Hängematten-Park am Philosophikum I

Natürlich wird auch an diejenigen unter uns gedacht, die bei dem schönen Wetter an ihren Hausarbeiten schreiben oder mitten in der Klausurvorbereitung stecken. Am Philosophikum I gibt es jeden Dienstag und Donnerstag den Hängemattenpark des allgemeinen Hochschulsports, in dem ihr nicht nur die Seele etwas baumeln lassen, sondern mit Frisbees und weiteren Sportgeräten auch aktiv dem Uni-Stress etwas Einhalt gebieten könnt. Dazu einen Eiskaffee aus der CuBar, da lernt es sich fast von allein!

  1. Die Badeseen

Gießen ist zwar deutschlandweit als berühmte „Stadt ohne Meer“ bekannt, hat aber trotzdem den ein oder anderen Badesee für eine kleine Abkühlung in der Umgebung vorzuweisen. Teilweise mit, teilweise ohne kostenlose Badestellen, auch wer nach einer Fahrradtour den Nachmittag ausklingen lassen möchte, wird am Silbersee, Niederweimarer See oder am Heuchelheimer See fündig. Auch an die Aktiven unter uns wird gedacht: An den letzten beiden Seen kann auch Wasserski und Wakeboard gefahren werden!

  1. Tuesday-Night-Skating

Seit dem 08. Mai heißt es Dienstags wieder: An die Inliner, fertig, los! Beim „TNS“ kann Gießen auf Inlineskates neu erkundet werden. Auch hier ist für jeden etwas dabei: Es werden verschiedene Routen angeboten, die alle ca. 20km lang sind. Gestartet wird immer um 20:00 auf dem INTERSPORT-Parkplatz im Schiffenberger Tal, man kann also vom Philosphikum aus direkt mitskaten. Und auch hier gilt: Die Teilnahme ist kostenlos! Inlineskates müssen jedoch mitgebracht werden

  1. Tretboot-Fahren auf der Lahn

Tretboot-Fahren ist besonders im Sommer ein echtes Highlight. Wer Lust hat, alleine oder mit Freunden ein bisschen über die Lahn zu schippern und so seine Stadt auch aus anderer Perspektive kennenzulernen, kann sich bei „Kanutours Gießen“ am Uferweg ein Tretboot ausleihen. Besonders Flamingo-Tretboot „Elsa“ ist ein echter Hingucker!

Tipp: Wer, anstatt an der Lahn zu picknicken, so was essen möchte oder vom großen und kleinen Hunger überfallen wird, kann sich bei Sonnenschein entspannt auf der großen Terrasse des Bootshauses niederlassen. Besonders zu empfehlen ist hier der Veggi-Burger mit Schafskäse.

 

Danielle Dörsing




Erster Platz für JLU-Team beim Stadtradeln 2018

Das vierte Gießener Stadtradeln endete am 25. Juni. Die Aktion des Klimabündnisses lud ein, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Alle Bewohner, Vereinsmitglieder, Arbeitnehmer und Studierende der Stadt Gießen konnten mitradeln (UNIversum berichtete).

Das Team der JLU erreichte mit 49.068 geradelten Kilometern den ersten Platz in Gießen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr konnte es damit seinen Rang verteidigen und steigerte die gefahrene Strecke um über 10.000 Kilometer. 331 Studierende und Mitarbeiter der JLU traten für das Uni-Team an. Damit hat sich die Teilnehmerzahl deutlich gesteigert, im vergangenen Jahr waren es noch 220 Starter.

Die fleißigsten Radler der JLU in diesem Jahr waren Christian Schenk, Lehramtsstudent und Hiwi im Bereich Trainingswissenschaften (1389,7 Kilometer), Hendrik Jahn, Mitarbeiter des Dezernat C-Personal (975,8 Kilometer) und Heiko Müller, Masterstudent am Institut für Bioinformatik und Systembiologie (857,6 Kilometer). Sie alle nutzen für den Weg zur Uni überwiegend das Fahrrad, aber auch darüber hinaus, wie sie auf UNIversum-Anfrage mitteilten.

Christian Schenk macht in seiner Freizeit Cross- und Rennradtouren rund um Gießen. Das Stadtradeln habe ihn noch einmal zusätzlich motiviert, sagt er. Dieses Jahr habe er das erste Mal teilgenommen, er nehme sich aber vor, auch das nächste Mal wieder mitzumachen.

Durch seine Aktivität als Triathlet für das Team-Naunheim.de trainiert Hendrik Jahn ganzjährig auf dem Fahrrad. In der Zeit des Stadtradelns sei er in einem Trainingslager im Schwarzwald gewesen und habe auch dort Kilometer für das JLU-Team sammeln können, erzählt er. Er nahm bereits 2017 am Stadtradeln teil.

An durchschnittlich vier Tagen in der Woche ist Heiko Müller mit dem Rennrad unterwegs. Im vergangenen Jahr habe er auch am Stadtradeln teilgenommen, sei aber nicht so weit vorn platziert gewesen. Inzwischen nehme er an Radrennen teil und fahre durch die Trainingseinheiten nun mehr Kilometer pro Woche, erklärte er.

Die JLU nahm auch in vergangen Jahren am Stadtradeln teil. 2016 erstmals mit einem gemeinsamen Team für die Uni. Dieses belegte den zweiten Platz. Seitdem beteiligten sich jedes Jahr mehr Studierende und Mitarbeiter an der Aktion, teilte Sara Strüßmann von der JLU-Pressestelle mit.

Auch insgesamt steigen die Teilnehmerzahlen in Gießen immer mehr an. In den drei Wochen, in denen die Aktion in Gießen lief, beteiligten sich über 100 Teams mit insgesamt mehr als 2.090 aktiven Radelnden. Dabei kamen 339.093 Kilometer und eine CO₂-Vermeidung von 48 Tonnen zusammen. Auch die Zahl der teilnehmenden Kommunen ist in den letzten Jahren laut einer Darstellung des Klima-Bündnisses kontinuierlich angestiegen. In diesem Jahr seien bisher über 780 Kommunen registriert, der Anmeldezeitraum laufe allerdings noch bis Anfang September, teilte Katja Bürckstümmer vom Ordnungsamt Gießen mit.

Die abschließende Veranstaltung in Gießen findet am 20. Juni im Alten Schloss statt. Dort werden die erfolgreichsten Radler geehrt, das Experiment „21 Tage ohne PKW“ vorgestellt und eine Tombola für den Klimaschutz veranstaltet.

Maike Heimsoth




“Schönes-hässliches Gießen”

Ist Gießen nun schön oder doch einfach nur die hässlichste Stadt Deutschlands wie das Satire-Magazin „Extra 3“ des Senders NDR Ende April wieder gescherzt hat?


Dieser Artikel soll aus der Sicht einer Studentin, welche aus dem schönen Köln kommt, zeigen, dass jeder zugezogene Student, Azubi oder jede zugezogene Familie erst einmal getrost die rosa-rote Brille ablegen und tief durchatmen muss, um der neuen Heimat Gießen eine ehrliche Chance zu geben.
Nun also Hand aufs Herz: Gießen ist definitiv nicht so facettenreich, kulturell breit aufgefächert und restauriert, wie manch andere deutsche Städte. Das Magazin: „Die Zeit“, widmete eine ganze Serie den „unterschätzen Städten“ Deutschlands und so schrieb der Autor Oliver Fritsch schon im Herbst 2014 unter anderem in seinem Artikel: „Gießen ist hässlich.“ Der wahre Gießener fände sich mit der Hässlichkeit und ihrer Geschichte ab. Im Zweiten Weltkrieg sei die Stadt durch Bomben teilweise zerstört und von sogenannten „unzivilisierten Städteplanern“ im Nachkriegsdeutschland versaut worden.
Gießen ist in der Tat eine unterschätzte Stadt. Auf meiner Reise quer durch die Innenstadt war ich auf der Suche nach schönen und eben auch nach weniger schönen Ecken Gießens. Zu meinem Erstaunen steckt der Teufel im Detail, wenn über die Schönheit der Stadt diskutiert werden soll. Eine Fotostrecke und ein paar Erläuterungen sollen dies verdeutlichen.

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Die Lahn fließt durch ganz Gießen und fast überall ist sie zu entdecken. Gibt sie Gießen nicht ein kleines bisschen mehr Gemütlichkeit und Flair?

Zur Rechten, das Rathaus Gießen. Es erstreckt sich auf einem weiträumigen Platz und gibt der Stadt etwas Futuristisches.

Direkt neben dem Rathaus befindet sich das große, moderne Kino Gießens. Doch dies ist nicht der einzige Filmpalast, den Gießen zu bieten hat, denn weiter in der Innenstadt liegt ein zweites, etwas kleineres und beschaulicheres Kino.
Leider muss nach Filmschluss festgestellt werden, dass das Bild eines heruntergekommenen Hinterhofs oder einer Baustelle einem vor Schreck fast das übrig gebliebene Popcorn aus der Hand fallen lässt. Dies ist wahrhaftig kein Anblick, den man sich nach einem Kinoaufenthalt voller anregender Gespräche über den Inhalt und Ausgang eines gelungenen Filmes wünscht.

 

Nun also back to reality. So mancher kurzweiligere Blick in einen leeren Hinterhof, der so gar nichts Träumerisches hat, lässt die Erinnerung daran wecken, wie sehr man großflächige Grünanlagen und die Idylle netter Häuserfassaden vermisst.
Im Frühling versinkt Gießen in einem Meer aus Tulpen und blühenden Bäumen.

Eine wahre grüne Oase ist der Stadtpark an der Ringallee, der an sonnigen Tagen jeden zu einem Kurzurlaub einlädt. Der Park kann mit einem großen Schwanenteich und weiträumigen Wiesen punkten. Der wohl sommerlichste Ort, um ein abkühlendes Getränk zu sich zu nehmen, ist die großartige Strandbar. Für ein paar Momente kann sich dort in den Urlaub geträumt werden. Mitten im Sommersemester ist das doch Gold wert!

Foto: www.strandbar-giessen.de

Es lässt sich darüber streiten, ob Bahnhöfe etwas Schönes an sich haben können. Es gibt zwei Perspektiven auf den Gießener Bahnhof.

Zur Linken befindet sich ein Gebäude, welches sich auf direktem Weg zum Bahnhof liegt und eine dringende Auffrischung benötigt. Im Kontrast dazu steht das historische Bahnhofsgebäude, das einen den zuvor gemachten Anblick des zerfallenden Gebäudes glatt vergessen lässt.

 

Abschließend möchte ich betonen, dass gerade bei Gebäuden und Wohnkomplexen der Geschmack weit auseinander geht. Der Eine mag romantische, verschnörkelte Häuserfassaden, dem Anderen ist es vollkommen egal, ob sein Dach über dem Kopf im Volksmund als „architektonisches Meisterwerk“ betitelt wird, denn im Endeffekt sollte man dankbar dafür sein, überhaupt einen geschützten Schlafplatz, beziehungsweise ein Zuhause zu haben.

Hinzu kommt, dass eine Stadt doch viel mehr zu bieten hat als Gebäude, Straßen und Parkanlagen. Eine Stadt wird durch die Menschen geprägt, die dort leben. So hängt doch alles vom persönlichen und emotionalen Blickwinkel auf die Dinge ab.
Während eines Spaziergangs durch die Stadt Gießen, mit einem Lächeln auf den Lippen und guter Laune, können durchaus unerwartet schöne Ecken der Stadt erkundet werden. Nicht nur die persönliche Tageslaune kann einen Eindruck der Stadt verändern, auch das Wetter und die Jahreszeit spielen eine große Rolle. So ist es im Winter und Herbst deutlich trüber und weniger lebendig als im Frühjahr und Sommer, wo die Sonne sich nur selten hinter Wolken versteckt und die meiste Zeit Gießen doch ein bisschen zum Strahlen bringt.
Jeder kann Gießen zum Strahlen bringen, sodass er die Stadt durch Vielfalt und Individualität ein kleines bisschen schöner machen kann.

Artikel und Bilder Maren Marohn




Zeit, die Räder fahrtauglich zu machen

Das Stadtradeln ist eine Kampagne für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität. Das Ziel ist, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen, aber auch die Rad-Infrastruktur zu verbessern. Alle Studenten und Mitarbeiter der JLU können für das Uni-Team starten. Dabei ist es ganz egal, wo man unterwegs ist. Jeder Kilometer mit dem Fahrrad wird gezählt – in Gießen auf dem Weg zur Uni oder bei einer Radtour irgendwo in Europa. Im vergangenen Jahr hat das JLU-Team den ersten Platz in Gießen belegt – 38.846 Kilometer ist das Team insgesamt gefahren.

Das Stadtradeln wird vom Klima-Bündnis ausgerichtet, einem Netzwerk verschiedener Kommunen in Deutschland und im europäischen Ausland. Das Klima-Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, den Klimaschutz voranzutreiben, sowohl mit konkreten Maßnahmen zur Senkung von CO2-Emissionen, als auch durch verschiedene Aktionen, die mehr Bewusstsein für das Klima schaffen sollen. Rund 1700 Kommunen sind Teil des Bündnisses, darunter Berlin, Frankfurt und Köln. Gießen gehört seit 2007 dazu. Eine Aktion des Netzwerkes ist das jährliche Stadtradeln, bei dem jede Kommune in einem Zeitraum von drei Wochen möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegt. Bei dieser Kampagne kann jeder Teilnehmer ein Zeichen für die Umwelt und für eine klimafreundliche Fortbewegung setzen. Das Stadtradeln findet im Jahr 2018 zum elften Mal statt, Gießen beteiligt sich zum vierten Mal.

„Auch diejenigen, die nur wenig Rad fahren, können teilnehmen“, sagt Katja Bürckstümmer vom Ordnungsamt der Stadt. Sie koordiniert das Stadtradeln in Gießen. „Entscheidend sind nicht die gefahrenen Kilometer, sondern die Anzahl der Personen“, teilt sie auf Anfrage von Universum mit. Das Ziel der Kampagne sei, ein klares Zeichen für den Klimaschutz zu setzen und dabei zähle jeder Teilnehmer.

Die Kilometer können in einen digitalen Kalender auf der Stadtradeln-Website eingetragen oder direkt mit einer App übermittelt werden. Anhand dieser App werden Daten anonymisiert gesammelt und von der TU Dresden ausgewertet. Hierdurch soll die Rad-Infrastruktur an Strecken verbessert werden, die viel von Radfahrern genutzt werden.

Die Auftaktveranstaltung findet am Samstag, 5. Mai, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr in der Innenstadt in der Löwengasse statt. Die Aktion läuft über drei Wochen, vom 5. bis zum 25. Mai 2018. Für Teilnehmende in Gießen gibt es bei der Auftaktveranstaltung Fahrradutensilien, wie zum Beispiel einen Sattelüberzug, als kleines Dankeschön von der Stadt. Am Ende der Aktion werden jeweils die ersten drei Teams in folgenden Kategorien ausgezeichnet: für die meisten Mitglieder, für die meisten gefahrenen Kilometer im gesamten Team und für die durchschnittlich pro Teammitglied gefahrenen Kilometer. Außerdem werden die drei Einzelteilnehmer, die die größte Distanz zurückgelegt haben, geehrt.

Für weitere Informationen und zur Registrierung: www.stadtradeln.de/giessen

Maike Heimsoth




Star Wars zum Anfassen

Am vergangenen Samstag befand sich das Kinopolis in Gießen fest in der Hand des bösen, galaktischen Imperiums. Stormtrooper patroullierten in den Gängen des Kinos und ein Sith-Lord lehrte die Besucher des Kinos mit seinem roten Lichtschwert das Fürchten. Ihre Filme konnten aber alle Besucher unbeschadet genießen, denn im echten Leben sind die Truppen des Imperiums nicht ganz so böse, wie in den Filmen der Star Wars-Reihe.

Seit nunmehr 40 Jahren begeistert Star Wars Groß und Klein. Anlässlich des neuesten Films „Die letzten Jedi“ (Kinostart: 14.12.2017) ermöglichte das Kinopolis am vergangenen Samstag den Fans ein Treffen mit Charakteren der beliebten Filmreihe. Wie schon im letzten Jahr wurden dazu Mitglieder des Kostümclubs „501st Legion – German Garrison“ eingeladen. Die Kostümierten standen den Besuchern für gemeinsame Fotos zur Verfügung und stimmten sie so auf den Film ein.

                               Ein Klonkrieger kontrolliert die Tickets der Kinobesucher

Viele Kinder tun sich mit den Truppen des Imperiums zusammen. Aber nur für ein Foto.

Die Süße Seite der Macht. Ein Stormtrooper gibt Popcorn aus.

                              Die Piloten des Imperiums im Bodeneinsatz.

Auch manch großes Kind traut sich zum Foto. Viele sind mit Star Wars aufgewachsen.

Ein erfolgreicher Einsatz! Das Imperium schlägt im nächsten Jahr mit Sicherheit zurück!

Die „German Garrison“ ist die deutsche Abteilung der „501st Legion“, einem Star Wars Kostümclub mit weltweit über 10.000 Mitgliedern, der sich auf die Charaktere der Dunklen Seite der macht spezialisiert hat. Neben Auftritten im Kino ist die „German Garrison“ auf Comicmessen oder Wohltätigkeitsveranstaltungen anzutreffen. Ebenso stehen aber auch Kindergebrutstage auf dem Programm der Kostümierten.

Artikel: Jonas Feike

Fotos: Nils Deickert