Erster Platz für JLU-Team beim Stadtradeln 2018

Das vierte Gießener Stadtradeln endete am 25. Juni. Die Aktion des Klimabündnisses lud ein, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Alle Bewohner, Vereinsmitglieder, Arbeitnehmer und Studierende der Stadt Gießen konnten mitradeln (UNIversum berichtete).

Das Team der JLU erreichte mit 49.068 geradelten Kilometern den ersten Platz in Gießen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr konnte es damit seinen Rang verteidigen und steigerte die gefahrene Strecke um über 10.000 Kilometer. 331 Studierende und Mitarbeiter der JLU traten für das Uni-Team an. Damit hat sich die Teilnehmerzahl deutlich gesteigert, im vergangenen Jahr waren es noch 220 Starter.

Die fleißigsten Radler der JLU in diesem Jahr waren Christian Schenk, Lehramtsstudent und Hiwi im Bereich Trainingswissenschaften (1389,7 Kilometer), Hendrik Jahn, Mitarbeiter des Dezernat C-Personal (975,8 Kilometer) und Heiko Müller, Masterstudent am Institut für Bioinformatik und Systembiologie (857,6 Kilometer). Sie alle nutzen für den Weg zur Uni überwiegend das Fahrrad, aber auch darüber hinaus, wie sie auf UNIversum-Anfrage mitteilten.

Christian Schenk macht in seiner Freizeit Cross- und Rennradtouren rund um Gießen. Das Stadtradeln habe ihn noch einmal zusätzlich motiviert, sagt er. Dieses Jahr habe er das erste Mal teilgenommen, er nehme sich aber vor, auch das nächste Mal wieder mitzumachen.

Durch seine Aktivität als Triathlet für das Team-Naunheim.de trainiert Hendrik Jahn ganzjährig auf dem Fahrrad. In der Zeit des Stadtradelns sei er in einem Trainingslager im Schwarzwald gewesen und habe auch dort Kilometer für das JLU-Team sammeln können, erzählt er. Er nahm bereits 2017 am Stadtradeln teil.

An durchschnittlich vier Tagen in der Woche ist Heiko Müller mit dem Rennrad unterwegs. Im vergangenen Jahr habe er auch am Stadtradeln teilgenommen, sei aber nicht so weit vorn platziert gewesen. Inzwischen nehme er an Radrennen teil und fahre durch die Trainingseinheiten nun mehr Kilometer pro Woche, erklärte er.

Die JLU nahm auch in vergangen Jahren am Stadtradeln teil. 2016 erstmals mit einem gemeinsamen Team für die Uni. Dieses belegte den zweiten Platz. Seitdem beteiligten sich jedes Jahr mehr Studierende und Mitarbeiter an der Aktion, teilte Sara Strüßmann von der JLU-Pressestelle mit.

Auch insgesamt steigen die Teilnehmerzahlen in Gießen immer mehr an. In den drei Wochen, in denen die Aktion in Gießen lief, beteiligten sich über 100 Teams mit insgesamt mehr als 2.090 aktiven Radelnden. Dabei kamen 339.093 Kilometer und eine CO₂-Vermeidung von 48 Tonnen zusammen. Auch die Zahl der teilnehmenden Kommunen ist in den letzten Jahren laut einer Darstellung des Klima-Bündnisses kontinuierlich angestiegen. In diesem Jahr seien bisher über 780 Kommunen registriert, der Anmeldezeitraum laufe allerdings noch bis Anfang September, teilte Katja Bürckstümmer vom Ordnungsamt Gießen mit.

Die abschließende Veranstaltung in Gießen findet am 20. Juni im Alten Schloss statt. Dort werden die erfolgreichsten Radler geehrt, das Experiment „21 Tage ohne PKW“ vorgestellt und eine Tombola für den Klimaschutz veranstaltet.

Maike Heimsoth




Star Wars zum Anfassen

Am vergangenen Samstag befand sich das Kinopolis in Gießen fest in der Hand des bösen, galaktischen Imperiums. Stormtrooper patroullierten in den Gängen des Kinos und ein Sith-Lord lehrte die Besucher des Kinos mit seinem roten Lichtschwert das Fürchten. Ihre Filme konnten aber alle Besucher unbeschadet genießen, denn im echten Leben sind die Truppen des Imperiums nicht ganz so böse, wie in den Filmen der Star Wars-Reihe.

Seit nunmehr 40 Jahren begeistert Star Wars Groß und Klein. Anlässlich des neuesten Films „Die letzten Jedi“ (Kinostart: 14.12.2017) ermöglichte das Kinopolis am vergangenen Samstag den Fans ein Treffen mit Charakteren der beliebten Filmreihe. Wie schon im letzten Jahr wurden dazu Mitglieder des Kostümclubs „501st Legion – German Garrison“ eingeladen. Die Kostümierten standen den Besuchern für gemeinsame Fotos zur Verfügung und stimmten sie so auf den Film ein.

                               Ein Klonkrieger kontrolliert die Tickets der Kinobesucher

Viele Kinder tun sich mit den Truppen des Imperiums zusammen. Aber nur für ein Foto.

Die Süße Seite der Macht. Ein Stormtrooper gibt Popcorn aus.

                              Die Piloten des Imperiums im Bodeneinsatz.

Auch manch großes Kind traut sich zum Foto. Viele sind mit Star Wars aufgewachsen.

Ein erfolgreicher Einsatz! Das Imperium schlägt im nächsten Jahr mit Sicherheit zurück!

Die „German Garrison“ ist die deutsche Abteilung der „501st Legion“, einem Star Wars Kostümclub mit weltweit über 10.000 Mitgliedern, der sich auf die Charaktere der Dunklen Seite der macht spezialisiert hat. Neben Auftritten im Kino ist die „German Garrison“ auf Comicmessen oder Wohltätigkeitsveranstaltungen anzutreffen. Ebenso stehen aber auch Kindergebrutstage auf dem Programm der Kostümierten.

Artikel: Jonas Feike

Fotos: Nils Deickert




Gießen – deine Lieblingsplätze

Gießen ist hässlich? Das muss nicht sein! Wir haben Gießener Studierende gefragt, welche Orte sie ganz besonders mögen und welche Tipps sie für die Neuen  in der grauen Stadt ohne Meer haben. Seht selbst, wo es das beste Bier gibt, die tollste Grillstelle und den schönsten Weg zum Spazieren.

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Umfrage und Fotos von Luisa Kreiling und Franziska Brungs




Wenn Prinzessin Leia mit dem Teufel tanzt

Bunte, lustige und schräge Kostüme, an Fasching gibt es viel zu sehen

Rosenmontag, das ist mehr als Kostüme, Korn und Kamelle! Doch woher kommt das Faschingsfeiern? Und wo begehen Pirat, Teufel und Hexe den Rosenmontag in Gießen?

Die Trends

Die Faschingssaison nähert sich ihrem Höhepunkt mit Rosenmontag und Weiberfastnacht und die Gießener sind mit dabei. Das Jahr 2017 steht ganz im Zeichen der Star Wars Helden, wer als Prinzessin Leia, Han Solo oder Luke Skywalker verkleidet Fasching feiert, liegt dabei dieses Jahr voll im Trend. Inspirationen für angesagte Kostüme geben auch Suicide Squad, Deadpool oder The Avenger. Wer es lieber bunt mag, kann sich als Einhorn, oder zusammen mit Freunden, gleich als ganze Gruppe im Partnerlook verkleiden. Damit ist man beim Sturm aufs Rathaus und dem Karnevalsumzug gut angezogen.

Hier ein paar Tipps für alle, die die närrischen Tage in Gießen verbringen wollen:

Der Sturm auf das Rathaus

Wer schon immer mal sehen wollte, wie die Bürgermeisterin gefangen genommen wird, sollte am Dienstag, den 23. Februar um 14:10 Uhr am Berliner Platz sein. Dort wird ein fast echtes Prinzenpaar mit seiner Artillerie das Rathaus in Besitz nehmen und die Gießener Oberbürgermeisterin gefangen

Das Abschneiden der Krawatten entstand nach 1945 und diente der Entmannung

nehmen. Das Ganze kostet keinen Eintritt und auch nicht Verkleidete sind willkommen.

Männer haltet eure Schlipse fest

Und wer zu Weiberfastnacht in der Kongresshalle am Dienstag, den 23 Februar, um 20:10 Uhr kommt, wird wohl noch einige jecke Sprüche zu hören bekommen. Tickets bekommt ihr im Vorverkauf der MAZ, im Urnenfeld 12, in Gießen.

Bonbons, Konfetti und Schnaps

Einer der größten Umzüge Mittelhessens wird sich am Sonntag den 26. Februar, seinen Weg durch die Gießener Innenstadt bahnen. Die bunte Parade startet um 13.30 Uhr in der Ringallee. Hier die genaue Route für euch.

 Ursprung

Fasching wird vor Aschermittwoch und somit vor der Fastenzeit gefeiert

Bis heute weiß niemand genau wo der Brauch des Faschingfeierns ursprünglich herkommt, doch eine denkbare Erklärung liefert das deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Diese geben den Begriff “Rasenmontag” als Ursprung des Wort Rosenmontags an. Das bedeutet soviel wie rasender Montag, aus dem Mittelhochdeutschen und steht bei den Kölnern für toll und ausgelassen.

Als Napoleons während seiner Feldzüge das Rheinland besetzte, unterband er hat den Karneval im dort. Doch als der französische Machthaber gestürzt wurde, bildeten sich wieder “Festordnende Comitees” die später nach dem Tag des Zusammenkommens als “Rosenmontagsgesellschaften” bezeichnet wurden. Der Brauch, sich über die französische Besatzungsmacht lustig zu machen, begegnet uns bis heute im Prinzenpaar oder dem Tragen weißer Perücken.

 

Ein Artikel von Kim Hornickel

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ilderquelle: Pixabay




Keine Krone für die Polit-Ikone – Eine Bilanz

Prof. Herz

Prof. Herz und Prof. Leggewider

Nur noch zehn Wochen und acht Tage ist Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Anlass zog Prof. Ditmar Herz von der Uni Erfurt am vergangene Montag eine rückblickende Bilanz über Obamas Amtszeit. Nach zwei Stunden Vortrag an der Justus-Liebig-Universität lautete sein Urteil: “Obama ist gescheitert”.

Wohl gescheitert

Erwartungsvolles Murmeln erfüllt den 440 Plätze fassenden Saal,  das sofort verstummt, als der Präsident Prof. Joybrato Mukherjee den Beginn der Ringvorlesung zum Thema “Amerika ist anders” verkündet. “Er ist nicht so bayrisch wie sie glauben”, stellt Koordinator Prof. Dr. Leggewider den Vortragenden  Herz aus Oberbayern vor. Seinen Vortrag rankte der Gastredner um die Frage “Erfolgreich gescheitert?- Präsident Obamas Versuch einer Politik der Ernsthaftigkeit”. Dabei argumentiert der Spezialist für vergleichende Regierungslehre, dass Präsident Obama  an seine anfänglichen gestellten Ansprüchen und Zielen wohl gescheitert ist. War Obamas Amtszeit verlorene Zeit? Sein Nobelpreis von 2009 eine Lüge? Ganz so streng ist Herz dann doch nicht. Er räumt ein, dass Obama rückblickend „in einzelnen Politikfelder durchaus Erfolge zu verzeichnen“  habe. Zum Beispiel bei seiner Einwanderungspolitik und der Förderung der Diversität im Land. Studentin Valeria (21) sitzt im Publikum und hat nach dem Vortrag das Gefühl, gut über Obamas durchgesetzte Reformen bei  Einwanderungspolitik oder der  Gleichstellung informiert zu sein.

Auch die pensionierte Gasthörerin Doris Weimer-Schluckebier ist nach dem Vortrag recht zufrieden, dieser sei informativ gewesen. Gerne hätte sie noch etwas mehr zu Obamas Außenpolitik, insbesondere den Einsätzen von Drohnen im Irak gehört.

Kein Pazifist

Gerade dieser Punkt beschäftigt auch Herz. Er erklärt mit ruhiger Stimme, dass Obama

Amerika ist Anders - auch , wenn es um Politik geht

Amerika ist Anders

zwar 2009 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, dieser jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt übergeben worden sei. Denn, mahnt Herz an, immerhin „ist Obama kein Pazifist“. Noch in seiner, im Winter 2009 gehaltenen Rede,  hatte der Präsident klargestellt, dass er auch Oberbefehlshaber der US- Streitkräfte sei und die USA somit wohl nicht auf Gewalt verzichten würden.

American Dream

Doch trotz Drohnenkrieg und dem Tod vieler unschuldiger Zivilisten im Irak-Krieg und in Syrien, sei Obama so beliebt wie kaum ein Präsident vor ihm. Auch wenn er einzelne Gruppen gegen sich hat und damit zugleich so verhasst ist wie keiner vor ihm. Wie kommt es dann, dass wir, wenn wir an Barack Hussein Obama denken, zumindest kein so schlechtes Gefühl wie bei Staatschefs wie Bush oder Putin im Bauch haben? Der weißhaarige Mann am Rednerpult weiß darauf eine Antwort. Weil Obama den “american Dream” verkörpert. Aus einfachen Verhältnissen aufgewachsen, Studium in Harvard und schließlich Amerikas Präsident. Eine

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Bilderbuchkarriere. Außerdem ist er vom Fortschrittsglauben Amerikas überzeugt und auch noch der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten. Jemand der für Minderheiten eintritt. Also das Gegenteil von George W. Bush, der klar „dem Bösen zugeordnet werden kann“, scherzt Herz.

Professor Herz ist nach zwei Stunden am Ende seines Vortrags angekommen und mancher Zuhörer reibt sich verschlafen die müden Augen. Lehramtsstudentinnen Valeria und Pia sind sich einig: sehr interessant, aber ein bisschen Pfeffer im Vortrag hätte nicht geschadet.

 

Artikel und Fotos von Kim Hornickel




Alkohol und Einkaufstüten

Schmutz und Flaschen, so sieht der Gießener Marktplatz fast immer aus

Schmutz und Flaschen, so sieht der Gießener Marktplatz fast immer aus

Streit und Geschrei

“Es ist eine super zentrale Lage, aber ist manchmal ist es schon komisch”, die 21-jährige Lena* wohnt, wie viele andere auch, in einer Wohnung in den dicht gedrängten Häusern am Gießener Marktplatz. Dieser ist  Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen von Menschen, die sich dort versammeln um vor allem  Alkohol zu trinken. Danach werden die Flaschen achtlos auf den Boden geworfen. Auch Diebstahl ist nicht ausgeschlossen, kommt aber nicht massiv vor. Trotzdem fühlen sich Anwohner, wie Studentin Lena, unwohl  wenn sie in der Dunkelheit, über den schmutzigen Platz, zu ihrer Wohnung huschen. “Es gibt immer wieder Stress in den Gruppen die hier rumsitzen und es wird viel rumgeschrien”, bemerkt die Anwohnerin. ´

Auf den beschmierten und stinkenden Bänken will keiner sitzen

Auf den beschmierten und stinkenden Bänken will keiner sitzen

Um in Gießen ein Gefühl der Sicherheit zu garantieren, arbeitet die Gießener Polizei eng mit der Ordungsbehörde zusammen. Wie in vielen Städten ist das Geld knapp, trotzdem konnte eine mobile Polizeistation am Markt eingerichtet werden. Um die Lage am Gießener Marktplatz und Gießen allgemein trotzdem besser kontrollieren zu können, bildet die Polizei nun auch freiwillige Helfer aus.” Dabei setzen wir immer auf Kommunikation, denn diese Leute sind ja keine Außerirdischen”, beteuert die Magistratssprecherin.

Was bisher getan wurde

Das bedeutet natürlich nicht, dass bisher nichts unternommen wurde um den Alkoholkonsum und den Vandalismus am Markt in den Griff zu bekommen. So wurde der, tagsüber mit Tauben und Menschen gefüllte Platz, in der Vergangenheit von Kameras überwacht. Doch diese Maßnahme scheiterte, so Boje, daran, dass es nicht genug Straftaten gab um die Überwachung zu rechtfertigen.”Denn schließlich leben wir ja nicht in einem Überwachungsstaat”. Weitere Ideen den Marktplatz zu einem unattraktiveren Treffpunkt für die trinkenden und oft pöbelnden Gruppen zu machen, scheiterten ebenfalls. So hatte es 2012 eine Anfrage an die Supermärkte um den Marktplatz gegeben, mit der Bitte, keinen Alkohol mehr zu verkaufen, wie es bereits seit 2007 in Marburg der Fall ist. Auch der Versuch mit Attraktionen, wie einem Kinderkarussell ein anderes Publikum auf den Markt zu holen, gelang  nicht, wie der Gießener Anzeiger berichtete.

Abgrenzung

Hund Fusko sitzt den ganzen Tag brav neben Herrchen Nazar, solange der um Geld bittet

Hund Fusko sitzt den ganzen Tag brav neben Herrchen Nazar, solange der um Geld bittet

“Dabei ist es falsch alle in einen Topf zu schmeißen”, warnt Claudia Boje. Es gibt auf dem Marktplatz Obdachlose, sowie Menschen mit einem Dach über dem Kopf, Arbeitslose und Arbeitende, Diebe und Punks, die dort ihre Zeit verbringen. Einigen dieser Menschen kann man durch soziales Engagement helfen. Dafür setzt sich zum Beispiel  die Diakonie, mit sogenannten Streetworkern, ein. Diese wollen denen, die Hilfe brauchen und annehmen, den Start in ein geregeltes Leben ermöglichen. Doch nicht alle wollen das. “Und sobald eine Gruppe geht, kommt eine andere an deren Stelle”, erklärt Pressesprecherin Boje. Auch zwischen den Gruppen und Einzelpersonen am Brennpunkt Marktplatz gibt es klare Unterschiede und Hierarchien.

Etwas unterhalb des Marktplatzes, im Seltersweg, sitzt ein älterer Mann mit grauen Haaren auf dem Boden, vor sich eine Schale mit einigen Geldstücken darin. Seinen Namen will er nicht sagen und bei Fotos winkt er ab. Im folgenden wird er Nazar genannt.Nazar sagt in gebrochenem Deutsch, dass er nicht “so ist wie die da oben”. Mit einer unbestimmten Handbewegung zeigt er zum Marktplatz. Der gebürtige Ukrainer beteuert immer wieder,” trinke nur Wasser nur Wasser nix Alkohol”. Dort oben am Markt kann er nicht sitzen, da gehört er nicht hin, erklärt er und lächelt zahnlos.

Trotz großer Bemühungen die Umstände am Gießener Marktplatz zu ändern, hat bisher keine der administrativen  Maßnahmen in vollen Umfang gefruchtet. Dennoch hoffen Anwohner, dass in Zukunft, durch verstärkte Polizei und Helferpräsens, das Gefühl der Ordungssicherung wieder hergestellt werden kann. Damit sie auch ohne ein beklemmendes Gefühl  im Bauch abends in ihre Wohnungen zurückkehren können.

 

Reportage und Fotos von Kim Melina Hornickel

 

*Name geändert

 




Halt durch, Digger – Selbstversuch Skaten

13514304_1310004349028088_1179056869_nSkateboarding ist bekanntlich kein Sport für Weicheier. Das darf ich am eigenen Leib erfahren, als ich mich einen Tag unter Skater mische.

Der Skatepark ist knapp einen Kilometer weit weg. Eine ziemlich lange Strecke für Jemanden, der in seinem Leben bisher nur wenige kurze Male auf einem Skateboard stand – So jemanden wie mich zum Beispiel. „Du musst dich mehr pushen!“, ruft mir mein Kumpel aus der Ferne zu. Ich bin langsam und konzentriere mich hauptsächlich darauf die Balance zu halten. Bloß nicht fallen, heißt die Devise. Der Fahrtwind lässt meine  Augen Tränen und ich habe Probleme mich zusätzlich auch noch auf den Straßenverkehr zu konzentrieren. Immer wieder steigt mein Kumpel von seinem Board und wartet auf mich, läuft neben mir her und gibt mir Tipps. „Stell deinen Fuß nicht soweit nach vorn!”

Als wir den Skatepark endlich erreichen, bin ich schon ganz fertig. Ich schaue mich um und weiß nicht wo ich Anfangen soll. Einige Typen fahren rum und üben Tricks. Ich versuche mich an einer geraden Strecke mit  An- und Abstieg an den Enden. Ich positioniere mein Board kurz vor dem Abstieg, pushe mich ganz sanft, kneif die Augen zu und rolle drauf los. Runter geht’s, ich stehe noch. Das mache ich nochmal und nochmal, ab und zu komme ich ins Wackeln, und nochmal.

Immer mutiger

Ich werde immer mutiger, immer schneller. Auf einmal verliere ich die Kontrolle und lande mit der linken Hälfte meines Gesäßes auf dem Beton: „Autsch“! Das tat weh. Um den Schock über den plötzlichen Fall zu verdauen gehe ich erst mal eine rauchen und setze mich zu ein paar Anderen. Ein Skater namens Manu spendet mir Trost: „Jeder hat mal angefangen.“ Er ist vor ein paar Wochen schwer gestürzt und trägt nun ein Metallgestell um den linken Arm. „Schmerzen gehören zum Skaten einfach dazu, man gewöhnt sich dran.“ Während ich rauche beobachte ich wie die Anderen durch den Park rollen und bin fasziniert von der suggerierten Leichtigkeit dieses Sports. Ich genieße die Zuschauerrolle für eine weitere Zigarette. „Weißt du, das ist auch ein Teil davon“ erklärt mir Manu. „Skaten, hier rumsitzen, Kippen rauchen, ab und zu ein Bierchen trinken und Einen kiffen, das ist der Skaterlifestyle.“

Ich schwinge mich aufs Board und nehme die gleiche Strecke wieder in Angriff. Ich fahre den Abstieg runter und den Anstieg hoch bis alles klappt. Immer wieder fühle ich mich wie ein Hindernis für die, die das schon seit Jahren machen. Denn ich bin langsam und unberechenbar für die Anderen und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich sie störe. Mit jedem Mal, wenn ein Skater für mich bremsen oder mir ausweichen muss fühle ich mich schlechter.

Besser als die “kiddies auf Miniroller”

„Mach dir keine Sorgen.“ sagt mein Kumpel. „Wir alle wissen, wie das ist. Solange du hier auf nem Skateboard stehst und nicht auf nem Longboard, oder gar auf nem Miniroller, akzeptiert dich hier jeder.“, ergänzt er lachend. Oh ja, Miniroller. Wie ich an diesem Tag erfahre, hassen Skater „kiddies“ auf Miniroller. Die würden nur alle stören und dazu noch scheiße aussehen, wird mir gesagt. Zum Glück versuche ich skaten zu lernen, denke ich mir und fahre weiter.

„Hey, du fährst Goofy.“ bemerkt einer der Typen, die ich grade kennengelernt habe.

„Bitte was?“

„Goofy. Wenn du mit dem rechten Fuß auf dem Board stehst, dann nennt man das Goofy. Mit dem Linken nennt man´s Regular.“

Das Board habe ich mir von meinem Kumpel geliehen. Er hat es mir gegeben, weil es dickere Rollen hat und deshalb besser zum lernen sei, was hier allerdings Einige anders sehen. „Wenn du das Ding beherrschst, beherrschst du jedes Board.“ bemerkt Manu. Na Danke, denke ich mir und schaue runter auf das Ding, auf dem die weisen Worte „Halt durch, Digger“ gesprayed sind.

Schmerz gehört dazu

Es haut mich ein zweites Mal auf den Beton nachdem ich ein wenig zu mutig geworden war. Doch dieses Mal steige ich sofort wieder auf und lebe mit dem Schmerz. Später erzählt mir mein Kumpel, dass man beim Skaten lernt mit Schmerz umzugehen, man entwickelt ein ganz anderes Gefühl für Schmerz und empfindet ihn nicht mehr so stark. Kurz darauf fällt er aus zwei Metern Höhe von den Ramp auf seine Schulter und muss lachen. Mittlerweile habe ich gelernt wie man richtig auf dem Board steht: Die Füße auf die Kante gerichtet und die Schultern parallel zum Board, nur beim Schwung holen den Fuß nach vorne richten. Es bereitet mir jedoch große Schwierigkeiten meinen Körper parallel zum Board zu halten und ich verrenke mich andauernd komisch. Bald möchte ich wissen wie man das Board dreht, damit ich schneller Kurven fahren kann.

„Lern erst mal sicher zu stehen“

werde ich verspottet, doch das hält mich nicht davon ab es zu versuchen. Ich stelle also meinen vorderen Fuß relativ mittig und meinen hinteren ans allerletzte Ende des Boards und drücke ihn leicht runter. Nun balanciere ich auf den Hinterrollen und bin überrascht wie viel Kontrolle ich doch noch zu haben scheine. Jetzt werde ich wieder übermütig: Ich fahre zick zack, mache erst 90, dann 180 Grad Drehungen. Ab und an rutscht mir das Board unter den Füßen weg, doch ich habe so viel Spaß, dass mich ein paar kleine Kratzer an Händen und Knien nicht weiter beeindrucken. Als mir die Jungs erzählen, wo und wie sie sich schon überall verletzt haben, fällt mir auf, dass ein einfacher Knochenbruch mitunter noch das Beste zu sein scheint was einem als Skater passieren kann. Hoffentlich bleibt mir das so lange wie möglich erspart.Als ich mich am Abend ins Bett lege spüre ich jeden Muskel in meinen Beinen, doch das macht mir nichts aus, denn dafür hat mir das Skaten zu viel Spaß gemacht.

 

Bericht und Foto von Isabella Pianto




Foodsharing – Wenn teilen nur immer so lecker wäre

Gesundes Essen ganz umsonst

Foodsharing findet beinahe täglich im Café Amelie (Walltorstraße 17, 35390 Gießen) statt. Es handelt sich dabei um eine kostenlose Fairteilung von Lebensmitteln, die Bauern und Betriebe abgeben, damit sie kein trauriges Ende im Kontainer finden.

“Kein trauriges Ende im Kontainer”

Foodsharing 2

Food Sharing ganz nach dem Motte „Restlos glücklich“.

 

 

Das Prinzip ist einfach: Man geht hin, nimmt sich von dem leckeren Obst, Gemüse oder Backwaren was mit und geht wieder. Ohne selbst etwas mitbringen oder bezahlen zu müssen.

Foodsharing 4

Es darf ruhig ordentlich zugegriffen werden

 

 

 

 

 

 

 

“Im Kampf gegen Verschwendung”

Der Sinn der Sache soll sein, der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken. Jeder ist herzlich dazu eingeladen einfach mal vorbeizuschauen und/oder sich als freiwilliger Helfer zu engagieren.

 „Was zum...?!“ Eine UNIversum Redakteurin entdeckt Neues

Was zum…?!“ Eine UNIversum Redakteurin entdeckt Neues

 

 

Die Food Saver Crew ist sechs Tage die Woche im Einsatz um der Verschwendung den Kampf anzusagen, dabei können sie jeden Helfer gut gebrauchen, gesteht Antje.

Das Foodsharing-Team

Das Foodsharing-Team

 

Mehr Informationen zum Foodsharing in Gießen und genaue Fairteilungszeiten findet Ihr unter auf der Facebook-Seite. Für weitere Informationen zur deutschlandweiten Foodsharing-Organisation klicke hier.

 

Fotos von Isabella Pianto und Kim Melina Hornickel




Wenn der Opa ein Mörder ist – Die Geschichte von Jennifer Teege

Jennifer Teege spricht in Gießen über ihre Familiengeschichte

Wie fühlt es sich an, wenn man ein dunkles Familiengeheimnis lüftet? Jennifer Teege beschreibt genau das in ihrem Buch „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“. Erst mit über 30 fand die Tochter eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter heraus, dass sie die Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth ist. In der Gießener Pankratiuskirche sprach sie über den ersten Schock, ihre eigene Identität und das Unverzeihliche.

Sie ist 38 als Jennifer Teege in der Hamburger Zentralbücherei durch die Bücherregale geht. Zufällig findet sie ein Buch, das ihr Leben ändert. Auf dem Titelbild sieht sie ein bekanntes Gesicht: Ihre leibliche Mutter. Der Titel: “Ich muss doch meinen Vater lieben, oder?”.  Sie schaut sich das Werk genauer an – es geht um Amon Göth, den Mörder; Amon Göth, ihr Großvater.

Familiengeschichte

Teege war in einem Kinderheim und später in einer Adoptivfamilie aufgewachsen – über ihren leiblichen Großvater wusste sie kaum etwas. Erst durch den Fund des Buches erfährt sie, wer und was er war und dass er zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat. Dieses Wissen stürzt sie zunächst in ein tiefes Loch. Auch stellte sich ihr die Frage, ob sie Amon Göth nun als ihren Großvater oder als historische Figur betrachten solle. Diesen Amon Göth, der KZ-Kommandant, dessen Sadismus durch den Film „Schindlers Liste“ einem Millionenpublikum vor Augen geführt wurde. Sie beginnt sich über ihren Großvater zu informieren und die Familiengeschichte aufzuarbeiten. So reist sie beispielsweise nach Krakau um das Haus zu sehen, in dem Amon Göth lebte. Teege berichtet, dass sie im Leben ihres Großvaters nach einer Erklärung gesucht hat, wie er zu dem wurde, der er war – ohne Erfolg. Für ihn und seine Taten hat sie kein Verständnis.

Das Leiden der Zweiten Generation

Es wird jedoch nicht nur der Großvater thematisiert, sondern auch ihre Mutter und

DIe Tochter eines Nigerianers kann ihrem Großvater nicht verzeihen

Die Tochter eines Nigerianers kann ihrem Großvater nicht verzeihen

Großmutter. Erstere, weil sie Teege die familiäre Vergangenheit verschwieg und den Kontakt zu ihr mehrfach abbrach. Zweitere, weil Teege sie als Kind sehr mochte. Besonders das Verhalten der Mutter wog schwer. „Der erste Schock war nicht, dass Amon Göth mein Großvater war, sondern, dass meine Mutter mir nichts gesagt und mich verleugnet hat“, erklärt Teege. Diese scheint unter dem Wissen über den eigenen Vater bis heute schwer zu leiden. Das sei laut Teege ein typisches Symptom in der „zweiten Generation“, der Generation, deren Eltern den Nationalsozialismus erlebt haben und zum Teil zu Tätern wurden. Da sie nun weiß, wie sehr ihre Mutter unter ihrer Vergangenheit leide, könne Teege mittlerweile besser verstehen, dass sie mehrfach den Kontakt zu ihrer Tochter abbrach. Die Mutter ist im gesamten Buch ein zentrales Thema.

Zwiespalt

In einem letzten Abschnitt widmet sich Teege ebenfalls noch einmal ihrer Großmutter. Sie beschreibt, wie sie ein Interview mit ihr gesehen hat, das für eine Dokumentation geführt wurde. Noch Jahrzehnte später scheint ihre Großmutter nichts zu bereuen. Teege beschreibt den Zwiespalt in dem sie sich befindet. Einerseits mag sie ihre Großmutter, andererseits kann sie die Mittäterschaft nicht verstehen. Am Ende bleibt die Frage, ob ihre Großmutter zu mögen bedeutet, die Taten ihres Großvaters zu ignorieren. „Ich hätte gerne einen anderen Großvater, aber immer wieder gerne diese Großmutter“, zieht sie schließlich ihr Fazit.

Erinnerungskultur und eigene Vergangenheit

Abseits der Lesung werden auch Themen, wie die heutige Erinnerungskultur an diesem Abend thematisiert. „Es ist erstens sehr wichtig, um den Opfern Respekt zu zollen“, findet Teege, „Und zweitens, weil es Menschen gibt und davon immer mehr, die den Holocaust leugnen, als Zeugnis.“ Dabei sei es jedoch nicht nur wichtig über die Vergangenheit zu sprechen, sondern auch Wege zu finden, dass sich Genozide in Zukunft nicht mehr wiederholen. Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und Identität hält Teege für sehr wichtig. Sie selbst litt lange Zeit an Depressionen und habe diese erst durch die Lüftung und Verarbeitung des Familiengeheimnisses überwinden können. Teege ist der Meinung, man könne vor der Vergangenheit nicht davonlaufen. Man solle aber auch niemanden dazu drängen darüber zu sprechen, der das nicht möchte. Sie selbst hat auch ihren Kindern bereits berichtet, wer ihr Großvater war.

Artikel und Fotos von Tatjana Döbert




Mit dem Schlammbeiser durch die Geschichte Gießens

Schlammbeiser Peter Meilinger, hat sich das historische Wissen zu seinen Führungen selber angelesen.

Schlammbeiser Meilinger hat sich das historische Wissen zu seinen Führungen selber angelesen

Es ist ein heißer Sonntag im Juni, trotzdem steht ein Mann mit schwarzer Kappe und rotem Halstuch auf dem Kirchenplatz. Eine bunt gemischte Gruppe aus Studenten, Familien und Senioren hat sich um ihn herum versammelt. Die Teilnehmer der Gießener Stadttour richten all ihre Aufmerksamkeit auf Peter Meilinger, den “Schlammbeiser”.

Es ist nicht Karneval, sondern der Beginn einer historischen Stadtführung. Meilinger hat sich, trotz der Hitze, ganz in Schlammbeiser Art gekleidet: Mit einem roten Halstuch, einem weißen Hemd und darüber eine braune Weste. Bei sich trägt er einen Eimer. Neben ihm steht das Denkmal seines historischen Vorbildes Wilhelm Westbrock, der in den Händen eine Eisenstange zum Leeren der mittelalterlichen Aborte hält. Neben ihm steht ebenfalls ein Eimer für die schmutzigen Abfälle.

Braunes Häufchen

Von den Straßen Gießens geht es hoch hinaus über die Dächer der Stadt und die 172

Na, was das wohl ist?

“In Gießen gibt es mehr zu entdecken als man denkt”, Meilinger beantwortet gerne alle Fragen

Stufen der ehemaligen Wasserburg hinauf. Der Schlammbeiser stapft mit großen, schwarzen Stiefeln voran. Oben angekommen sind Jung und Alt aus der Puste, aber es hat sich gelohnt.

An die Michaeliskapelle angeschlossen war der Wehrturm des mittelalterlichen Gießens. Eine schnelle Einsatztruppe war in der Burg stationiert, um die Stadt vor den wiederkehrenden Angriffen von Räuberbanden zu schützen. Alle lauschen gebannt diesen spannenden Erzählungen. Da holt Meilinger plötzlich ein braunes Häufchen aus seinem Blecheimer und verkündet, dass die Stadt zu

dieser Zeit zum Himmel gestunken habe, sein anschauliches Beispiel erzeugt schallendes Gelächter, das an den Wänden der Kirche wiederhallt.

Heute kann man allerdings ohne Angst auf den Turm steigen und die schöne Aussicht auf

Gießen kann so schön sein - von oben

Gießen kann so schön sein – von oben

Gießen genießen. Von hier oben sieht man die jüdische Synagoge, das alte Zeughaus und gleich daneben den botanischen Garten, der der Älteste in Deutschland ist.

Rauf und Runter

Nach dem Abstieg folgt die sommerlich gekleidete Gruppe, auf der Spur des ursprünglichen Gießener Stadtwappens, Meilinger in die kühlen Gewölbe des Leib´schen Hauses hinunter. In dem schwach beleuchteten Raum ist in einer Ecke das Wappen mit einem geflügelten Löwen zu sehen. “Eigentlich gehört das Wappen an unser Rathaus und nicht in ein Museum”, findet der Stadtführer. Zustimmendes Gemurmel ist im dicht gedrängten Publikum zu hören.

Viele bekannte Persönlichkeiten

Als die Teilnehmer blinzelnd ins grelle Sonnenlicht hinaus treten, scheinen sie erleichtert. Über eingelassene Stolpersteine im Boden, die an prominente Aidstote erinnern sollen, geht es zum alten Hotel “Zum Einhorn”. Da wo heute eine moderne Bank ist, war im 19 Jahrhundert ein glamouröses Hotel. Hier stiegen bis zum zweiten Weltkrieg viele bekannte Persönlichkeiten der Geschichte ab. “Hier sind berühmte Leute wie Wilhelm von Preußen, Theodor Heuß oder Justus Liebig gewesen”, erklärt Meilinger und stülpt seine Daumen zufrieden in die Knopflöcher seiner Jacke.

Original Aufnahme eines Schlambeisers

Der Original-Schlammbeiser Wilhelm Westbrock in seiner Arbeitskleidung und mit Holzkarren

Als das kleine Grüppchen sich schließlich vor einem unscheinbaren Hauseingang hinter der Schlammbeiserstatur versammelt, deutet Meilinger auf ein kleines Schild über der Tür. “Anstatt eines Denkmals hat Elias Metschikof, der Nobelpreisträger für Immunbiologie, nur das kleine Schild hier bekommen”, bedauert der Schlammbeiser.

Sein Publikum jedoch, das bis zuletzt fast vollzählig geblieben ist, hat Meilinger nicht enttäuscht. Ringsherum schauen ihn lächelnde Gesichter an und interessierte Nachfragen gibt es bis zum Schluss. “Ich fand die Stimmung die ganze Zeit sehr schön, weil Herr Meilinger jede unserer Fragen beantworten konnte und die Tour an so vielen interessanten Orten war”, freut sich die 21 jährige Studentin Pia aus Bad Hersfeld.

Für Stadtführer Meilinger heißt es jetzt raus aus den warmen Stiefeln und erst einmal den Durst löschen, denn sein Mund ist durch das viele Erzählen ganz trocken geworden.

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Artikel und Fotos: Kim Melina Hornickel