21 Feb

Wenn Prinzessin Leia mit dem Teufel tanzt

Bunte, lustige und schräge Kostüme, an Fasching gibt es viel zu sehen

Rosenmontag, das ist mehr als Kostüme, Korn und Kamelle! Doch woher kommt das Faschingsfeiern? Und wo begehen Pirat, Teufel und Hexe den Rosenmontag in Gießen?

Die Trends

Die Faschingssaison nähert sich ihrem Höhepunkt mit Rosenmontag und Weiberfastnacht und die Gießener sind mit dabei. Das Jahr 2017 steht ganz im Zeichen der Star Wars Helden, wer als Prinzessin Leia, Han Solo oder Luke Skywalker verkleidet Fasching feiert, liegt dabei dieses Jahr voll im Trend. Inspirationen für angesagte Kostüme geben auch Suicide Squad, Deadpool oder The Avenger. Wer es lieber bunt mag, kann sich als Einhorn, oder zusammen mit Freunden, gleich als ganze Gruppe im Partnerlook verkleiden. Damit ist man beim Sturm aufs Rathaus und dem Karnevalsumzug gut angezogen.

Hier ein paar Tipps für alle, die die närrischen Tage in Gießen verbringen wollen:

Der Sturm auf das Rathaus

Wer schon immer mal sehen wollte, wie die Bürgermeisterin gefangen genommen wird, sollte am Dienstag, den 23. Februar um 14:10 Uhr am Berliner Platz sein. Dort wird ein fast echtes Prinzenpaar mit seiner Artillerie das Rathaus in Besitz nehmen und die Gießener Oberbürgermeisterin gefangen

Das Abschneiden der Krawatten entstand nach 1945 und diente der Entmannung

nehmen. Das Ganze kostet keinen Eintritt und auch nicht Verkleidete sind willkommen.

Männer haltet eure Schlipse fest

Und wer zu Weiberfastnacht in der Kongresshalle am Dienstag, den 23 Februar, um 20:10 Uhr kommt, wird wohl noch einige jecke Sprüche zu hören bekommen. Tickets bekommt ihr im Vorverkauf der MAZ, im Urnenfeld 12, in Gießen.

Bonbons, Konfetti und Schnaps

Einer der größten Umzüge Mittelhessens wird sich am Sonntag den 26. Februar, seinen Weg durch die Gießener Innenstadt bahnen. Die bunte Parade startet um 13.30 Uhr in der Ringallee. Hier die genaue Route für euch.

 Ursprung

Fasching wird vor Aschermittwoch und somit vor der Fastenzeit gefeiert

Bis heute weiß niemand genau wo der Brauch des Faschingfeierns ursprünglich herkommt, doch eine denkbare Erklärung liefert das deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Diese geben den Begriff “Rasenmontag” als Ursprung des Wort Rosenmontags an. Das bedeutet soviel wie rasender Montag, aus dem Mittelhochdeutschen und steht bei den Kölnern für toll und ausgelassen.

Als Napoleons während seiner Feldzüge das Rheinland besetzte, unterband er hat den Karneval im dort. Doch als der französische Machthaber gestürzt wurde, bildeten sich wieder “Festordnende Comitees” die später nach dem Tag des Zusammenkommens als “Rosenmontagsgesellschaften” bezeichnet wurden. Der Brauch, sich über die französische Besatzungsmacht lustig zu machen, begegnet uns bis heute im Prinzenpaar oder dem Tragen weißer Perücken.

 

Ein Artikel von Kim Hornickel

B

ilderquelle: Pixabay

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03 Nov

Keine Krone für die Polit-Ikone – Eine Bilanz

Prof. Herz

Prof. Herz und Prof. Leggewider

Nur noch zehn Wochen und acht Tage ist Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Anlass zog Prof. Ditmar Herz von der Uni Erfurt am vergangene Montag eine rückblickende Bilanz über Obamas Amtszeit. Nach zwei Stunden Vortrag an der Justus-Liebig-Universität lautete sein Urteil: “Obama ist gescheitert”.

Wohl gescheitert

Erwartungsvolles Murmeln erfüllt den 440 Plätze fassenden Saal,  das sofort verstummt, als der Präsident Prof. Joybrato Mukherjee den Beginn der Ringvorlesung zum Thema “Amerika ist anders” verkündet. “Er ist nicht so bayrisch wie sie glauben”, stellt Koordinator Prof. Dr. Leggewider den Vortragenden  Herz aus Oberbayern vor. Seinen Vortrag rankte der Gastredner um die Frage “Erfolgreich gescheitert?- Präsident Obamas Versuch einer Politik der Ernsthaftigkeit”. Dabei argumentiert der Spezialist für vergleichende Regierungslehre, dass Präsident Obama  an seine anfänglichen gestellten Ansprüchen und Zielen wohl gescheitert ist. War Obamas Amtszeit verlorene Zeit? Sein Nobelpreis von 2009 eine Lüge? Ganz so streng ist Herz dann doch nicht. Er räumt ein, dass Obama rückblickend „in einzelnen Politikfelder durchaus Erfolge zu verzeichnen“  habe. Zum Beispiel bei seiner Einwanderungspolitik und der Förderung der Diversität im Land. Studentin Valeria (21) sitzt im Publikum und hat nach dem Vortrag das Gefühl, gut über Obamas durchgesetzte Reformen bei  Einwanderungspolitik oder der  Gleichstellung informiert zu sein.

Auch die pensionierte Gasthörerin Doris Weimer-Schluckebier ist nach dem Vortrag recht zufrieden, dieser sei informativ gewesen. Gerne hätte sie noch etwas mehr zu Obamas Außenpolitik, insbesondere den Einsätzen von Drohnen im Irak gehört.

Kein Pazifist

Gerade dieser Punkt beschäftigt auch Herz. Er erklärt mit ruhiger Stimme, dass Obama

Amerika ist Anders - auch , wenn es um Politik geht

Amerika ist Anders

zwar 2009 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, dieser jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt übergeben worden sei. Denn, mahnt Herz an, immerhin „ist Obama kein Pazifist“. Noch in seiner, im Winter 2009 gehaltenen Rede,  hatte der Präsident klargestellt, dass er auch Oberbefehlshaber der US- Streitkräfte sei und die USA somit wohl nicht auf Gewalt verzichten würden.

American Dream

Doch trotz Drohnenkrieg und dem Tod vieler unschuldiger Zivilisten im Irak-Krieg und in Syrien, sei Obama so beliebt wie kaum ein Präsident vor ihm. Auch wenn er einzelne Gruppen gegen sich hat und damit zugleich so verhasst ist wie keiner vor ihm. Wie kommt es dann, dass wir, wenn wir an Barack Hussein Obama denken, zumindest kein so schlechtes Gefühl wie bei Staatschefs wie Bush oder Putin im Bauch haben? Der weißhaarige Mann am Rednerpult weiß darauf eine Antwort. Weil Obama den “american Dream” verkörpert. Aus einfachen Verhältnissen aufgewachsen, Studium in Harvard und schließlich Amerikas Präsident. Eine

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Bilderbuchkarriere. Außerdem ist er vom Fortschrittsglauben Amerikas überzeugt und auch noch der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten. Jemand der für Minderheiten eintritt. Also das Gegenteil von George W. Bush, der klar „dem Bösen zugeordnet werden kann“, scherzt Herz.

Professor Herz ist nach zwei Stunden am Ende seines Vortrags angekommen und mancher Zuhörer reibt sich verschlafen die müden Augen. Lehramtsstudentinnen Valeria und Pia sind sich einig: sehr interessant, aber ein bisschen Pfeffer im Vortrag hätte nicht geschadet.

 

Artikel und Fotos von Kim Hornickel

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27 Jun

Alkohol und Einkaufstüten

Schmutz und Flaschen, so sieht der Gießener Marktplatz fast immer aus

Schmutz und Flaschen, so sieht der Gießener Marktplatz fast immer aus

Streit und Geschrei

“Es ist eine super zentrale Lage, aber ist manchmal ist es schon komisch”, die 21-jährige Lena* wohnt, wie viele andere auch, in einer Wohnung in den dicht gedrängten Häusern am Gießener Marktplatz. Dieser ist  Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen von Menschen, die sich dort versammeln um vor allem  Alkohol zu trinken. Danach werden die Flaschen achtlos auf den Boden geworfen. Auch Diebstahl ist nicht ausgeschlossen, kommt aber nicht massiv vor. Trotzdem fühlen sich Anwohner, wie Studentin Lena, unwohl  wenn sie in der Dunkelheit, über den schmutzigen Platz, zu ihrer Wohnung huschen. “Es gibt immer wieder Stress in den Gruppen die hier rumsitzen und es wird viel rumgeschrien”, bemerkt die Anwohnerin. ´

Auf den beschmierten und stinkenden Bänken will keiner sitzen

Auf den beschmierten und stinkenden Bänken will keiner sitzen

Um in Gießen ein Gefühl der Sicherheit zu garantieren, arbeitet die Gießener Polizei eng mit der Ordungsbehörde zusammen. Wie in vielen Städten ist das Geld knapp, trotzdem konnte eine mobile Polizeistation am Markt eingerichtet werden. Um die Lage am Gießener Marktplatz und Gießen allgemein trotzdem besser kontrollieren zu können, bildet die Polizei nun auch freiwillige Helfer aus.” Dabei setzen wir immer auf Kommunikation, denn diese Leute sind ja keine Außerirdischen”, beteuert die Magistratssprecherin.

Was bisher getan wurde

Das bedeutet natürlich nicht, dass bisher nichts unternommen wurde um den Alkoholkonsum und den Vandalismus am Markt in den Griff zu bekommen. So wurde der, tagsüber mit Tauben und Menschen gefüllte Platz, in der Vergangenheit von Kameras überwacht. Doch diese Maßnahme scheiterte, so Boje, daran, dass es nicht genug Straftaten gab um die Überwachung zu rechtfertigen.”Denn schließlich leben wir ja nicht in einem Überwachungsstaat”. Weitere Ideen den Marktplatz zu einem unattraktiveren Treffpunkt für die trinkenden und oft pöbelnden Gruppen zu machen, scheiterten ebenfalls. So hatte es 2012 eine Anfrage an die Supermärkte um den Marktplatz gegeben, mit der Bitte, keinen Alkohol mehr zu verkaufen, wie es bereits seit 2007 in Marburg der Fall ist. Auch der Versuch mit Attraktionen, wie einem Kinderkarussell ein anderes Publikum auf den Markt zu holen, gelang  nicht, wie der Gießener Anzeiger berichtete.

Abgrenzung

Hund Fusko sitzt den ganzen Tag brav neben Herrchen Nazar, solange der um Geld bittet

Hund Fusko sitzt den ganzen Tag brav neben Herrchen Nazar, solange der um Geld bittet

“Dabei ist es falsch alle in einen Topf zu schmeißen”, warnt Claudia Boje. Es gibt auf dem Marktplatz Obdachlose, sowie Menschen mit einem Dach über dem Kopf, Arbeitslose und Arbeitende, Diebe und Punks, die dort ihre Zeit verbringen. Einigen dieser Menschen kann man durch soziales Engagement helfen. Dafür setzt sich zum Beispiel  die Diakonie, mit sogenannten Streetworkern, ein. Diese wollen denen, die Hilfe brauchen und annehmen, den Start in ein geregeltes Leben ermöglichen. Doch nicht alle wollen das. “Und sobald eine Gruppe geht, kommt eine andere an deren Stelle”, erklärt Pressesprecherin Boje. Auch zwischen den Gruppen und Einzelpersonen am Brennpunkt Marktplatz gibt es klare Unterschiede und Hierarchien.

Etwas unterhalb des Marktplatzes, im Seltersweg, sitzt ein älterer Mann mit grauen Haaren auf dem Boden, vor sich eine Schale mit einigen Geldstücken darin. Seinen Namen will er nicht sagen und bei Fotos winkt er ab. Im folgenden wird er Nazar genannt.Nazar sagt in gebrochenem Deutsch, dass er nicht “so ist wie die da oben”. Mit einer unbestimmten Handbewegung zeigt er zum Marktplatz. Der gebürtige Ukrainer beteuert immer wieder,” trinke nur Wasser nur Wasser nix Alkohol”. Dort oben am Markt kann er nicht sitzen, da gehört er nicht hin, erklärt er und lächelt zahnlos.

Trotz großer Bemühungen die Umstände am Gießener Marktplatz zu ändern, hat bisher keine der administrativen  Maßnahmen in vollen Umfang gefruchtet. Dennoch hoffen Anwohner, dass in Zukunft, durch verstärkte Polizei und Helferpräsens, das Gefühl der Ordungssicherung wieder hergestellt werden kann. Damit sie auch ohne ein beklemmendes Gefühl  im Bauch abends in ihre Wohnungen zurückkehren können.

 

Reportage und Fotos von Kim Melina Hornickel

 

*Name geändert

 

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24 Jun

Halt durch, Digger – Selbstversuch Skaten

13514304_1310004349028088_1179056869_nSkateboarding ist bekanntlich kein Sport für Weicheier. Das darf ich am eigenen Leib erfahren, als ich mich einen Tag unter Skater mische.

Der Skatepark ist knapp einen Kilometer weit weg. Eine ziemlich lange Strecke für Jemanden, der in seinem Leben bisher nur wenige kurze Male auf einem Skateboard stand – So jemanden wie mich zum Beispiel. „Du musst dich mehr pushen!“, ruft mir mein Kumpel aus der Ferne zu. Ich bin langsam und konzentriere mich hauptsächlich darauf die Balance zu halten. Bloß nicht fallen, heißt die Devise. Der Fahrtwind lässt meine  Augen Tränen und ich habe Probleme mich zusätzlich auch noch auf den Straßenverkehr zu konzentrieren. Immer wieder steigt mein Kumpel von seinem Board und wartet auf mich, läuft neben mir her und gibt mir Tipps. „Stell deinen Fuß nicht soweit nach vorn!”

Als wir den Skatepark endlich erreichen, bin ich schon ganz fertig. Ich schaue mich um und weiß nicht wo ich Anfangen soll. Einige Typen fahren rum und üben Tricks. Ich versuche mich an einer geraden Strecke mit  An- und Abstieg an den Enden. Ich positioniere mein Board kurz vor dem Abstieg, pushe mich ganz sanft, kneif die Augen zu und rolle drauf los. Runter geht’s, ich stehe noch. Das mache ich nochmal und nochmal, ab und zu komme ich ins Wackeln, und nochmal.

Immer mutiger

Ich werde immer mutiger, immer schneller. Auf einmal verliere ich die Kontrolle und lande mit der linken Hälfte meines Gesäßes auf dem Beton: „Autsch“! Das tat weh. Um den Schock über den plötzlichen Fall zu verdauen gehe ich erst mal eine rauchen und setze mich zu ein paar Anderen. Ein Skater namens Manu spendet mir Trost: „Jeder hat mal angefangen.“ Er ist vor ein paar Wochen schwer gestürzt und trägt nun ein Metallgestell um den linken Arm. „Schmerzen gehören zum Skaten einfach dazu, man gewöhnt sich dran.“ Während ich rauche beobachte ich wie die Anderen durch den Park rollen und bin fasziniert von der suggerierten Leichtigkeit dieses Sports. Ich genieße die Zuschauerrolle für eine weitere Zigarette. „Weißt du, das ist auch ein Teil davon“ erklärt mir Manu. „Skaten, hier rumsitzen, Kippen rauchen, ab und zu ein Bierchen trinken und Einen kiffen, das ist der Skaterlifestyle.“

Ich schwinge mich aufs Board und nehme die gleiche Strecke wieder in Angriff. Ich fahre den Abstieg runter und den Anstieg hoch bis alles klappt. Immer wieder fühle ich mich wie ein Hindernis für die, die das schon seit Jahren machen. Denn ich bin langsam und unberechenbar für die Anderen und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich sie störe. Mit jedem Mal, wenn ein Skater für mich bremsen oder mir ausweichen muss fühle ich mich schlechter.

Besser als die “kiddies auf Miniroller”

„Mach dir keine Sorgen.“ sagt mein Kumpel. „Wir alle wissen, wie das ist. Solange du hier auf nem Skateboard stehst und nicht auf nem Longboard, oder gar auf nem Miniroller, akzeptiert dich hier jeder.“, ergänzt er lachend. Oh ja, Miniroller. Wie ich an diesem Tag erfahre, hassen Skater „kiddies“ auf Miniroller. Die würden nur alle stören und dazu noch scheiße aussehen, wird mir gesagt. Zum Glück versuche ich skaten zu lernen, denke ich mir und fahre weiter.

„Hey, du fährst Goofy.“ bemerkt einer der Typen, die ich grade kennengelernt habe.

„Bitte was?“

„Goofy. Wenn du mit dem rechten Fuß auf dem Board stehst, dann nennt man das Goofy. Mit dem Linken nennt man´s Regular.“

Das Board habe ich mir von meinem Kumpel geliehen. Er hat es mir gegeben, weil es dickere Rollen hat und deshalb besser zum lernen sei, was hier allerdings Einige anders sehen. „Wenn du das Ding beherrschst, beherrschst du jedes Board.“ bemerkt Manu. Na Danke, denke ich mir und schaue runter auf das Ding, auf dem die weisen Worte „Halt durch, Digger“ gesprayed sind.

Schmerz gehört dazu

Es haut mich ein zweites Mal auf den Beton nachdem ich ein wenig zu mutig geworden war. Doch dieses Mal steige ich sofort wieder auf und lebe mit dem Schmerz. Später erzählt mir mein Kumpel, dass man beim Skaten lernt mit Schmerz umzugehen, man entwickelt ein ganz anderes Gefühl für Schmerz und empfindet ihn nicht mehr so stark. Kurz darauf fällt er aus zwei Metern Höhe von den Ramp auf seine Schulter und muss lachen. Mittlerweile habe ich gelernt wie man richtig auf dem Board steht: Die Füße auf die Kante gerichtet und die Schultern parallel zum Board, nur beim Schwung holen den Fuß nach vorne richten. Es bereitet mir jedoch große Schwierigkeiten meinen Körper parallel zum Board zu halten und ich verrenke mich andauernd komisch. Bald möchte ich wissen wie man das Board dreht, damit ich schneller Kurven fahren kann.

„Lern erst mal sicher zu stehen“

werde ich verspottet, doch das hält mich nicht davon ab es zu versuchen. Ich stelle also meinen vorderen Fuß relativ mittig und meinen hinteren ans allerletzte Ende des Boards und drücke ihn leicht runter. Nun balanciere ich auf den Hinterrollen und bin überrascht wie viel Kontrolle ich doch noch zu haben scheine. Jetzt werde ich wieder übermütig: Ich fahre zick zack, mache erst 90, dann 180 Grad Drehungen. Ab und an rutscht mir das Board unter den Füßen weg, doch ich habe so viel Spaß, dass mich ein paar kleine Kratzer an Händen und Knien nicht weiter beeindrucken. Als mir die Jungs erzählen, wo und wie sie sich schon überall verletzt haben, fällt mir auf, dass ein einfacher Knochenbruch mitunter noch das Beste zu sein scheint was einem als Skater passieren kann. Hoffentlich bleibt mir das so lange wie möglich erspart.Als ich mich am Abend ins Bett lege spüre ich jeden Muskel in meinen Beinen, doch das macht mir nichts aus, denn dafür hat mir das Skaten zu viel Spaß gemacht.

 

Bericht und Foto von Isabella Pianto

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22 Jun

Foodsharing – Wenn teilen nur immer so lecker wäre

Gesundes Essen ganz umsonst

Foodsharing findet beinahe täglich im Café Amelie (Walltorstraße 17, 35390 Gießen) statt. Es handelt sich dabei um eine kostenlose Fairteilung von Lebensmitteln, die Bauern und Betriebe abgeben, damit sie kein trauriges Ende im Kontainer finden.

“Kein trauriges Ende im Kontainer”

Foodsharing 2

Food Sharing ganz nach dem Motte „Restlos glücklich“.

 

 

Das Prinzip ist einfach: Man geht hin, nimmt sich von dem leckeren Obst, Gemüse oder Backwaren was mit und geht wieder. Ohne selbst etwas mitbringen oder bezahlen zu müssen.

Foodsharing 4

Es darf ruhig ordentlich zugegriffen werden

 

 

 

 

 

 

 

“Im Kampf gegen Verschwendung”

Der Sinn der Sache soll sein, der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken. Jeder ist herzlich dazu eingeladen einfach mal vorbeizuschauen und/oder sich als freiwilliger Helfer zu engagieren.

 „Was zum...?!“ Eine UNIversum Redakteurin entdeckt Neues

Was zum…?!“ Eine UNIversum Redakteurin entdeckt Neues

 

 

Die Food Saver Crew ist sechs Tage die Woche im Einsatz um der Verschwendung den Kampf anzusagen, dabei können sie jeden Helfer gut gebrauchen, gesteht Antje.

Das Foodsharing-Team

Das Foodsharing-Team

 

Mehr Informationen zum Foodsharing in Gießen und genaue Fairteilungszeiten findet Ihr unter auf der Facebook-Seite. Für weitere Informationen zur deutschlandweiten Foodsharing-Organisation klicke hier.

 

Fotos von Isabella Pianto und Kim Melina Hornickel

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19 Jun

Wenn der Opa ein Mörder ist – Die Geschichte von Jennifer Teege

Jennifer Teege spricht in Gießen über ihre Familiengeschichte

Wie fühlt es sich an, wenn man ein dunkles Familiengeheimnis lüftet? Jennifer Teege beschreibt genau das in ihrem Buch „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“. Erst mit über 30 fand die Tochter eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter heraus, dass sie die Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth ist. In der Gießener Pankratiuskirche sprach sie über den ersten Schock, ihre eigene Identität und das Unverzeihliche.

Sie ist 38 als Jennifer Teege in der Hamburger Zentralbücherei durch die Bücherregale geht. Zufällig findet sie ein Buch, das ihr Leben ändert. Auf dem Titelbild sieht sie ein bekanntes Gesicht: Ihre leibliche Mutter. Der Titel: “Ich muss doch meinen Vater lieben, oder?”.  Sie schaut sich das Werk genauer an – es geht um Amon Göth, den Mörder; Amon Göth, ihr Großvater.

Familiengeschichte

Teege war in einem Kinderheim und später in einer Adoptivfamilie aufgewachsen – über ihren leiblichen Großvater wusste sie kaum etwas. Erst durch den Fund des Buches erfährt sie, wer und was er war und dass er zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat. Dieses Wissen stürzt sie zunächst in ein tiefes Loch. Auch stellte sich ihr die Frage, ob sie Amon Göth nun als ihren Großvater oder als historische Figur betrachten solle. Diesen Amon Göth, der KZ-Kommandant, dessen Sadismus durch den Film „Schindlers Liste“ einem Millionenpublikum vor Augen geführt wurde. Sie beginnt sich über ihren Großvater zu informieren und die Familiengeschichte aufzuarbeiten. So reist sie beispielsweise nach Krakau um das Haus zu sehen, in dem Amon Göth lebte. Teege berichtet, dass sie im Leben ihres Großvaters nach einer Erklärung gesucht hat, wie er zu dem wurde, der er war – ohne Erfolg. Für ihn und seine Taten hat sie kein Verständnis.

Das Leiden der Zweiten Generation

Es wird jedoch nicht nur der Großvater thematisiert, sondern auch ihre Mutter und

DIe Tochter eines Nigerianers kann ihrem Großvater nicht verzeihen

Die Tochter eines Nigerianers kann ihrem Großvater nicht verzeihen

Großmutter. Erstere, weil sie Teege die familiäre Vergangenheit verschwieg und den Kontakt zu ihr mehrfach abbrach. Zweitere, weil Teege sie als Kind sehr mochte. Besonders das Verhalten der Mutter wog schwer. „Der erste Schock war nicht, dass Amon Göth mein Großvater war, sondern, dass meine Mutter mir nichts gesagt und mich verleugnet hat“, erklärt Teege. Diese scheint unter dem Wissen über den eigenen Vater bis heute schwer zu leiden. Das sei laut Teege ein typisches Symptom in der „zweiten Generation“, der Generation, deren Eltern den Nationalsozialismus erlebt haben und zum Teil zu Tätern wurden. Da sie nun weiß, wie sehr ihre Mutter unter ihrer Vergangenheit leide, könne Teege mittlerweile besser verstehen, dass sie mehrfach den Kontakt zu ihrer Tochter abbrach. Die Mutter ist im gesamten Buch ein zentrales Thema.

Zwiespalt

In einem letzten Abschnitt widmet sich Teege ebenfalls noch einmal ihrer Großmutter. Sie beschreibt, wie sie ein Interview mit ihr gesehen hat, das für eine Dokumentation geführt wurde. Noch Jahrzehnte später scheint ihre Großmutter nichts zu bereuen. Teege beschreibt den Zwiespalt in dem sie sich befindet. Einerseits mag sie ihre Großmutter, andererseits kann sie die Mittäterschaft nicht verstehen. Am Ende bleibt die Frage, ob ihre Großmutter zu mögen bedeutet, die Taten ihres Großvaters zu ignorieren. „Ich hätte gerne einen anderen Großvater, aber immer wieder gerne diese Großmutter“, zieht sie schließlich ihr Fazit.

Erinnerungskultur und eigene Vergangenheit

Abseits der Lesung werden auch Themen, wie die heutige Erinnerungskultur an diesem Abend thematisiert. „Es ist erstens sehr wichtig, um den Opfern Respekt zu zollen“, findet Teege, „Und zweitens, weil es Menschen gibt und davon immer mehr, die den Holocaust leugnen, als Zeugnis.“ Dabei sei es jedoch nicht nur wichtig über die Vergangenheit zu sprechen, sondern auch Wege zu finden, dass sich Genozide in Zukunft nicht mehr wiederholen. Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und Identität hält Teege für sehr wichtig. Sie selbst litt lange Zeit an Depressionen und habe diese erst durch die Lüftung und Verarbeitung des Familiengeheimnisses überwinden können. Teege ist der Meinung, man könne vor der Vergangenheit nicht davonlaufen. Man solle aber auch niemanden dazu drängen darüber zu sprechen, der das nicht möchte. Sie selbst hat auch ihren Kindern bereits berichtet, wer ihr Großvater war.

Artikel und Fotos von Tatjana Döbert

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14 Jun

Mit dem Schlammbeiser durch die Geschichte Gießens

Schlammbeiser Peter Meilinger, hat sich das historische Wissen zu seinen Führungen selber angelesen.

Schlammbeiser Meilinger hat sich das historische Wissen zu seinen Führungen selber angelesen

Es ist ein heißer Sonntag im Juni, trotzdem steht ein Mann mit schwarzer Kappe und rotem Halstuch auf dem Kirchenplatz. Eine bunt gemischte Gruppe aus Studenten, Familien und Senioren hat sich um ihn herum versammelt. Die Teilnehmer der Gießener Stadttour richten all ihre Aufmerksamkeit auf Peter Meilinger, den “Schlammbeiser”.

Es ist nicht Karneval, sondern der Beginn einer historischen Stadtführung. Meilinger hat sich, trotz der Hitze, ganz in Schlammbeiser Art gekleidet: Mit einem roten Halstuch, einem weißen Hemd und darüber eine braune Weste. Bei sich trägt er einen Eimer. Neben ihm steht das Denkmal seines historischen Vorbildes Wilhelm Westbrock, der in den Händen eine Eisenstange zum Leeren der mittelalterlichen Aborte hält. Neben ihm steht ebenfalls ein Eimer für die schmutzigen Abfälle.

Braunes Häufchen

Von den Straßen Gießens geht es hoch hinaus über die Dächer der Stadt und die 172

Na, was das wohl ist?

“In Gießen gibt es mehr zu entdecken als man denkt”, Meilinger beantwortet gerne alle Fragen

Stufen der ehemaligen Wasserburg hinauf. Der Schlammbeiser stapft mit großen, schwarzen Stiefeln voran. Oben angekommen sind Jung und Alt aus der Puste, aber es hat sich gelohnt.

An die Michaeliskapelle angeschlossen war der Wehrturm des mittelalterlichen Gießens. Eine schnelle Einsatztruppe war in der Burg stationiert, um die Stadt vor den wiederkehrenden Angriffen von Räuberbanden zu schützen. Alle lauschen gebannt diesen spannenden Erzählungen. Da holt Meilinger plötzlich ein braunes Häufchen aus seinem Blecheimer und verkündet, dass die Stadt zu

dieser Zeit zum Himmel gestunken habe, sein anschauliches Beispiel erzeugt schallendes Gelächter, das an den Wänden der Kirche wiederhallt.

Heute kann man allerdings ohne Angst auf den Turm steigen und die schöne Aussicht auf

Gießen kann so schön sein - von oben

Gießen kann so schön sein – von oben

Gießen genießen. Von hier oben sieht man die jüdische Synagoge, das alte Zeughaus und gleich daneben den botanischen Garten, der der Älteste in Deutschland ist.

Rauf und Runter

Nach dem Abstieg folgt die sommerlich gekleidete Gruppe, auf der Spur des ursprünglichen Gießener Stadtwappens, Meilinger in die kühlen Gewölbe des Leib´schen Hauses hinunter. In dem schwach beleuchteten Raum ist in einer Ecke das Wappen mit einem geflügelten Löwen zu sehen. “Eigentlich gehört das Wappen an unser Rathaus und nicht in ein Museum”, findet der Stadtführer. Zustimmendes Gemurmel ist im dicht gedrängten Publikum zu hören.

Viele bekannte Persönlichkeiten

Als die Teilnehmer blinzelnd ins grelle Sonnenlicht hinaus treten, scheinen sie erleichtert. Über eingelassene Stolpersteine im Boden, die an prominente Aidstote erinnern sollen, geht es zum alten Hotel “Zum Einhorn”. Da wo heute eine moderne Bank ist, war im 19 Jahrhundert ein glamouröses Hotel. Hier stiegen bis zum zweiten Weltkrieg viele bekannte Persönlichkeiten der Geschichte ab. “Hier sind berühmte Leute wie Wilhelm von Preußen, Theodor Heuß oder Justus Liebig gewesen”, erklärt Meilinger und stülpt seine Daumen zufrieden in die Knopflöcher seiner Jacke.

Original Aufnahme eines Schlambeisers

Der Original-Schlammbeiser Wilhelm Westbrock in seiner Arbeitskleidung und mit Holzkarren

Als das kleine Grüppchen sich schließlich vor einem unscheinbaren Hauseingang hinter der Schlammbeiserstatur versammelt, deutet Meilinger auf ein kleines Schild über der Tür. “Anstatt eines Denkmals hat Elias Metschikof, der Nobelpreisträger für Immunbiologie, nur das kleine Schild hier bekommen”, bedauert der Schlammbeiser.

Sein Publikum jedoch, das bis zuletzt fast vollzählig geblieben ist, hat Meilinger nicht enttäuscht. Ringsherum schauen ihn lächelnde Gesichter an und interessierte Nachfragen gibt es bis zum Schluss. “Ich fand die Stimmung die ganze Zeit sehr schön, weil Herr Meilinger jede unserer Fragen beantworten konnte und die Tour an so vielen interessanten Orten war”, freut sich die 21 jährige Studentin Pia aus Bad Hersfeld.

Für Stadtführer Meilinger heißt es jetzt raus aus den warmen Stiefeln und erst einmal den Durst löschen, denn sein Mund ist durch das viele Erzählen ganz trocken geworden.

Interessiert an Gießener Geschichte – dann schaut mal hier.

 

Artikel und Fotos: Kim Melina Hornickel

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05 Mai

Die Geschichte des Stöffchens

Prost! Sarah, Pia und Janna genießen den Apfelwein an schönen Frühlingstagen im Freien.

Prost! Sarah, Pia und Janna genießen den Apfelwein an schönen Frühlingstagen im Freien.

Am 5. Mai findet in Gießen das erste Apfelwein-Kulturfest statt. Solche Feste gibt es in Hessen zuhauf, ist das Stöffche doch quasi Nationalgetränk. Doch auch weit außerhalb der Grenzen unseres schönen Bundeslandes wird Apfelwein konsumiert. Höchste Zeit also sich die Geschichte des Stöffchens mal genauer an zu sehen.

Bereits die alten Griechen und Römer sollen gewusst haben, dass man aus Äpfeln Wein herstellen kann. Vorerst setzte sich jedoch der klassische Wein aus Trauben durch – auch in unseren Breitengraden. Im Umkreis Frankfurts florierte der Weinanbau – bis im 15. Jahrhundert die „kleine Eiszeit“ einbrach. Das Klima veränderte sich und die Weinreben gediehen nicht mehr. Apfelbäume hielten dem Wetter besser stand und so setzte sich nach und nach der Apfelwein in Hessen durch. Deutschlandweit wurde das beliebte hessische Getränk durch die Sendung „Zum Blauen Bock“ bekannt, die 30 Jahre den hessischen way of life ins ganze Land brachten.

Andernorts gab es alkoholische Getränke aus Äpfeln jedoch schon wesentlich früher. Im 11. Jahrhundert bauten die Basken die erste Kelter und stellten damit ein Getränk her,  das sie „zagardua“ nannten. Hauptsächlich wurde es zunächst von Fischern als Mittel gegen Skorbut getrunken.  Mit der Zeit gelangte das Getränk nach Frankreich, wo es „cidre“ genannt wurde. Von Wilhelm dem Eroberer schließlich wurde es nach England gebracht, wo es als „cider“ bekannt wurde. Apfelwein war und ist also international.

Dies zeigt auch die 2014 entstandene Seite weltapfelweintag.de. Dort zeigt eine Weltkarte, dass das Stöffche keineswegs nur in Deutschland konsumiert wird, sondern auch im Rest Europas, den USA oder Australien.

Böse Zungen aus hessenfremden Regionen behaupten, Apfelwein sei das, was erst nach dem 7. Glas zu schmecken anfängt. Wer es also ein bisschen süßer mag, sollte es mit Orangen- oder Zitronenlimonade mischen.

Böse Zungen aus hessenfremden Regionen behaupten, Apfelwein sei das, was erst nach dem 7. Glas zu schmecken anfängt. Wer es also ein bisschen süßer mag, sollte es mit Orangen- oder Zitronenlimonade mischen.

Und so vielfältig wie die Nationen, in denen er getrunken wird, ist auch der Apfelwein selbst. Deshalb passt er laut Sonja Slezacek und Steffen Ball vom Verband der Hessischen Apfelwein – und Fruchtsaft-Kelterein e.V. auch zu allen möglichen Gerichten und ist überall zu finden. „Sowohl in der klassischen Apfelweinkneipe, in einer Szenebar als auch im Gourmet-Restaurant“, erklärt Slezacek und führt weiterhin aus, dass das Stöffche mittlerweile alle Zielgruppen erreicht habe.

Seit 2013 hat das Traditionsgetränk nun auch seinen eigenen Feiertag: Den Welt-Apfelwein-Tag. Ins Leben gerufen wurde dieser von Mitgliedern des Verbandes der Hessischen Apfelwein – und Fruchtsaft-Kelterein e.V. Auf der zugehörigen Internetseite können sich Kelterer, Wirte, Händler und natürlich auch alle anderen Apfelweinliebhaber vernetzen und austauschen.

Am 3. Juni, dem Welt-Apfelwein-Tag, soll es dann weltweit zahlreiche Aktionen und Events geben. Sonja Slezacek und Steffen Ball sind sich sicher, dass der Tag ein Erfolg wird. Immerhin konnte die Facebookseite des Welt-Apfelwein-Tags bereits zwei Tage nach ihrer Gründung 1000 Fans verzeichnen.

Typischerweise kommt der Apfelwein direkt aus dem Bembel. Mittlerweile ist das Stöffchen aber auch in der Flasche erhältlich - und schmeckt!

Typischerweise kommt der Apfelwein direkt aus dem Bembel. Mittlerweile ist das Stöffchen aber auch in der Flasche erhältlich – und schmeckt!

Am 3. Juni soll es aber auch um das Thema Naturschutz gehen, da: „Apfelweintrinker indirekt Naturschützer sind.“, wie Slezacek verrät. Denn die Äpfel für den Apfelwein werden traditionell auf Streuobstwiesen angebaut, die auch weiterhin erhalten bleiben sollen. Schließlich sind sie die Heimat für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Durch die Ernte der Äpfel zur Weiterverarbeitung kann dieser Lebensraum erhalten bleiben.

Es gibt also viele gute Gründe das Stöffchen zu feiern – so wie am 5. Mai auf dem Open-Air-Kino-Gelände in Gießen.

 

Ein Bericht von Tatjana Döbert

Fotos von Kim Melina Hornickel

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21 Feb

Mit 80 Leuten im “Hinterzimmer”

12752215_1150289688337980_897147150_oNoch 315 Meter bis zum gewünschten Zielort. Zumindest zeigt dies die Navigationsapp auf dem Smartphone an. Und tatsächlich – nach über einer Woche Rätselraten, wo das heutige Konzert stattfinden wird, ist es geschafft. Der Austragungsort endlich enthüllt. Wenige Schritte weiter meldet sich das Navi wieder: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, bestätigt es anerkennend. Das „Ziel“ ist eine kleine, aber außergewöhnliche Bar in der Gaußstraße 4 im Frankfurter Nordend. „Das Hinterzimmer“. Doch noch geheimer als der Austragungsort ist die Frage, welche Künstler am heutigen Sonntagabend eigentlich auftreten werden.

Wenige Meter vor der Tür des „Hinterzimmers“ stehen bereits einige junge Leute. Sie reden aufgeregt miteinander, zu verstehen sind nur ein paar Gesprächsfetzen. „Ich habe so etwas noch nie vorher gemacht“, sagt ein groß gewachsener junger Mann, der ein rotes Karohemd trägt. Nicht zum ersten Mal entsteht der Eindruck, einer Sekte beitreten zu wollen oder mitten in einem Agentenfilm gelandet zu sein, in dem das Opfer mit Hilfe moderner Technik zu seinem Mörder gelotst wird. Doch spätestens nachdem der sympathische blonde Kerl am Eingang einen schönen Abend wünscht und einen Haken hinter den Namen auf seiner Liste macht, sind alle Zweifel vergessen. Hinter der dunklen, schweren Tür warten zahlreiche geladene Gäste sehnsüchtig darauf, dass das ungewöhnliche Konzert endlich losgeht. Doch wer genau hat eigentlich geladen? Diese Frage wird von Jens Lickert, dem blonden Türsteher, beantwortet: „Wir von Sofar Sounds Frankfurt wünschen allen Anwesenden einen tollen Abend, bei dem die Musik im Mittelpunkt steht.“

12746257_1150289785004637_1984699371_nDas Konzept für Sofar Sounds wurde 2010 in London von Rafe Offer und Rocky Start ins Leben gerufen. Die beiden begrüßten zwar die Fülle an Ausgehmöglichkeiten, doch störte sie die Tatsache, dass vor allem vielen Musikern während ihrer Auftritte nicht mehr das Maß an Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, das sie eigentlich verdienen. Laute Gespräche, Geräusche des Barbetriebes oder Gäste, die sich lieber mit ihren Smartphones ablenken, beeinflussen Konzerte jeglicher Art negativ. Also hat das Duo beschlossen, etwas dagegen zu tun: „Sie haben Freunde und Musiker zu sich nach Hause eingeladen, um zu gewährleisten, dass die Interpreten und ihre Musik im Vordergrund stehen. So kam es letztendlich zur Gründung von Sofar Sounds. Denn Sofar steht für Songs from a room“, fügt Marius Bracke, der Manager von Sofar Sounds Frankfurt, hinzu. Mittlerweile gebe es das Format in über 180 Städten weltweit, doch das Motto sei nach wie vor dasselbe. „Deshalb gibt es auch die secret shows, bei denen wir nicht öffentlich bekannt geben, wer wann wo auftritt“, erklärt der junge Manager, der selbst Musiker ist. Außerdem sollen somit Spannung und Abwechslung gesteigert werden.

Anspannung liegt vor dem Auftritt der ersten Band in der Luft. Kein Wunder bei etwa 80 Zuhörern im „Hinterzimmer“. Die Bar selbst ist kaum größer als ein durchschnittliches Wohnzimmer. Die deutschsprachige Band „Miller“ spielt die ersten Töne und augenblicklich herrscht fast andächtiges Schweigen im Raum. Ein Großteil der Gäste sitzt im Schneidersitz rund um den roten Teppich, auf dem die Künstler spielen. Die Texte und Melodien der Songs sind eingängig und kommen irgendwie bekannt vor. Es hat den Anschein, als würde jeder im Raum mit seinen Fingern oder Füßen mitwippen. Da passt es auch perfekt, dass Leadsinger Nico den nächsten Song mit den Worten „Dieser Song ist irgendwie für immer“ ankündigt.

In der Nähe der Bar sitzt ein kuschelndes Pärchen. Beide kommen aus Portugal. In der Pause erzählen sie, dass sie zwar kein Wort verstehen, aber trotzdem irgendwie erahnen können, um was es in den Liedern geht. Sie heißt Anna und ist 28, ihr Freund Luis und sie reisen gerade durch Deutschland. Sofar Sounds kennen sie schon von zu Hause und sind hellauf begeistert. „Deshalb suchen wir auch immer nach solchen Konzerten in den Ländern, durch die wir reisen. So kommen wir schnell in Kontakt mit unterschiedlichen Menschen. Es ist so schön, dass uns die Musik zusammenbringt“, sagt Anna.

Solokünstler Nico Laska ist zum zweiten Mal bei Sofar Sounds dabei. Der 19-Jährige ist ein großer Fan der intimen Atmosphäre, die bei diesen privaten Shows entsteht. Er ist der Meinung, dass die Musiker so eine viel bessere Verbindung zu ihrem Publikum herstellen können. Es sei einfacher, die Zuhörer zum Mitmachen zu animieren, was zu einer unvergleichlichen Stimmung führe. Das sieht auch die Politikstudentin Julia so. „Ich bin schon bei mehreren Konzerten dieser Art gewesen und immer wieder begeistert. Es ist total relaxed hier und wir sind alle auf der gleichen Ebene.“ Außerdem gefalle ihr, dass sie selbst keine Fotos und Videos machen müsse, da das Organisationsteam von Sofar Sounds mit allem Equipment ausgestattet sei und die Resultate später auf Facebook hochlade.

Für die richtige Atmosphäre sorgt jedoch nicht nur das entspannte Verhältnis zwischen Interpreten und Publikum, sondern auch die Location selbst. Denn „Das Hinterzimmer“ ist ein echter Hingucker mit seiner alternativen Inneneinrichtung. Zum Einen gibt es die moderne Bar, mit zahlreichen gängigen Spirituosen und ihrer bunt beleuchteten Installation. Zum Anderen die teilweise schwarz tapezierten Wände oder die rustikal wirkenden Backsteine, die mit Bilderrahmen ohne Bilder verziert sind. Außerdem dekorieren uralte Telefone mit Wählscheibe und umfunktionierte Weinkisten den Raum, in dem alles wie zufällig zusammengewürfelt aussieht. Und doch hat es den Anschein, als sei jedes Detail gewollt ungewollt platziert worden. Man kommt sich ein bisschen wie in einem Museum vor.

„Die Jungs sind ja der Hammer“, stellt Holger Charak, der Barbesitzer, in dem Moment fest, als die Londoner Band „Itchy Teeth“ die Bühne betritt. „So richtig oldschool. Ein bisschen wie die Beatles würde ich sagen.“ Das anfängliche Mitwippen hat sich mittlerweile in richtiges Tanzen und Mitsingen verwandelt. Zumindest in den hinteren Reihen und vor allem hinter der Bar. „Wer hätte gedacht, dass die Jungs mit den Fellmützen und bunten Sonnenbrillen so einen Sound drauf haben?“ Holger schließt die Augen. Sein ganzer Körper bewegt sich zur Musik. In diesem Augenblick scheint er nicht nur Barkeeper, sondern ebenfalls Gast zu sein. Für ihn als Musikliebhaber sei es selbstverständlich seine Bar, zur Verfügung zu stellen, um solche Abende ermöglichen zu können.

12773360_1150289848337964_556045111_o„Just enjoy the music.“ Julia, Anna, Luis, Holger und die 80 anderen Gäste bekräftigen, dass das Motto der Bewegung Früchte trägt. Genau das wünschen sich die Veranstalter von Sofar Sounds. Deshalb ist es auch Voraussetzung, sich auf der Homepage zu registrieren. Danach müssen die Bewerber abwarten, ob sie eine Einladung erhalten. 24 Stunden vor dem Konzert wird eine Mail verschickt, in der die Adresse bekannt gegeben wird. „Wir verhindern damit, dass Leute kommen, die nicht auf der Gästeliste stehen“, sagt Marius. Der Besuch der Veranstaltungen an sich ist kostenlos, lediglich die Getränke müssen gezahlt werden.

Kurz vor Schluss holt Gästekoordinator Jens Lickert einen schwarzen Hut hervor. „Wir überlassen es jedem von euch, ob er etwas spendet. Wir würden uns aber sehr freuen, denn so sind wir in der Lage, den jeweiligen Interpreten die Anreise zu ermöglichen und die Konzerte zu veranstalten“, sagt er mit einem ernsten Gesichtsausdruck.

Ganz schön exklusiv alles. Und wofür? Für einen unvergesslichen Abend der gemeinsamen Hingabe zur Musik. Vielleicht sind ja jetzt doch alle Sektenmitglieder.

Eine Reportage von Mona Förder

Fotos von Carina Hinterkircher

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