17 Mai

Kennst du schon Hessen? – Teil 2

Klar, es ist nervig und teuer – am Ende des Semesters heißt es wieder: Bitte überweisen sie den Semesterbeitrag. Der Großteil des Geldes, genau 129,56 Euro, gehen dabei für das Semesterticket drauf. Doch das lohnt sich: So günstig kommt man sonst nie wieder durch ganz Hessen. Wo ihr mal vorbeischauen und dabei was besichtigen und essen solltet, das zeigen wir euch in unserer Serie: Heute geht es nach Wetzlar.

Sightseeing

„Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe – ein Werk, durch das sich sicherlich viele in ihrer Schulzeit „quälen“ mussten. Was die wenigsten allerdings wissen: Ursprung nahm die Geschichte direkt vor unserer Haustür – in Wetzlar. Auf den Spuren von Goethe kann man auch heute noch in Wetzlar wandeln, ob auf eigne Faust oder mit einer Kostümführung.
Doch nicht nur mit Goethe kann sich Wetzlar rühmen, die Stadt gilt darüber hinaus als Optikstadt, was nicht zuletzt an den vielen bekannten Optikfirmen, wie Leica liegt, die dort angesiedelt sind. In dem Optikmuseum – Viseum – ist die komplexe Technik aufbereitet. In der Innenstadt sind zudem kleine Stationen aufgebaut, an denen man spielerisch verschieden optische Phänomene nachvollziehen kann.

 

Essen

Die ganze Innenstadt ist gespickt mit Restaurants und kleinen Bäckereien, die bestimmt alle Geschmäcker abdecken. Die kleinen Cafés laden zum gemütlichen Frühstücken ein.

 

Nachtleben

Im Sommer lässt sich das Abendlebend in Wetzlar ganz besonders genießen – an der Lahn werden dann Weindörfer aufgebaut, in denen man gut versacken kann. Ein echter Geheimtipp – egal bei welchem Wetter – ist das Café Vinyl am Schillerplatz. Die alten Schallplatten an der Wand sorgen für eine gemütliche Atmosphäre und verschiedene Konzerte und Veranstaltungen lassen keinen Abend langweilig werden.

 

Bericht und Fotos von Franziska Brungs und Luisa Kreiling

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11 Mai

Kennst du schon Hessen? – Teil 1

  • Marburg
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Klar, es ist nervig und teuer – am Ende des Semesters heißt es wieder: Bitte überweisen sie den Semesterbeitrag. Der Großteil des Geldes, genau 129,56 Euro, gehen dabei für das Semesterticket drauf. Doch das lohnt sich: So günstig kommt man sonst nie wieder durch ganz Hessen. Wo ihr mal vorbeischauen und dabei was besichtigen und essen solltet, das zeigen wir euch in unserer Serie: Heute geht es nach Marburg

 

Sights:

Unweit vom Bahnhof befindet sich die Elisabethkirche. Obwohl bereits von Außen imposant, lohnt es sich einen Blick in das Innere des gotischen Baus zu werfen.

Von hier aus sind es nur noch wenige (steile) Schritte in die Oberstadt, deren schmale Straßen und Gassen eine Flut an Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants bieten. Der Aufstieg hoch zum Landgrafenschloss ist mühsam, doch entschädigt die Anstrengung mit wundervollen Ausblicken. Wenn das Wetter mitspielt ist ein Spaziergang im Schlosspark eine gute Idee. Dort befindet sich auch das Open-Air Kino.

Essen:

Egal ob Pizza, Pasta, Burger oder hessische Landesküche; es ist nicht

In Marburgs Altstadt befinden sich so manche Bars und Cafes

schwierig in Marburg etwas Essbares nach seinem Geschmack zu finden. Vor allem die Oberstadt wimmelt voll attraktiver Bistros und Restaurants. Als Dessert oder für Zwischendurch eignet sich im Sommer ein extra großer Becher in einer der vielen kleinen Eisdielen.

Nightlife:

Marburgs Oberstadt ist bekannt für ihre Kneipenkultur. Es wäre unsinnig eine Kneipenempfehlung abzugeben, einfach hingehen und ins Bier stürzen sollte die Empfehlung lauten.

 

Bericht und Fotos von Isabella Pianto

 

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23 Aug

Omonia – Ein Spaziergang durch die Unterwelt

Graffitis in Athens Unterwelt

Graffitis in Athens Unterwelt

Die Polizisten schlagen den Kopf des Mannes gegen eine Holzplatte und halten ihn an Armen und Beinen fest. Es ist laut. Hunderte von Menschen eilen vorbei; an der Gewalt stört sich niemand. Eine Beamtin schreit dem Mann ins Ohr. Ich muss meinen Blick abwenden und auf meine Füße achten, denn ich befinde mich in einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkten Athens, unter dem Omonia Platz, dem Eingangstor zu den Multi-Kulti-Vierteln. Bis zum Bau der Linie 2 und 3 war dies der einzige Halt der U-Bahn im Stadtzentrum. Die Rolltreppe, die mich am anderen Ende der Unterführung wieder auf den Platz befördern soll, war die erste ihrer Art im Metronetz Athens. Angenehm kühle Abendluft schlägt mir entgegen und ich lasse den Gestank der Metro unter mir. Ich finde mich auf einer riesigen Verkehrsinsel wieder. Eine schier endlose Schlange an Autos kreist um den Platz. Dabei fällt eine Formation besonders auf: eine Armada von Motorradpolizisten. Ein einschüchterndes Aufgebot. Zu wessen Schutz, zu wessen Jagd? Ich verlasse den Platz und laufe auf die Akropolis zu, die erst bei Tageslicht zur Besichtigung ansteht. Nach einem kleinen Schock, den das schäbige Hotelzimmer in den dreckigen Winkeln von Omonia bot, wollte ich nun ein gutes Restaurant mit Akropolis-Blick besuchen, das mir wärmstens empfohlen worden war. Bill Clinton soll hier schon gegessen haben. Mein Hunger hält sich beim Anblick verwahrloster Obdachloser in Grenzen. Überall sitzen und liegen sie, betteln, streiten sich lauthals. Prostituierte werben schamlos um Kundschaft. Junkies schleichen zwischen den Touristen  und flüstern ihre Angebote gerade noch verständlich vor sich her: „Marihuana, Coca, LSD…“ Ich winke ab.

Schmelztiegel illegaler Einwanderer

Omonia, das ist ein Schmelztiegel illegaler Einwanderer, die überwiegend aus Afrika und Asien in die Stadt kommen und auf der Straße leben; manche konnten eines der vielen leerstehenden Gebäude direkt am Platz besetzen. Einst schlug hier das geschäftige Herz der Hauptstadt, jetzt lassen die geschlossenen Hotels die einstige Pracht des Platzes nur noch erahnen. „Nirgendwo ist der Niedergang unseres Landes so sichtbar wie auf dem Omonia Platz“, erklärte mir ein Barkeeper am Abend zuvor. Aber sind es nur wirtschaftliche und finanzielle Probleme? Die griechischen Medien mengen noch ein anderes Problem bei, und nun leuchtet mir das Polizeiaufgebot ein. Es ist kein Fußballspiel, keine anstehende Demo an diesem Freitagabend zu erwarten. Es ist der Alltag: Der Kampf gegen die Kriminalität. Vor mir offenbart sich ein fragwürdiges Schauspiel: die „Jagd um den Block“. Afrikanische Dealer unterhalten sich an jeder Ecke hektisch über ihre Handys mit ihren Pushern, geben Warnungen, im nächsten Moment geraten sie selbst ins Visier und rennen ins Dunkel. Ein Teil der Motorradkolonne setzt sich ab und rast hinter her. Auch die Prostituierten haben sich angepasst: Absätze werden nicht getragen. Sie könnten schnell ins Gefängnis führen, denn nur mit sportlichen Schuhen hat man hier eine Chance auf Flucht. Auch die Damen vom Straßenstrich sind permanent in Bewegung. Rennen von Gasse zu Gasse, vom Gesetz gejagt.

„Where can we find Weed?“

Erstaunt und erschüttert wende ich mich von dem Treiben ab und setze meinen Weg fort, raus aus Omonia. Die breite Straße führt mich zu meinem Ziel. Graffitys färben das Mauerwerk, bereichern Türen und Garagentore. Durch das Licht der Laternen wirken die Wandmalereien beinahe surreal. Zeugnisse einer breiten Jugendkultur. Und tatsächlich: es sind hauptsächlich junge Menschen zu sehen. Kein Dealen mehr, keine Polizei – ein Urlaubsort. Ich speise in dem Restaurant, in dem Clinton speiste und ziehe weiter. Bergauf erstreckt sich ein belebter Park voller junger Leute und Straßenkünstler. Ein älterer Herr spielt auf seiner Klarinette, während sein Hund jaulend dieselben Töne zu treffen sucht. In Gedanken verloren lausche ich den Klängen und betrachte dabei den Tempel der Tempel, den Inbegriff einer altehrwürdigen Kultur, aus einem Moloch herausragend, einem Meer von Dächern, triumphal beleuchtet aus allen Winkeln. „Where can we find Weed?“ Ich blicke zu meiner Rechten. Die Szenerie weicht meiner Neugierde auf die Antwort der Frage, die zwei junge Kerle einem Mann stellen. Der deutet in die Richtung, aus der ich herkam. „In Omonia you will find some, but do not go over there now! It’s dangerous..“ Unschlüssig überlegt der Mann, scheint für und wider abzuwägen und gibt den beiden schließlich etwas aus seinem Privatbesitz, als würde er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können, die zwei in die Unterwelt zu schicken.

Prostitution: AIDS in Athen

Auf meinem Rückweg zum Hotel hatten sich die Straßen geleert. Die Nacht war angebrochen und für die meisten verlagert sich jetzt das Treiben in die Bars und Clubs der Seitenstraßen. Anders sieht es auf dem Omonia Platz aus. Hier scheint es erst nachts richtig zur Sache zu gehen. Die Jagd ist in vollem Gange, das Chaos im Dunkeln perfekt. Eben noch beeindruckt von den Errungenschaften des antiken Athens, folgt die Ernüchterung: ein Ort, an dem unterschieden wird zwischen legalen und illegalen Menschen, an dem Gewalt, Drogen und Krankheiten sich zu einem Teufelskreis entwickeln; gleich dem Kreisverkehr, den die Rücklichter der Autos wie einen wild gewordenen Feuerkreisel erscheinen lassen. Überall verteilt die Drogenhilfe saubere Nadeln, die von den Abhängigen entgegen genommen werden. Manch einer nutzt diese Hilfe aus, um sich finanziell zu bereichern und verkauft sie direkt weiter. Andere beschweren sich, dass die Nadeln zu kurz seien, um sie sich in die Oberschenkelvene zu jagen, was unter Abhängigen üblich ist. Doch neben den Infektionsgefahren unter den Junkies stellt die explosionsartig ansteigende Zahl der Prostituierten eine gesundheitliche Gefahr für die einheimische und ausländische Bevölkerung dar. Epidemieartig verbreiten sich nicht nur Syphilis und Gonorrhoe, sondern auch AIDS. Laut dem Bürgermeister von Athen hat die unkontrollierbare Zunahme der Prostitution 1.500% überstiegen. Nur ein einziges der 700 Bordelle in Athen habe eine Genehmigung. Auf unterschiedlichsten Sprachen bietet man mir Sex an, nach Herkunft haben die leichten Damen ihren eigenen Strich, in Omonia stehen hauptsächlich Frauen aus dem ehemaligen Ostblock. In einer Seitenstraße ertönen Sirenen, Handschellen klicken. Die Käufer konnten mit ihrer Ware noch entkommen, für den Dealer war es das letzte Geschäft.

Ich laufe die außer Betrieb stehende Rolltreppe hinab durch das Tor von Omonia. Dumpf schallt von oben das Brummen des Verkehrs herunter. Einem am Fuße der Treppe liegendem Bettler werfe ich ein Münzstück zu, als hätte ich in ihm den Fährmann gesehen, der mich sicher auf die andere Seite des Styx geleiten soll. Die Unterführung ist jetzt leer. Die Sperrholzplatte, die eine  Glasscheibe ersetzen soll, lehnt an der Wand. In Kopfhöhe eine blutige Druckspur. Was mir jedoch eine Stunde zuvor durch die Menschenmassen entgangen war, prägt sich jetzt umso stärker ein: unmittelbar neben der zerstörten Glasvitrine leuchtet die Werbung einer Reisegesellschaft, die sich an Besucher aus aller Welt richtet: „You are Welcome!“

 

Reportage und Foto von Enrico Schierer

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30 Jun

Die Obdachlosen von Phnom Penh

KambodschaKambodscha. In einem der ärmsten Länder der Welt, das von seiner Geschichte noch tief verwundet ist, werden die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft immer wieder das Ziel von Gewalt und Diskriminierung. Eine unbeachtete Geschichte.

Es ist ein heißer Nachmittag im Januar in den Straßen Phnom Penhs. David sitzt samt seines ganzen Hab und Guts auf dem Gehweg der Preah Ang Eng Street, in der Nähe des National Museums. Er denkt an seine Kinder. Was diese jetzt wohl machen? Wo sie grade sind? Ob sie ihn vermissen…

Kambodscha 1

Das berühmte National Museum in Phnom Penh. David schläft nur wenige Meter entfernt.

Zwei Westler laufen an ihm vorbei, ein Junge und ein Mädchen. Er spricht sie an und lädt sie dazu ein sich auf den Teppich zu ihm zu setzen. Sein Englisch liegt weit über dem kambodschanischen Durchschnitt und hat einen leichten amerikanischen Akzent. Das liege daran, dass er fünfzehn Jahre in den USA gelebt hätte, erzählt er ihnen. Mit Unglauben schauen die beiden ihn an. Doch dann zeigt er ihnen seinen amerikanischen Führerschein. Soeun Khom ist sein richtiger Name.

Als junger Migrant in den Staaten gründete er eine Familie mit drei Kindern, ein Junge und zwei Mädchen. Es war schwierig ihnen das Leben zu ermöglichen das sie verdienten und bald geriet David in eine Bande. Er wurde kriminell, seine genauen Delikte bleiben sein Geheimnis, jedoch führten sie dazu, dass er aus den USA ausgewiesen und zurück nach Kambodscha geschickt wurde. Seitdem hat er wegen des Einreiseverbots seine Kinder nicht mehr gesehen.

Es ist ein hartes Leben, dass er nun führt. Ein paar Decken und ein Sack voll Sachen, das ist alles was David heute besitzt. Manchmal kommt die Polizei spät nachts und „räumt“ die Obdachlosen von der Straße. Dann werden ihnen alle ihre Besitztümer weggenommen und sie werden in Camps gebracht. „Boot Camps“ bezeichnet sie David. Erst vor zwei Wochen sei ihm das widerfahren, doch er hatte Glück und konnte aus dem Camp fliehen. Dabei verletzte er sich am Fuß und nun ist dieser dick angeschwollen. Er hat Schmerzen beim laufen, doch Geld für eine Salbe oder Medizin besitzt er nicht.

Kambodschas Trauma

Als 1975 der kommunistische Diktator Pol Pot und seine Roten Khmer an die Macht kamen, begann das wohl dunkelste Kapitel der kambodschanischen Geschichte. Innerhalb von nur vier Jahren wurde etwa ein Viertel der Bevölkerung ausgelöscht. Es war ein Genozid roher Gewalt von dem beinahe jede Familie betroffen war. Die Roten Khmer hatten es besonders auf die intellektuelle Elite abgesehen.Wer sich  weigerte als Bauer auf dem Land zu leben, fand ein grausames Ende auf den Killing Fields. Wer sich des Verrats verdächtig machte, wurde im Tuol Sleng Gefängnis in Phnom Penh zu Todegefoltert.

Aus den Massengräbern der Killing Fields geborgene Schädel.

Aus den Massengräbern der Killing Fields geborgene
Schädel.

Pol Pot wollte die Uhr tausend Jahre zurück drehen, zur goldenen Zeit Angkors. Seine   Truppen zerstörten jedes Anzeichen von Modernisierung in dem Land, was dazu führte,  dass die Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit beinahe komplett einbrach. Kambodscha hat sich von dieser Vergangenheit bis dato nicht erholt. Das ist nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass der von der regierenden Partei Cambodian Peoples Party gestellte Premier Minister Hun Sen ein ehemaliger Kommandeur der Roten Khmer ist.

Heute ist Kambodscha eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Etwa 40 Prozent der 15 Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Allein in der Hauptstadt Phnom Penh leben mehr als 180 000 Menschen in so genannten informal settlements und etwa 20 000 Kinder, die Meisten davon Waisen, leben auf der Straße. Nicht selten werden diese schutzlosen Kinder zu Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Denn Sextourismus ist ein großes Geschäft in dem kleinen Süd-Ostasiatischen Land und ohne Fahndung fürchten zu müssen, kommt so mancher Westler genau für diese Kinder nach Phnom Penh.

Kaum Mitgefühl

Obwohl sich in den letzten zwei Jahrzehnten bereits viel verbessert hat (die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 40 auf 70 Jahre gestiegen), nicht zuletzt wegen des Touristen-Booms den das ehemalige Angkor Königreich seit wenigen Jahren erfährt, steht Kambodscha immer wieder in der Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Vor allem der politische und gesellschaftliche Umgang mit Kranken und Schwachen lässt sehr zu wünschen übrig. In dem Land in dem man sich im Falle eines medizinischen Notfalls ernsthaft überlegen sollte nicht lieber schnell nach Thailand rüber zu reisen als sich in einem der hiesigen „Krankenhäuser“ vielleicht noch etwas Schlimmeres einzufangen, herrscht nur sehr bedingt Mitgefühl für die geschätzt jährlich 800 von Landminen verstümmelten Mitbürger. Das liegt an dem extrem weit verbreitetem Buddhismus und dem damit verbundenem Karma-Glauben. “Man bekommt was man verdient”, so denken hier viele. Ist ein Mensch also geistig Behindert, verkrüppelt oder obdachlos, dann ist er selbst daran schuld, weil er in seinem vorherigen Leben Schlechtes vollbracht hat und jetzt dafür bestraft wird.

So wird auch David oft von Leuten behandelt, respektlos, als wäre er ein schlechter Mensch. Deswegen redet er gerne mit Touristen, die denken anders.

Staatliche Folter

Die Boot Camps von denen David seinen neuen Freunden erzählt werden von offizieller Seite als Opportunity Centers bezeichnet und stehen immer wieder international in der Kritik. Die kambodschanische Regierung behauptet die Center dienen der Behandlung und Rehabilitierung von Drogenabhängigen. Doch in Wahrheit werden, besonders während öffentlichen Events und staatlichen Feierlichkeiten, Müllsammler, psychisch Kranke und Obdachlose (unter ihnen sogar Kleinkinder) von den Phnom Penh Sicherheitsbeamten gegen ihren Willen in diese Center gebracht. Dort gibt es dann nicht genug Nahrung und kein sauberes Wasser. Berichten zufolge geben die Center in der Regel nicht einmal 50 USD Cents pro Tag für die Verpflegung der Insassen aus. Noch viel skandalöser sind jedoch Berichte über Missbrauch und Folter, die Journalisten regelmäßig erreichen. Ehemalige Insassen erzählen, oft unter Tränen, von Schlägen mit Bambusstöcken. Sie werden behandelt wie Tiere, sagen sie.

Laut Human Rights Watch befinden sich etwa 2 000 Kambodschaner in diesen Center, die unter anderem Elektroschocks, Peitschenhiebe, Zwangsarbeit und militärartigen Drills ausgesetzt sind.

Aufeinander aufpassen

Eine Hauptstraße in Phnom Penh

Eine Hauptstraße in Phnom Penh

David ist stolz darauf, dass er aus eigener Kraft aus dem  so genannten Center hatte fliehen können und nicht wie seine Partnerin hatte warten müssen bis sie sie wieder frei ließen. Sie nähert sich langsam und kraftlos der kleinen Runde und legt sich in Fötus-Haltung auf den Teppich. David deckt sie sofort fürsorglich mit einer Decke zu,trotz 35 Grad im Schatten. Ich hab mir so Sorgen um sie gemacht.“ sagt er in seinem makellosen Englisch. „Wir kennen uns jetzt schon eine Weile und passen aufeinander auf. Manchmal bleibe ich nachts wach um sicher zu gehen, dass ihr nichts passiert. Wir achten hier alle aufeinander. Jeder hat Angst, dass   nachts die Polizei kommt und uns mitnehmen will.“ Seine magere Freundin zittert unter ihrer Decke und atmet schwer.

David legt beruhigend seine Hand auf ihre Schulter und streichelt sie während er den zwei jungen Westlern weiter seine Geschichte erzählt. Als er auf seine Familie zu sprechen kommt, steigen ihm Tränen in die Augen. Er hat den Kontakt zu seinen Kindern schon vor langer Zeit verloren. Er besitzt kein Telefon, keinen Computer und schlimmer noch: Er zweifelt daran, ob seine mittlerweile erwachsenen Kinder überhaupt Kontakt mit ihm wollen würden. „Ich liebe sie so sehr und vermisse sie jeden Tag. Manchmal frage ich mich ob sie ihren Dad auch vermissen. Ich weiß, dass alles meine Schuld ist und ich sie so oft enttäuscht habe.“ erzählt er und wird dabei immer trauriger. Er fängt an zu schluchzen und wischt sich seine großen, tief schwarzen Augen mit einem Tuch trocken. Nichts würde er sich mehr wünschen als sie zu sehen.

Seine Hoffnung ist, dass sie ihn eines Tages Vergeben und nach Kambodscha kommen um ihn zu besuchen. Er wird hier auf sie warten. Zwei Freunde von David stoßen zu der kleinen Runde dazu. Sie haben Selbst-gebrannten dabei und David packt Gläser aus. „Erweist ihr uns die Ehre?“ fragt er während sein Freund bereits einschenkt. Mit großem Respekt vor diesem bemerkenswerten Mann heben die zwei Westler ihre Gläser hoch und kippen den Schnaps runter.

Auf David.

 

Bericht und Fotos von Isabella Pianto

 

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12 Dez

Jan Peter

IMG_0216100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges drehten die ehemaligen Kriegsgegner Groß-Britannien, Frankreich, Russland und Deutschland einen Film über die “Ur – Katastrophe” des 20. Jahrhunderts.
“14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs” war und ist noch immer die erste gesamteuropäische Kooperation – der Regisseur, ein Deutscher. Eine Herkulesaufgabe? UNIversum fragt nach. Weiterlesen

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