12 Jan

„Wer gehen kann, kann auch historisch tanzen“

DSC00152neuNach Unterwasserrugby nun der zweite Teil unseres AHS-Sportarten-Tests. Diesmal verschlägt es uns ins tänzerische Mittelalter, oder besser gesagt in die Krofdorfer Mehrzweckhalle zum Historischen Tanz, wo sich unsere Redakteurin Tatjana Döbert der Sache annahm.

Beim Training der historischen Tanzgruppe werde ich von Tänzern in allerlei Gewandungen empfangen. Da wirbelt das lange, violette Kleid mit den weiten Ärmeln, dort schnürt einer seine mittelalterlich anmutenden Lederschuhe. Zwischen den anderen stolziert Robin Hood – so zumindest sieht ein Mann in grünem Wams und federbesetztem Hut aus. Eine Dame probiert verschiedene Hauben passend zum Kleid an. Etwas entfernt wird bereits das zweite Gewand anprobiert. Nicht zu lang soll es sein. Die Tänzerin darin soll sich ja noch bewegen können. Immer wieder betrachtet sie sich selbst in der spiegelnden Fensterscheibe.

An diesem Abend herrscht hektische Betriebsamkeit. Die Tänzer proben für einen bevorstehenden Auftritt und tragen deshalb alle ihre Gewandungen. Diese passen zwar nicht immer zur Epoche des Tanzes, doch für Auftritte sei es wichtig, dass alle Gewänder trügen, berichtet Thomas, einer der Tanzleiter. „Oft haben wir hier mehr Frauen als Männer“, erzählt Anja, eine weitere Leiterin, mir, „da muss die Frau auch mal die Männerschritte tanzen können.“ Sie selbst trägt Männerkleidung: Ein dunkles Wollhemd und dunkle Hosen. Obwohl die Gruppe auch im Unisport vertreten ist, sehe ich Teilnehmer von 20 bis 40 Jahren.

Die Anzahl der Tänzer schwanke immer wieder, sagt Anja mir. An diesem Abend kommen fünf Paare zusammen, die gemeinsam tanzen werden. Während sich die Damen auf der einen und die Herren auf der anderen Seite des Raumes jeweils in einer Reihe aufstellen, komme ich mir etwas verloren vor. Schließlich nimmt Thomas sich meiner an und erklärt mir, wie der folgende Tanz, der „Pavane“ genannt wird, funktioniert.

DSC00162neu„Ein Schritt nach rechts, ein Schritt nach links und dann drei nach vorne“, führt er mir vor. So weit so einfach. Thomas berichtet mir noch, dass der Tanz aus der Renaissance stammt und auf Bällen dazu diente sich selbst und den Partner oder die Partnerin zu präsentieren. Dann reihe ich mich ein und warte, bis mein Mann und ich an der Reihe sind. Er nimmt meine Hand und ich hoffe, dass ich links und rechts nicht verwechsele. Die anderen tanzen mit erhobenem Haupt, während mein Blick am Rücken meines Vordermannes klebt und ich versuche die richtigen Schritte zu machen.

Nach dem Tanz steige ich zunächst wieder aus, da die Stammtänzer sich direkt in den nächsten Tanz namens „Oranges and limons“ übergehen. Dabei kann ich nicht mitmachen, ohne die Schritte zu kennen. Fasziniert beobachte ich wie leichtfüßig die Tänzer über den Boden schweben, sich mal miteinander, mal allein im Kreis drehen. So würde ich auch gerne tanzen können. Thomas sagt mir später, dass die Tänzer bei diesem Tanz in zwei Gruppen eingeteilt sind, die nicht miteinander tanzen dürfen. So tanzen „oranges“ nur mit anderen „oranges“ und „limons“ nur mit anderen „limons“

Auch beim dritten Tanz setze ich aus. Er heißt „Old wife behind the fire“, benannt nach einer Figur, die darin vorkommt. Dieses Mal stehen sich die Paare in zwei Reihen gegenüber. Gemeinsam mit der Musik beginnt der Tanz. Dabei tauschen immer zwei Paare miteinander die Plätze. So geht es weiter, bis jedes Paar einmal an jeder Stelle in der Reihe getanzt hat. Ich blicke bei diesem Tauschspiel auch nach einigen Wiederholungen nicht ganz durch und bin tief beeindruckt vom Können der Tänzer. Schließlich war ich schon bei der „Pavane“ angespannt gewesen. Wie hätte ich da jemals bei diesem Tanz mithalten können?

Als die anderen eine Pause machen, bringt Thomas mir die Schritte für den letzten Tanz, den „Black Almaine“ bei. Aufeinander zugehen, wieder trennen, in die eine Richtung schreiten, dann wieder zurück…Ich bin nicht sicher, ob ich das in der Gruppe schaffen werde, doch ich will unbedingt noch einmal mittanzen. Die Tänzer stellen sich diesmal in einem inneren und einem äußeren Kreis auf. Innen stehen die Herren, außen die Damen. Es wird eine bestimmte Schrittfolge getanzt, bevor man den Partner wechselt. Ich stehe einmal mehr zwischen all den erfahrenen Tänzern und habe gefühlt die Hälfte der Schritte schon wieder vergessen. Und tatsächlich erinnere ich mich im ersten Versuch nicht an eine der Figuren im Tanz und muss von meinem Partner angeleitet werden. Danach werde ich jedoch mit jedem Partnerwechsel besser und ich habe wirklich Spaß am Tanzen.

Zum Abschluss tanzen noch einmal alle zusammen einen einfachen Tanz, bei dem vorher die Schritte erklärt werden. So kann auch ich wieder mit den anderen tanzen.

Anjas Motto hat sich bewahrheitet. Zwar wurde heute für einen Auftritt geprobt und ich konnte nicht bei allen Tänzen mitmachen, doch mit etwas Übung sind die Schritte sicher leicht zu bewältigen.

Für mich war es eine schöne neue Erfahrung und vielleicht kann ich auf dem nächsten Mittelaltermarkt dann auch ein wenig tanzen…

Eine Reportage von Tatjana Döbert

 

Servicetext:

Standort: Dorfgemeinschaftshaus in Gleiberg

Preis: entgeltfrei

Kurszeiten: Anfänger und Fortgeschrittene: Mi: 20:00-21:30

Ausrüstung: Alltagskleidung mit bequemen Schuhen genügt

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