Allein unter Tausenden – Wenn Studierende einsam sind

Dieser Beitrag entstand als Projekt im Rahmen einer universitären Übung. Durch verschiedene Erfahrungen anderer Studierender, die mit mir geteilt worden sind, sah ich die Möglichkeit, so eine Problematik anzusprechen, welche präsenter und aktueller zu sein scheint, als es den allgemeinen Anschein hat. Es ist der Wunsch vieler Studierender gewesen, ihre Erfahrungen zu teilen und ich hoffe, so kann ein Raum geschaffen werden, in dem der Austausch miteinander mehr Platz gewinnt. 

Ein leerer Hörsaal in einer deutschen Universität. Es riecht muffig und die Neonleuchten surren. Einzelne Studenten sitzen in den Bänken, sie haben Kopfhörer in den Ohren und tippen auf ihren Laptops herum. Ich setze mich neben ein Mädchen und tippe sie an: „Hey, wie geht es dir? Darf ich mich setzen?“ frage ich sie. Sie mustert mich stumm und setzt ihre Kopfhörer wieder ins Ohr.

Ich wage heute einen Selbstversuch. Wie ist es, einsam in der Uni zu sein? Einem Ort, voll, geradezu überladen mit den verschiedensten Menschen verschiedenster Gesinnungen und Ansichtsweisen? Ist das überhaupt möglich? Wie allein kann man in einer großen Universität schon sein? Sehr allein, wie ich an diesem Tag herausfinden sollte.

Vorbereitend spreche ich mit meinen Freunden aus der Uni: „Tut bitte einen ganzen Tag so, als würdet ihr mich nicht kennen. Ignoriert mich ruhig.“ Ich ernte unglaubwürdige Blicke, kann aber allen das Versprechen abgewinnen, unsere Freundschaft für einen Uni-Tag lang auszusetzen. Ich behaupte von mir selbst, eine Person zu sein, die schnell Anschluss findet, Ich bin ein offener, kommunikativer Mensch, der ohne Schwierigkeiten auf Leute zugehen kann. Vielen Einzelgängern wird nachgesagt, das eben nicht zu sein, was zur Frage führt: Ist es also möglich, überhaupt niemanden zu haben? So richtig glauben kann ich es nicht und versuche so unvoreingenommen und positiv wie möglich zu sein.

„So langsam wird mir unwohl, denn ich habe das Gefühl, dass die Leute mich anstarren.“

Trotz meines negativen ersten Erlebnisses will ich mich nicht entmutigen lassen und setze mein Experiment fort. Ich wandere durch die Gänge, kaufe mir einen Muffin und setzte mich an einen Tisch. Um mich herum viele Kommilitonen an Tischen, die schwatzen und lachen. Hier und da immer wieder einzelne Leute, teilweise lesend, teilweise auf ihr Smartphone starrend. So langsam wird mir unwohl, denn ich habe das Gefühl, dass die Leute mich anstarren. Ich habe im Gegensatz zu meinen Kommilitonen nicht mal mein Smartphone auf dem Tisch liegen. Früher ging man vor die Tür, um zu rauchen, damit man nicht so einsam aussieht, heute ersetzt man das durchs Starren aufs Smartphone.

Irgendwann stehe ich auf, um in meine Vorlesung zu gehen und dann fange an zu googeln: „Wie finde ich Freunde an der Uni?“, „Einsamkeit Universität“ oder „Anschlussfinden in einer neuen Stadt“. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Gutgemeinte Ratschläge wie „Einfach durchhalten und offen sein :)“, „bei manchen dauert’s länger“, „Geh doch mal zu einer Party!“ oder „Hochschulsport ist da ne gute Sache!“ überfluten mich. Aber was mache ich, wenn ich eben der offenen, motivierten Sportskanone nicht entspreche? Oder Uni-Partys nichts für mich sind?

Auch andere Studenten haben sich zu diesem Thema Gedanken gemacht. Die Studierenden der Universität Göttingen haben genau zu diesem Thema einen Kurzfilm verfasst, der viele Leute zu Wort kommen lässt und deren Facette von Einsamkeit thematisiert. Auch hier zeigt sich wieder deutlich: Einsamkeit ist ein hochschulübergreifendes Problem, mit dem verschiedenste Persönlichkeiten zu kämpfen haben und dem sich deutlich zu wenig angenommen wird.

Einsamkeit, sich Allein fühlen- Alltag an deutschen Hochschulen

Quelle: WikiCommons

Als ich nach diesem langen Tag nach Hause komme, grüble ich über die Erfahrungen anderer Studenten. Wie kann es sein, dass ein Massensystem so viele Menschen herausfiltert? Kurz entschlossen setzte ich einen Jodel ab. Jodel, eine Studenten-App, ist seit ihrem Aufkommen vor gut anderthalb Jahren ein Massenkommunikationsmittel der Studenten. Egal, ob Fragen zur Haushaltsführung, Kontakten oder Dozenten- bei Jodel gibt es von Studenten für Studenten anonyme Antworten zu allen Themenbereichen. Es dauert nicht lange und auch ich werde mit Antworten überhäuft, die eindeutig sind: Viele haben diese Erfahrungen gemacht, die mich durch meinen Tag gejagt hat. Sie fühlen sich einsam in einer Masse, wissen nicht wohin mit sich. Viele berichten, sich auch noch nicht so gut in der Stadt zurechtgefunden zu haben oder, dass durch den ganzen Lernstress keine Möglichkeiten gegeben sind, einfach mal so auf Partys zu gehen.

„Zuhause bin ich ein offener Mensch!“

Viele der anonymen Jodler möchten sich sogar mit mir treffen, um über das Problem und ihren Alltag zu sprechen. Eine von ihnen ist die 20-jährige Lena*, die im 4. Semester auf Lehramt studiert. Wir verabreden uns in einem Café, damit sie mir berichten kann: „Ich weiß einfach nicht, woran es liegen könnte. Zuhause habe ich einen großen Freundeskreis, ich bin ein sehr offener Mensch. Nur hier scheint sich dafür niemand zu interessieren.“ Sie seufzt und blickt sich um. Um sie herum laufen ihre Kommilitonen. Einige sitzen gemeinsam an Tischen, andere liegen im Sonnenschein auf Picknickdecken vor dem Gebäude. Obwohl deutsche Universitäten vor Studenten überlaufen sind, ist Lena kein Einzelfall im Hochschulsystem. Viele fühlen sich schlecht integriert und wissen nicht, wie sie sich richtig hineinfinden sollen, nicht nur in das komplizierte Bachelor- und Mastersystem, sondern auch in das soziale Uni-Leben.

Dass sich viele deutsche Studenten einsam fühlen, ist ohne Zweifel. Im „Studierendensurvey“, einem Forschungsbericht der Universität Konstanz für das Bildungsministerium für Bildung und Forschung zu sozialen und psychologischen Themen im Studium, wurden 7590 Hochschüler befragt. Auch hier zeichnet sich ein klares Bild, welches Michael Ramm, Mitglied der dafür verantwortlichen Forschergruppe in einem Gespräch mit „Spiegel Online“ beschreibt: „Fast die Hälfte der Studierenden fühlt sich nur auf Leistung reduziert, ein Drittel vermutet, dass es niemandem auffallen würde, wenn sie plötzlich fehlten. Und jeder Siebte hat bei Studienproblemen überhaupt keinen Ansprechpartner, weder unter Kommilitonen noch unter Dozenten.“

„Die Türen sind immer zu.“

Ich stelle mir die Frage, wie man Einsamkeit überhaupt definiert. Ist das, was ich als einsam empfinde, das, was andere fühlen? Mich interessiert, wie Studenten Einsamkeit definieren. Das frage ich Timon*, der wie ich Geschichts- und Kulturwissenschaften studiert. Für ihn ist es eher das Gefühl, wenn man die Uni verlässt und sich auf den Heimweg begibt: “Ich habe in der Uni in jeder Veranstaltung Leute, die ich kenne und neben die ich mich setzen kann. Aber das sind für mich alles flüchtige Bekannte. Wenn ich nach Hause gehe, bin ich einsam.“ Er wohnt im Studentenwohnheim und kennt dort kaum jemanden: „Die Türen sind immer zu.“

Auch Yildiz* geht es ähnlich. Sie arbeitet zusätzlich neben der Uni, um sich das Studium zu finanzieren: „Entweder sitze ich in den Veranstaltungen oder hetze zur Arbeit. Für soziale Kontakte hätte ich gerne mehr Zeit. Ich glaube, ich habe den richtigen Moment verpasst, Freunde zu finden.“ Wenn sie abends auf ihrem Bett sitzt, fühle sie sich einsam und vor allem selbstverantwortlich: „Ich könnte mehr Kontakte knüpfen und will es auch, aber ich stehe wie vor einer Glaswand und schaue mir die Anderen an. Da ist keine Möglichkeit, ich weiß selbst nicht warum, denn ich könnte ja eigentlich.“ Schnell wird mir klar, dass Einsamkeit viele Facetten hat und sich nicht nur auf die physische Präsenz in der Universität beschränkt.

Harter Konkurrenzdruck, wenig Zeit – die Ursachen sind vielfältig

Was ist die Lösung dieses Problems? Die Lösung ist schwierig, denn es gibt sie nicht. An jeder Hochschule in Deutschland gibt es Beratungsstellen, die den Studenten in Notsituationen, aber auch in kleinen Alltagsproblemen zur Seite stehen. Jedoch nehmen laut der am Anfang schon vorgestellten HISBUS-Studie 58% der Befragten diese nicht in Anspruch und das obwohl 96 % der Befragten bei mindestens einem der angegeben Themenbereiche einen hohen Problemdruck angab, darunter 15% einsame oder sozial abgehängte Studenten. Dieses schwierige Umfeld führt oft zu Leistungseinbrüchen, beziehungsweise macht es noch schwieriger, mit dem Lernstoff klarzukommen und erfolgreich im Studium zu sein.
Auf mehrmalige Anfrage für ein Statement reagierte der Asta und die dazugehörige Beratungsstelle der Justus-Liebig Universität Gießen jedoch nicht.

Zusätzlich werden die Studenten in vielen Fachbereichen einem harten Konkurrenzdruck ausgesetzt, womit auch ich schon selbst habe Erfahrungen machen müssen. Während sich mein Medizin-studierender Freund später keine Gedanken über einen Job machen muss, graust es mir schon vor Bewerbungen für einen Masterstudienplatz und der Zeit nach dem Studium. Der Druck ist hoch, was passiert also mit jemandem der noch nicht weiß, wohin mit sich oder über wenig Selbstbewusstsein verfügt, um sich zu behaupten? Richtig, die Person schottet sich ab und fliegt im schlimmsten Fall aus dem System.

Lösungen? Fehlanzeige!

Insgesamt gibt es kein Erfolgsrezept für Geselligkeit im Studium, denn jeder ist unterschiedlich. Es gibt nun mal schüchterne und offene Leute, sportliche und unsportliche Leute und Leute, die sich schnell in Situationen einfinden können. Es gibt keine großen Studentenverbindungen mit griechischen Buchstaben, Ritualen, Shirts und einer großen Portion Teamgeist, die die „verlorenen Schäfchen“ aufsammeln könnten. Dieser „College-Spirit“ und das einhergehende Zusammengehörigkeitsgefühl ist nichts, was in Deutschland je Fuß gefasst hätte.

Auch die Tipps aus dem Internet helfen wenig, denn wenn jemand in so eine Situation kommt, braucht es Zeit und Kraft und die hat nun mal nicht jeder. Aber vielleicht ist schon ein paar Leuten geholfen, wenn kommunikative Kommilitonen nach links und rechts aus ihrer „Peer-Group“ schauen und diese tolle Charaktereigenschaft nutzen, indem sie sich in der Mensa mal neben jemanden setzten, der einsam isst bzw. einsam aussieht. Damit möchte ich nicht die Betroffenen aus der Pflicht nehmen, denn es hängt immer von zwei Leuten ab. Manche mögen das Einsamsein und deren Privatsphäre ist zu respektieren. Aber den ersten Schritt für jemanden zu tun, der schüchtern ist, ist meiner Meinung nach eine tolle Sache.

Als ich aus dem Hörsaal gehe, drehe ich mich noch einmal kurz um und sehe, dass mich das Mädchen, das mich eben abgewiesen hat, direkt anschaut. Es ist still und die Neonleuchten surren, der grüne Linoleumboden quietscht unter meinen Schuhen bei jedem Schritt. Ob sie sich wohl wünscht, anders reagiert zu haben? Oder ist sie wohl froh, dass ich einfach weggegangen bin? Ich verlasse den Hörsaal und nehme mir vor, sie anzulächeln, wenn ich sie nochmal sehen würde. Vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag.

 

Danielle Dörsing




Auf der Suche nach Stabilität, Perspektive und unserer Hochschulpolitik

Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017.

Fazit-zur-Bundestagswahl-2017-Vollständige-Antworten-der-HGs

Sechs Parteien sind in den Bundestag und zehn Wochen ins Land gezogen. Seit dem 24. September regiert die Bundestagswahl die Nachrichten: Volksparteien verlieren Stimmen des Volkes, eine blaue Welle strömt erstmals in den Bundestag und Sondierungsgespräche scheitern. Zahl und Intensität der Ereignisse gehen nicht spurlos an den hochschulpolitischen Gruppen vorbei, die zwar Unabhängigkeit betonen, aber Kontakt mit ihren Mutterparteien pflegen.

Hochschulpolitik? Wo bist du?

Der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und die Jusos sind sich einig: Die Parteierwachsenen vernachlässigen bildungspolitische Themen. Das Thematisieren der „Digitalisierung der Hochschulen“, „Reformierung der Studienplatzvergabe im Studiengang Humanmedizin“, von „BAföG“ und „bezahlbarem Wohnraum“ hat der Nachwuchs vermisst. Ob lediglich der „öffentliche Diskurs“ fehlte (RCDS) oder dem „konservativen Lager“ Diskussionsverweigerung vorwerfen kann (Jusos) – darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.
Für die Liberale Hochschulgruppe LHG ist es hingegen durch ein Mitglied möglich gewesen, sich mit einem Finanzierungskonzept zur Lehre einzubringen und blickt gespannt darauf, was die wichtigere Landtagswahl für die Justus-Liebig-Universität bringt. Ihre Kollegen waren auch nicht untätig: Der RCDS unterstützte den Tür-zu-Tür-Wahlkampf der Union, die Jusos engagierten sich ebenfalls durch Hausbesuche und Wahlkampfstände für die SPD. Und nebenbei konnte die eine oder andere Gruppe den entsprechenden Spitzenkandidaten (Martin Schulz, Christian Lindner) zu einem Besuch in Gießen überreden. Bei einem Mensa-Café sind da vielleicht manche Erinnerungen an die Hochschulzeit und Bildungspolitik zurückgekommen.

Stabilität für die Regierung

Während die LHG Zufriedenheit mit dem Abschneiden der FDP ausdrückt, wartet der RCDS mit seiner Einstellung zum Ergebnis auf die Koalition, vor allem nach dem Abbruch der Sondierungsgesprächen über eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grüne: „Wir betrachten den Abbruch der Sondierungsgespräche als sehr kritisch. Ziel der Wahl sollte eine schnelle und vor allem stabile Regierungsbildung für Deutschland sein und nicht, nach dem Ergebnis parteipolitische Machtspielchen öffentlich durchzuführen“ (RCDS). Dabei verlässt sich die junge Generation auf die Gespräche des Bundespräsidenten und spekuliere aufgrund der „Wankelmütigkeit der SPD“ nicht über ausstehende Optionen wie eine Minderheitsregierung.
Die Jusos plädieren jedoch genau auf diese Minderheitsregierung: „Diese hätte die Chance, die Bedeutung des Parlaments und die politische Debatte in Deutschland wieder zu stärken. Rufe nach Neuwahlen zeugen aus unserer Sicht genauso wenig von staatsbürgerlicher Verantwortung wie die Idee einer neuen großen Koalition“ (Jusos). Nach dem unbefriedigenden Wahlergebnis sei es „unausweichlich, sich im Inneren zu erneuern“, und hierbei möchte die jüngere Generation mitwirken. Daneben beschäftigt sie die Gefahr einer Einführung von Studiengebühren in anderen Bundesländern ohne Regierungsbeteiligung der SPD.
Die sozialdemokratische Familie steht vor Herausforderungen, einer Menge Arbeit und sucht sich selbst; die Christdemokraten suchen einen Partner zur Bildung einer stabilen Regierung.

Perspektive für Menschen mit Ängsten und Sorgen

Nicht zuletzt wirkt das Wahlergebnis der selbsternannten Alternative für Deutschland (AfD) für beide hochschulpolitischen Gruppen alarmierend. Die als rechtspopulistisch bezeichnete Partei ist zum ersten Mal mit nahezu 13% in den Bundestag eingezogen, nachdem sie in der letzten Bundestagswahl noch an der 5%-Hürde scheiterte. Wie gehen Politiker*innen und die Gesellschaft mit diesem neuen und unliebsamen, aber demokratisch anzuerkennenden WG-Bewohner um? Die Ängste und Sorgen der Bevölkerung müsse man ernstnehmen (RCDS), Politik müsse Perspektive bieten und das Engagement gegen Rechts erhöht werden (Jusos).

 Die vollständigen Antworten der hochschulpolitischen Gruppen zu den Fragen über die Bundestagswahl 2017 findet ihr hier. Von UniGrün und der Demokratischen Linken haben wir keine Rückmeldung erhalten.

Artikel von Lars Bepler
Bild: Der Bundeswahlleiter, Wiesbaden 2017




Auf einen Plausch in die 30er-Jahre

Buchkritik – Miss Pettigrews großer Tag von Winifred Watson

Manch erhitzenden Disput mit jungen Männern, Verständnis und gute Ratschläge für ihre neuen Freundinnen – das bringt Guinevere Pettigrew in die Londoner Nachtclubszene der 30er Jahre. Einen Tag lang begleitet die arbeitssuchende Gouvernante die Nachtclubsängerin Delysia LaFosse, deren Welt erfüllt ist von Partys, Seidenkleidern und drei Männern, die ihr Avancen machen. Vierundzwanzig Stunden voller Turbulenzen und Herausforderungen, die beide Damen unterhaltsam und spannend zugleich meistern und darüber hinaus eine tiefe Zuneigung füreinander entwickeln.
Der Roman „Miss Pettigrews großer Tag“ von Winifred Watson wurde bereits 1938 zum Bestseller und auch die Wiederveröffentlichung im Jahr 2000 war ein Erfolg. In allen Erzählungen der Britin überwinden die Hauptfiguren – allesamt Frauen – gesellschaftliche Grenzen und gelangen so zu einer zweiten Chance im Leben. Watson veröffentlichte noch fünf weitere Romane, am erfolgreichsten aber war und ist die Geschichte um Miss Pettigrew.
Die arbeitslose Gouvernante Guinevere Pettigrew wird durch ein Versehen der Arbeitsvermittlung zu der Sängerin Miss Delysia LaFosse geschickt. Deren Situation ist prekär, denn der erste ihrer Liebhaber liegt noch in ihrem Bett, während sie jede Minute die Ankunft des zweiten befürchtet. Kurzerhand zieht sie Miss Pettigrew in ihr Leben, hinein in den Wirrwarr um die Männer und bittet sie inständig um Hilfe. Miss Pettigrew ist zwar deutlich älter als Miss LaFosse, hat jedoch eine überaus tugendhafte und eher triste Vergangenheit, in der nicht ein Mann vorkommt. Doch durch die Hilflosigkeit der jungen Delysia berührt überwindet sie ihre eigene Zurückhaltung und wagt sich hinein in diese für sie neue Glamourwelt. Der Leser findet sich wieder im 30er-Jahre-Geplapper der Damenwelt – genau wie die Gouvernante mittleren Alters.
Durch teilweise kühne Dialoge mit zackigen Wortwechseln überspielt Miss Pettigrew zunächst ihre Unsicherheit, erlangt so aber auch rasch Ansehen bei den neuen Bekannten. Vertrauen, Offenherzigkeit und Freundlichkeit, wie sie ihr bisher nie entgegengebracht wurden, laden sie ein in ein völlig anderes Umfeld und sie fühlt sich darin zunehmend wohl.
Sie fügt sich äußerlich taff in diese neue Gesellschaft ein, die ihre vorige Sittentreue nicht gutgeheißen hätte. Durch die kurzen Einschübe ihrer Gedanken, in denen noch ihr tugendhaftes früheres Selbst spricht, bleibt jedoch eine gewisse Skepsis zu der neuen Welt erhalten. Kann es denn sein, dass fremde Menschen, die so ganz anders sind als sie selbst, ihr so freundlich und offen begegnen – einfach so? Der Leser spürt ihre Verwunderung gegenüber den Menschen um sie herum.
Eine Geschichte, die sowohl komisch als auch aufreibend ist. Hinter der Handlung steht Miss Pettigrews Mut, sich unter die Menschen zu trauen, denen sie in ihrem bisherigen Leben nur auf der Kinoleinwand begegnet ist, die sie aber immer heimlich bewundert hat. Für Miss Pettigrew zahlt es sich aus, sich Zufällen nicht zu verschließen und Neues zuzulassen.
Das Hin und Her zwischen Vorbehalten und dem Einfügen in eine Gruppe hält die Spannung aufrecht. Der Leser fragt sich, ob es die schüchterne Frau tatsächlich schafft, sich von Altem zu lösen und auf Neues einzulassen oder ob dieser eine Tag, einem Traum gleich, nur ein kleiner Abstecher in ein anderes Leben war.
Es ist der innere Konflikt einer Frau Mitte vierzig, die immer noch stark von den Werten ihres Elternhauses geprägt ist und die nun ein Leben erproben kann, das diese Werte nicht kennt. Hin und her gerissen zwischen Skepsis und Freude sind Leser und Hauptfigur. Dabei gelangt letztere an einen Wendepunkt und bekommt eine zweite Chance glücklich zu sein.
Die Zeitspanne, wie der Titel bereits verrät, ist kurz gewählt, wird der Erzählung aber gerecht. Trotz einer Fülle an bunten und lebhaften Eindrücken ist die Geschichte nicht zu langatmig. Der Unterhaltungswert flaut nicht ab und die Frage nach Miss Pettigrews Zukunft bleibt bis zum Ende spannend. Der gravierende Wandel, den sie erlebt, steht im Gegensatz zum Plauderton der dominiert. Aber es betont auch, dass sich Miss Pettigrew einer solchen Veränderung entweder ganz oder gar nicht hingeben kann.
Auch in einer kleinen Pause zwischendurch findet der Leser schnell in die Geschichte hinein, da der Verlauf linear und die Sprache mit zahlreichen nonchalanten Dialogen eingängig ist. Der Roman lässt den Leser Stimmung und Selbstverständnis der Frauen aus den 30er-Jahren erfahren. Angenehm leichte und amüsante Unterhaltung, um dem Unialltag ein wenig Glamour zu verleihen!
Das Buch findet ihr für 8,99 € hier.

Beitrag und Foto Maike Heimsoth




Ciceros Erben im Duell

Der römische Staatsmann Cicero gilt bis heute als einer der begnadetsten Rhetoriker der Antike und seine Schriften erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit – ganz bestimmt auch bei dem einen oder anderen Debattierfreund, der sich zum rhetorischen Kräftemessen zwischen Studis und Profs in die Aula der Justus-Liebig-Universität begeben hatte.

Thema: Verpflichtender Hochschulsport?

Vor den Augen von 200 hauptsächlich jungen Zuschauern bat der Georg-Büchner-Debattierclub Gießen drei Studierende und drei Professoren zur Neuauflage des DebattierDuells. Als Vertreter der Studierenden trafen Roxana Stein, Sören Rösel und Philipp Heilmann auf das  Professorentrio Prof. Corinna Dietl (Germanistik), Prof. Ingrid Miethe (Erziehungswissenschaft) und Prof. Adriaan Dorresteijn (Zoologie). Thema dieses Jahr: Soll der Hochschulsport für alle Studierenden verpflichtend sein?

Rhetorik auf hohem Niveau

Philipp Heilmann, Roxana Stein, Sören Rösel (hinten), Ingrid Miethe, Cora Dietl, Adriaan Dorresteijn (vorne, v.l.n.r.)

Während die Studierenden „die gebeugten Studenten wiederaufrichten“ wollten, warnten die Professoren vor einer „Militarisierung der Unis“ – es entwickelte sich eine mitreißende Debatte.  Müsse man in Zeiten vollgepackter Stundenpläne Studierende nicht zum Abschalten beim Sport zwingen, damit diese sich vom anstrengenden Lernalltag erholen könnten? Bemängelt wurde dagegen angesichts schon jetzt überfüllter Kurse im Hochschulsport die fehlende Wahlfreiheit bei der Auswahl der Sportart und die zugespitzte Frage wurde in den Raum gestellt: „Wann war denn das letzte Mal, als Sport verpflichtend war?“ Die Studierenden hielten dagegen, man würde „durch Sport quasi ein neuer Mensch.“ Das Schlusswort gebührte dann Dorresteijn: „Frische Luft ist zwar schön, aber nur wenn das Wetter gut ist!“

Wie begeistert das Publikum vom pointierten Schlagabtausch war, zeigte sich bei der Schlussabstimmung: Mit einem Spitzenwert von über 100 Dezibel applaudierte der Saal, knapp unter der Lautstärke eines Presslufthammers. Der Applaus galt der Leistung der Professoren, die wie schon im vergangenen Jahr die meisten Zuhörer besser von ihrer Position überzeugen konnte.

Von den rhetorischen Fähigkeiten einer Dame war die Ehrenjury ganz besonders beeindruckt: Prof. Ingrid Miethe sicherte sich die Auszeichnung als beste individuelle Rednerin. Das Fazit des Organisators fiel dann auch rundum positiv aus: „Wir haben eine tolle Debatte und einen lustigen Abend erlebt“, so Drewes.

 

Wer Lust bekommen hat, selbst einmal beim Debattierclub vorbeizuschauen: Der nächste Termin ist am Dienstag um 18 Uhr im Juridicum, HS 021. Weiter Infos auf der Homepage des Debattierclubs

 

Artikel und Fotos von Christoph Görres




“Um das Debattieren populär zu machen”

Am Donnerstagabend ist es wieder so weit: Das DebattierDuell: Studis vs. Profs 2.0 steht an! Wir haben uns mit dem Präsidenten des Georg Büchner Debattierclub Gießen zusammengesetzt und Vasily Melnikov hat uns Rede und Antwort gestanden.

Universum: Ein Debattierklub – Wie läuft das ab?

Vasily Melnikov ist der Präsident des Gießener Debattierklubs. Der 29-Jährige studiert Osteuropäische Geschichte an der JLU.

Melnikov: Wir machen dort kleine Trainings, zum Beispiel eine „60 Seconds Übung“. Du sitzt dabei in einer Gruppe von einigen Leuten und der erste Redner kriegt ein Thema vorgegeben, zum Beispiel „Fahrradhelmpflicht einführen“ und dann ist es seine Aufgabe, 60 Sekunden lang zu reden ohne „ähm“ gesagt zu haben. Und wenn er das nicht schafft, dann muss der nächste die Gegenposition einnehmen und wenn er das auch nicht schafft, dann muss der Dritte wieder dafür sprechen und so weiter. Wenn du es hinbekommst 60 Sekunden lang ohne „ähm“ zu sagen, deine Rede zu halten, dann darfst du das nächste Thema bestimmen. Das ist etwas, das wir meistens am Anfang machen, vor allem mit neuen Leuten, damit sie merken, dass man durch solche kleinen Übungen schon seinen Redefluss verbessern kann.

UNIversum: Erzähl uns was über den Club.

Melnikov: Zu dem Club an sich, der Club wurde 2013 von Eva-Maria Aulich gegründet, das ist die ehemalige Leiterin vom Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften und Nicole Tamka vom Zentrum für Lehrerbildung. Es gibt deutschlandweit über 45 aktive Clubs. Es findet bald auch die deutsche Debattiermeisterschaft statt.

UNIversum: Ihr seid inzwischen ein eingetragener Verein, was war der Grund dafür und wie kann man sich das Vereinsleben vorstellen?

Melnikov: Die Intention dahinter war, das wir auch nach außen als Club anders wahrgenommen werden wollte, also nicht einfach als ein Zusammenschluss von Leuten, die ein bisschen Spaß haben wollen, sondern wir wollten uns professionalisieren. Wir haben uns vor allem dafür entschieden, einen Verein zu gründen, damit wir in erster Linie eine Struktur bekommen. Es gab auch davor schon Vorstände, aber wir wollten, dass der Vorstand gewisse Rechte und Pflichten bekommt. Wir haben Ressorts gebildet, zum Beispiel ein Finanzressort, PR oder „Socials“ – das sind die Leute, die für die Veranstaltungen außerhalb der Debatten zuständig sind und die unserer Reisen organisieren. Wir haben auch ein Ressort für Trainer – zum Beispiel kommt regelmäßig Lennart Lokstein zu uns, der Deutsche Debattiermeister 2015. Er wird übrigens auch beim diesjährigen Professorenduell Ehrenjuror sein.

UNIversum: Und wie viele Leute debattieren bei euch regelmäßig?

Melnikov: Es gibt einen harten Kern von ungefähr 12 Leuten, die regelmäßig zu Debatten kommen, die anderen schwanken immer von Semester zu Semester. Jetzt im Wintersemester waren durchschnittlich zwischen 15 und 18 Leuten bei unseren Debatten.

UNIversum: Im vergangenen Jahr habt ihr mit großem Erfolg das Debattierduell Studis vs. Profs ausgerichtet, wie seid ihr auf die Idee gekommen ?

Melnikov: Also viele andere Clubs in Deutschland machen dieses Format auch. Bei dieser Art von Debatte handelt es sich um eine Showdebatte, das heißt hier geht es darum, das Debattieren als Sportart populär zu machen. Ich war vor zwei Jahren beim Professoren-Duell der Marburger und wir haben uns dann gedacht, das machen wir jetzt auch!

UNIversum: Hat euch der Erfolg verwundert?

Erfolgreiche Premiere im vergangenen Jahr

Melnikov: Im letzten Jahr haben  sehr viel Kraft in die Werbung gesteckt. Wir haben ursprünglich gedacht, wenn 50 Leute kommen, dann sind wir schon zufrieden. Wir waren aber in der Aula im Hauptgebäude mit insgesamt 400 Plätzen und wenn doch nur 20 Leute gekommen wären, dann wäre uns das schon peinlich gewesen. Deswegen haben wir uns Stellwände besorgt, auf die wir dann haben Plakate geklebt und damit den vorderen Teil des Raumes abgegrenzt haben. Die ersten Leute kamen dann schon um 18 Uhr, eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Wir haben dann gemerkt, wir müssen die Stellwände wegstellen. Wir haben die erst einmal vier Reihen nach hinten gestellt. Es haben sich aber immer mehr Leute gesammelt und dann haben wir die Stellwände ganz weggeräumt. Wir hatten befürchtet, dass wenige Leute kommen und im Endeffekt waren 150 bis 200 Leute da – damit hatten wir nicht gerechnet und waren sehr froh, so viele Leute dabei gehabt zu haben.

UNIversum: Und dieses Jahr steht jetzt die Neuauflage an, habt ihr im Vergleich zum letzten Jahr irgendetwas geändert?

Melnikov: Wir haben neue Professoren! Letztes Jahr hatten wir Frau Klehe und Herrn Kersting von der Psychologie und Herr Wolters [Tierökologie, d. Red.], der für die „Elefantengedichte“ bekannt ist. Guck dir das mal an! Die Professoren haben sich dann auch eine sehr gute Debatte geliefert und dieses Jahr konnten wir Frau Dietl von der Germanistik gewinnen, Herr Vogel von der Philosophie und Prof. Dorresteijn von der Zoologie.

UNIversum: Soll das Debattierduell jetzt jedes Jahr stattfinden?

Melnikov: Ja! Das war auch letztes Jahr schon das Ziel, dass es zu einer jährlichen Veranstaltung werden sollte, weil das für den Bekanntheitsgrad des Debattierclubs und des Debattierens als Sportart an sich immens viel bringt.

UNIversum: Gucken wir ganz kurz in die Zukunft, es ist der 1. Juni 2017, 19.00 Uhr Aula der JLU. Was hoffst du in diesem Moment?

Melnikov: Ich hoffe, dass die ganze Arbeit sich gelohnt hat, die wir da reingesteckt haben, es steckt wirklich sehr viel Arbeit dahinter. Angefangen damit, dass wir Sponsoren finden mussten über das Catering, das Organisieren von Räumlichkeiten und Teilnehmern, Anschreiben von Ehrenjuroren und so weiter. Deswegen hoffe ich, dass es auf jeden Fall mindestens genauso gut besucht wird wie letztes Jahr!

 

Das Interview führte Christoph Görres

Fotos von Pauline Gauffre




Film ab! – Werke von Studenten im Kinocenter

Das Licht wird gedimmt, der Vorhang geht auf. Leichtes knattern gibt einem das Gefühl zurück in den 1950er Jahren zu sein. Vergilbtes Papier fliegt an der Leinwand auf und ab: „Zum Gedenken an die Opfer des 17. Juni 1953, „Ulbricht riegelt Ostberlin ab“, „Symbol der Einheit“ sind die Überschriften dieser Zeitungsartikel. Hier im Gießener Kinocenter starren die Zuschauer gespannt auf die Leinwand. Es handelt sich um den ersten der beiden Filme, die von Studierenden des Fachjournalistik Masters, im vergangenen Semester produziert wurden. Ihre Arbeiten wurden nun in einer rauschenden Premiere der Öffentlichkeit präsentiert.

Gießener DDR-Erbe

Der erste Film, produziert von, Anna-Lena Seibel, Marek Szabowski und Mariusz Szynalski und Jennifer Meina trägt den Titel „‘Wir wollen nach Gießen!‘ Eine vergessene Stadtgeschichte zwischen Ost und West?“. Thema sind die Menschen, die aus der DDR nach Gießen kamen und dort im Notaufnahmelager aufgenommen wurden. Es war seit der Nachkriegszeit von großer Bedeutung für die deutsch-deutsche Geschichte.

Ein Stück Berliner Mauer am Gießener Bahnhof

Im Film kommt immer wieder der Zeitzeuge Karl-Heinz Brunk zu Wort, der als junger Mann aus der DDR floh und in Gießen in das Aufnahmelager kam. Er erzählt von seiner Jugend in der DDR, von Erfahrungen mit der Stasi und seiner Flucht in den „Westen“. In Gießen angekommen geht es für ihn zuerst ins Aufnahmelager und von dort aus in sein neues Leben. Anfänglich mit nur wenig Geld ausgestattet, kann der selbsternnante „Bannanen-Esser-Freund“ sich dennoch eine Existenz aufbauen. Neben seinen Aussagen und denen weiterer Zeitzeugen und Historiker sind immer wieder Bilder von Gießen im Wandel der Zeit zu sehen. Diese lassen erkennen, wie sehr sich die Stadt in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

„Wir wollten das nicht vergleichen“

So nahe der Vergleich zur heutigen Flüchtlingsthematik lag, spart die Gruppe diese bewusst aus und entschied sich für eine historische Herangehensweise an die Flucht-Thematik. „Es gab schon immer diese Ambivalenz. Auf der einen Seite: ‚Ja, wir wollen diese Leute‘, auf der anderen Seite: ‚Es könnte da auch Probleme geben.“, erklärt Mariusz Szynalski. Zudem sei die Thematik „heute politisch anders aufgeladen“, ergänzt der Student.

Sinterklaas und Zwarter Piet

Im zweiten Film namens „Bittere Snoepjes-Bittere Süßigkeiten“ von Lea Berg, Karsten

Zwarte Piet

Köhler, Friederike Piotrowski und Christian Schmeink geht es um die niederländische Tradition Nikolaus zu feiern. Das geschieht dort wesentlich größer als hierzulande. „In Maassluis, das kann man sich vorstellen, wie den Kölner Karneval“, berichtete Christian Schmeink.

In den Niederlanden steht Sinterklaas, wie der Nikolaus dort heißt, nicht, wie in Deutschland, Knecht Ruprecht zur Seite, sondern der „Zwarte Piet“. Im Gegensatz zum deutschen Pendant ist der bei den Kindern überaus beliebt – nicht jedoch bei allen Erwachsenen. Viele Niederländer empfinden heute die Darstellung des Zwarten Piet mit schwarz bemalter Haut, roten Lippen und Lockenperücke als rassistisch. Andere dagegen halten es für eine harmlose Tradition.

Rassismus oder Kinderfest? 

Der Film fängt zahlreiche Stimmen zu dieser Kontroverse ein. Während viele Passanten es lediglich als ein harmloses Kinderfest sehen, kommt auch eine Dame zu Wort, die Mitglied der Gruppe „Kick out Zwarte Piet“ ist und fordert, dass der Knecht des Nikolaus in seiner jetzigen Form aus der Öffentlichkeit verschwinden soll. Historisch begleitet wird der Film von zwei Anthropologen, die versuchten die Entstehung der Figur des Zwarten Piet zu erklären. Auch Kinder dürfen im Film ihre Meinung kundtun. „Es war witzig. Die Kinder waren ganz wild darauf gefilmt zu werden“, erinnert Schmeink sich an die Dreharbeiten.

Der lange Weg zum fertigen Film

Nervös vor der Premiere waren einige der jungen Filmemacher – umso erleichterter waren sie, dass auf der Leinwand alles geklappt hat. “Technische Probleme waren unsere größte Sorge”, sagt Anna-Lena Seibel lachend nach der Vorführung. Begonnen mit den Arbeiten an ihren jeweiligen Projekten hatten die Gruppen bereits im Herbst vergan

Die jungen Filmemacher des Abends

genen Jahres. Unterstützt wurden sie von der Regisseurin Ursula Schmidt und der Historikerin Prof.  Ulrike Weckel. Doch nicht immer lief alles glatt. Das Team von „Bittere Snoepjes“ musste sich beispielsweise damit behelfen die Leinwände abzufilmen, die in Maasluis die Ankunft des Nikolaus zeigten. Die Menschenmassen waren schlicht zu gewaltig, um diese selbst zu filmen.

Die Macher von „‘Wir wollen nach Gießen!‘“ mussten dagegen auf Aufnahmen aus dem Notaufnahmelager verzichten, da ihnen keine Drehgenehmigung erteilt wurde. „Wir verstehen das. Das Lager ist ja in Benutzung“, erklärt Jennifer Meina. Allen Widrigkeiten zum Trotz ist es beiden Gruppen gelungen beeindruckende Werke zu produzieren.

Die Zukunft der Filme

Die Premiere soll auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die beiden Filme gezeigt werden. Sie werden im „Offenen Kanal“ ausgestrahlt und vielleicht in Zukunft noch anderweitig präsent sein. werden im Offenen Kanal Gießen ausgestrahlt t und vielleicht in Zukunft noch anderweitig präsent sein.

Artikel von Tatjana Döbert

Fotos von Maurice Jelinski, Mariusz Szynalski und Christian Schmeink 




Ein Veganer ist keine Pflanze

Worauf sollte man als Veganer in seiner Ernährung achten? Welche Argumente sprechen FÜR eine vegane Lebensweise? Und was bedeutet es überhaupt “vegan zu sein”? Langzeit-Veganer Daniel erzählt uns von seinem Leben, in seiner Küche.

Hier erfahrt ihr es –  der You Tube-Channel von UNIversum.

 

Eine Slide-Show von Isabella Pianto




Love all over the world?!

Für die einen schnöder Kitsch, für die anderen der romantischste Tag im Jahr. Lange schon wird der Valentinstag nicht mehr nur in den USA gefeiert. Auf der ganzen Welt gibt es zahlreiche verschiedene Bräuche, um den 14. Februar zu begehen.

Dennoch wird der Valentinstag wohl in kaum einem Land so groß gefeiert, wie in Amerika. Alles ist kitschig und rosa, gerne schenkt man sich große, herzförmige Luftballons. Und nicht nur die Erwachsenen beschenken sich an diesem Tag. Oft verschenken bereits Kinder in den Schulen Valentinskarten an ihre Freunde oder den heimlichen Schwarm.

Like Shakespear

Etwas ruhiger geht es am Valentinstag dagegen in England zu. Ganz im Stil Shakespears, schenkt man sich dort vor allem ganz klassisch Blumen und Gedichte. Angeblich geht der Brauch, sich Gedichte zu schenken, auf den Dichter Samuel Pepy und dessen Frau zurück.

Während sich die Engländer im trauten Heim Gedichte vorlesen, müssen die Italiener für eine ihrer Valentinstraditionen nach draußen. Dort befestigen Verliebte am 14. Februar Liebesschlösser vor allem an Brückengeländern und werfen danach den Schlüssel in den Fluss. Außerdem gibt es jedes Jahr einen Wettbewerb für den schönsten Liebesbrief. Dieser wird von einer Jury aus Einsendungen aus der ganzen Welt ausgewählt.

Umgedrehte Welt in Japan

Nicht nur einen, sondern gleich zwei Tage, um sich gegenseitig – vor allem mit Schokolade – zu beschenken, gibt es in Japan. Am 14. Februar beschenken dort die Frauen ihre Partner, männlichen Familienmitglieder und sogar ihren Chef. Zum Dank bekommen sie dann einen Monat später, am „White Day“, von den beschenkten Männern weiße Schokolade geschenkt. Diesen Brauch hat in den 70er Jahren ein Konditor begonnen, damit sich die Männer für die Schokolade, die sie erhalten haben, bedanken.

Der Kuhhirte und die Fee

Ebenfalls an einem anderen Datum feiern die Chinesen ihr Pendant zum Valentinstag. Dort heißt das Fest „Qixi“ und wird am siebten Tag des siebten Monats nach chinesischem Kalender begangen. Das Qixi-Fest fällt also meist auf den Augustanfang. Der Feiertag geht zurück auf eine Legende, laut der sich ein Kuhhirte in eine Fee verliebte. Die beiden heirateten, doch der Jade-Kaiser und die Himmelskaiserin waren gegen ihre Liebe und entführten die Fee in den Himmel. Um die beiden noch stärker zu trennen, zog die Himmelskaiserin die Milchstraße. Als dann Elstern eine Brücke über die Milchstraße bildeten, um die beiden Liebenden und ihre Kinder wieder miteinander zu verbinden, war der Jade-Kaiser schließlich so gerührt, dass er ihnen erlaubte sich einmal im Jahr, am siebten Tag des siebten Monats zu sehen.

Ein christliches Fest?

Besonders teuer ist der Valentinstag sicherlich in Finnland. Dort schenken sich am 14. Februar nämlich nicht (nur) Pärchen etwas. Der Tag ist bei den Finnen der Freundschaft gewidmet. Man schenkt jedem etwas, den man mag. Wer viele Freunde hat, muss dort sicherlich auch viele Geschenke besorgen.

Es gibt allerdings auch Länder, die den Valentinstag überhaupt nicht begehen. So zum Beispiel Saudi-Arabien und andere streng muslimische Länder. Dort gilt der Valentinstag als christlich und wird dort, wie muslimische Feiertage, die Recht und Sitten verletzen, nicht gefeiert.

 

Ein Artikel von Tatjana Döbert




Valentinstag – Liebe oder Lörres?

Kerzen, Rosen und Kino, so stellt man sich den klischeehaften Valentinstag vor. Wer allerdings noch keine Idee hat, wie man den Tag am besten verbringt – ob alleine, mit seinem Partner oder seiner Partnerin – kann sich ganz leicht durch Jodel inspirieren lassen. Aber was genau ist eigentlich dieses Jodel und wie verbringt man denn nun, laut Jodel, seinen Valentinstag?

Ich jodel das mal“ – ein Satz der heutzutage wohl einige verwirrt.
Die Vorstellung vieler: man steht im Dirndl auf der Alm und singt Holadaittijo.
Die Realität: man schreibt irgendeinen lustigen Stuss, stellt Fragen, oder postet Bilder.

Mit Jodel ist eine App gemeint – ähnlich wie Twitter, nur vollkommen anonym. Hier tauschen sich, meistens Studenten, ganz ungehemmt und unverblümt über alltägliche Dinge aus, reden über Probleme und Geheimnisse oder schreiben Dinge nieder, die ihnen gerade in den Sinn kommen. Lesen kann die Posts jeder App-Besitzer in einem Radius von circa zehn Kilometern. Von lustigen Zitaten aus Vorlesungen bis hin zu Schneebildern wird grundsätzlich alles gejodelt. Müsste man Kategorien der Jodel bilden, wären die Top 3: Katzenfotos, Sex und Uni. Offen und humoristisch wird mit allen Themen umgegangen. Ein Beispiel: „Meine Mutter will wissen von welcher Marke das schöne Geschirr in der WG ist. Gibt es da Ansprechpartner in der Mensa?“

Ehrlicher als Facebook

Die Beliebtheit eines Jodels wird mit der Up- und Downvote Funktion reguliert. Diese dient gleichzeitig als Kontrolle der Inhalte, denn nach fünf Downvotes verschwindet ein Post. Zusätzlich sorgen, von der App ernannte Moderatoren, dafür, dass rassistische oder sexistische Jodel gelöscht werden.

Wohingegen es bei Plattformen wie Facebook oder Instagram um die reine Selbstdarstellung geht und man der Welt Fotos von der vierwöchigen Backpacker Tour durch Australien präsentiert, oder den allmorgendlichen „Spinat-Kokos-Chia Samen-Smoothie“ postet, bietet Jodel mit seiner Anonymität einen ganz neuen Zugang zur Social Media. Eine Atmosphäre vermeintlicher Ehrlichkeit wird geschaffen. So wird auch einmal davon berichtet, dass man eben kein Geld hat, um in den Urlaub zu fahren, oder man sich während der Prüfungsphase einen Cheesburger zum Frühstück gegönnt hat. Dinge, die uns allen bestimmt schon einmal passiert sind und uns deshalb so viel aufrichtiger vorkommen als das fingierte Leben auf anderen Plattformen. Wie ernst gemeint die Jodel sind, weiß man natürlich nicht, aber es muntert einen zumindest auf, wenn man mitverfolgen kann, dass es bei anderen auch nicht immer so perfekt läuft, wie auf Facebook gezeigt wird.

Tipps für den Valentinstag

Um besser mit der Jodel-Community kommunizieren zu können, haben sich mit der Zeit gewisse

Rosen, Kerzen … wir wissen ja wohin das führt

Abkürzungen entwickelt: „jhj“ – Jodler hilft Jodler, oder „dlrh“ – den Lörres reinhämmern, also miteinander schlafen. Dlrh fungiert quasi als Universalantwort auf alle möglichen Fragen, mal mehr oder weniger ernst gemeint. Häufig wird in der Kommentarfunktion nach dem Messenger-Dienst „kik“ gefragt, vor allem wenn der Jodler oder die Jodlerin angibt angeblich #w21 zu sein. Im Großen und Ganzen scheint Jodel irgendwie auch das neue Tinder geworden zu sein. Passend, wenn man an den bevorstehenden Valentinstag denkt. Der Valentinstag wird auf Jodel natürlich gründlich diskutiert. Ratlose Männer fragen nach Geschenkideen, oder nach einem schönen Lokal, in welches man seine Freundin ausführen kann – am meisten Upvotes bekam hier McDonalds. Andere freuen sich darüber, dass nach dem Valentinstag die hübsch verpackte Schokolade endlich nur noch die Hälfte kostet.

Ein beliebtes Ausflugsziel am Valentinstag ist und bleibt das Kino – und was würde sich da dieses Jahr nicht besser anbieten als den zweiten Teil von „Fifty Shades of Grey“ zu schauen. Über Jodel wurde sich im Kollektiv im Kino verabredet, um alle diejenigen Kerle auszulachen, die von ihren Freundinnen dazu gezwungen wurden sich den Film anzusehen. Ob es wirklich dazu kommt, wer weiß!

Schnaps am Tag der Liebenden

Alternativ kann man den Tag natürlich gemütlich zuhause auf dem Sofa verbringen, zumal im Fernsehen zum Glück ja auch noch Champions League läuft.

Fragt man nach allgemeinen Valentinstagsbräuchen der Jodel Community so wäre es nicht Jodel, wenn nicht mindestens einmal „dlrh“ gepostet würde. Am meisten Upvotes bekam allerdings die Antwort „Ignorieren“, dicht gefolgt von „Schnaps.“ Tatsächlich scheinen viele auf der Suche nach Leuten zu sein, mit denen man sich den Valentinstag schön trinken kann – das zeigen zumindest die zahlreichen Posts. Neben Alkohol stehen Süßigkeiten hoch im Kurs – ob Schokoeis oder generell Süßigkeiten, am besten noch gepaart mit Weltuntergangsfilmen. Überall kommt der Valentinstag also nicht gut an. Und das spiegelt sich auch in den Jodeln wieder. Mit einer gewissen Frustration und gleichzeitiger Ironie wurde bei den Bräuchen auch „Single sein“ angegeben.

Wenn man es allerdings darauf anlegt ein Date am Valentinstag zu haben gibt es da bestimmt irgendwen den man nach „kik“ fragen könnte. Und wenn nicht? Ist ja auch nicht schlimm! Man hat ja noch den Rest der Jodel Community um den ganzen Tag über die Vor- und Nachteile des Valentinstags zu philosophieren, oder eben die Freunde außerhalb der App!

Ein Bericht von Luisa Kreiling




Hochschulwahlen – “Am Ende wollen doch eh alle das gleiche”

Seit über einer Woche kann gewählt werden – unzählige Flyer und Kulis wurden verteilt, Mails versendet und Versprechen durch die Listen gemacht. Trotzdem haben bisher nur 18 Prozent gewählt. Woran kann das liegen? Wir haben uns umgehört:

Marius, studiert Fachjournalistik 

“Ich bin der Ansicht, dass elektronische Wahlmethoden durchaus positiv zu sehen sind – solange es sicher ist. Trotzdem glaube ich nicht, dass elektronische Wahlsystem auf lange Sicht die Wahlbeteiligung steigern werden. Es wird wie immer einen Hype am Anfang geben und danach denkt niemand mehr daran. Zudem hätte ich die Einführung fast nicht mitbekommen und sollte stärker kommuniziert werden. Durchaus auch provokativ: “Wenn ihr bei Facebook schreiben könnt, könnte ihr auch wählen”. Irgendsowas in die Richtung – oder anstatt der sinnlosen Wahlplakete, die völlig beliebig und immer das selbe sind, nur noch dafür Werbung machen. Das ist leider notwendig, da Wahlen zurzeit wenig Beachtung finden – insbesondere bei den Jungen ist die Verdrossenheit hoch. Studentische Wahlen haben zudem den Beigeschmack, dass man davon kaum was persönlich bemerkt. Ich, der kurz vorm Master steht, habe zumindest jahrelang nichts gemerkt und würde es an der Uni glaub auch nicht vermissen.”

Janina, 26, Studiert auf Lehramt

“Ich gehe wählen, weil ich schließlich die Möglichkeit habe, die Partei zu wählen, die meinen Interessen am nächsten kommt. Ich finde es wichtig, dass man diese Demokratie nutzen sollte. Durch nicht wählen kann man nichts verändern.”

Anna, studiert Geschichte

Ich finde die Wahlen sehr wichtig, damit die Interessen der Studierenden vertreten werden können. Aber ehrlich gesagt habe ich davon in diesem Jahr kaum etwas mitbekommen, da ich keine regelmäßigen Veranstaltungen mehr habe. Auch das eine Online-Wahl gibt, habe ich nur durch Zufall auf der Uni-Homepage gesehen. Sowas kann natürlich auch Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung haben.

Max, Fachbereich 04*

“Ehrlich gesagt, habe ich bis zur Wahlwoche kaum etwas von der anstehenden Wahl mitbekommen. Wahlwerbung habe ich nur von vereinzelten Parteien erhalten. Ich hatte nicht das Gefühl, ausreichend informiert zu sein. Die Hochschulwahlen sind wichtig um uns als Studierenden eine Stimme zu geben. Aber was bringt es uns, wenn wir am Ende doch vor der Liste mit Namen sitzen und nicht wissen, was wir dort eigentlich ankreuzen?”

Lisa, Fachbereich 04*

“Wählen ist wichtig, da die studentische Selbstverwaltung ein Mittel ist, mit dem wir Studenten unser Studium mitgestalten können. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Studierendenparteiprogramme überraschenderweise kaum voneinander. Am Ende wollen alle doch das Abschaffen der Anwesenheitspflicht und billigeren Wohnraum.”

Vanessa, 21, studiert Biologie

“Ich wähle, um mich einzumischen!”

 

* Namen wurden auf Wunsch geändert