Auf der Suche nach Stabilität, Perspektive und unserer Hochschulpolitik

Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017.

Fazit-zur-Bundestagswahl-2017-Vollständige-Antworten-der-HGs

Sechs Parteien sind in den Bundestag und zehn Wochen ins Land gezogen. Seit dem 24. September regiert die Bundestagswahl die Nachrichten: Volksparteien verlieren Stimmen des Volkes, eine blaue Welle strömt erstmals in den Bundestag und Sondierungsgespräche scheitern. Zahl und Intensität der Ereignisse gehen nicht spurlos an den hochschulpolitischen Gruppen vorbei, die zwar Unabhängigkeit betonen, aber Kontakt mit ihren Mutterparteien pflegen.

Hochschulpolitik? Wo bist du?

Der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und die Jusos sind sich einig: Die Parteierwachsenen vernachlässigen bildungspolitische Themen. Das Thematisieren der „Digitalisierung der Hochschulen“, „Reformierung der Studienplatzvergabe im Studiengang Humanmedizin“, von „BAföG“ und „bezahlbarem Wohnraum“ hat der Nachwuchs vermisst. Ob lediglich der „öffentliche Diskurs“ fehlte (RCDS) oder dem „konservativen Lager“ Diskussionsverweigerung vorwerfen kann (Jusos) – darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.
Für die Liberale Hochschulgruppe LHG ist es hingegen durch ein Mitglied möglich gewesen, sich mit einem Finanzierungskonzept zur Lehre einzubringen und blickt gespannt darauf, was die wichtigere Landtagswahl für die Justus-Liebig-Universität bringt. Ihre Kollegen waren auch nicht untätig: Der RCDS unterstützte den Tür-zu-Tür-Wahlkampf der Union, die Jusos engagierten sich ebenfalls durch Hausbesuche und Wahlkampfstände für die SPD. Und nebenbei konnte die eine oder andere Gruppe den entsprechenden Spitzenkandidaten (Martin Schulz, Christian Lindner) zu einem Besuch in Gießen überreden. Bei einem Mensa-Café sind da vielleicht manche Erinnerungen an die Hochschulzeit und Bildungspolitik zurückgekommen.

Stabilität für die Regierung

Während die LHG Zufriedenheit mit dem Abschneiden der FDP ausdrückt, wartet der RCDS mit seiner Einstellung zum Ergebnis auf die Koalition, vor allem nach dem Abbruch der Sondierungsgesprächen über eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grüne: „Wir betrachten den Abbruch der Sondierungsgespräche als sehr kritisch. Ziel der Wahl sollte eine schnelle und vor allem stabile Regierungsbildung für Deutschland sein und nicht, nach dem Ergebnis parteipolitische Machtspielchen öffentlich durchzuführen“ (RCDS). Dabei verlässt sich die junge Generation auf die Gespräche des Bundespräsidenten und spekuliere aufgrund der „Wankelmütigkeit der SPD“ nicht über ausstehende Optionen wie eine Minderheitsregierung.
Die Jusos plädieren jedoch genau auf diese Minderheitsregierung: „Diese hätte die Chance, die Bedeutung des Parlaments und die politische Debatte in Deutschland wieder zu stärken. Rufe nach Neuwahlen zeugen aus unserer Sicht genauso wenig von staatsbürgerlicher Verantwortung wie die Idee einer neuen großen Koalition“ (Jusos). Nach dem unbefriedigenden Wahlergebnis sei es „unausweichlich, sich im Inneren zu erneuern“, und hierbei möchte die jüngere Generation mitwirken. Daneben beschäftigt sie die Gefahr einer Einführung von Studiengebühren in anderen Bundesländern ohne Regierungsbeteiligung der SPD.
Die sozialdemokratische Familie steht vor Herausforderungen, einer Menge Arbeit und sucht sich selbst; die Christdemokraten suchen einen Partner zur Bildung einer stabilen Regierung.

Perspektive für Menschen mit Ängsten und Sorgen

Nicht zuletzt wirkt das Wahlergebnis der selbsternannten Alternative für Deutschland (AfD) für beide hochschulpolitischen Gruppen alarmierend. Die als rechtspopulistisch bezeichnete Partei ist zum ersten Mal mit nahezu 13% in den Bundestag eingezogen, nachdem sie in der letzten Bundestagswahl noch an der 5%-Hürde scheiterte. Wie gehen Politiker*innen und die Gesellschaft mit diesem neuen und unliebsamen, aber demokratisch anzuerkennenden WG-Bewohner um? Die Ängste und Sorgen der Bevölkerung müsse man ernstnehmen (RCDS), Politik müsse Perspektive bieten und das Engagement gegen Rechts erhöht werden (Jusos).

 Die vollständigen Antworten der hochschulpolitischen Gruppen zu den Fragen über die Bundestagswahl 2017 findet ihr hier. Von UniGrün und der Demokratischen Linken haben wir keine Rückmeldung erhalten.

Artikel von Lars Bepler
Bild: Der Bundeswahlleiter, Wiesbaden 2017




Ciceros Erben im Duell

Der römische Staatsmann Cicero gilt bis heute als einer der begnadetsten Rhetoriker der Antike und seine Schriften erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit – ganz bestimmt auch bei dem einen oder anderen Debattierfreund, der sich zum rhetorischen Kräftemessen zwischen Studis und Profs in die Aula der Justus-Liebig-Universität begeben hatte.

Thema: Verpflichtender Hochschulsport?

Vor den Augen von 200 hauptsächlich jungen Zuschauern bat der Georg-Büchner-Debattierclub Gießen drei Studierende und drei Professoren zur Neuauflage des DebattierDuells. Als Vertreter der Studierenden trafen Roxana Stein, Sören Rösel und Philipp Heilmann auf das  Professorentrio Prof. Corinna Dietl (Germanistik), Prof. Ingrid Miethe (Erziehungswissenschaft) und Prof. Adriaan Dorresteijn (Zoologie). Thema dieses Jahr: Soll der Hochschulsport für alle Studierenden verpflichtend sein?

Rhetorik auf hohem Niveau

Philipp Heilmann, Roxana Stein, Sören Rösel (hinten), Ingrid Miethe, Cora Dietl, Adriaan Dorresteijn (vorne, v.l.n.r.)

Während die Studierenden „die gebeugten Studenten wiederaufrichten“ wollten, warnten die Professoren vor einer „Militarisierung der Unis“ – es entwickelte sich eine mitreißende Debatte.  Müsse man in Zeiten vollgepackter Stundenpläne Studierende nicht zum Abschalten beim Sport zwingen, damit diese sich vom anstrengenden Lernalltag erholen könnten? Bemängelt wurde dagegen angesichts schon jetzt überfüllter Kurse im Hochschulsport die fehlende Wahlfreiheit bei der Auswahl der Sportart und die zugespitzte Frage wurde in den Raum gestellt: „Wann war denn das letzte Mal, als Sport verpflichtend war?“ Die Studierenden hielten dagegen, man würde „durch Sport quasi ein neuer Mensch.“ Das Schlusswort gebührte dann Dorresteijn: „Frische Luft ist zwar schön, aber nur wenn das Wetter gut ist!“

Wie begeistert das Publikum vom pointierten Schlagabtausch war, zeigte sich bei der Schlussabstimmung: Mit einem Spitzenwert von über 100 Dezibel applaudierte der Saal, knapp unter der Lautstärke eines Presslufthammers. Der Applaus galt der Leistung der Professoren, die wie schon im vergangenen Jahr die meisten Zuhörer besser von ihrer Position überzeugen konnte.

Von den rhetorischen Fähigkeiten einer Dame war die Ehrenjury ganz besonders beeindruckt: Prof. Ingrid Miethe sicherte sich die Auszeichnung als beste individuelle Rednerin. Das Fazit des Organisators fiel dann auch rundum positiv aus: „Wir haben eine tolle Debatte und einen lustigen Abend erlebt“, so Drewes.

 

Wer Lust bekommen hat, selbst einmal beim Debattierclub vorbeizuschauen: Der nächste Termin ist am Dienstag um 18 Uhr im Juridicum, HS 021. Weiter Infos auf der Homepage des Debattierclubs

 

Artikel und Fotos von Christoph Görres




Kennst du schon Hessen? – Teil 2

Klar, es ist nervig und teuer – am Ende des Semesters heißt es wieder: Bitte überweisen sie den Semesterbeitrag. Der Großteil des Geldes, genau 129,56 Euro, gehen dabei für das Semesterticket drauf. Doch das lohnt sich: So günstig kommt man sonst nie wieder durch ganz Hessen. Wo ihr mal vorbeischauen und dabei was besichtigen und essen solltet, das zeigen wir euch in unserer Serie: Heute geht es nach Wetzlar.

Sightseeing

„Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe – ein Werk, durch das sich sicherlich viele in ihrer Schulzeit „quälen“ mussten. Was die wenigsten allerdings wissen: Ursprung nahm die Geschichte direkt vor unserer Haustür – in Wetzlar. Auf den Spuren von Goethe kann man auch heute noch in Wetzlar wandeln, ob auf eigne Faust oder mit einer Kostümführung.
Doch nicht nur mit Goethe kann sich Wetzlar rühmen, die Stadt gilt darüber hinaus als Optikstadt, was nicht zuletzt an den vielen bekannten Optikfirmen, wie Leica liegt, die dort angesiedelt sind. In dem Optikmuseum – Viseum – ist die komplexe Technik aufbereitet. In der Innenstadt sind zudem kleine Stationen aufgebaut, an denen man spielerisch verschieden optische Phänomene nachvollziehen kann.

 

Essen

Die ganze Innenstadt ist gespickt mit Restaurants und kleinen Bäckereien, die bestimmt alle Geschmäcker abdecken. Die kleinen Cafés laden zum gemütlichen Frühstücken ein.

 

Nachtleben

Im Sommer lässt sich das Abendlebend in Wetzlar ganz besonders genießen – an der Lahn werden dann Weindörfer aufgebaut, in denen man gut versacken kann. Ein echter Geheimtipp – egal bei welchem Wetter – ist das Café Vinyl am Schillerplatz. Die alten Schallplatten an der Wand sorgen für eine gemütliche Atmosphäre und verschiedene Konzerte und Veranstaltungen lassen keinen Abend langweilig werden.

 

Bericht und Fotos von Franziska Brungs und Luisa Kreiling




Und wie feierst du Weihnachten?

Weihnachten steht vor der Tür! Die letzte Woche vor Weihnachten wird nochmal sehr stressig: Die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen, die Wohnung auf Vordermann bringen ehe man zu den Eltern heimfährt; nur nicht den Kopf verlieren in dem Chaos! Und wenn dann Heiligabend endlich da ist, wird ganz entspannt im Kreise der Familie gefeiert. Jede Familie hat ihre ganz persönlichen Rituale an Weihnachten, sei es nur das gemeinsame Essen oder das Schmücken des Weihnachtsbaums. Aber wie sieht es eigentlich bei den Anderen aus? Wart ihr auch schon immer neugierig darauf zu erfahren, wie eure Kommilitonen Weihnachten feiern und welche Bräuche sie haben? 

Wir haben uns für euch umgehört und das ist dabei herausgekommen:

chris

 

 

Chris: „Meine Familie bruncht gemeinsam, dann wird der Weihnachtsbaum traditionell geschmückt und abends gibt’s schließlich Bescherung.“

 

 

franzi

Franzi: „Wir gehen Heiligabend mit der ganzen Familie zur Omi und essen lecker und packen später die Geschenke aus. Weihnachten feiern wir immer bei der Oma.“

emile-und-benediktEmile: „Also an Weihnachten sind wir mit der ganzen Familie bei meiner Oma in Frankreich. Es gibt Austern und Meeresfrüchte. Für das Essen nehmen wir uns immer viel Zeit; es gibt auch mehrere Gänge; dann essen wir schon 6-7 Stunden lang.“

Benedikt: „Wir gehen nachmittags in die Kirche, essen danach gemütlich und anschließend werden die Geschenke ausgepackt. An Weihnachten ist die ganze Familie da und manchmal kommen auch die Großeltern aus Portugal.“

Loreen (links): „Weihnachten feiern wir immer wieder gleich. Wir haben ein spezielles Familiengericht, welches wir jedes Jahr essen. Nach dem Essen gehen wir Kinder (Töchter), hoch in die Zimmer; währenddessen bereiten meine Eltern den Weihnachtsbaum samt Geschenke vor. Und wenn das Glöckchen klingelt gehen wir runter. Bevor die Geschenke ausgepackt werden, singen wir noch Weihnachtslieder. Dann beschenken wir erst unsere Eltern, dann wir Geschwister uns gegenseitig und schließlich die Eltern uns.“

loreen-anna-jessicaAnna (aus Amerika; in der Mitte): „Wir feiern Weihnachten am 1. Weihnachtstag, also am 25.12. Wir bereiten unser Essen gemeinsam vor und packen danach die Geschenke aus. Danach schauen wir noch einen typischen Weihnachtsfilm „It’s a wonderful life“.“

Jessica (rechts): „Wir feiern am 24.12. abends Weihnachten. Unser typisches Weihnachtsessen sind Rouladen mit Rotkohl und Kartoffeln. Danach kommt die Bescherung; wir haben da aber kein Ritual.“

emre-und-hatunEmre und Hatun: „Wir feiern kein Weihnachten. Die Feiertage sind bei uns daher eher entspannt, aber wir sind auch mit der Familie zusammen. Silvester wird bei uns eher gefeiert.“

Luisa: „Ich feier mit alten Schulfreunden in Weihnachten rein. An Weihnachten selbst gibt es ein leckeres Frühstück. Wir gehen in die Kirche, essen zusammen und abends gibt’s Bescherung. Nach dem Essen gehen wir noch zu meinen Großeltern, wo wir noch meine Tante und meine Cousine treffen.“franzi-und-luisa

Franzi: „Wir gehen mittags auf die Koppel, ein kleiner Berg bei mir im Dorf, wo die Burgbläser eine Stunde lang Weihnachtslieder spielen. Da treffen wir immer Freunde und trinken gemeinsam Glühwein. Abends bereiten wir gemeinsam das Essen vor. Nach dem Essen gibt’s Bescherung; dabei würfeln wir um unsere Geschenke, damit es nicht so schnell vorbei ist. Jeder der eine Sechs gewürfelt hat, darf entweder ein Geschenk für sich öffnen oder eines seiner Geschenke schenken.“

janinaJanina: „Ich feier Weihnachten mit meiner Familie zusammen; wir fahren jedes Jahr über Weihnachten und Silvester nach Österreich. An Heiligabend gehen wir in die Kirche, danach gibt’s Bescherung. Und danach essen wir gemeinsam Fondue und spielen viele Gesellschaftsspiele.“

 

Die Umfrage führte Franziska Brungs und Luisa Kreiling




“Never give up, motherfucker!”

Nico Laska

Nico Laska – Vom kleinen hessischen Städtchen auf die große Bühne

Der 20-Jährige Nico Laska kommt aus dem hessischen Städtchen Ortenberg (Wetteraukreis) und spielt seit der 6. Klasse Gitarre. Seitdem schlägt das Herz des Singer/Songwriters fast ausschließlich für seine Musik. Aktuell kann man ihn bei „The Voice of Germany“ bewundern, obwohl er zunächst Zweifel hatte. Mit uns hat er im Februar über seinen Werdegang als Künstler und seine Songs gesprochen. Vergangene Woche hat sich unsere Redakteurin Mona nochmal ein Update zu TVOG geholt.

Interview vom 12.02.2016

Wann hast du mit deiner Musik angefangen?

Mit 10 Jahren habe ich meine erste Gitarre bekommen und habe mir dabei die Finger wund gespielt, bis ich festgestellt habe, dass ich das ein bisschen falsch mache (lacht). Nach einem Jahr hab’ ich dann Unterricht in der Schule bekommen. Das hat mir aber nicht gefallen und  ich hab’ mir dann komplett alleine beigebracht zu spielen. Heute würde man sagen mit ‘nem Youtube-Tutorial. Damals habe ich mir Live-Videos von Künstlern angesehen und das nachgespielt. Ich habe dann ´ne Weile Banderfahrungen gesammelt und im Juni 2014 habe ich das erste Mal selbst gesungen.

Wann hast du dich komplett der Musik verschrieben?

Nach dem ersten Halbjahr der 12. Klasse hatte ich etwa 200 Fehlstunden, weil ich für die Musik so viel unterwegs war. Und ich bin kein Typ, der so halbe Sachen macht, also hab’ ich mich für die Musik entschieden, nach der 12. Klasse.

Wolltest du je was anderes werden?

Ich wollte mal Polizist werden, weil ich K11 so cool fand.

Was zeichnet dich und deine Musik aus?

1. Auf der Bühne reiße ich extrem schlechte Witze. 2. Bin ich, glaube ich, ein symphatischer Typ und 3. Glaube ich: Jeder, der nicht nur auf „Bumm-bumm-Musik“ steht, kann bei meiner Musik total gut abschalten und sich seinen Gefühlen hingeben.

Warum bist du im Oktober 2015 für deine Tour nach England gegangen und nicht nach Deutschland?

Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon ‘ne Deutschlandtour gespielt und ich glaube das war für mich so ne Art Selbsttest. Ich wollte wissen, ob meine englischspachigen Songs in England überleben können oder ob ich meine Texte anders schreiben muss. Deswegen war für mich super wichtig, dass ich dorthin gegangen bin und geguckt hab, wie es ankommt.

Warum singst du überhaupt auf Englisch?

Da gibt’s ne ganz einfache Erklärung: Deutsch klang mir selbst einfach zu schnulzig. Wenn ich meine Texte auf Deutsch singen würde, könnte ich mir selbst nicht zuhören.

Lässt du deine Songtexte Korrektur lesen?

Also ich lass’ sehr viele Leute drüber lesen, aber meistens werden nur Kleinigkeiten geändert. Zum Beispiel einzelne Wörter ausgetauscht, die besser klingen. Ich bin auch offen für Kritik, wenn man sie gut begründen kann, dann ist sie super. Ich glaube auch, dass man Kritik braucht und sie wertschätzen sollte. Aber natürlich gibt’s auch unterschiedliche Geschmäcker und dann ist das halt so.

Spielst du noch andere Instrumente?

Bass, aber das ist als Gitarrist ja in der Regel normal, bisschen Klavier, bisschen Schlagzeug. Aber ich hüpfe ja beim Musik machen immer sehr viel rum, da ist mir das Sitzen zu langweilig. Je intensiver ich drin bin, desto mehr wackeln meine Beine in irgendwelche Richtungen. Keine Ahnung warum.

Was kommt zuerst? Der Text oder die Melodie?

Der junge Singer/Songwriter hat schon eine ordentliche Fanbase

Der junge Singer/Songwriter hat schon eine ordentliche Fanbase

Beides ist gleichzeitig da.

Ich hab vorher meistens ein Thema und nehme dann einfach die Gitarre in die Hand. Und ich schreibe und singe im Stehen. Bis auf ein Lied sind alle meine Songs aus meiner Sichtweise geschrieben. Dieser eine Song könnte theoretisch auch ein Hit werden. Man könnte ‘nen Elektrobeat drunter legen und der könnte sogar im Radio laufen.

Warum ist das nicht dein Ziel? Würde dir nicht fürs erste ein eingängiger Hit helfen, bekannt zu werden?

Ich schätze das ist ‘ne Frage, die sich jeder Musiker stellt. Inwieweit schreibe ich meine Songs für mich und inwieweit schreibe ich sie fürs Radio. Aber ich bin der festen Meinung: Wenn du deine Songs für dich schreibst und wenn es so kommen soll, dann kommen sie auch irgendwann ins Radio.

Ich würde zum Beispiel nie auf die Bühne gehen und etwas spielen, das sich falsch anfühlt. Wenn ich es nicht fühle, dann fühlt auch das Publikum nichts. Natürlich möchte ich mit meiner Musik erfolgreich werden, aber ich will mich nicht dafür verstellen.

Wer hat dich als Künstler am meisten geprägt?

1.Ed Sheeran, weil seine Texte enorm gut sind. 2. Secondhand Serenade, war so der erste, der mir gezeigt hat, dass ein Typ mit ner Gitarre und ehrlicher Musik, erfolgreich werden kann. Wegen dem hab’ ich auch so angefangen zu spielen. 3. All Time Low.

Was hältst du generell von Castingshows?

„The Voice of Germany“ ja, der Rest nein. Bei „The Voice“ finde ich es gut, dass da zuerst nur auf die Stimme geachtet wird. Also zumindest in den „Blind Auditions“.

Warum gehst du zu keiner Castingshow, zumindest nicht zu „The Voice of Germany“?

Tatsächlich hatte ich mal überlegt hinzugehen und war ganz kurz davor, mich einzuschreiben, aber  ich hab’ mich vorest für ‘nen anderen Weg entschieden. Weil halt bei „The Voice“ auch so unheimlich viele gute Leute dabei sind. Die Stimmen sind ja der Hammer. Ich bin authentisch auf der Bühne und live ein guter Künstler, aber bestimmt nicht wegen meiner einzigartigen Stimme.

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

„Never give up, motherfucker!“

Wann wäre der Zeitpunkt, an dem du die Reißleine ziehst und sagst: ich habe alles versucht und kann trotzdem nicht von meiner Musik leben?

Wenn ich 40 bin und immer noch bei meiner Mama wohne, dann fange ich an mir ‘nen anderen Job zu suchen. Ich habe jetzt keinen Plan B, weil ich nichts anderes machen möchte.

 

Interview vom 03.12.2016

Wieso hast du deine Meinung geändert und dich bei „The Voice of Germany“ angemeldet?

Laska bei der Show “The Voice of Germany”

Ich hab’ mich bisher als Sänger nicht so gesehen, dass ich mit den anderen Talenten mithalten könnte. Und dann gab es mal wieder die Castingtouren in Deutschland und ich hab’ es eben einfach mal versucht. Und jetzt waren die „Battles“ im Fernsehen und meins hab ich gewonnen. Als nächstes kommen nun die „Sing-Offs“.

Seit wann wirst du gecoacht?

Im Juli wurde meine „Blind Audition“ aufgezeichnet und seitdem wurden wir eigentlich regelmäßig gecoacht. Da wird an allem gearbeitet: an der Stimme mit den Vocal Coaches, an der Choreo und wie man sich generell auf der Bühne bewegt. Und natürlich zusammen mit meinem Teamcoach, Yvonne Catterfeld.

Wo bleibt dann bei dem ganzen Üben der Spaß?

Den haben wir die meiste Zeit eigentlich, ich hab’ viel mit den anderen Talents zu tun und wir hängen zusammen ab, üben oder gehen einkaufen und abends auch mal feiern.

Hat dich die Show überrascht?

Also ich hatte vorher ja diesen Fernseh-Nightmare, aber es ist eben genau anders gekommen, als ich es mir vorgestellt hab. Man darf alles sagen, machen und tragen, was man möchte. Vor allem Yvonne ist wie ‘ne große Schwester, die uns alle total unterstützt und sich auch für jeden Zeit nimmt. Selbst wenn die Kameras aus sind.

Wirst du mittlerweile schon häufiger erkannt und angesprochen?

Mein Gesicht wird langsam bekannter, es kommt öfter vor, dass Leute mich ansprechen und nicht genau wissen, wohin sie mich stecken sollen. Neulich wurde ich von ner Tankwartin angesprochen, das war ganz witzig. Bezahlen musste ich allerdings trotzdem (lacht). Und in meiner alten Schule in Ortenberg hänge ich jetzt am schwarzen Brett mit meinen nächsten Auftritten.

Wenn die „Blind Audition“ nicht geklappt hätte oder wenn du nun nicht gewinnen solltest, was sind deine Pläne?

Vor „The Voice“ ist nach „The Voice“. Ich werde weiter Konzerte spielen, an meiner Platte arbeiten und das Beste aus mir rausholen.

Wie hoch schätzt du deine Chancen ein, in die nächste Runde zu kommen?

Letztendlich entscheiden die Coaches und wollen das Spiel gewinnen. Sie suchen das

Autogramme gibt der junge Künstler seit der Show häufiger

Autogramme gibt der junge Künstler seit der Show häufiger

Gesamtpaket aus, welches am besten abliefert. Ich denke, dass ich an nem Punkt bin, wo ich einfach von Show zu Show lebe.

Nur noch 10 krasse Sänger sind dabei aus meinem Team. Jetzt zählt es eben super abzuliefern und zu hoffen, dass es gereicht hat. Aber natürlich will ich gewinnen.

Was ist die Schwierigkeit bei Coversongs?

Du musst den Künstler halt komplett imitieren können oder dein eigenes Ding draus machen. Es darf nur eben nicht schlechter sein als das Original. Aber wenn ich die Show gewinnen sollte, werde ich weiter meine eigenen Songs schreiben.

Was gefällt dir gar nicht an der Show?

Ich  mag die Schminke nicht. Man wird einfach immer gepudert. Abends rubbel ich mein Gesicht ab und alles ist braun.

Würdest du die Show weiterempfehlen?

Ich würde es jedem empfehlen, wenn er mit nem gewissen Druck klar kommt. Aber nehmt das Ganze nicht zu ernst! Die Show ist letztendlich auch nur ein Spiel. Wenn man verliert, geht die Welt nicht unter.

 

Die nächsten Sing-Offs werden am Donnerstag, 8. Dezember 2016 ausgestrahlt. Wenn er hier weiterkommt, darf Nico in die Live-Shows. Wenn nicht, spielt er sein nächstes Konzert am 15.12.16 in Düsseldorf. Seine erste Platte soll im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

 

Das Interview sowie Bilder 1,2 und 4 von Mona Förder

Bild 3: Credit: „Richard Hübner/ProSieben, Sat.1“




Mit Geschichte spielen

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Schon einmal etwas von Askiya gehört? Im Spiel Civilization lernt man nie aus

Wer heutzutage denkt, dass Computerspiele nur eine Spielerei für Kinder sind, der hat vor vielen Entwicklungen der letzten Jahre die Augen verschlossen. Die Industrie dahinter erwirtschaftet jährlich Milliarden, Grand Theft Auto V im Jahr 2013 beispielsweise mehr als drei Milliarde US-Dollar an den ersten drei Verkaufstagen. Auch auf ganze Gesellschaften nehmen Computerspiele schon Einfluss. In Südkorea haben Profispieler von StarCraft 2 oder League of Legends eine Fangemeinde, wie in Deutschland Fußballstars. Computerspiele  haben  sich mittlerweile zu einem gesamtgesellschaftlichen Unterhaltungsmedium entwickelt – ähnlich wie Filme. Und genau wie der Film, so zieht auch das Computerspiel viele Anregungen, Ideen und Settings aus der Geschichte.

Filme mit historischer Handlung können in drei Kategorien

Zu Beginn des Spiels Civilisation legt man das Setting fest: Wie soll die Welt aussehen?

Zu Beginn des Spiels Civilization legt man das Setting fest: Wie soll deine Welt aussehen?

eingeteilt werden. Schlechte Historienfilme, gute Historienfilme und akkurate Historienfilme. Grade letztere sind jedoch selten, denn zu reizvoll für Drehbuchautoren und Regisseure ist es doch, die Geschichte größer dazustellen, als sie war. Ein Film soll eine Geschichte erzählen und unterhalten. Tut er das, so hat er seinen Zweck erfüllt. Dann kümmert es nur noch den Archäologen, wenn Kaiser Marc Aurel im Film „Gladiator“ von Ridley Scott in seinem Palast in Rom ein Marmorstandbild des Kaisers Septimius Severus aufgestellt hat, der eigentlich erst 13 Jahre nach ihm an die Macht kam. Es mag Leute geben, die sich über solche Details ärgern, doch dem Film als solchem, als Kunstform wie auch aus kommerzieller Sicht, hat dies nicht geschadet. Was für Filme gilt, das gilt auch für Computerspiele, die in einem historischen Rahmen angesiedelt sind. Manche mögen mit ihrer Thematik freier umgehen als andere, doch das ist für die Qualität des Spiels nicht von Belang. Was zählt sind die Präsentation durch Grafik und Sound, die Gestaltung von Spielverlauf und Steuerung, wodurch letztlich das erreicht wird, was für ein Computerspiel zählt, nämlich der Spielspaß.

Geschichte selbst simultieren

Der erste Schritt zum Weltreich: Das Siedeln

Der erste Schritt zum Weltreich: Das Siedeln

Als Beispiel soll die Reihe „Civilization“ dienen, deren sechster Teil kürzlich erschien. Civilization ist ein rundenbasiertes Strategiespiel, was heißt, dass der Spieler und entweder vom Computer gesteuerte oder menschliche Mitspieler der Reihe nach ihre Spielzüge ausführen, genau wie bei einem Brettspiel. Das Spiel simuliert die Geschichte der Menschheit von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart und ein Stück darüber hinaus. Hierzu schlüpft der Spieler in die Rolle des Oberhauptes einer Zivilisation.

Hier ist schon eine erste Besonderheit zu nennen, denn zusätzlich zu den großen Nationen und Gestalten, die man gemeinhin aus dem Schulunterricht kennt (z.B.: Alexander der Große und Griechenland, Napoleon und Frankreich oder Bismarck und Deutschland) sind auch immer einige Völker und Anführer jenseits des europäischen Tellerrands vertreten (Schon mal von Askiya Muhammad und dem Songhai-Reich gehört?). Runde für Runde erforscht man die Welt, gründet Städte, baut diese aus, trifft andere Nationen, handelt, führt Krieg, baut Weltwunder und forscht. Forschung ist das A und O um seine Zivilisation voran zu bringen. Die Auswahl an Technologien umfasst klar umrissene Techniken (das Rad, die Schrift oder die Dampfmaschine), über ganze Disziplinen der Wissenschaft (Physik oder Biologie), bis hin zu komplexen sozialen und geistesgeschichtlichen Phänomenen (Philosophie und Theologie bis hin zur Globalisierung).

Die Geschichte wiederholt sich nicht

Zum Sieg führen stets mehrere Wege und die große Auswahl an Zivilisationen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Schwerpunkten, sowie immer neue vom Computer generierte Weltkarten lassen kein Spiel wie das vorherige werden. Wer kennt das nicht? Da siedelt man friedlich als erster Konsul Gandhi von Indien vor sich hin, gründet Städte, sammelt Kunst und Kultur an und will friedlich mit seinen Nachbarn zusammen leben, da wird man von Präsident Shakas Zulu-Kriegern überfallen, welche sich dann auch noch mit den Legionen des Königs Augustus verbünden.

Willkommen in Gao. Hier kannst du die Geschichte neu schreiben.

Willkommen in Gao. Hier kannst du die Geschichte neu schreiben.

Man ist gezwungen Armeen auszuheben und baut die Chinesische Mauer um seine Grenzen herum, nur um nach Jahren des Abwehrkampfes festzustellen, dass Genosse Hiawatha der Sowjet-Irokesen in den tiefen seiner Wälder ein Raumschiff gebaut hat, dieses in den Weltraum schickt um eine neue Erde zu finden und damit den Wissenschaftssieg davonträgt. Doch das Spielprinzip entwickelt rasch eine solche Sogwirkung, dass man Niederlagen schnell wegsteckt und manchmal beim Spielen komplett die Zeit vergisst.

Kein Lerneffekt?

Was hat das nun mit der tatsächlichen Geschichte zu tun, werden sich viele nun entsetzt fragen? Nun, nicht direkt. Aber Teil des Spiels ist auch stets eine umfangreiche „Civilopädie“, eine Datenbank mit Informationen zu allen Nationen, Staatsoberhäuptern, Einheiten, Gebäuden, Weltwundern und Technologien im Spiel, die aber natürlich nur grundlegende Informationen enthält, diese aber anschaulich und unterhaltsam präsentiert. Wie war das also nun mit Askiya Muhammad und seinen Songhai?

Interssiert an noch mehr Geschichte in Computer-Spielen? Dann schaut euch unsere Top 3 an.

 

Artikel von Moritz W.

Screenshots von Marek Szabowski




“Ihr werdet der Motor sein” – Über den neuen Journalismus

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Gregor Mayer zu Besuch in Gießen

Der Journalismus der Zukunft wird schon jetzt geplant. Der Online-Journalist Gregor Mayer war in Gießen und sprach mit uns über State-of-the-Art Medien, die Bravo-Bildershow der heutigen Generation und den Motor für alles Neue.

Im richtigen Zeitpunkt da sein – das ist vor allem als Journalist wichtig. Dabei ist nicht einmal ein Tatort oder ein wichtiges Interview gemeint. Nein, wichtig ist, im richtigen Moment bereit für neue Herausforderungen zu sein. So war es auch bei Gregor Mayer. Der Online-Chef des öffentlich-rechtlichen Spartenkanals Phoenix begann mit seiner Arbeit im Web, als es noch in den Kinderschuhen steckte. „In den 90ern kam ich über mein Redaktionstrainee zum Sender. Als junger frischer Journalist schmiss man mich ins kalte Wasser.“ Mayer sollte sich den neuen Onlineauftritt kümmern. „Ich habe mich ein wenig wie ein Fremdkörper gefühlt, weil damals neue Dinge wie E-Mail und Internet noch gar nicht weit verbreitet waren“, erinnerte sich Mayer.

Alle 5 Jahre muss man sich neu erfinden

Seitdem hat sich jedoch vieles verändert. Die Digitalisierung der Medien und die immer stärkere Nutzung von Social Media führen dazu, dass sich Medienkonzerne immer wieder selbst neu erfinden müssen. „Alle fünf Jahre gibt es einen größeren Entwicklungsschritt um State of the Art zu sein“, so der Experte. Deshalb kümmern er und sein Team sich schon jetzt um die vermeintliche Mediennutzung im Jahr 2021. Er muss sich jetzt schon fragen:

Die Nachwuchsjournalisten hörten gespannt zu

Die Nachwuchsjournalisten hörten gespannt zu

Wie werden sich Facebook und Twitter  weiterentwickeln? Wie kann man Instagram und Snapchat journalistisch nutzen? Bleibt es eine Art Bravo-Bildershow der Zukunft oder ist es auch seriös einsetzbar? Und welche Neuerungen – nicht nur auf dem Social- Media-Markt –  wird es geben?  Klar ist jetzt schon: Nachrichten werden individueller, vielfältiger und interaktiver verbreitet. Diese  Entwicklungen haben jedoch zur Folge, dass man sich heute mit dem Konflikt zwischen Seriosität und der reinen Nachricht auf den sozialen Medien auseinandersetzen müsse. Das Filtern von „wahr“ und „unwahr“ wird immer wichtiger, denn die Menschen interagieren immer mehr mit den Medien. Mehr Mobilität durch mehr Smartphones, Tablets und höhere Datenvolumen führen dazu, dass die Leute sofort im Bilde seien. Entsprechend müsse man sich heute mit den Möglichkeiten der Zukunft auseinandersetzen. „Virtual Reality ist das ganz große Neue. Sie müssen sich eine 360° Kamera im Plenarsaal des Bundestages vorstellen. Plötzlich ist man mittendrin und sieht genau welcher Abgeordnete was tut“, schaffte Mayer einen Ausblick in künftige Konzepte.

Der Aufstieg der Populisten

Neue Entwicklungen bringen jedoch auch manchmal neue Gefahren. Der Aufstieg von Populisten sei auch auf deren gute Nutzung von neuen Medien zu begründen. „Die AFD nutzte Facebook und Twitter und holte damit viele Stimmen“, so Mayer. Problem sei hierbei, dass der Algorithmus von Facebook diesem Wählerklientel suggeriere die eigene Meinung wäre plötzlich Mainstream. „Die Anonymität fällt weg gleichzeitig auch die Hemmnisse“, resümierte der Referent.

Angst vor dem Wandel?

Für die Zukunft machte Mayer klar wird es auch weiterhin so sein, dass die neuen Medien die alten nicht ersetzen sondern ergänzen werden. „Denn viele Nachrichten, die im Netz verbreitet werden, entstammen immer noch aus journalistischer Arbeit“. Entsprechend wichtig sei es, diese Quelle zu schützen. Ändern wird sich in den kommenden Jahren jedoch die Zahl der Online-Nutzer. „Obwohl prozentual mehr Jugendliche das Internet nutzen. Das größte absolute Potenzial liegt bei den 40-50 Jährigen“, bilanzierte der Referent. Darauf würden sich etwaige Apps’s und Webseiten ausrichten. „Die Bedürfnisse der Nutzer haben sich nicht geändert. Aber die Möglichkeiten sind im stetigen Wandel“. Das führe dazu, dass viele ältere Kollegen bei neuen Dingen erst mal ängstlich seien und eher die Risiken denn die Chancen sehen. Deswegen richtete er sich zum Schluss mit einem Appell an die anwesenden Studenten. „Sie werden der Motor der neuen Entwicklung sein. Haben Sie keine Angst vor Ablehnung oder Kritik.“

 

Artikel von Marek Szabowski

Fotos von Jennifer Meina




Aus dem Herzen eines Swing States

In den USA ist Clinton ähnlich unbeliebt wie Trump

In den USA zeigen die Wähler offen für wen sie sind

Kaum etwas polarisiert die westliche Welt so sehr wie die Wahl des US-Präsidenten alle vier Jahre. Der Präsident der Vereinigten Staaten galt als Oberhaupt der westlichen Welt. Nun haben wir den Fall, dass sich nach acht Jahren Präsident Obama nicht erneut zur Wahl stellen kann. Für die Demokraten geht die ehemalige Senatorin Hillary Clinton ins Rennen, die Republikaner stellen Donald Trump als ihren Kandidaten auf. Mittendrin, statt nur durch Medien ist unser Reporter Felix Leyendecker. Er befindet sich zurzeit in Florida – einem der Swing States.

Die Swing States entscheiden die Wahl. Von Wahljahr zu Wahljahr entsheiden sie sich immer wieder um, wem sie ihre Wahlmänner geben. Bestes Beispiel dafür war die Wahl im Jahr 2000, als George W. Bush sich am Ende gegen Al Gore mit wenigen Stimmen durchsetzte. Die Gore-Anhänger glaubten damals an einen Wahlbetrug und beschwerten sich. Dies hat in Florida seit 16 Jahren zur Folge, dass die Wahlzettel per Hand ausgezählt werden. So lebt Amerika die Ideale, die sie vor knapp 220 Jahren geprägt haben.

Die Wahl überall

Besonders hier in Florida scheint die Stimmung sehr ambivalent. Gerade in unseren Nachbarschaft oder generell in Cape Coral, sieht man sehr wenig Werbung und Plakate für Hillary Clinton. Donald Trump hingegen ist weit verbreitet. Überall sieht man Plakate von ihm und seinem Vizepräsidentschaftskandidaten Pence mit der Aufschrift „Make America great again“. Auch im Fernsehen und im Radio scheut Trump keine Kosten und Mühe und

Nach 8 Jahren Obama sehnen viele Amerikaner einen Wechsel herbei

Nach 8 Jahren Obama sehnen viele Amerikaner einen Wechsel herbei

verbreitet seine Botschaft. Dies bestätigt nochmal, dass die Medien eine noch intensivere Rolle spielen als man es aus Europa kennt. In der landesweit erscheinenden Zeitung „USA Today“ gab es am 7. November mehrere Beiträge über den Wahlprozess und die Folgen. Clinton und Trump hatten dort die Möglichkeit, mit einem Beitrag ihre Meinungen und Ziele nochmals zu nennen und die letzten Wähler für sich zu gewinnen. Der Amerikaner merkt deutlich, dass alles auf die Wahl ausgerichtet ist. Es ist ein permanenter Wahlkampf, bereits die Vorwahlen zeigten die Pläne und Ziele der beiden Kandidaten.

Spaltung Amerikas

Ich hatte mehrere Male die Möglichkeit, mit „locals“ zu sprechen und sich mit ihnen über „ihre“ Wahl zu unterhalten. Viele in den Südstaaten unterstützen Trump, da er aus ihrer Sicht das Land wieder zu Größe und Stärke führen kann. Sie sind unzufrieden mit der Politik von Obama, erachten Projekte wie „Obamacare“ als sinnlos und eine Gefahr für die persönliche Freiheit in den Vereinigten Staaten. Das für mich interessanteste Gespräch hatte ich mit einem Ehepaar aus Detroit, Michigan. Mary und Paul, beide 41, haben einen persönlichen Streit über den Ausgang der Wahl. Mary ist vollkommen überzeugt davon, dass Trump dem Land wieder Wohlstand und Sicherheit gibt und man mit Trump innenpolitisch zu neuer Stärke kommen wird. Sie hält Clinton für eine Kriegstreiberin und bezieht sich auf ihre Zeit als Verteidigungsministerin und als Senatorin des Staats New York. Paul hingegen unterstützt Hillary. Er ist davon überzeugt, dass Trump das Land in den Ruin stürzen würde und dass ein Donald Trump

Die Amerikaner zeigen offen, für wen sie sind

Clinton ist in Amerika ähnlich unbeliebt wie Trump

nicht in der geistigen Reife sei, um das Militär und die atomaren Sprengköpfe der USA zu kommandieren. Clinton kümmere sich um die Gleichberechtigung aller, während Trump nur ein alter, reicher und eingebildeter Rassist ist.  Für ihn wird mit Hillary eine ähnlich neue Ära eingeleitet wie bei der Wahl von Präsident Obama. „Erst ein Farbiger und danach eine Frau“, sagt Mary skeptisch, „ich glaube nicht, dass die Konservativen in Amerika das akzeptieren würden, selbst im Jahr 2016“. Nach knapp zwei Stunden hatten mich beide von ihren Ansichten und Meinungen überzeugt, jedoch konnte man eins deutlich spüren.

Wahl noch offen

Ich glaube nicht, dass eine so intensive Diskussion in Deutschland stattfinden könne. Jedoch ist das gerade in den Vereinigten Staaten der Punkt. Die Wahl ist allgegenwärtig. Über ein Jahr lang wird jeden Tag klargemacht, wofür der eine und wofür der andere steht. Die Werte und die Ziele der jeweiligen Kandidaten werden jeden Tag verbreitet. Natürlich wird auch im Privaten, im Büro, an der Tankstelle oder in der Familie darüber diskutiert. Eins zeigt sich dabei deutlich: Die Wahl teilt nicht nur Familie und Freunde in zwei verschiedene Lager, sie teilt das ganze Land in zwei Lager. Wer am Ende siegreich hervorgehen wird und für vier Jahre Präsident oder Präsidentin der Vereinigten Staaten sein wird, das werden wir heute Abend erfahren. Amerika wird sich verändern, genauso wie bei der Wahl 2008. Die Frage ist nur, in welche Richtung.

 

Der Bericht zur Wahl in den Vereinigten Staaten live aus dem „Swing State“ Florida,

von Felix Leyendecker // Cape Coral, FL




Amerika wählt – alles Wichtige zur Wahl

Amerika wählt

Amerika wählt

In Amerika ist alles größer, pompöser und spektakulärer. So auch die Präsidentschaftswahl. Milliarden von Dollar werden aufgewendet um die Kandidaten omnipräsent zu machen. Kein Tag vergeht ohne das Konterfei der Vertreter der beiden Volksparteien. Dennoch bleiben Fragen offen. Was sind die „Red states and blue states“? Wer sind die Wahlmänner und was ist ihre Aufgabe? Woher kommen die Millionenspenden an die Kandidaten?

Amerika ist anders und das Wahlsystem auch. Doch nicht nur das, es ist auch hoch umstritten. Damit ihr jedoch nicht Ahnungslos in die Wahlnacht geht, klären wir euch hier noch einmal auf.

Die Vorwahlen

Auch wenn seit längerem nur noch über Hillary Clinton und Donald Trump berichtet wird. Die US-Präsidentschaftswahl hat begleitet uns schon seit knapp zwei Jahren. Damals mussten sich alle Kandidaten bei ihren Parteien melden. Besonders spannend gestaltete sich dies bei den Republikanern. 23 Kandidaten, darunter eine Frau traten an – so viele, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Partei. Allerdings bedeutet eine große Auswahl nicht unbedingt etwas positives. Viel eher zeigt sich damit die Zerrissenheit innerhalb der „Grand Old Party“. Während sich bei den Demokraten Hillary Clinton und Bernie Sanders schnell als Favoriten herauskristallisierten, duellierten sich die republikanischen Kandidaten zum Teil mit unwürdigen Mitteln. Letztlich setzte sich Donald Trump bei den Vorwahlen durch. Sein Sieg hat jedoch einen faden Beigeschmack, denn bei seinem Triumphzug hat er die Partei nach rechts gerückt und sie intern in eine Krise gestürzt.

Ohne Spenden geht nichts

Nach den Vorwahlen standen sich somit Clinton für die Demokraten und Trump für die Republikaner gegenüber. Für beide galt es nun Spenden für den eigenen Wahlkampf zu sammeln, da dieser in den USA privat finanziert wird. US-Bürger dürfen bis zu 2700 Dollar spenden, politische Organisationen dagegen können unbegrenzt einzahlen. Dies hat zur Folge, dass dieser Wahlkampf inzwischen knapp 6 Milliarden Dollar verschlungen hat. Beide Kandidaten investieren die Spenden in Werbung, besonders Hillary Clinton zeichnet sich hier aus. Sie hat bisher knapp 100 Millionen für Werbespots im Fernsehen ausgegeben.

The Winner takes it all

Typisches Bild: Während die Mitte und der Süden vor allem rot (Republikaner) geprägt ist, sind die Küsten blau (Demokraten)

Typisches Bild: Während die Mitte und der Süden vor allem rot (Republikaner) geprägt ist, sind die Küsten blau (Demokraten)

In wenigen Stunden wird sich nun zeigen, wie viel Wert all diese Investments haben werden. Eine Sache steht jedoch schon fest. Etwa 20 Prozent der Amerikaner haben bereits Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Zudem stehen in vielen Bundesstaaten die Sieger bereits mehr oder weniger fest. Denn Amerika teilt sich traditionell in die sogenannten Red and blue States. Gemeint sind damit Staaten die entweder klar Republikanisch (rot) oder klar Demokratisch (blau) wählen. So sind etwa New York und Kalifornien blau während die Südstaaten rot sind. Entsprechend entscheidet sich der Wahlkampf in den „Swing States“, Staaten, die von Wahl zu Wahl schwanken. Erst sie entscheiden endgültig darüber, wer die notwendigen 270 Wahlmänner zusammenbekommt, die es braucht um Präsident zu werden. Denn in den USA wird das Staatsoberhaupt indirekt gewählt. Jeder Bundesstaat besitzt Wahlmänner, deren Stimmen dem Prinzip „The Winner takes it all“ nach, dem Sieger des jeweiligen Bundesstaates in Gänze zugerechnet werden. Einzig in Maine und Nebraska gilt dieses Prinzip nicht, dort werden die Wahlmänner entsprechend der Stimmenanteile verteilt. Somit kann es sein, dass ein Kandidat die Wahl gewinnt, ohne die Mehrheit der Stimmen zu erhalten. Entsprechend wird diese Wahlmethode von vielen Experten als „undemokratisch“ angesehen. Dennoch ist mit einer Reform des Wahlrechts nicht zu rechnen.

Die Wahlnacht

Der Wahltag in unserem Fall also die Wahlnacht wird vermutlich erst um sechs Uhr (MESZ) entschieden sein. Denn die USA erstrecken sich über sechs Zeitzonen. Eine erste Prognose dürfte bereits um Mitternacht (MESZ) vorhanden sein. Bei der letzten Wahl stand der Sieg Obamas bereits um 5.13 (MESZ) fest.

 

Artikel Marek Szabowski

Fotoquellen

  1. http://de.freeimages.com/photo/usa-flag-3-1444798
  2. 2016 UVA Center for politics



Das kleinere Übel?

Beliebt sind sie wohl beide nicht: Weder Trump noch Clinton. Warum das so ist und welcher der Beiden zumindest für Europa die bessere Lösung wäre, das beantwortete uns Prof. Helmut Breitmeier vom Institut für Politikwissenschaften der JLU.

Prof. Breitmeier im Gespräch mit UNIversum

Prof. Breitmeier im Gespräch mit UNIversum

UNIversum: Professor Breitmeier, Ihre Forschung hat den Schwerpunkt Internationale Politik. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf in den USA?

Breitmeier: Er war wie immer sehr hart, unerbittlich und geprägt von zwei ganz unterschiedlichen Politikentwürfen. Und das ganz besondere dieses Jahr war, dass mit Donald Trump ein Populist das Establishment herausgefordert hat und sogar offizieller Präsidentschaftskandidat für die Republikaner ist. Das zeigt doch, wie gravierend die Probleme in den USA sind.

UNIversum: Wie schätzen Sie die beiden Kandidaten ein?

Breitmeier: Hillary Clinton ist sicherlich die Kandidatin, die im Wesentlichen das fortführt, was Obama begonnen hat. Mit Blick auf Donald Trump muss man sagen, dass er natürlich versucht gewisse Dinge rückgängig zu machen und eine andere Politik zu verfolgen. Wenn er tatsächlich die Mauer zu Mexiko verwirklicht, ist das eine Abschottungspolitik gegenüber einem der ganz großen Nachbarstaaten, die sich auch ökonomisch auswirken wird. Von daher ist Donald Trump sicher ein Kandidat, der für ein Programm steht, das wir allerdings in Europa auch haben. Und das sollten wir nicht unter den Tisch kehren.

UNIversum: Trumps Ziele. In wie weit kann er sie umsetzen?

Breitmeier forscht zu Internationalen Beziehungen. DIeses Semester leitert er ein Seminar zum Thema Außenpolitik der USA vor und nach den Wahlen 2016

Breitmeier forscht zu Internationalen Beziehungen. Dieses Semester leitet er ein Seminar zum Thema Außenpolitik der USA vor und nach den Wahlen 2016

Breitmeier: Da es eine große Anzahl von Hispano-Amerikanern gibt,  stellt sich innenpolitisch schon die Frage, ob sich das die Hispanics gefallen lassen. Ob Kuba oder Mexiko – ich weiß nicht, ob es so klug ist, was Trump tut in Bezug auf den Außenhandel. Wenn man sich bezüglich der Einwanderung abgrenzt, muss das auch Auswirkungen auf den Handel haben.

UNIversum: Warum Trump so viel Zuspruch und Hillary so unbeliebt?

Breitmeier: Sie haben nach acht Jahren Präsidentschaft immer eine Gegenbewegung. Das wirkt sich auch auf Hillary Clinton aus. Sie war ja als Außenministerin die ersten vier Jahre in der Regierung. Von daher wird sie als Teil des politischen Establishments empfunden, gegen das sich der Wähler auflehnt.

Hillary Clinton steht für die traditionelle Orientierung Amerikas, die heißt: „Sich öffnen gegenüber westlichen Verbündeten, auch die verantwortungsvolle Rolle in der Welt wahrnehmen, zum Teil mit militärischem Engagement“. Donald Trump ist jemand, der Europa sehr schonungslos sagt: „Ihr müsst in Zukunft für eure Sicherheit mehr Selbstverantwortung übernehmen“. Von daher wäre wahrscheinlich eine Wahl von Trump für Europa die größere Zumutung.

UNIversum: Wer hat die größeren Siegchancen?

Breitmeier: Gerade vor dem Hintergrund der jüngeren Entwicklungen mit der E-Mail-Affäre lässt es sich schwer sagen. Aber ich würde immer noch sagen: Clinton ist die Favoritin.

UNIversum: Welche Konsequenzen hätten Trump und Clinton als Präsident/in außenpolitisch für Deutschland?

Breitmeier: Ein Präsident Trump würde von Europa erwarten, dass es mehr für seine eigene Sicherheit tut. Ich glaube auch, dass er jemand wäre, der wahrscheinlich stärker abkehrt von den vereinten Nationen und auch den Multilateralismus nicht so auslebt. Da hätten wir sicher größere Probleme.

Breitmeier organisiert die Gießener Election Night

Breitmeier organisiert die Gießener Election Night

Aber auch Hillary Clinton kann für uns gewisse Zumutungen hinsichtlich des Militärs bedeuten, obwohl sie möglicherweise schon eher den Kurs fortsetzt, den Obama hat. Und wir haben ja auch Erfahrungen mit ihrer Zeit als Außenministerin von vor vier Jahren. Von daher glaube ich ist Clinton die Kandidatin, mit der Deutschland besser leben kann.

UNIversum: Ist Trump nur Trotzreaktion und es läuft doch auf Clinton raus?

Breitmeier: Hillary Clinton ist sehr unbeliebt in den USA. Ich glaube ein anderer Kandidat als Trump hätte große Chancen gehabt Clinton zu schlagen. Trump hat sich einfach ein paar schwere Eigentore geschossen und auch sein Auftreten stößt möglicherweise sehr viele Menschen ab. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob der Amerikaner sich Clinton wünscht. Es gab ja in den letzten Jahrzehnten wenige Wahlen, bei denen beide Kandidaten so unbeliebt waren.

UNIversum: Ist sie also ein nötiges Übel?

Breitmeier: Ich würde nicht sagen, sie ist das kleinere Übel. Mit Trump habe ich massive Probleme, aber auch mit Clinton habe ich meine Schwierigkeiten. Sie ist Repräsentantin eines Zustandes der amerikanischen Demokratie, bei der man fast von einer Erbmonarchie sprechen kann. Zwei Bush-Präsidenten, erst der Vater, dann der Sohn. Erst Bill und jetzt die Ehefrau. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin zum Zuge gekommen wäre, der etwas näher am Volk ist und der vielleicht weniger dieses zum Teil verkrustete Amerika repräsentiert.

 

Das Interview führte Tatjana Döbert

Fotos von Kim Hornig