Braucht Deutschland eine neue Islam-Berichterstattung?

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Karen Krüger stellt sich den Fragen zur Islam-Berichterstattung

Karen Krüger stellt sich den Fragen zur Islam-Berichterstattung

Die Frage nach dem Umgang mit dem Islam spaltet Deutschland und seine Medienlandschaft. Einige sehen in der Religion eine radikale Gefährdung der Demokratie  oder der deutschen Kultur und formieren sich in Bündnissen oder politischen Parteien. Andere versuchen im aktuellen Islam-Diskurs zu vermitteln und nicht nur einen Dialog, sondern auch viele verschlossene Augen zu öffnen. So, wie Journalistin Karen Krüger.

Karen Krüger, FAZ- Journalistin,  sprach an der JLU zu den Themen Medien, Islam und Türkei. Sie erzählte von ihrem Weg in den Journalismus, der mit einer Reportage über den Völkermord in Ruanda begonnen hatte. Durch ihren vierjährigen Aufenthalt in Istanbul, wo sie mit 14 Jahren eine deutsche Schule besuchte, sei sie schon früh in den Kontakt mit der Türkei und dem Islam geraten.

Eine Reise durch das islamische Deutschland

Krüger zeichnet sich allerdings nicht nur als etablierte Journalistin mit dem Schwerpunkt Islam und Türkei aus, sondern auch als Publizistin. In ihrem ersten Buch mit dem Titel „Bosporus Reloaded“ schreibt sie über die Gezi-Proteste und ihre journalistische Arbeit während der Demonstrationen junger Türken im Herzen von Istanbul. Sie sei erstaunt gewesen, welche Leserreaktionen sie auf ihre Artikel erhielt, die sie für die FAZ geschrieben hatte. Viele Leser seien überrascht gewesen über die junge türkische Generation, die sich gegen die Unrechtmäßigkeiten der Obrigkeit auflehnte, und nicht den typischen Klischees und Vorurteilen entsprach. Diese Diskrepanzen und Eindrücke fanden letztlich Platz in ihrem Buch und sollten die üblichen Ressentiments über Türken, aber auch den Islam beseitigen.

Schließlich durften sich die Gäste auch über eine kleine Weltpremiere freuen. Die Journalistin trug einen Auszug aus ihrem aktuellen Buch „Reise durch das islamische Deutschland“ vor, das in Kürze erscheinen wird. Für ihre Recherchen zu diesem Werk reiste sie durch Städte in ganz Deutschland, um mit Muslimen zu sprechen, die eben nicht durch Radikalität, Hass oder Kriminalität auffallen, sondern ihre Religion friedlich praktizieren und ausleben. Sie beschrieb die Wände von Vorurteilen, auf die sie traf. Beispielsweise von der Konfrontation einer jungen Anhängerin einer Freikirche mit der Thematik des Islams. Die Auffassung, dass es ausschließlich einen radikalen Islam gebe, sei evident, sagte Krüger. Befeuert würden solche Thesen auch von Büchern wie “Islamischer Faschismus” des Autoren Hamel Abdel-Samad, eines zum Christentum konvertierten Ex-Muslimen, der seiner ehemaligen Weltreligion faschistoide Tendenzen unterstellt hatte.

Medien in der Verantwortung

Karen Krüger erzählte von Erfahrungen, die sie in einem Zeltlager gemacht hatte, auf dem sich christliche und muslimische Kinder ohne Vorbehalte kennenlernten. Als einen weiteren Grund für die Verschlechterung des Islambildes sieht Krüger vor allem  die Medien in der Verantwortung. Als Beispiel führt sie die Berichterstattung des Focus an, der im Rahmen einer Reportage eine schwarz verschleierte Frau auf dem Cover abbildete und mit „Die dunkle Seite des Islam“ titelte. Auch der Artikel selbst dämonisierte den Islam, unterstellte diesem, dass er die Meinungsfreiheit bedrohe und urteilte, dass er vielleicht einfach einen Luther brauche. Krüger antwortete darauf scharf und schrieb in ihrem Buch, dass der Focus vielleicht einfach nur gute Journalisten benötige. Sie bemängelt weiterhin, dass in den deutschen Medien oftmals Bilder gewählt werden, die eine Fremdheit und eine kulturelle Unvereinbarkeit suggerieren, den Islam gar als reine Ideologie der Eroberung und Missionierung darstellen. Viel zu selten kämen gläubige Muslime zu Wort, die sich in Deutschland integriert haben und nicht der Bipolarität entsprechen, in der es nur Gut und Böse gibt.

 

Artikel und Foto von Maurice Jelinski

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