Aus dem Herzen eines Swing States

In den USA ist Clinton ähnlich unbeliebt wie Trump

In den USA zeigen die Wähler offen für wen sie sind

Kaum etwas polarisiert die westliche Welt so sehr wie die Wahl des US-Präsidenten alle vier Jahre. Der Präsident der Vereinigten Staaten galt als Oberhaupt der westlichen Welt. Nun haben wir den Fall, dass sich nach acht Jahren Präsident Obama nicht erneut zur Wahl stellen kann. Für die Demokraten geht die ehemalige Senatorin Hillary Clinton ins Rennen, die Republikaner stellen Donald Trump als ihren Kandidaten auf. Mittendrin, statt nur durch Medien ist unser Reporter Felix Leyendecker. Er befindet sich zurzeit in Florida – einem der Swing States.

Die Swing States entscheiden die Wahl. Von Wahljahr zu Wahljahr entsheiden sie sich immer wieder um, wem sie ihre Wahlmänner geben. Bestes Beispiel dafür war die Wahl im Jahr 2000, als George W. Bush sich am Ende gegen Al Gore mit wenigen Stimmen durchsetzte. Die Gore-Anhänger glaubten damals an einen Wahlbetrug und beschwerten sich. Dies hat in Florida seit 16 Jahren zur Folge, dass die Wahlzettel per Hand ausgezählt werden. So lebt Amerika die Ideale, die sie vor knapp 220 Jahren geprägt haben.

Die Wahl überall

Besonders hier in Florida scheint die Stimmung sehr ambivalent. Gerade in unseren Nachbarschaft oder generell in Cape Coral, sieht man sehr wenig Werbung und Plakate für Hillary Clinton. Donald Trump hingegen ist weit verbreitet. Überall sieht man Plakate von ihm und seinem Vizepräsidentschaftskandidaten Pence mit der Aufschrift „Make America great again“. Auch im Fernsehen und im Radio scheut Trump keine Kosten und Mühe und

Nach 8 Jahren Obama sehnen viele Amerikaner einen Wechsel herbei

Nach 8 Jahren Obama sehnen viele Amerikaner einen Wechsel herbei

verbreitet seine Botschaft. Dies bestätigt nochmal, dass die Medien eine noch intensivere Rolle spielen als man es aus Europa kennt. In der landesweit erscheinenden Zeitung „USA Today“ gab es am 7. November mehrere Beiträge über den Wahlprozess und die Folgen. Clinton und Trump hatten dort die Möglichkeit, mit einem Beitrag ihre Meinungen und Ziele nochmals zu nennen und die letzten Wähler für sich zu gewinnen. Der Amerikaner merkt deutlich, dass alles auf die Wahl ausgerichtet ist. Es ist ein permanenter Wahlkampf, bereits die Vorwahlen zeigten die Pläne und Ziele der beiden Kandidaten.

Spaltung Amerikas

Ich hatte mehrere Male die Möglichkeit, mit „locals“ zu sprechen und sich mit ihnen über „ihre“ Wahl zu unterhalten. Viele in den Südstaaten unterstützen Trump, da er aus ihrer Sicht das Land wieder zu Größe und Stärke führen kann. Sie sind unzufrieden mit der Politik von Obama, erachten Projekte wie „Obamacare“ als sinnlos und eine Gefahr für die persönliche Freiheit in den Vereinigten Staaten. Das für mich interessanteste Gespräch hatte ich mit einem Ehepaar aus Detroit, Michigan. Mary und Paul, beide 41, haben einen persönlichen Streit über den Ausgang der Wahl. Mary ist vollkommen überzeugt davon, dass Trump dem Land wieder Wohlstand und Sicherheit gibt und man mit Trump innenpolitisch zu neuer Stärke kommen wird. Sie hält Clinton für eine Kriegstreiberin und bezieht sich auf ihre Zeit als Verteidigungsministerin und als Senatorin des Staats New York. Paul hingegen unterstützt Hillary. Er ist davon überzeugt, dass Trump das Land in den Ruin stürzen würde und dass ein Donald Trump

Die Amerikaner zeigen offen, für wen sie sind

Clinton ist in Amerika ähnlich unbeliebt wie Trump

nicht in der geistigen Reife sei, um das Militär und die atomaren Sprengköpfe der USA zu kommandieren. Clinton kümmere sich um die Gleichberechtigung aller, während Trump nur ein alter, reicher und eingebildeter Rassist ist.  Für ihn wird mit Hillary eine ähnlich neue Ära eingeleitet wie bei der Wahl von Präsident Obama. „Erst ein Farbiger und danach eine Frau“, sagt Mary skeptisch, „ich glaube nicht, dass die Konservativen in Amerika das akzeptieren würden, selbst im Jahr 2016“. Nach knapp zwei Stunden hatten mich beide von ihren Ansichten und Meinungen überzeugt, jedoch konnte man eins deutlich spüren.

Wahl noch offen

Ich glaube nicht, dass eine so intensive Diskussion in Deutschland stattfinden könne. Jedoch ist das gerade in den Vereinigten Staaten der Punkt. Die Wahl ist allgegenwärtig. Über ein Jahr lang wird jeden Tag klargemacht, wofür der eine und wofür der andere steht. Die Werte und die Ziele der jeweiligen Kandidaten werden jeden Tag verbreitet. Natürlich wird auch im Privaten, im Büro, an der Tankstelle oder in der Familie darüber diskutiert. Eins zeigt sich dabei deutlich: Die Wahl teilt nicht nur Familie und Freunde in zwei verschiedene Lager, sie teilt das ganze Land in zwei Lager. Wer am Ende siegreich hervorgehen wird und für vier Jahre Präsident oder Präsidentin der Vereinigten Staaten sein wird, das werden wir heute Abend erfahren. Amerika wird sich verändern, genauso wie bei der Wahl 2008. Die Frage ist nur, in welche Richtung.

 

Der Bericht zur Wahl in den Vereinigten Staaten live aus dem „Swing State“ Florida,

von Felix Leyendecker // Cape Coral, FL

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