Alkohol und Einkaufstüten

Schmutz und Flaschen, so sieht der Gießener Marktplatz fast immer aus

Schmutz und Flaschen, so sieht der Gießener Marktplatz fast immer aus

Streit und Geschrei

“Es ist eine super zentrale Lage, aber ist manchmal ist es schon komisch”, die 21-jährige Lena* wohnt, wie viele andere auch, in einer Wohnung in den dicht gedrängten Häusern am Gießener Marktplatz. Dieser ist  Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen von Menschen, die sich dort versammeln um vor allem  Alkohol zu trinken. Danach werden die Flaschen achtlos auf den Boden geworfen. Auch Diebstahl ist nicht ausgeschlossen, kommt aber nicht massiv vor. Trotzdem fühlen sich Anwohner, wie Studentin Lena, unwohl  wenn sie in der Dunkelheit, über den schmutzigen Platz, zu ihrer Wohnung huschen. “Es gibt immer wieder Stress in den Gruppen die hier rumsitzen und es wird viel rumgeschrien”, bemerkt die Anwohnerin. ´

Auf den beschmierten und stinkenden Bänken will keiner sitzen

Auf den beschmierten und stinkenden Bänken will keiner sitzen

Um in Gießen ein Gefühl der Sicherheit zu garantieren, arbeitet die Gießener Polizei eng mit der Ordungsbehörde zusammen. Wie in vielen Städten ist das Geld knapp, trotzdem konnte eine mobile Polizeistation am Markt eingerichtet werden. Um die Lage am Gießener Marktplatz und Gießen allgemein trotzdem besser kontrollieren zu können, bildet die Polizei nun auch freiwillige Helfer aus.” Dabei setzen wir immer auf Kommunikation, denn diese Leute sind ja keine Außerirdischen”, beteuert die Magistratssprecherin.

Was bisher getan wurde

Das bedeutet natürlich nicht, dass bisher nichts unternommen wurde um den Alkoholkonsum und den Vandalismus am Markt in den Griff zu bekommen. So wurde der, tagsüber mit Tauben und Menschen gefüllte Platz, in der Vergangenheit von Kameras überwacht. Doch diese Maßnahme scheiterte, so Boje, daran, dass es nicht genug Straftaten gab um die Überwachung zu rechtfertigen.”Denn schließlich leben wir ja nicht in einem Überwachungsstaat”. Weitere Ideen den Marktplatz zu einem unattraktiveren Treffpunkt für die trinkenden und oft pöbelnden Gruppen zu machen, scheiterten ebenfalls. So hatte es 2012 eine Anfrage an die Supermärkte um den Marktplatz gegeben, mit der Bitte, keinen Alkohol mehr zu verkaufen, wie es bereits seit 2007 in Marburg der Fall ist. Auch der Versuch mit Attraktionen, wie einem Kinderkarussell ein anderes Publikum auf den Markt zu holen, gelang  nicht, wie der Gießener Anzeiger berichtete.

Abgrenzung

Hund Fusko sitzt den ganzen Tag brav neben Herrchen Nazar, solange der um Geld bittet

Hund Fusko sitzt den ganzen Tag brav neben Herrchen Nazar, solange der um Geld bittet

“Dabei ist es falsch alle in einen Topf zu schmeißen”, warnt Claudia Boje. Es gibt auf dem Marktplatz Obdachlose, sowie Menschen mit einem Dach über dem Kopf, Arbeitslose und Arbeitende, Diebe und Punks, die dort ihre Zeit verbringen. Einigen dieser Menschen kann man durch soziales Engagement helfen. Dafür setzt sich zum Beispiel  die Diakonie, mit sogenannten Streetworkern, ein. Diese wollen denen, die Hilfe brauchen und annehmen, den Start in ein geregeltes Leben ermöglichen. Doch nicht alle wollen das. “Und sobald eine Gruppe geht, kommt eine andere an deren Stelle”, erklärt Pressesprecherin Boje. Auch zwischen den Gruppen und Einzelpersonen am Brennpunkt Marktplatz gibt es klare Unterschiede und Hierarchien.

Etwas unterhalb des Marktplatzes, im Seltersweg, sitzt ein älterer Mann mit grauen Haaren auf dem Boden, vor sich eine Schale mit einigen Geldstücken darin. Seinen Namen will er nicht sagen und bei Fotos winkt er ab. Im folgenden wird er Nazar genannt.Nazar sagt in gebrochenem Deutsch, dass er nicht “so ist wie die da oben”. Mit einer unbestimmten Handbewegung zeigt er zum Marktplatz. Der gebürtige Ukrainer beteuert immer wieder,” trinke nur Wasser nur Wasser nix Alkohol”. Dort oben am Markt kann er nicht sitzen, da gehört er nicht hin, erklärt er und lächelt zahnlos.

Trotz großer Bemühungen die Umstände am Gießener Marktplatz zu ändern, hat bisher keine der administrativen  Maßnahmen in vollen Umfang gefruchtet. Dennoch hoffen Anwohner, dass in Zukunft, durch verstärkte Polizei und Helferpräsens, das Gefühl der Ordungssicherung wieder hergestellt werden kann. Damit sie auch ohne ein beklemmendes Gefühl  im Bauch abends in ihre Wohnungen zurückkehren können.

 

Reportage und Fotos von Kim Melina Hornickel

 

*Name geändert

 

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One Reply to “Alkohol und Einkaufstüten”

  1. Ein eigentlich schöner Artikel, der eine bekannte Problematik aufgreift und Maßnahmen, diese zu beseitigen, beleuchtet. Gerade weil der Artikel gut gelungen ist, ist es besonders bedauerlich, dass sich in ihm so viele Fehler finden.

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