Zeit, die Räder fahrtauglich zu machen

Das Stadtradeln ist eine Kampagne für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität. Das Ziel ist, ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen, aber auch die Rad-Infrastruktur zu verbessern. Alle Studenten und Mitarbeiter der JLU können für das Uni-Team starten. Dabei ist es ganz egal, wo man unterwegs ist. Jeder Kilometer mit dem Fahrrad wird gezählt – in Gießen auf dem Weg zur Uni oder bei einer Radtour irgendwo in Europa. Im vergangenen Jahr hat das JLU-Team den ersten Platz in Gießen belegt – 38.846 Kilometer ist das Team insgesamt gefahren.

Das Stadtradeln wird vom Klima-Bündnis ausgerichtet, einem Netzwerk verschiedener Kommunen in Deutschland und im europäischen Ausland. Das Klima-Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, den Klimaschutz voranzutreiben, sowohl mit konkreten Maßnahmen zur Senkung von CO2-Emissionen, als auch durch verschiedene Aktionen, die mehr Bewusstsein für das Klima schaffen sollen. Rund 1700 Kommunen sind Teil des Bündnisses, darunter Berlin, Frankfurt und Köln. Gießen gehört seit 2007 dazu. Eine Aktion des Netzwerkes ist das jährliche Stadtradeln, bei dem jede Kommune in einem Zeitraum von drei Wochen möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegt. Bei dieser Kampagne kann jeder Teilnehmer ein Zeichen für die Umwelt und für eine klimafreundliche Fortbewegung setzen. Das Stadtradeln findet im Jahr 2018 zum elften Mal statt, Gießen beteiligt sich zum vierten Mal.

„Auch diejenigen, die nur wenig Rad fahren, können teilnehmen“, sagt Katja Bürckstümmer vom Ordnungsamt der Stadt. Sie koordiniert das Stadtradeln in Gießen. „Entscheidend sind nicht die gefahrenen Kilometer, sondern die Anzahl der Personen“, teilt sie auf Anfrage von Universum mit. Das Ziel der Kampagne sei, ein klares Zeichen für den Klimaschutz zu setzen und dabei zähle jeder Teilnehmer.

Die Kilometer können in einen digitalen Kalender auf der Stadtradeln-Website eingetragen oder direkt mit einer App übermittelt werden. Anhand dieser App werden Daten anonymisiert gesammelt und von der TU Dresden ausgewertet. Hierdurch soll die Rad-Infrastruktur an Strecken verbessert werden, die viel von Radfahrern genutzt werden.

Die Auftaktveranstaltung findet am Samstag, 5. Mai, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr in der Innenstadt in der Löwengasse statt. Die Aktion läuft über drei Wochen, vom 5. bis zum 25. Mai 2018. Für Teilnehmende in Gießen gibt es bei der Auftaktveranstaltung Fahrradutensilien, wie zum Beispiel einen Sattelüberzug, als kleines Dankeschön von der Stadt. Am Ende der Aktion werden jeweils die ersten drei Teams in folgenden Kategorien ausgezeichnet: für die meisten Mitglieder, für die meisten gefahrenen Kilometer im gesamten Team und für die durchschnittlich pro Teammitglied gefahrenen Kilometer. Außerdem werden die drei Einzelteilnehmer, die die größte Distanz zurückgelegt haben, geehrt.

Für weitere Informationen und zur Registrierung: www.stadtradeln.de/giessen

Maike Heimsoth




Umbauten am Phil I – Die “wahren” Hintergründe der Renovierungsprojekte

 

 

Gegen alle Erwartung: Meilenstein bei Phil I-Renovierung

Die Baumaßnahmen an der JLU eilen ihrem Plan voraus. Bereits einige Jahre vor dem festgelegten Termin gelang die vollständige Erneuerung des Buchstabens „O“ im Schriftzug des Phil I am Eingang zu Haus A. Die restlichen Buchstaben sollen nun folgen. Daher wird in Kürze das „K“ für einige Zeit von der Außenwand verschwinden, bis die neue Version des Buchstabens eingetroffen ist. Dessen etwas schwärzere Farbe sowie die geplante klare Formgebung stehen für Modernität und sollen das Phil I stilistisch in das 21. Jahrhundert integrieren. Anschließend werden die Buchstaben „H“ und „U“ sowie das zweite „O“ folgen. Aufgrund der sehr langsam trocknenden Wandfarbe wird diese Aufgabe allerdings noch einige Jahre in Anspruch nehmen, wobei erschwerend hinzukommt, dass durch den maroden Korpus des Hauses immer nur ein Buchstabe abgehangen werden kann, um die Statik des Gebäudekomplexes nicht zu gefährden. Rechnet man die benötigte Zeit zum Austausch der restlichen Buchstaben zurück, müsste der erste Schriftzug des Phil I bereits 1607 von spanischen Eroberern befestigt worden sein. Dies entspricht interessanterweise exakt dem Gründungsjahr der JLU. Dass im Zuge dessen Renovierung nun das „O“ an der Reihe ist, kann darüber hinaus kein Zufall sein. Manch ein Philosophie-Student stellte bereits die Überlegung an, dass die Kreisform des Buchstabens O die Unendlichkeit symbolisiert. Getreu diesem Thema gestalten sich die Umbauarbeiten am Phil I.

 

Tradition trifft Technik: Der architektonische Sprung

Es klingt gewagt, doch die JLU ändert ihren Stil. „Weg von konservativer Architektur, hin zur Postmoderne“ lautet das Motto für die geplante Umgestaltung des Gebäude-Images. Dies zeigt das kürzlich gestartete Pilotprojekt am Phil I, in dem zwischen Haus A und B Elemente des strukturellen Expressionismus sichtbar werden. Gleich dem Centre Georges-Pompidou in Paris, welches als Vorbild dieser Unternehmung diente, sollen jegliche normalerweise innengelagerte Infrastruktur sowie die Versorgungsleitungen sichtbar gemacht werden. Die Reaktionen der Studierenden sind bislang gemischter Natur: Von begeisterten Puristen bis hin zu fassungslosen Passanten ist alles dabei. Des Weiteren existieren fortgeschrittene Pläne, in denen von gläsernen Hörsälen sowie von stählernen Tischen und Sitzbänken die Rede ist, da der Einsatz von Stahl und Glas in der High-Tech-Architektur eine besondere Rolle spielt. Ob sich dieser Trend allerdings durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

 

Neue Technologie: Eingangstür passt sich an Studenten an

Wie bereits den meisten Studierenden aufgefallen ist, wurde die Drehtüranlage am Eingang zur UB schon im vergangenen Semester entfernt und die Öffnung stilgerecht verschlossen. Alternativ stehen der Zugang über die cUBar sowie hauptsächlich der Eingang neben der ehemaligen Drehtür zur Verfügung. Letzterer wurde zudem mit einer neuen Technologie ausgestattet, welche im Türrahmen verbaut wurde und sich dem eintretenden Studenten anpasst. Ist dieser beispielsweise demotiviert, so lässt sich die Tür dementsprechend schwerer öffnen. Auch andere Faktoren wie die Laune oder die Sportlichkeit der Person werden durch das elektromagnetische Feld erfasst und in das Endergebnis mit einbezogen. So soll die Motivation der Studierenden gesteigert werden, da allein der Gedanke an einen geringeren Kraftaufwand beim Eintritt die Motivation der Person steigern kann, woraufhin sofort die Belohnung in Form des problemlosen Passierens folgt. Diese sogenannte positive Verstärkung ist auch bei einer Reihe ähnlicher Projekte maßgeblich an deren Erfolg beteiligt. Sei es der Rätsel-Snackautomat oder das selbstaufblasbare Nackenkissen, alle Erfindungen folgen dem gleichen Prinzip. Inwiefern sich diese zugegebenermaßen nicht ganz billige Neuerung auf die Leistung der Studenten auswirken wird, sollen nun begonnene Langzeit-Studien zeigen. Allerdings lässt sich bereits jetzt eine starke Differenz bei dem benötigten Kraftaufwand zum Öffnen der Tür bei verschiedenen Studierenden beobachten.

 

Adrian Mertes