23 Nov

“Ihr werdet der Motor sein” – Über den neuen Journalismus

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Gregor Mayer zu Besuch in Gießen

Der Journalismus der Zukunft wird schon jetzt geplant. Der Online-Journalist Gregor Mayer war in Gießen und sprach mit uns über State-of-the-Art Medien, die Bravo-Bildershow der heutigen Generation und den Motor für alles Neue.

Im richtigen Zeitpunkt da sein – das ist vor allem als Journalist wichtig. Dabei ist nicht einmal ein Tatort oder ein wichtiges Interview gemeint. Nein, wichtig ist, im richtigen Moment bereit für neue Herausforderungen zu sein. So war es auch bei Gregor Mayer. Der Online-Chef des öffentlich-rechtlichen Spartenkanals Phoenix begann mit seiner Arbeit im Web, als es noch in den Kinderschuhen steckte. „In den 90ern kam ich über mein Redaktionstrainee zum Sender. Als junger frischer Journalist schmiss man mich ins kalte Wasser.“ Mayer sollte sich den neuen Onlineauftritt kümmern. „Ich habe mich ein wenig wie ein Fremdkörper gefühlt, weil damals neue Dinge wie E-Mail und Internet noch gar nicht weit verbreitet waren“, erinnerte sich Mayer.

Alle 5 Jahre muss man sich neu erfinden

Seitdem hat sich jedoch vieles verändert. Die Digitalisierung der Medien und die immer stärkere Nutzung von Social Media führen dazu, dass sich Medienkonzerne immer wieder selbst neu erfinden müssen. „Alle fünf Jahre gibt es einen größeren Entwicklungsschritt um State of the Art zu sein“, so der Experte. Deshalb kümmern er und sein Team sich schon jetzt um die vermeintliche Mediennutzung im Jahr 2021. Er muss sich jetzt schon fragen:

Die Nachwuchsjournalisten hörten gespannt zu

Die Nachwuchsjournalisten hörten gespannt zu

Wie werden sich Facebook und Twitter  weiterentwickeln? Wie kann man Instagram und Snapchat journalistisch nutzen? Bleibt es eine Art Bravo-Bildershow der Zukunft oder ist es auch seriös einsetzbar? Und welche Neuerungen – nicht nur auf dem Social- Media-Markt –  wird es geben?  Klar ist jetzt schon: Nachrichten werden individueller, vielfältiger und interaktiver verbreitet. Diese  Entwicklungen haben jedoch zur Folge, dass man sich heute mit dem Konflikt zwischen Seriosität und der reinen Nachricht auf den sozialen Medien auseinandersetzen müsse. Das Filtern von „wahr“ und „unwahr“ wird immer wichtiger, denn die Menschen interagieren immer mehr mit den Medien. Mehr Mobilität durch mehr Smartphones, Tablets und höhere Datenvolumen führen dazu, dass die Leute sofort im Bilde seien. Entsprechend müsse man sich heute mit den Möglichkeiten der Zukunft auseinandersetzen. „Virtual Reality ist das ganz große Neue. Sie müssen sich eine 360° Kamera im Plenarsaal des Bundestages vorstellen. Plötzlich ist man mittendrin und sieht genau welcher Abgeordnete was tut“, schaffte Mayer einen Ausblick in künftige Konzepte.

Der Aufstieg der Populisten

Neue Entwicklungen bringen jedoch auch manchmal neue Gefahren. Der Aufstieg von Populisten sei auch auf deren gute Nutzung von neuen Medien zu begründen. „Die AFD nutzte Facebook und Twitter und holte damit viele Stimmen“, so Mayer. Problem sei hierbei, dass der Algorithmus von Facebook diesem Wählerklientel suggeriere die eigene Meinung wäre plötzlich Mainstream. „Die Anonymität fällt weg gleichzeitig auch die Hemmnisse“, resümierte der Referent.

Angst vor dem Wandel?

Für die Zukunft machte Mayer klar wird es auch weiterhin so sein, dass die neuen Medien die alten nicht ersetzen sondern ergänzen werden. „Denn viele Nachrichten, die im Netz verbreitet werden, entstammen immer noch aus journalistischer Arbeit“. Entsprechend wichtig sei es, diese Quelle zu schützen. Ändern wird sich in den kommenden Jahren jedoch die Zahl der Online-Nutzer. „Obwohl prozentual mehr Jugendliche das Internet nutzen. Das größte absolute Potenzial liegt bei den 40-50 Jährigen“, bilanzierte der Referent. Darauf würden sich etwaige Apps’s und Webseiten ausrichten. „Die Bedürfnisse der Nutzer haben sich nicht geändert. Aber die Möglichkeiten sind im stetigen Wandel“. Das führe dazu, dass viele ältere Kollegen bei neuen Dingen erst mal ängstlich seien und eher die Risiken denn die Chancen sehen. Deswegen richtete er sich zum Schluss mit einem Appell an die anwesenden Studenten. „Sie werden der Motor der neuen Entwicklung sein. Haben Sie keine Angst vor Ablehnung oder Kritik.“

 

Artikel von Marek Szabowski

Fotos von Jennifer Meina

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17 Nov

Wie kommst du durch´s Studium?

Wolltet ihr schon immer mal wissen wie eure Kommilitonen durch ihr Studium kommen? Vielleicht haben sie tolle Mottos, die euch auch helfen, den Uni-Alltag durchzustehen?!

Wir haben uns auf dem Campus umgehört und das ist dabei herausgekommen:

 

Moritz, GuK-Master, Hauptfach: Klassische Archäologie und Nebenfach: Geschichte, 3. Semester

Plan A: Sich vorbereiten Plan B: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

 

 

 

“Plan A: Sich vorbereiten

Plan B: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit”

 

 

 

 

 

 

Silvia, GuK-Bachelor, Hauptfach: Kunstgeschichte und Nebenfach: Klassische Archäologie, 5. Semester

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“Weine nur zuhause – und Kaffee”

 

 

 

 

 

 

Maria (rechts), GuK-Bachelor, Hauptfach: Anglistik und Nebenfächer: Geschichte und Klassische Archäologie, 5.Semester

und

Monia (links), GuK-Bachelor, Hauptfächer: Klassische Archäologie und Geschichte, 5. Semester

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“Club Mate und Kaffee” (Monia)

“Leidenschaft entfesseln” (Maria)

 

 

 

Stefan, Lehramt (L2), Englisch und Geschichte, 1. Semester

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“Zeit-Management ist alles!

 

 

 

 

Daniel, Jura, 7. Semester

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“Einfach das Beste daraus machen.     Dann läuft es einfach!”

 

 

 

 

Jana, Psychologie, Bachelor 3. Semester

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Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, dann frag nach Salz und Tequila.”

 

 

 

 

 

Florian, Lehramt (L 3), Politik, Wirtschaft, Geschichte, 3. Semester

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“Geduld und gute Freunde!”

 

 

 

 

 

 

Emma, Neuere Fremdsprachen und Fremdsprachendidaktik, Bachelor 7. Semester

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“Spaß am Studium und Vorfreude auf das, was später kommt!”

 

 

 

 

 

Dominik, Sozialwissenschaften, Bachelor 1. Semester

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“MUSIK”

 

 

 

 

 

 

Erika, Hauptfach: Germanistik und Nebenfächer: Politikwissenschaften und Geschichte, Bachelor 3. Semester

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“Augen zu und durch”

 

 

 

 

 

 

Julia (rechts) , Lehramt (L 2), Geschichte und Englisch, 5. Semester

und

Kirstin (links), Lehramt (L 2), Geschichte, Deutsch und Ethik, 9. Semester

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“Kein Motto. Ich bin nur traurig, dass ich noch hier bin.” (Kirstin)

“Hauptsache durchkommen!”
(Julia)

 

 

 

 

 

 

 

Kai (links), Lehramt (L 2), Englisch und Geschichte, 1. Semester

und

Paul (rechts), Lehramt (L 3), Geschichte und Germanistik, 1. Semester

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“Nicht immer volle Power, aber immer mal etwas.” (Kai)

“Gelassen und ruhig” (Paul)

 

 

 

 

 

 

Fotos und Interviews von Franziska Brungs und Luisa Kreiling

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08 Nov

Aus dem Herzen eines Swing States

In den USA ist Clinton ähnlich unbeliebt wie Trump

In den USA zeigen die Wähler offen für wen sie sind

Kaum etwas polarisiert die westliche Welt so sehr wie die Wahl des US-Präsidenten alle vier Jahre. Der Präsident der Vereinigten Staaten galt als Oberhaupt der westlichen Welt. Nun haben wir den Fall, dass sich nach acht Jahren Präsident Obama nicht erneut zur Wahl stellen kann. Für die Demokraten geht die ehemalige Senatorin Hillary Clinton ins Rennen, die Republikaner stellen Donald Trump als ihren Kandidaten auf. Mittendrin, statt nur durch Medien ist unser Reporter Felix Leyendecker. Er befindet sich zurzeit in Florida – einem der Swing States.

Die Swing States entscheiden die Wahl. Von Wahljahr zu Wahljahr entsheiden sie sich immer wieder um, wem sie ihre Wahlmänner geben. Bestes Beispiel dafür war die Wahl im Jahr 2000, als George W. Bush sich am Ende gegen Al Gore mit wenigen Stimmen durchsetzte. Die Gore-Anhänger glaubten damals an einen Wahlbetrug und beschwerten sich. Dies hat in Florida seit 16 Jahren zur Folge, dass die Wahlzettel per Hand ausgezählt werden. So lebt Amerika die Ideale, die sie vor knapp 220 Jahren geprägt haben.

Die Wahl überall

Besonders hier in Florida scheint die Stimmung sehr ambivalent. Gerade in unseren Nachbarschaft oder generell in Cape Coral, sieht man sehr wenig Werbung und Plakate für Hillary Clinton. Donald Trump hingegen ist weit verbreitet. Überall sieht man Plakate von ihm und seinem Vizepräsidentschaftskandidaten Pence mit der Aufschrift „Make America great again“. Auch im Fernsehen und im Radio scheut Trump keine Kosten und Mühe und

Nach 8 Jahren Obama sehnen viele Amerikaner einen Wechsel herbei

Nach 8 Jahren Obama sehnen viele Amerikaner einen Wechsel herbei

verbreitet seine Botschaft. Dies bestätigt nochmal, dass die Medien eine noch intensivere Rolle spielen als man es aus Europa kennt. In der landesweit erscheinenden Zeitung „USA Today“ gab es am 7. November mehrere Beiträge über den Wahlprozess und die Folgen. Clinton und Trump hatten dort die Möglichkeit, mit einem Beitrag ihre Meinungen und Ziele nochmals zu nennen und die letzten Wähler für sich zu gewinnen. Der Amerikaner merkt deutlich, dass alles auf die Wahl ausgerichtet ist. Es ist ein permanenter Wahlkampf, bereits die Vorwahlen zeigten die Pläne und Ziele der beiden Kandidaten.

Spaltung Amerikas

Ich hatte mehrere Male die Möglichkeit, mit „locals“ zu sprechen und sich mit ihnen über „ihre“ Wahl zu unterhalten. Viele in den Südstaaten unterstützen Trump, da er aus ihrer Sicht das Land wieder zu Größe und Stärke führen kann. Sie sind unzufrieden mit der Politik von Obama, erachten Projekte wie „Obamacare“ als sinnlos und eine Gefahr für die persönliche Freiheit in den Vereinigten Staaten. Das für mich interessanteste Gespräch hatte ich mit einem Ehepaar aus Detroit, Michigan. Mary und Paul, beide 41, haben einen persönlichen Streit über den Ausgang der Wahl. Mary ist vollkommen überzeugt davon, dass Trump dem Land wieder Wohlstand und Sicherheit gibt und man mit Trump innenpolitisch zu neuer Stärke kommen wird. Sie hält Clinton für eine Kriegstreiberin und bezieht sich auf ihre Zeit als Verteidigungsministerin und als Senatorin des Staats New York. Paul hingegen unterstützt Hillary. Er ist davon überzeugt, dass Trump das Land in den Ruin stürzen würde und dass ein Donald Trump

Die Amerikaner zeigen offen, für wen sie sind

Clinton ist in Amerika ähnlich unbeliebt wie Trump

nicht in der geistigen Reife sei, um das Militär und die atomaren Sprengköpfe der USA zu kommandieren. Clinton kümmere sich um die Gleichberechtigung aller, während Trump nur ein alter, reicher und eingebildeter Rassist ist.  Für ihn wird mit Hillary eine ähnlich neue Ära eingeleitet wie bei der Wahl von Präsident Obama. „Erst ein Farbiger und danach eine Frau“, sagt Mary skeptisch, „ich glaube nicht, dass die Konservativen in Amerika das akzeptieren würden, selbst im Jahr 2016“. Nach knapp zwei Stunden hatten mich beide von ihren Ansichten und Meinungen überzeugt, jedoch konnte man eins deutlich spüren.

Wahl noch offen

Ich glaube nicht, dass eine so intensive Diskussion in Deutschland stattfinden könne. Jedoch ist das gerade in den Vereinigten Staaten der Punkt. Die Wahl ist allgegenwärtig. Über ein Jahr lang wird jeden Tag klargemacht, wofür der eine und wofür der andere steht. Die Werte und die Ziele der jeweiligen Kandidaten werden jeden Tag verbreitet. Natürlich wird auch im Privaten, im Büro, an der Tankstelle oder in der Familie darüber diskutiert. Eins zeigt sich dabei deutlich: Die Wahl teilt nicht nur Familie und Freunde in zwei verschiedene Lager, sie teilt das ganze Land in zwei Lager. Wer am Ende siegreich hervorgehen wird und für vier Jahre Präsident oder Präsidentin der Vereinigten Staaten sein wird, das werden wir heute Abend erfahren. Amerika wird sich verändern, genauso wie bei der Wahl 2008. Die Frage ist nur, in welche Richtung.

 

Der Bericht zur Wahl in den Vereinigten Staaten live aus dem „Swing State“ Florida,

von Felix Leyendecker // Cape Coral, FL

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08 Nov

Amerika wählt – alles Wichtige zur Wahl

Amerika wählt

Amerika wählt

In Amerika ist alles größer, pompöser und spektakulärer. So auch die Präsidentschaftswahl. Milliarden von Dollar werden aufgewendet um die Kandidaten omnipräsent zu machen. Kein Tag vergeht ohne das Konterfei der Vertreter der beiden Volksparteien. Dennoch bleiben Fragen offen. Was sind die „Red states and blue states“? Wer sind die Wahlmänner und was ist ihre Aufgabe? Woher kommen die Millionenspenden an die Kandidaten?

Amerika ist anders und das Wahlsystem auch. Doch nicht nur das, es ist auch hoch umstritten. Damit ihr jedoch nicht Ahnungslos in die Wahlnacht geht, klären wir euch hier noch einmal auf.

Die Vorwahlen

Auch wenn seit längerem nur noch über Hillary Clinton und Donald Trump berichtet wird. Die US-Präsidentschaftswahl hat begleitet uns schon seit knapp zwei Jahren. Damals mussten sich alle Kandidaten bei ihren Parteien melden. Besonders spannend gestaltete sich dies bei den Republikanern. 23 Kandidaten, darunter eine Frau traten an – so viele, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Partei. Allerdings bedeutet eine große Auswahl nicht unbedingt etwas positives. Viel eher zeigt sich damit die Zerrissenheit innerhalb der „Grand Old Party“. Während sich bei den Demokraten Hillary Clinton und Bernie Sanders schnell als Favoriten herauskristallisierten, duellierten sich die republikanischen Kandidaten zum Teil mit unwürdigen Mitteln. Letztlich setzte sich Donald Trump bei den Vorwahlen durch. Sein Sieg hat jedoch einen faden Beigeschmack, denn bei seinem Triumphzug hat er die Partei nach rechts gerückt und sie intern in eine Krise gestürzt.

Ohne Spenden geht nichts

Nach den Vorwahlen standen sich somit Clinton für die Demokraten und Trump für die Republikaner gegenüber. Für beide galt es nun Spenden für den eigenen Wahlkampf zu sammeln, da dieser in den USA privat finanziert wird. US-Bürger dürfen bis zu 2700 Dollar spenden, politische Organisationen dagegen können unbegrenzt einzahlen. Dies hat zur Folge, dass dieser Wahlkampf inzwischen knapp 6 Milliarden Dollar verschlungen hat. Beide Kandidaten investieren die Spenden in Werbung, besonders Hillary Clinton zeichnet sich hier aus. Sie hat bisher knapp 100 Millionen für Werbespots im Fernsehen ausgegeben.

The Winner takes it all

Typisches Bild: Während die Mitte und der Süden vor allem rot (Republikaner) geprägt ist, sind die Küsten blau (Demokraten)

Typisches Bild: Während die Mitte und der Süden vor allem rot (Republikaner) geprägt ist, sind die Küsten blau (Demokraten)

In wenigen Stunden wird sich nun zeigen, wie viel Wert all diese Investments haben werden. Eine Sache steht jedoch schon fest. Etwa 20 Prozent der Amerikaner haben bereits Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Zudem stehen in vielen Bundesstaaten die Sieger bereits mehr oder weniger fest. Denn Amerika teilt sich traditionell in die sogenannten Red and blue States. Gemeint sind damit Staaten die entweder klar Republikanisch (rot) oder klar Demokratisch (blau) wählen. So sind etwa New York und Kalifornien blau während die Südstaaten rot sind. Entsprechend entscheidet sich der Wahlkampf in den „Swing States“, Staaten, die von Wahl zu Wahl schwanken. Erst sie entscheiden endgültig darüber, wer die notwendigen 270 Wahlmänner zusammenbekommt, die es braucht um Präsident zu werden. Denn in den USA wird das Staatsoberhaupt indirekt gewählt. Jeder Bundesstaat besitzt Wahlmänner, deren Stimmen dem Prinzip „The Winner takes it all“ nach, dem Sieger des jeweiligen Bundesstaates in Gänze zugerechnet werden. Einzig in Maine und Nebraska gilt dieses Prinzip nicht, dort werden die Wahlmänner entsprechend der Stimmenanteile verteilt. Somit kann es sein, dass ein Kandidat die Wahl gewinnt, ohne die Mehrheit der Stimmen zu erhalten. Entsprechend wird diese Wahlmethode von vielen Experten als „undemokratisch“ angesehen. Dennoch ist mit einer Reform des Wahlrechts nicht zu rechnen.

Die Wahlnacht

Der Wahltag in unserem Fall also die Wahlnacht wird vermutlich erst um sechs Uhr (MESZ) entschieden sein. Denn die USA erstrecken sich über sechs Zeitzonen. Eine erste Prognose dürfte bereits um Mitternacht (MESZ) vorhanden sein. Bei der letzten Wahl stand der Sieg Obamas bereits um 5.13 (MESZ) fest.

 

Artikel Marek Szabowski

Fotoquellen

  1. http://de.freeimages.com/photo/usa-flag-3-1444798
  2. 2016 UVA Center for politics
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06 Nov

Das kleinere Übel?

Beliebt sind sie wohl beide nicht: Weder Trump noch Clinton. Warum das so ist und welcher der Beiden zumindest für Europa die bessere Lösung wäre, das beantwortete uns Prof. Helmut Breitmeier vom Institut für Politikwissenschaften der JLU.

Prof. Breitmeier im Gespräch mit UNIversum

Prof. Breitmeier im Gespräch mit UNIversum

UNIversum: Professor Breitmeier, Ihre Forschung hat den Schwerpunkt Internationale Politik. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf in den USA?

Breitmeier: Er war wie immer sehr hart, unerbittlich und geprägt von zwei ganz unterschiedlichen Politikentwürfen. Und das ganz besondere dieses Jahr war, dass mit Donald Trump ein Populist das Establishment herausgefordert hat und sogar offizieller Präsidentschaftskandidat für die Republikaner ist. Das zeigt doch, wie gravierend die Probleme in den USA sind.

UNIversum: Wie schätzen Sie die beiden Kandidaten ein?

Breitmeier: Hillary Clinton ist sicherlich die Kandidatin, die im Wesentlichen das fortführt, was Obama begonnen hat. Mit Blick auf Donald Trump muss man sagen, dass er natürlich versucht gewisse Dinge rückgängig zu machen und eine andere Politik zu verfolgen. Wenn er tatsächlich die Mauer zu Mexiko verwirklicht, ist das eine Abschottungspolitik gegenüber einem der ganz großen Nachbarstaaten, die sich auch ökonomisch auswirken wird. Von daher ist Donald Trump sicher ein Kandidat, der für ein Programm steht, das wir allerdings in Europa auch haben. Und das sollten wir nicht unter den Tisch kehren.

UNIversum: Trumps Ziele. In wie weit kann er sie umsetzen?

Breitmeier forscht zu Internationalen Beziehungen. DIeses Semester leitert er ein Seminar zum Thema Außenpolitik der USA vor und nach den Wahlen 2016

Breitmeier forscht zu Internationalen Beziehungen. Dieses Semester leitet er ein Seminar zum Thema Außenpolitik der USA vor und nach den Wahlen 2016

Breitmeier: Da es eine große Anzahl von Hispano-Amerikanern gibt,  stellt sich innenpolitisch schon die Frage, ob sich das die Hispanics gefallen lassen. Ob Kuba oder Mexiko – ich weiß nicht, ob es so klug ist, was Trump tut in Bezug auf den Außenhandel. Wenn man sich bezüglich der Einwanderung abgrenzt, muss das auch Auswirkungen auf den Handel haben.

UNIversum: Warum Trump so viel Zuspruch und Hillary so unbeliebt?

Breitmeier: Sie haben nach acht Jahren Präsidentschaft immer eine Gegenbewegung. Das wirkt sich auch auf Hillary Clinton aus. Sie war ja als Außenministerin die ersten vier Jahre in der Regierung. Von daher wird sie als Teil des politischen Establishments empfunden, gegen das sich der Wähler auflehnt.

Hillary Clinton steht für die traditionelle Orientierung Amerikas, die heißt: „Sich öffnen gegenüber westlichen Verbündeten, auch die verantwortungsvolle Rolle in der Welt wahrnehmen, zum Teil mit militärischem Engagement“. Donald Trump ist jemand, der Europa sehr schonungslos sagt: „Ihr müsst in Zukunft für eure Sicherheit mehr Selbstverantwortung übernehmen“. Von daher wäre wahrscheinlich eine Wahl von Trump für Europa die größere Zumutung.

UNIversum: Wer hat die größeren Siegchancen?

Breitmeier: Gerade vor dem Hintergrund der jüngeren Entwicklungen mit der E-Mail-Affäre lässt es sich schwer sagen. Aber ich würde immer noch sagen: Clinton ist die Favoritin.

UNIversum: Welche Konsequenzen hätten Trump und Clinton als Präsident/in außenpolitisch für Deutschland?

Breitmeier: Ein Präsident Trump würde von Europa erwarten, dass es mehr für seine eigene Sicherheit tut. Ich glaube auch, dass er jemand wäre, der wahrscheinlich stärker abkehrt von den vereinten Nationen und auch den Multilateralismus nicht so auslebt. Da hätten wir sicher größere Probleme.

Breitmeier organisiert die Gießener Election Night

Breitmeier organisiert die Gießener Election Night

Aber auch Hillary Clinton kann für uns gewisse Zumutungen hinsichtlich des Militärs bedeuten, obwohl sie möglicherweise schon eher den Kurs fortsetzt, den Obama hat. Und wir haben ja auch Erfahrungen mit ihrer Zeit als Außenministerin von vor vier Jahren. Von daher glaube ich ist Clinton die Kandidatin, mit der Deutschland besser leben kann.

UNIversum: Ist Trump nur Trotzreaktion und es läuft doch auf Clinton raus?

Breitmeier: Hillary Clinton ist sehr unbeliebt in den USA. Ich glaube ein anderer Kandidat als Trump hätte große Chancen gehabt Clinton zu schlagen. Trump hat sich einfach ein paar schwere Eigentore geschossen und auch sein Auftreten stößt möglicherweise sehr viele Menschen ab. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob der Amerikaner sich Clinton wünscht. Es gab ja in den letzten Jahrzehnten wenige Wahlen, bei denen beide Kandidaten so unbeliebt waren.

UNIversum: Ist sie also ein nötiges Übel?

Breitmeier: Ich würde nicht sagen, sie ist das kleinere Übel. Mit Trump habe ich massive Probleme, aber auch mit Clinton habe ich meine Schwierigkeiten. Sie ist Repräsentantin eines Zustandes der amerikanischen Demokratie, bei der man fast von einer Erbmonarchie sprechen kann. Zwei Bush-Präsidenten, erst der Vater, dann der Sohn. Erst Bill und jetzt die Ehefrau. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin zum Zuge gekommen wäre, der etwas näher am Volk ist und der vielleicht weniger dieses zum Teil verkrustete Amerika repräsentiert.

 

Das Interview führte Tatjana Döbert

Fotos von Kim Hornig

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03 Nov

Keine Krone für die Polit-Ikone – Eine Bilanz

Prof. Herz

Prof. Herz und Prof. Leggewider

Nur noch zehn Wochen und acht Tage ist Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Anlass zog Prof. Ditmar Herz von der Uni Erfurt am vergangene Montag eine rückblickende Bilanz über Obamas Amtszeit. Nach zwei Stunden Vortrag an der Justus-Liebig-Universität lautete sein Urteil: “Obama ist gescheitert”.

Wohl gescheitert

Erwartungsvolles Murmeln erfüllt den 440 Plätze fassenden Saal,  das sofort verstummt, als der Präsident Prof. Joybrato Mukherjee den Beginn der Ringvorlesung zum Thema “Amerika ist anders” verkündet. “Er ist nicht so bayrisch wie sie glauben”, stellt Koordinator Prof. Dr. Leggewider den Vortragenden  Herz aus Oberbayern vor. Seinen Vortrag rankte der Gastredner um die Frage “Erfolgreich gescheitert?- Präsident Obamas Versuch einer Politik der Ernsthaftigkeit”. Dabei argumentiert der Spezialist für vergleichende Regierungslehre, dass Präsident Obama  an seine anfänglichen gestellten Ansprüchen und Zielen wohl gescheitert ist. War Obamas Amtszeit verlorene Zeit? Sein Nobelpreis von 2009 eine Lüge? Ganz so streng ist Herz dann doch nicht. Er räumt ein, dass Obama rückblickend „in einzelnen Politikfelder durchaus Erfolge zu verzeichnen“  habe. Zum Beispiel bei seiner Einwanderungspolitik und der Förderung der Diversität im Land. Studentin Valeria (21) sitzt im Publikum und hat nach dem Vortrag das Gefühl, gut über Obamas durchgesetzte Reformen bei  Einwanderungspolitik oder der  Gleichstellung informiert zu sein.

Auch die pensionierte Gasthörerin Doris Weimer-Schluckebier ist nach dem Vortrag recht zufrieden, dieser sei informativ gewesen. Gerne hätte sie noch etwas mehr zu Obamas Außenpolitik, insbesondere den Einsätzen von Drohnen im Irak gehört.

Kein Pazifist

Gerade dieser Punkt beschäftigt auch Herz. Er erklärt mit ruhiger Stimme, dass Obama

Amerika ist Anders - auch , wenn es um Politik geht

Amerika ist Anders

zwar 2009 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, dieser jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt übergeben worden sei. Denn, mahnt Herz an, immerhin „ist Obama kein Pazifist“. Noch in seiner, im Winter 2009 gehaltenen Rede,  hatte der Präsident klargestellt, dass er auch Oberbefehlshaber der US- Streitkräfte sei und die USA somit wohl nicht auf Gewalt verzichten würden.

American Dream

Doch trotz Drohnenkrieg und dem Tod vieler unschuldiger Zivilisten im Irak-Krieg und in Syrien, sei Obama so beliebt wie kaum ein Präsident vor ihm. Auch wenn er einzelne Gruppen gegen sich hat und damit zugleich so verhasst ist wie keiner vor ihm. Wie kommt es dann, dass wir, wenn wir an Barack Hussein Obama denken, zumindest kein so schlechtes Gefühl wie bei Staatschefs wie Bush oder Putin im Bauch haben? Der weißhaarige Mann am Rednerpult weiß darauf eine Antwort. Weil Obama den “american Dream” verkörpert. Aus einfachen Verhältnissen aufgewachsen, Studium in Harvard und schließlich Amerikas Präsident. Eine

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Das Interesse an Amerika ist in diesen Tagen riesig

Bilderbuchkarriere. Außerdem ist er vom Fortschrittsglauben Amerikas überzeugt und auch noch der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten. Jemand der für Minderheiten eintritt. Also das Gegenteil von George W. Bush, der klar „dem Bösen zugeordnet werden kann“, scherzt Herz.

Professor Herz ist nach zwei Stunden am Ende seines Vortrags angekommen und mancher Zuhörer reibt sich verschlafen die müden Augen. Lehramtsstudentinnen Valeria und Pia sind sich einig: sehr interessant, aber ein bisschen Pfeffer im Vortrag hätte nicht geschadet.

 

Artikel und Fotos von Kim Hornickel

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01 Nov

Kompetenz vs. Polemik: Amerika wählt

Shandley

Der amerikanische Medienwissenschaftler erklärt den Studierenden die Wirren des Wahlkampfs

Ob klassische Medien oder social media: Kaum etwas polarisiert in den letzten Monaten so sehr wie der Wahlkampf in den USA. Welche Rolle vor allem die sozialen Medien dabei spielen, zeigte der Medienwissenschaftler Prof. Robert R. Shandley in seinem Vortrag „An der Presse vorbei“.

 Dabei stellt Shandley die Wahlkampfstrategien der Kontrahenten Hillary Clinton und Donald Trump gegenüber: Während Clinton meist klassisch im Fernsehen wirbt, macht Trump sich die sozialen Medien – vor allem Twitter –  zu Nutze. In den vergangenen Monaten veröffentlichte er dort nahezu täglich beleidigende Nachrichten um danach in verschiedenen TV-Sendern Interviews zu geben. So bestimmte er selbst den Diskurs über sich.

Trumps „Politic of Rage“

 Mit seinem beleidigenden und entsachlichten Wahlkampf hat Trump es geschafft die desillusionierten weißen Männer in den USA zu animieren. „Er hat nie einen Tag wirklich gearbeitet“, erklärt der Professor. Und doch hat er sich ein Image als Held der Arbeiterklasse geschaffen.

Trumps entpolitisierte und provozierende „politic of rage“ sei ähnlich auch bei der AFD in Deutschland zu finden, sagt Shandley.

„Nur eine Strategie war erfolgreich: politisch unkorrekt zu sein.“

Diese Strategie geht für Trump jedoch seit Kurzem nicht mehr auf. In den TV-Debatten ist politisches Fachwissen gefragt, welches er nicht liefern kann. Zudem bietet Hillary Clinton ihm dort keine Möglichkeit sie anzugreifen, da sie ihn nie direkt anspricht. Auf Twitter wiederum, provoziert sie ihn seit Kurzem. „Und er fällt jedes Mal drauf rein“, weiß Shandley zu berichten.

Auch wurde, so der Referent die Presse vor etwa einem Monat wach. Zwar habe es schon vorher detaillierte Berichte über beide Kandidaten gegeben, diese waren jedoch kaum auf Interesse gestoßen. Jetzt interessieren sich die Amerikaner jedoch für seine Missetaten, wie beispielsweise die Beleidigungen einer früheren „Miss Universe“.

„Er schießt nur noch Eigentore“, bilanziert Shandley. Jedes dieser Eigentore koste ihn Stimmen.

Der Einfluss der Medienblasen

shandley

“Die Amerikaner sind anders – und ihr Wahlsystem auch”, so Shandley.

Ob dies bei seiner Partei und seinen Wählern allerdings so ankommt, hält  der Professor für fraglich. Vor allem in den sozialen Medien konsumieren Menschen nur die Inhalte, die ihre eigene Meinung bestätigen. Bei Facebook werde dies durch zielgruppenorientierte Werbung noch unterstützt.

Hinzu kommen Umfragen, die nicht immer wissenschaftlich sind. Die Republikaner und die Demokraten stellen selbst Umfragen online, in denen dann Computerprogramme statt Menschen ihre Stimme abgeben. So denken beide Parteien stets, sie lägen in den Umfragen vorne und hätten das Volk auf ihrer Seite.

Keine neue Form des Wahlkampfs

Wenn auch die sozialen Medien in diesem Wahlkampf einen großen Einfluss haben, sind sie doch kein komplett neues Phänomen. Schon Barack Obama hat sie sich, so Shandley, zunutze gemacht. Auch der Antagonismus zwischen den beiden Kandidaten oder die Entsachlichung des Wahlkampfs seien nichts Neues.

Neu sei hingegen, dass es im Fall Trumps auch Ablehnung innerhalb der Partei gegen ihren Kandidaten gibt. Auch kam es in bisherigen Wahlkämpfen nicht vor, dass sich WikiLeaks und Länder, wie Russland, so stark einmischten.

 Ein Wahlerfolg für Trump?

 Obwohl er mit den sozialen Medien großen Erfolg hatte, hält der Referent einen Präsidenten Trump kaum für möglich. Zwar sei Hillary Clinton sehr unbeliebt und „ein stinknormaler Republikaner hätte leicht gewonnen“, wie Shandley findet. Auf Trump treffe dies jedoch nicht zu. Er wolle lediglich die Macht – die Politik und das Tagesgeschäft eines Präsidenten interessierten ihn jedoch weniger. Auch hat Trump in der eigenen Partei zahlreiche Gegner. Sein Freiraum als Präsident wäre dadurch stark eingeschränkt.

Hillary Clinton hat zudem eine große Wählerschaft hinter sich, die stets wählen geht: die „suburban housewives“. Also die – zumeist weiße – weibliche Bevölkerung in den Vorstädten. Trumps Zielgruppe gehe hingegen kaum zur Wahl. Entsprechend hänge sein Wahlerfolg davon ab, wie viele dieser Nichtwähler er mobilisieren könne, fügte Shandley an.

Ob sich seine Prognose bewahrheitet, wird sich in der Wahlnacht am kommenden Dienstag, 8. November, zeigen.

 

Artikel und Fotos von Tatjana Döbert

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