21 Feb

Mit 80 Leuten im “Hinterzimmer”

12752215_1150289688337980_897147150_oNoch 315 Meter bis zum gewünschten Zielort. Zumindest zeigt dies die Navigationsapp auf dem Smartphone an. Und tatsächlich – nach über einer Woche Rätselraten, wo das heutige Konzert stattfinden wird, ist es geschafft. Der Austragungsort endlich enthüllt. Wenige Schritte weiter meldet sich das Navi wieder: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, bestätigt es anerkennend. Das „Ziel“ ist eine kleine, aber außergewöhnliche Bar in der Gaußstraße 4 im Frankfurter Nordend. „Das Hinterzimmer“. Doch noch geheimer als der Austragungsort ist die Frage, welche Künstler am heutigen Sonntagabend eigentlich auftreten werden.

Wenige Meter vor der Tür des „Hinterzimmers“ stehen bereits einige junge Leute. Sie reden aufgeregt miteinander, zu verstehen sind nur ein paar Gesprächsfetzen. „Ich habe so etwas noch nie vorher gemacht“, sagt ein groß gewachsener junger Mann, der ein rotes Karohemd trägt. Nicht zum ersten Mal entsteht der Eindruck, einer Sekte beitreten zu wollen oder mitten in einem Agentenfilm gelandet zu sein, in dem das Opfer mit Hilfe moderner Technik zu seinem Mörder gelotst wird. Doch spätestens nachdem der sympathische blonde Kerl am Eingang einen schönen Abend wünscht und einen Haken hinter den Namen auf seiner Liste macht, sind alle Zweifel vergessen. Hinter der dunklen, schweren Tür warten zahlreiche geladene Gäste sehnsüchtig darauf, dass das ungewöhnliche Konzert endlich losgeht. Doch wer genau hat eigentlich geladen? Diese Frage wird von Jens Lickert, dem blonden Türsteher, beantwortet: „Wir von Sofar Sounds Frankfurt wünschen allen Anwesenden einen tollen Abend, bei dem die Musik im Mittelpunkt steht.“

12746257_1150289785004637_1984699371_nDas Konzept für Sofar Sounds wurde 2010 in London von Rafe Offer und Rocky Start ins Leben gerufen. Die beiden begrüßten zwar die Fülle an Ausgehmöglichkeiten, doch störte sie die Tatsache, dass vor allem vielen Musikern während ihrer Auftritte nicht mehr das Maß an Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, das sie eigentlich verdienen. Laute Gespräche, Geräusche des Barbetriebes oder Gäste, die sich lieber mit ihren Smartphones ablenken, beeinflussen Konzerte jeglicher Art negativ. Also hat das Duo beschlossen, etwas dagegen zu tun: „Sie haben Freunde und Musiker zu sich nach Hause eingeladen, um zu gewährleisten, dass die Interpreten und ihre Musik im Vordergrund stehen. So kam es letztendlich zur Gründung von Sofar Sounds. Denn Sofar steht für Songs from a room“, fügt Marius Bracke, der Manager von Sofar Sounds Frankfurt, hinzu. Mittlerweile gebe es das Format in über 180 Städten weltweit, doch das Motto sei nach wie vor dasselbe. „Deshalb gibt es auch die secret shows, bei denen wir nicht öffentlich bekannt geben, wer wann wo auftritt“, erklärt der junge Manager, der selbst Musiker ist. Außerdem sollen somit Spannung und Abwechslung gesteigert werden.

Anspannung liegt vor dem Auftritt der ersten Band in der Luft. Kein Wunder bei etwa 80 Zuhörern im „Hinterzimmer“. Die Bar selbst ist kaum größer als ein durchschnittliches Wohnzimmer. Die deutschsprachige Band „Miller“ spielt die ersten Töne und augenblicklich herrscht fast andächtiges Schweigen im Raum. Ein Großteil der Gäste sitzt im Schneidersitz rund um den roten Teppich, auf dem die Künstler spielen. Die Texte und Melodien der Songs sind eingängig und kommen irgendwie bekannt vor. Es hat den Anschein, als würde jeder im Raum mit seinen Fingern oder Füßen mitwippen. Da passt es auch perfekt, dass Leadsinger Nico den nächsten Song mit den Worten „Dieser Song ist irgendwie für immer“ ankündigt.

In der Nähe der Bar sitzt ein kuschelndes Pärchen. Beide kommen aus Portugal. In der Pause erzählen sie, dass sie zwar kein Wort verstehen, aber trotzdem irgendwie erahnen können, um was es in den Liedern geht. Sie heißt Anna und ist 28, ihr Freund Luis und sie reisen gerade durch Deutschland. Sofar Sounds kennen sie schon von zu Hause und sind hellauf begeistert. „Deshalb suchen wir auch immer nach solchen Konzerten in den Ländern, durch die wir reisen. So kommen wir schnell in Kontakt mit unterschiedlichen Menschen. Es ist so schön, dass uns die Musik zusammenbringt“, sagt Anna.

Solokünstler Nico Laska ist zum zweiten Mal bei Sofar Sounds dabei. Der 19-Jährige ist ein großer Fan der intimen Atmosphäre, die bei diesen privaten Shows entsteht. Er ist der Meinung, dass die Musiker so eine viel bessere Verbindung zu ihrem Publikum herstellen können. Es sei einfacher, die Zuhörer zum Mitmachen zu animieren, was zu einer unvergleichlichen Stimmung führe. Das sieht auch die Politikstudentin Julia so. „Ich bin schon bei mehreren Konzerten dieser Art gewesen und immer wieder begeistert. Es ist total relaxed hier und wir sind alle auf der gleichen Ebene.“ Außerdem gefalle ihr, dass sie selbst keine Fotos und Videos machen müsse, da das Organisationsteam von Sofar Sounds mit allem Equipment ausgestattet sei und die Resultate später auf Facebook hochlade.

Für die richtige Atmosphäre sorgt jedoch nicht nur das entspannte Verhältnis zwischen Interpreten und Publikum, sondern auch die Location selbst. Denn „Das Hinterzimmer“ ist ein echter Hingucker mit seiner alternativen Inneneinrichtung. Zum Einen gibt es die moderne Bar, mit zahlreichen gängigen Spirituosen und ihrer bunt beleuchteten Installation. Zum Anderen die teilweise schwarz tapezierten Wände oder die rustikal wirkenden Backsteine, die mit Bilderrahmen ohne Bilder verziert sind. Außerdem dekorieren uralte Telefone mit Wählscheibe und umfunktionierte Weinkisten den Raum, in dem alles wie zufällig zusammengewürfelt aussieht. Und doch hat es den Anschein, als sei jedes Detail gewollt ungewollt platziert worden. Man kommt sich ein bisschen wie in einem Museum vor.

„Die Jungs sind ja der Hammer“, stellt Holger Charak, der Barbesitzer, in dem Moment fest, als die Londoner Band „Itchy Teeth“ die Bühne betritt. „So richtig oldschool. Ein bisschen wie die Beatles würde ich sagen.“ Das anfängliche Mitwippen hat sich mittlerweile in richtiges Tanzen und Mitsingen verwandelt. Zumindest in den hinteren Reihen und vor allem hinter der Bar. „Wer hätte gedacht, dass die Jungs mit den Fellmützen und bunten Sonnenbrillen so einen Sound drauf haben?“ Holger schließt die Augen. Sein ganzer Körper bewegt sich zur Musik. In diesem Augenblick scheint er nicht nur Barkeeper, sondern ebenfalls Gast zu sein. Für ihn als Musikliebhaber sei es selbstverständlich seine Bar, zur Verfügung zu stellen, um solche Abende ermöglichen zu können.

12773360_1150289848337964_556045111_o„Just enjoy the music.“ Julia, Anna, Luis, Holger und die 80 anderen Gäste bekräftigen, dass das Motto der Bewegung Früchte trägt. Genau das wünschen sich die Veranstalter von Sofar Sounds. Deshalb ist es auch Voraussetzung, sich auf der Homepage zu registrieren. Danach müssen die Bewerber abwarten, ob sie eine Einladung erhalten. 24 Stunden vor dem Konzert wird eine Mail verschickt, in der die Adresse bekannt gegeben wird. „Wir verhindern damit, dass Leute kommen, die nicht auf der Gästeliste stehen“, sagt Marius. Der Besuch der Veranstaltungen an sich ist kostenlos, lediglich die Getränke müssen gezahlt werden.

Kurz vor Schluss holt Gästekoordinator Jens Lickert einen schwarzen Hut hervor. „Wir überlassen es jedem von euch, ob er etwas spendet. Wir würden uns aber sehr freuen, denn so sind wir in der Lage, den jeweiligen Interpreten die Anreise zu ermöglichen und die Konzerte zu veranstalten“, sagt er mit einem ernsten Gesichtsausdruck.

Ganz schön exklusiv alles. Und wofür? Für einen unvergesslichen Abend der gemeinsamen Hingabe zur Musik. Vielleicht sind ja jetzt doch alle Sektenmitglieder.

Eine Reportage von Mona Förder

Fotos von Carina Hinterkircher

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06 Feb

Die PARTEI verliert Platz im Studierendenparlament!

Überblick über die vergangenen StuPa – Wahlen

StuPa Wahlen neu

Erstmalig fand in diesem Jahr ein rein elektronisches Wahlverfahren an der JLU statt, das es den Studenten erleichtern sollte ihre Stimme abzugeben. Der Wahlausschuss versprach sich davon eine höhere Wahlbeteiligung, als die enttäuschenden 17 Prozent aus dem Vorjahr. Zum großen Sprung hat es noch nicht gereicht, doch kletterte die Zahl der wählenden Studenten immerhin auf 21,9 Prozent.

Wie schon im letzten Jahr konnten die Jusos die Mehrheit der Stimmen (1887) für sich verbuchen, gefolgt von UniGrün (1142), die ihren Stimmanteil im Vergleich zu 2015 um fast 5 Prozent steigerten. Den dritten Platz belegte erneut die StudentenUnion (691), die ebenfalls einen kleinen Anstieg von knapp 2 Prozent verzeichnete.

Wahlen_Veränderungen zum Vorjahr

Den verhältnismäßig größten Anstieg verbuchte jedoch eine der kleinen Parteien. Mit 346 Stimmen bzw. 5,6 Prozent der gesamten Wählerschaft konnte Bitte Beachten! ihre Wählerzahlen im Gegensatz zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Als Verlierer der Wahlen zog Die PARTEI vom Feld. Die Satire-Partei, die letztes Jahr erstmals in das StuPa einzog, musste mit 6,6 Prozent (406) aller Stimmen fast ein Drittel ihrer Wählerschaft einbüßen.

Dieser Zustand macht sich auch in der Vergabe der Sitzverteilung im Studierendenparlament deutlich. Während alle anderen Parteien ihre Sitzanzahl halten oder sogar anheben konnten, muss Die PARTEI nun einen ihrer zuvor drei Parlamentssitze abtreten.

Sitzverteilung 2015_2016

Mit dem Sieg der Jusos können sich alle Studenten der JLU im kommenden Sommersemester wohl erstmalig auf einen kostenlosen Eintritt ins Freibad am Schwanenteich freuen.

Näheres über die Ergebnisse der FSR – Wahlen findet ihr unter: www.inst.uni-giessen.de/studi-wahlen/FSR-Ergebnisse-15-16.pdf

Ein Bericht von Jonas Menke

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