100 Tage Trumpeltier – “Es wird nichts so sein wie vorher”

Breitmeier, Olson, Schwarzkopf, Blechinger-Talcott, Abendschön, de Nève, Leggewie (v.l.n.r.)

100 Tage Trump – 100 Tage Twitter-Präsidentschaft – und immer noch ein Publikumsmagnet. Das zeigte sich am Freitagabend bei der Podiumsdiskussion in der prall gefüllten JLU-Aula. Die Fragen des Abends: Wie ist die bisherige Bilanz der Präsidentschaft von Donald Trump und was können wir in Zukunft erwarten?  

Kein Trump-Bashing

Schon mit den Eingangsstatements der Referentinnen und Referenten wurde klar, dass es nicht nur um „Trump-Bashing“ ging, obwohl niemand im Raum ein gutes Haar am „Ankündigungsweltmeister mit Katastrophenbilanz“ ließ – wie ihn der Leiter des Meinungsressorts der Frankfurter Rundschau, Andreas Schwarzkopf, titulierte.

Neben dem Journalisten waren mit Prof. Helmut Breitmeier, Prof. Claus Leggewie und Prof. Dorothée de Nève drei Politikwissenschaftler eingeladen, auch die Moderation lag in den Händen einer Politikwissenschaftlerin, Prof. Simone Abendschön. Daneben stellten sich noch die Japanologin Prof. Verena Blechinger-Talcott und die Anglistin Prof. Greta Olson der Debatte.

So unterschiedlich die Impulse von dieser Seite waren, in so unterschiedliche Richtungen zielten die Fragen aus dem Publikum. Im Zentrum stand aber die Erkenntnis von Breitmeier: „Es wird nicht so sein wie vorher“ – und was wird das für uns alle bedeuten.

Der Elfenbeinturm fällt

Trump bleibt auch 100 Tage nach seiner Amtseinführung ein Publikumsmagnet

Der vielzitierte universitäre Elfenbeinturm fiel zumindest an diesem Abend in sich zusammen und zeigte, wie unmittelbar sich die wissenschaftliche Forschungsgemeinde betroffen und bedroht fühlt, die sonst doch gerne aktuellen Entwicklungen entrückt scheint. Wie stark Wissenschaftler von Trump persönlich betroffen sind, formulierte Greta Olson am deutlichsten: „Ich antworte nicht als Kulturwissenschaftlerin, sondern als amerikanische Staatsbürgerin.“

Auch wenn sich die Diskussion zwischenzeitlich weit weg von einer Bilanz verlagerte, tat dies der Veranstaltung keinen Abbruch. Blechinger-Talcott sorgte mit ihrem Statement, dass die Japaner „jetzt alle den Ausdruck «brown-nosing» kennen“, für schmunzelnde Gesichter – auf Deutsch: Japans Premierminister Abe sei Trumps „Arschkriecher“. Danach rückten Deutschland und die Europäische Union immer mehr ins Blickfeld, besonders der Umgang mit erstarkenden rechten politischen Strömungen in Europa. „Wir müssen uns mit den Mechanismen, die solche Menschen nach oben spülen, beschäftigen“, betonte de Nève.

Mit der Gretchenfrage, was denn der „richtige“ Umgang mit Rechtspopulisten sei, waren die Referentinnen und Referenten dann aber auch überfragt: „Wenn ich darauf eine Antwort hätte, wäre ich Bundeskanzler“, so Leggewie.

Wem hilft Trump wirklich?

Die einen berauschen sich an Trumps Erfolg und sehen die politischen Ordnung in den westlichen Staaten als überholt an, die anderen sehen in Trump die Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen. Mit Blick auf die schon stattgefundenen Wahlen in Österreich und den Niederlanden genauso wie auf die anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland stand die Frage im Raum, wem Trumps Präsidentschaft wirklich hilft: Politikern mit ähnlichen Forderungen oder der Gegenbewegung, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa immer stärker wird?

Der abschließende Tenor war da fast einstimmig: Wenn 100 Tage Trump etwas Gutes hatten, dann dass immer mehr Menschen politisches Interesse zeigen und sich politisch engagieren.

Artikel und Fotos von Christoph Görres

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